Sture Münchner? Dürer hängt auch in Hamburg
Haben Sie’s gewusst? Im Jahr 2011 wurde das im holländischen Eindhoven beheimatete, millionenteure Picasso-Gemälde “Buste de Femme” in einer Ausstellung in Ramallah präsentiert Also in Palästina, einem Land ohne gewählte Regierung, ohne gesicherten Frieden, mit großer Hitze und reichlich Staub.
Warum ich das schreibe? Weil die Idee, eines der berühmtesten Dürer-Gemälde in Nürnberg auszustellen, auf scheinbar unüberwindliche Hindernisse trifft. Weil man uns Franken nicht zutraut, das Werk unseres großen Landsmannes anständig zu behandeln.
Liebe Münchner, vielleicht könnt Ihr es akzeptieren, dass Ihr es nicht mit hochkultur-fernen Südsee-Insulanern zu tun habt. Dürers Bild heißt nicht “Selbstbildnis im Bastrock”, sondern “im Pelzrock”. Hinter diesem Titel darf Wohlstand vermutet werden.
Es gab nämlich eine Zeit, in der Nürnberg erheblich bedeutender war, als Eure “Weltstadt mit Herz”. München war nicht wichtig genug, um es mit Stadtmauern und Burg vor bösen Feinden zu schützen. Deshalb ist die bayerische Landeshauptstadt bis heute eher eine Ansammlung von Dörfern, in denen die Wohnungsmieten alerdings irreal überhöht sind.
Wir Nürnberger verwenden seit jeher in unserer Bratwurst das edle Gewürz Majoran. Während Ihr in Eurer Weißwurst gerade mal ein bisschen Petersilie unterbringt. Bei uns fuhr die erste Eisenbahn im Jahr 1835, während bei Euch die erste Straßenbahn 1876 in Betriebs genommen wurde. Als Pferdebahn, deren vierbeinige Lokomotiven nach Feierabend im Englischen Garten, den Jagdgründen der Wittelsbacher, grasen durften.
Womit wir bei den Wittelsbachen wären. Die Landesstiftung der ehemaligen bayerischen Könige ist die Eigentümerin des Dürer-Selbstbildnisses. Dass sie durch einen Betrüger und Fälscher in den Besitz des Werkes kam, passt ins Bild. Wissen wir doch, dass der Adel durch schamlose Raffsucht zu dem wurde, was er war. Und je schamloser und raffsüchtiger, desto höher wurde der Adel, der sich fortan Hochadel nannte.
Die “Süddeutsche Zeitung” nun hat den fränkischen Bürgern und ihren Politikern empfohlen, den sinnlosen Streit um den Pelzrock-Dürer aufzugeben und diesen stattdessen in der Alten Pinakothek in München zu besichtigen. Dazu sagen wir: Beutekunst bunkern und dann auch noch Geld von Tagestouristen kassieren? Nix, da bleibt Euch der Schnabel trocken.
Wir fahren nach Hamburg. Denn dort, genauer am Haus Neuer Pferdemarkt 21, hängt unser Albrecht auch. Leicht verrückt wirkt das Dürer-Bildnis an dieser Stelle schon. Aber das passt, schließlich beherbergt das Gebäude eine Handelsfirma für Hanfzüchterbedarf.
Und da sagen wir Franken: Lieber ein hanseatischer Kiffer, als ein oberbayerischer Schnupftabak-Grantler. Hamburg, wir kommen!

Sehr gut geschrieben.
Ich wundere mich schon warum man (voll gerechtfertigt) Raubkunst der Nazizeit zurueckgibt und auch aeltere Archaeologische Funde zurueckgegeben werden, aber Bayern und die Wittelsbacher Raubritter das nie in erwaegung ziehen wuerden…..