Donnerstag, Februar 16th, 2012

Jetzt mehrt Euch! Oder es wird teuer

 "Seid fruchtbar", sagt Herr Wanderwitz.

Da ist er aber wieder mal in den Fettnapf getreten, der Bundestagsabgeordnete Wanderwitz, Marco. Für seine Idee, Kinderlose oder Einzelkinderzeuger zwecks Sicherung der Renten mit einer Demografie-Abgabe zu belegen, hat der CDU-Mann aus Chemnitz  fast ausschließlich böse Kommentare geerntet. Angela Merkel hat das Projekt offiziell beerdigt. Endgültig muss das nicht sein.

Denn es gehört zu den Spielregeln der Politik, dass man ein Thema austestet. Da die Kanzlerin sowie ihre Kabinettskollegen - Ausnahme: Kristina Schröder -  aus Respektsgründen auf allzu absurde öffentliche Vorschläge verzichten, werden Hinterbänkler nach vorne geschickt. Diese bringen  als realpolitische Trüffelschweine revolutionäre Gedanken in die Diskussion. Und falls die öffentliche Reaktion nicht zu hundert Prozent vernichtend ausfällt, wird die Geschichte irgendwann erneut aus der Schublade geholt. Nach dem vierten Sturm der Entrüstung ist die Gesetzesreife  erreicht.

In Sachen Demografie-Rücklage war Wanderwitz (drei Kinder) als Freund verrückter Ideen die Idealbesetzung. Von ihm stammte auch der Vorschlag, dass Griechenland seine Inseln verkaufen könnte, wenn es seinen finanziellen Verpflichtungen nicht nachkommen könne. Ein weiterer Treppenwitz aus Chemnitz war die Idee, dicke oder fettleibige Menschen stärker zur Finanzierung der Krankenkassen heranzuziehen. Das gilt als erledigt, dürfte aber irgendwann wieder hochkommen.

Genauso wie die Kinderlosen-Steuer. Denn eigentlich ist es doch eine Ungeheuerlichkeit, wie sehr sich die junge Generation auf einen Gebärstreik verständigt hat. Milliardenbeträge sind in den vergangenen Jahren  in die Finanzierung der Elternzeit gepumpt worden. Doch gereicht hat das nur für einen Geburtenanstieg von 0,05 pro Frau. Ungefähr.

Tja, und wenn das Zuckerbrot nichts bringt, greift man zur Peitsche. Dann gibt es eben keine Geschenke mehr, sondern gezielte Wohlstandsverringerung.

Aber wirklich motivieren wird das niemand. Beim Kinderkriegen geht es ja letztlich nicht ums Materielle, sondern um die Sehnsucht. Marco Wanderwitz sollte daran denken, dass in seiner Geburtsurkunde “Karl-Marx-Stadt” steht.  Und da liegt die Lösung. Würde die Regierung ein Gesetz erlassen, wonach der Marx’sche Leitspruch “Proletarier aller Länder, vereinigt Euch!” über allen Betten hängen muss – die Sorgen um unsere Zukunft wären schon nach wenigen Jahren nur noch ganz, ganz klein.


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2 Kommentare

16. Februar 2012

Jaja, hochkommen ist das richtige Wort. Seit mehr als 30 Jahren kommt diese Diskussion hoch. Damals hieß es noch “Abgabe für kinderlose Paare”.
Um die Demographie besser dastehen zu lassen, sind Konzepte für bessere Vereinbarkeit von (bezahlter) Arbeit und Kinder der sinnvollere Weg, das sehne ich herbei!


16. Februar 2012

Mal eben in der Mottenkiste gekramt und auch was gefunden:

- Pflegeversicherung: Wer keine Kinder hat, wird durch höheren Beitrag bestraft (in Neusprech: Beitragszahler mit eigenen Kindern werden durch einen geringeren Beitrag belohnt.)

- Einkommenssteuer: Hier kann ich gar nicht alle Vergünstigungen für Kinder aufführen. Über Kinderfreibetrag, Absetzbarkeit von Kinderbetreuungskosten und so weiter und so weiter.

Was hier als großer Skandal aufgeblasen wird ist doch schon seit Jahrzehnten Realität. Es wird nur ab und zu die Begründung angepasst. Früher war es “Für Familie und Kinder”, heute ist es eben gegen “Kinderlose”.

Einerseits ein kleiner Versuchsballon, andererseits eine Ablenkung. Vielleicht weil Griechenland gerade von Fr. Merkel alternativlos geschlachtet wird. Also, wie es Franz Joseph Strauß selig gemacht haben würde, erfinden wir halt die Fahrradsteuer. Es ist ja keinerlei Fußball-Meisterschaft in Sicht! Damals konnte man noch Gesetze heimlich, still und leise durchbringen…


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