Mittwoch, Februar 8th, 2012

Vergesst Alzheimer! Denkt an die Achillesferse!

Es gibt eine ganz besondere Form von Burnout, den geistig-moralischen Nachbrenner. Da schreibe ich etwas über Fußball und Alzheimer und merke kurze Zeit später, dass das eigentliche Thema ein ganz anderes ist. So gewaltig ist der Einfluss der Kick-Branche auf die öffentliche Debatte nämlich doch nicht.
Ich kann mich jedenfalls nicht daran erinnern, dass meinungsbildende Zeitungen oder Zeitschriften jemals den Kreuzbandriss zum Titelthema gemacht hätten. Dabei handelt es sich hier um eine der schlimmsten Verletzungen, die Männern in kurzen Hosen passieren können. Auch Mittelfußbrüche oder Adduktorenprobleme kommen allenfalls in der Apothekenumschau prominent zum Zuge.
Gleiches gilt für den Jochbeinbruch, obwohl es gerade diese Verletzung verdient hätte, in schärfster Sprache verurteilt zu werden. Entsteht sie doch durch den massenhaften Einsatz des Ellenbogenchecks, welcher die Blutgrätsche als fiestestes Foul abgelöst zu haben scheint.
Auch das Schambein, das – entweder aufgrund neuer Trainingsmethoden oder evolutionärer Veränderungen im Körperbau des Mannes – immer häufiger auftritt, führt in der öffentlichen Wahrnehmung ein unerklärliches Schattendasein. Man nimmt zur Kentniss, dass es sich gelegentlich schmerzhaft entzündet, macht sich aber keine Gedanken darüber, dass hier der vordere Teil der Hüftgelenkpfanne geschädigt ist.
All dies zeigt die ganze Gnadenlosigkeit des Publikums. Wir jubeln den Fußballern zu, interessieren uns aber nicht für ihre wahren Probleme. Alzheimer ist somit ein – wie wir Journalisten sagen – typisches Hund-beißt-Mann-Thema. Nur das Ungewöhnliche, in diesem Fall der Held, kann uns bewegen. Wohingegen andere Themen für nicht vorhanden erklärt werden. Weshalb Fußballer zwar wie Cristiano Ronaldo aussehen, aber keinesfalls schwul sein dürfen.
So geht das nicht weiter. Besinnen wir uns auf die Antike! Wir brauchen wieder ein Bewusstsein für die Achillesferse. Bald! Schnell! Jetzt!


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