Archiv für Februar, 2012

Februar 27th, 2012

Rösler und Merkel: Da wird der Prinz zum Frosch

Im harten Alltagsgeschäft gerät allzu leicht in Vergessenheit, dass Angela Merkel eine Frau ist. Auch ihr Vizekanzler Philipp Rösler hat das gerade verdrängt. Er hat seine politische Lebensabschnittsgefährtin mit einem Frosch verglichen.  Das ist heftig. So heftig, dass alles unterhalb der ewigen Feindschaft eine Überraschung wäre.

Sicher, man könnte abwinken, “Ach ja, der Rösler” sagen und einfach weitermachen. Ist doch der FDP-Chef für seine Witze berühmt-berüchtigt. Seine Ironie geht oft haarscharf am Ziel vorbei, so dass hinterher jemand beleidigt ist.

Und Verniedlichungen oder gar Kosenamen sind ohnehin so eine Sache. Man kommt sich ziemlich nahe. Nicht jede möchte sich ungefragt Hasi, Engel, Sahneschnitte, Erdbeerpfötchen oder Puddingbrumsel nennen lassen.

Unbedingt vermeiden sollte man aber Vergleiche, welche  der oder die andere garantiert nicht mag. Wie das beim Frosch der Fall ist. Dieses Tier ist bestenfalls lustig (in der Inkarnationsform Kermit), sitzt aber ansonsten dumm, aufgeblasen und dick auf einem Seerosenblatt oder auf einem Stein herum, quakt und wartet darauf, dass Beute vorbeifliegt. Frösche gelten zwar als schöner als Kröten. Trotzdem haftet ihnen etwas Glitschiges an.

Selbst als Märchenfigur ist der Frosch nur zweite Wahl. Wir alle haben als Kind gelernt, dass etwas ganz Schönes herauskommt, wenn man ihn ganz lieb küsst. Was also will Philipp Rösler? Merkel küssen und Nahles bekommen? Oder Sigmar Gabriel? Oder Claudia Roth?

Wahrscheinlicher ist da schon dieser Fall: Merkel küsst Rösler und verwandelt ihn in einen Frosch. Und dann wird sie ihn kochen. Ganz langsam. Mit Genuss. Ganz bestimmt.

Februar 23rd, 2012

Voll im Trend: Verblöden mit dem Bachelor

In Selbstgesprächen haben sich Menschen seit jeher mit der Erkenntnis konfrontiert, dass sie gelegentlich ziemlich blöd waren. Die Frage unserer Tage lautet anders: Sind wir schon alle blöd? Sind wir auf dem Weg dorthin? Ist dieser Zug noch zu stoppen?

Ein klares Indiz für den Verfall von Geist und Moral ist der Erfolg der RTL-Serie “Der Bachelor”. Der “Bätschalla”, wie die “Bild”-Zeitung ihren Lesern in Lautschrift erklärt hat, durfte sich aus einer Gruppe williger junger Frauen seine zukünftige Gefährtin erwählen. Diese heißt Anja, ist aber drei Monate nach Abschluss der Dreharbeiten schon wieder weg. Weshalb sich unser starker Held namens Paul jetzt voll auf seine Autogrammstunden in Kaufhäusern konzentrieren kann.

Das müsste niemand interessieren, wenn diese Sendung nicht an die Grundfesten unseres Zusammenlebens rühren würde. Früher war es völlig klar, dass Fußball die höchsten Einschaltquoten hat. An diesem Aschermittwoch jedoch wollten 3,45 Millionen Menschen zwischen 14 und 49 Jahren (werberelevante Zielgruppe) der Vereinigung von Paul und Anja beiwohnen. Die Champions-League guckten 800.000 weniger.

Casting schlägt Fußball. Und Tussi schlägt Feministin. Letzterer muss es doch ein Gräuel sein, wenn aufgebrezelte Mädels dem Ruhm an der Seite eines angeblich reichen Schönlings hinterherstöckeln. Und kaum ist der Bachelor vorbei, geht die Party zum Auftakt der Fastenzeit mit “Germany’s Next Top Model” weiter. Nach dem Motto: Junge Frauen präsentieren ihren surrealen Körperbau. Da gab es schon mal andere Ziele.

Aber was macht daran blöd? Ganz einfach: Unser Gehirn bräuchte Ruhe, um sich zu regenerieren. Es möchte anhand neuer, ungewohnter Aufgaben wachsen. Aber es bekommt keine Casting-Verschnaufpausen mehr. Kaum ist ein Top Model gewählt, sucht ein Bauer eine Frau, werden Superstar und Supertalent, Dschungelkönige, Voices, Sänger für Baku oder Schwiergertöchter gesucht. Es ist immer was los. Aber es ist immer das Gleiche.

Und deshalb gilt – auf  Fränkisch gesagt: “Wo der Bädschalla is, is der Baddscha ned weit.”

PS: Das Wort “Baddscha” steht für “Patscher” und steht für einen weitgehenden oder kompletten Ausfall denkrelevanter Gehirnfunktionen bei vollem Bewusstsein.

Februar 22nd, 2012

Nordkorea trauert um Christian Wulff

YouTube Preview ImageSpät, jedoch mit größtmöglicher Hingabe, hat sich das Staatsfernsehen Nordkoreas mit dem Rücktritt unseres geliebten Bundespräsidenten Christian Wulff befasst. Ein wunderbares Internet-Fundstück.

Februar 20th, 2012

Glückwunsch an “unsere” First Lady

Daniela Schadt ist die neue First Lady.

Daniela Schadt ist die neue First Lady.

Achtung, hier kommt Nürnberg! Jetzt, wo es so gut wie sicher ist, dass Joachim Gauck neuer Bundespräsident wird, steht es wohl auch fest, dass die neue First Lady aus unserer Stadt kommt. Ich gratuliere meiner Kollegin Daniela Schadt und wünsche ihr für die kommenden fünf Jahre viel Glück und vor allem gute Nerven.

Joachim Gauck ist seit zirka zwölf Jahren mit Daniela Schadt liiert. Bei der „Nürnberger Zeitung“ leitet sie das Ressort  Innenpolitik. Zwar verfügt die 51-jährige einen hessischen Migrationshintergrund, hat aber längst bedeutende fränkische Eigenschaften angenommen.

Als da wären ein großer Fleiß sowie die Fähigkeit, widrige äußere Umstände bei Bedarf zu ignorieren. Vor allem aber auch ein feiner, hintersinniger Humor. Ich selber habe Daniela Schadt als offen, interessiert, schlau und richtig nett erlebt. Ihre unmittelbaren Kolleginnen und Kollegen loben ihre Fähigkeit, herzlich zu lachen und heben ansonsten ihre Freude an klassischer Musik sowie ihren enormen Hunger auf Bücher hervor.

Sollte Joachim Gauck gewählt werden, wäre sie die erste „Präsidentengattin“ ohne Trauschein. Auch ansonsten dürfte sie lockerer auftreten als ihre Vorgängerin. Edle Kostümchen oder Fototermine mit Glamour-Bekanntschaften sind nicht so ihr Ding. Die Gesellschaftsreporter werden es bei ihr nicht so ganz leicht haben.

Schade ist aus hiesiger Sicht, dass Daniela Schadt ihren Job vermutlich aufgeben muss. Es ist ja schwer vorstellbar, dass die First Lady die deutsche Innenpolitik kommentiert. Sollte sie ihre Beziehung zum künftigen Präsidenten unkonventionell fortsetzen wollen, bliebe wohl bloß der Wechsel ins weitestgehend politikfreie Sportressort.

Vielleicht hieße es dann der Fußball-EM nicht mehr “Was sagt der Kaiser?”, sondern “Was denkt die First Lady?”. Eigentlich ist das gar kein dummer Plan…

Februar 17th, 2012

Da geht der Wulff – und keiner weint

Mit Heiligenschein hätte es vielleicht geklappt.

Mit Heiligenschein hätte es vielleicht geklappt.

Da geht er hin. Und keiner, außer ein paar loyalen Amtssitz-Mitarbeitern, findet es zum Weinen.  Ex-Bundespräsident Christian Wulff hat einen Abgang dritter Klasse bekommen. Weil er zu spät kapiert hat, dass er keine Chance hatte. Ein paar Wochen früher, man hätte ihm den Rücktritt als Zeichen eines starken Charakters ausgelegt.  Jetzt aber heißt es, frei nach einem französischen Sprichwort: “Wenn der Wulff erlegt ist, beißen ihn alle Hunde.”

Der Präsident beugte sich dem Unvermeidlichen. Wobei seine  Amtszeit wird auf lange Sicht nur eine kleine Randnotiz  sein wird. Wulffs berühmtester Satz “Der Islam gehört zu Deutschland” dürfte gelegentlich zitiert werden. Aber ansonsten wird er als jenes Staatsoberhaupt in Erinnerung bleiben, das die Bild-Zeitung zum Opfer gemacht und der trotz anerkannter Farblosigkeit die meisten Talkshows beschäftigt hat. Jauch, Plasberg, Illner und Co. haben nun natürlich das Problem, dass sie auf die Schnelle ein zweites Thema brauchen.

Das Land braucht auf die Schnelle eine/n neue/n Präsidenten/-in. So schwierig wie bei “Wetten. dass…? wird die Suche nicht werden. Claudia Roth von den Grünen hat klargestellt, dass es kein Präsidenten-Casting geben wird. Wie zu hören ist trifft sich morgen eine Koalitions-Kungelrunde in der Besetzung Merkel, Seehofer, Rösler, Kauder, Hasselfeldt und Brüderle. Sie wird klären, was die Regierung denkt, was sie in Sachen Nachfolger denken könnte.

Ich rechne mit einem klaren Gegenentwurf zu Wulff. Also mit einer älteren Persönlichkeit mit reichlich Lebenserfahrung. Sollte Joachim Gauck noch mögen, hätte er gute Chancen. Auch Klaus Töpfer wäre nur schwer zu verhindern. Der verwegenere Plan wäre es,  Margot Käßmann zu berufen. Von ihr weiß man, dass sie gegebenenfalls schnell und konsequent zurücktritt. Zudem ist das dunkelste Kapitel ihrer Lebensgeschichte schon so gut bekannt, dass sich das Recherchieren auch für “Bild” nicht mehr lohnt.

Die besoffenste Idee kam übrigens von der Jungen Union Bayern. Sie hat Edmund Stoiber vorgeschlagen. Da sage ich: Vielen Dank, dann schon lieber Hape Kerkeling.

Februar 16th, 2012

Jetzt mehrt Euch! Oder es wird teuer

 "Seid fruchtbar", sagt Herr Wanderwitz.

Da ist er aber wieder mal in den Fettnapf getreten, der Bundestagsabgeordnete Wanderwitz, Marco. Für seine Idee, Kinderlose oder Einzelkinderzeuger zwecks Sicherung der Renten mit einer Demografie-Abgabe zu belegen, hat der CDU-Mann aus Chemnitz  fast ausschließlich böse Kommentare geerntet. Angela Merkel hat das Projekt offiziell beerdigt. Endgültig muss das nicht sein.

Denn es gehört zu den Spielregeln der Politik, dass man ein Thema austestet. Da die Kanzlerin sowie ihre Kabinettskollegen - Ausnahme: Kristina Schröder -  aus Respektsgründen auf allzu absurde öffentliche Vorschläge verzichten, werden Hinterbänkler nach vorne geschickt. Diese bringen  als realpolitische Trüffelschweine revolutionäre Gedanken in die Diskussion. Und falls die öffentliche Reaktion nicht zu hundert Prozent vernichtend ausfällt, wird die Geschichte irgendwann erneut aus der Schublade geholt. Nach dem vierten Sturm der Entrüstung ist die Gesetzesreife  erreicht.

In Sachen Demografie-Rücklage war Wanderwitz (drei Kinder) als Freund verrückter Ideen die Idealbesetzung. Von ihm stammte auch der Vorschlag, dass Griechenland seine Inseln verkaufen könnte, wenn es seinen finanziellen Verpflichtungen nicht nachkommen könne. Ein weiterer Treppenwitz aus Chemnitz war die Idee, dicke oder fettleibige Menschen stärker zur Finanzierung der Krankenkassen heranzuziehen. Das gilt als erledigt, dürfte aber irgendwann wieder hochkommen.

Genauso wie die Kinderlosen-Steuer. Denn eigentlich ist es doch eine Ungeheuerlichkeit, wie sehr sich die junge Generation auf einen Gebärstreik verständigt hat. Milliardenbeträge sind in den vergangenen Jahren  in die Finanzierung der Elternzeit gepumpt worden. Doch gereicht hat das nur für einen Geburtenanstieg von 0,05 pro Frau. Ungefähr.

Tja, und wenn das Zuckerbrot nichts bringt, greift man zur Peitsche. Dann gibt es eben keine Geschenke mehr, sondern gezielte Wohlstandsverringerung.

Aber wirklich motivieren wird das niemand. Beim Kinderkriegen geht es ja letztlich nicht ums Materielle, sondern um die Sehnsucht. Marco Wanderwitz sollte daran denken, dass in seiner Geburtsurkunde “Karl-Marx-Stadt” steht.  Und da liegt die Lösung. Würde die Regierung ein Gesetz erlassen, wonach der Marx’sche Leitspruch “Proletarier aller Länder, vereinigt Euch!” über allen Betten hängen muss – die Sorgen um unsere Zukunft wären schon nach wenigen Jahren nur noch ganz, ganz klein.

Februar 14th, 2012

Hurra, die Liebe bricht herein!

Geldbeutel raus! Heute muss alles weg! Es ist doch schön, dass es in all dem Leid, in all dem Stress, der auf dieser Welt ist,  Tage gibt, an denen die Liebe dramatisch über uns hereinbricht. So auch heute. Es ist Valentinstag. Überall werden die Sendboten der Innigkeit zu Bündeln verschnürt und in Papier oder Folie verpackt.

Man kann am Sinn dieses Tages zweifeln. Mann sowieso, denn ein solches Ereignis bringt die eigene Routine völlig durcheinander. Schließlich muss  zu Arbeitsplatz, Heimweg, Sofa, Abendessen und Champions League ein Abstecher zum Floristen hinzugefügt werden. Immerhin, man leistet etwas für ärmere Regionen. 30 Prozent der in Deutschland verkauften Schnittblumen kommen aus Entwicklungsländern. Das findet Dirk Niebel gut, den im Pestiziddampf arbeitenden Frauen und Kindern hilft es wenigstens zum Teil.

Ein weiteres Gegenargument: Blumen schenken hat etwas vom Jahr der Behinderten oder vom Jahr der Frau. Man(n) geht, besorgt etwas, bringt es durch Schnee und Matsch nach Hause. Frau freut sich. Aber dann muss es auch wieder gut sein. Bis zum Muttertag. 

Auf jeden Fall sollten Schenkende die Sprache der Blumen kennen. Es hat eine bittere Ironie wenn der Sofahocker, der jeden Abend nach dem dritten Bier vergisst, dass er nicht alleine lebt, mit roten Rosen daherkommt. Die damit signalisierte Leidenschaft ist vermutlich schwer einzulösen, weshalb die Beschenkte dazu neigen könnte, ein schlechtes Gewissen zu vermuten. Nelken sind modern, werden aber auch gerne  für Trauerkränze benutzt. Das kann falsch verstanden werden.

Die Gerbera sieht hübsch aus, ist aber eine Blume, die man völlig leidenschaftslos auch an die eigene Oma verschenken kann. Recht clever ist es, die Iris in den Valentinstag-Strauß einzubauen. Sie steht für echte Liebe, worunter man ja durchaus auch den gemeinsamen Kartoffelchips – und Erdnussverzehr verstehen kann. Wer aber ganz sicher nichts verkehrt machen will, sollte zur Kamille greifen. Diese Blume steht für Hoffnung. Die können alle brauchen, Mann und Frau, zu jeder Zeit, an jedem Ort.

Wie dem auch sei: Ich war, Stand heute, 13.30 Uhr, noch nicht im Blumenladen. Aber ich werde tun, was ein Mann tun muss. Und vielleicht werde ich sogar überrascht, wenn Bier und Chips schon bereitstehen. Das ist dann mein schönes Geschenk. Bis zum Vatertag.

Februar 11th, 2012

Heiße Herzen in eisiger Kälte

Alle bibbern und jammern über die eisigen Temperaturen. Aber Kälte und Wärme sind relative Begriffe. Wo der ein fröstelt, streift der andere Sandalen über. Aber was rettet uns wirklich durch frostige Zeiten? Die Auflösung in meinem Video…

Februar 9th, 2012

Sture Münchner? Dürer hängt auch in Hamburg

So hängt unser Albrecht mitten in Hamburg.

So hängt unser Albrecht mitten in Hamburg.

Haben Sie’s gewusst? Im Jahr 2011 wurde das im holländischen Eindhoven beheimatete, millionenteure Picasso-Gemälde “Buste de Femme” in einer Ausstellung in Ramallah präsentiert Also in Palästina, einem Land ohne gewählte Regierung, ohne gesicherten Frieden, mit großer Hitze und reichlich Staub.
Warum ich das schreibe? Weil die Idee, eines der berühmtesten Dürer-Gemälde in Nürnberg auszustellen, auf scheinbar unüberwindliche Hindernisse trifft. Weil man uns Franken nicht zutraut, das Werk unseres großen Landsmannes anständig zu behandeln.
Liebe Münchner, vielleicht könnt Ihr es akzeptieren, dass Ihr es nicht mit hochkultur-fernen Südsee-Insulanern zu tun habt. Dürers Bild heißt nicht “Selbstbildnis im Bastrock”, sondern “im Pelzrock”. Hinter diesem Titel darf Wohlstand vermutet werden.

 

Es gab nämlich eine Zeit, in der Nürnberg erheblich bedeutender war, als Eure “Weltstadt mit Herz”. München war nicht wichtig genug, um es mit Stadtmauern und Burg vor bösen Feinden zu schützen. Deshalb ist die bayerische Landeshauptstadt bis heute eher eine Ansammlung von Dörfern, in denen die Wohnungsmieten alerdings irreal überhöht sind.

Wir Nürnberger verwenden seit jeher in unserer Bratwurst das edle Gewürz Majoran. Während Ihr in Eurer Weißwurst gerade mal ein bisschen Petersilie unterbringt. Bei uns fuhr die erste Eisenbahn im Jahr 1835, während bei Euch die erste Straßenbahn 1876 in Betriebs genommen wurde. Als Pferdebahn, deren vierbeinige Lokomotiven nach Feierabend im Englischen Garten, den Jagdgründen der Wittelsbacher, grasen durften.

Womit wir bei den Wittelsbachen wären. Die Landesstiftung der ehemaligen bayerischen Könige ist die Eigentümerin des Dürer-Selbstbildnisses. Dass sie durch einen Betrüger und Fälscher in den Besitz des Werkes kam, passt ins Bild. Wissen wir doch, dass der Adel durch schamlose Raffsucht zu dem wurde, was er war. Und je schamloser und raffsüchtiger, desto höher wurde der Adel, der sich fortan Hochadel nannte.

Die “Süddeutsche Zeitung” nun hat den fränkischen Bürgern und ihren Politikern empfohlen, den sinnlosen Streit um den Pelzrock-Dürer aufzugeben und diesen stattdessen in der Alten Pinakothek in München zu besichtigen. Dazu sagen wir: Beutekunst bunkern und dann auch noch Geld von Tagestouristen kassieren? Nix, da bleibt Euch der Schnabel trocken.

Wir fahren nach Hamburg. Denn dort, genauer am Haus Neuer Pferdemarkt 21, hängt unser Albrecht auch. Leicht verrückt wirkt das Dürer-Bildnis an dieser Stelle schon. Aber das passt, schließlich beherbergt das Gebäude eine Handelsfirma für Hanfzüchterbedarf.

Und da sagen wir Franken: Lieber ein hanseatischer Kiffer, als ein oberbayerischer Schnupftabak-Grantler. Hamburg, wir kommen!

Februar 8th, 2012

Vergesst Alzheimer! Denkt an die Achillesferse!

Es gibt eine ganz besondere Form von Burnout, den geistig-moralischen Nachbrenner. Da schreibe ich etwas über Fußball und Alzheimer und merke kurze Zeit später, dass das eigentliche Thema ein ganz anderes ist. So gewaltig ist der Einfluss der Kick-Branche auf die öffentliche Debatte nämlich doch nicht.
Ich kann mich jedenfalls nicht daran erinnern, dass meinungsbildende Zeitungen oder Zeitschriften jemals den Kreuzbandriss zum Titelthema gemacht hätten. Dabei handelt es sich hier um eine der schlimmsten Verletzungen, die Männern in kurzen Hosen passieren können. Auch Mittelfußbrüche oder Adduktorenprobleme kommen allenfalls in der Apothekenumschau prominent zum Zuge.
Gleiches gilt für den Jochbeinbruch, obwohl es gerade diese Verletzung verdient hätte, in schärfster Sprache verurteilt zu werden. Entsteht sie doch durch den massenhaften Einsatz des Ellenbogenchecks, welcher die Blutgrätsche als fiestestes Foul abgelöst zu haben scheint.
Auch das Schambein, das – entweder aufgrund neuer Trainingsmethoden oder evolutionärer Veränderungen im Körperbau des Mannes – immer häufiger auftritt, führt in der öffentlichen Wahrnehmung ein unerklärliches Schattendasein. Man nimmt zur Kentniss, dass es sich gelegentlich schmerzhaft entzündet, macht sich aber keine Gedanken darüber, dass hier der vordere Teil der Hüftgelenkpfanne geschädigt ist.
All dies zeigt die ganze Gnadenlosigkeit des Publikums. Wir jubeln den Fußballern zu, interessieren uns aber nicht für ihre wahren Probleme. Alzheimer ist somit ein – wie wir Journalisten sagen – typisches Hund-beißt-Mann-Thema. Nur das Ungewöhnliche, in diesem Fall der Held, kann uns bewegen. Wohingegen andere Themen für nicht vorhanden erklärt werden. Weshalb Fußballer zwar wie Cristiano Ronaldo aussehen, aber keinesfalls schwul sein dürfen.
So geht das nicht weiter. Besinnen wir uns auf die Antike! Wir brauchen wieder ein Bewusstsein für die Achillesferse. Bald! Schnell! Jetzt!

Februar 6th, 2012

Wenn der Fußball Alzheimer hat…

Fußball regiert die Welt? Das ist vielleicht ein bisschen hoch gegriffen, aber der Einfluss des Spiels der elf Freunde auf die öffentliche Meinung ist schon beeindruckend. Kaum gibt der ehemalige Manager von Schalke 04, Rudi Assauer, bekannt, dass er an Alzheimer leidet, schon hat die Republik kaum ein anderes Thema.
In seinem Fall passt aber auch die Dramaturgie. Rudi Assauer war ein Kicker und später ein Sportmanager auf Testosteron. Im Jahr 1974 nannte man ihn den schönsten Fußballer Deutschlands. Als gesunder Mann war er einer der letzten authentischen Machos, der mit dicken Zigarren und einer zeitweise dramatischen Selbstüberschätzung in finanziellen Angelegenheiten seiner Leidenschaft für Fußball und schöne Frauen frönte.
Wie aber kann es gerade einen derartigen Kämpfer und Niederringer erwischen? Die Antwort: Es ist ganz normal. Auch ein Charles Bronson musste erfahren, dass es nicht vor Alzheimer schützt, wenn man massivstmöglich unter den Bösewichten aufgeräumt hat. Die ehemalige englische Premierministerin Maggie Thatcher kann sich vielleicht gar nicht mehr daran erinnern, wie sie die Argentinier von den Falklandinseln-Inseln vertrieben hat. Und der frühere US-Präsident Ronald Reagan konnte zwar die Berliner Mauer überwinden – gegen den Verfall im Kopf hat ihm das nicht geholfen.
Die Krankheit Alzheimer holt sich ihre Opfer wie es ihr gefällt. Sie nimmt auch die scheinbar Unverletzbaren nicht aus. Das mach sie zu einem großen, faszinierenden Thema. Und wenn der Fußball mithilft, müsste die Diskussion doch in Gang kommen. Wirklich? Nachdem sich Ex-Nationaltorhüter Robert Enke vor einen Zug geworfen hatte, war Depression in aller Munde. Das Schicksal von Trainer Ralf Ragnick führte dazu, dass sich Millionen von Menschen als Burnout-Patienten fühlten.
Doch die Nachrichtenflut hält an. Selbst der Fußball bringt nur noch selten nachhaltige Legenden hervor, wenn fast täglich ein neues Spiel im Fernsehen läuft. Das verbindet ihn mit Alzheimer. Alles wird schnell vergessen. Und schon bald heißt es: “Das nächste Schicksal bitte!”

Februar 2nd, 2012

“Wetten, dass…?”: Wir brauchen ein Casting

Ach, dieses Drama um “Wetten, dass…?”. Wenn es sogar Aufsehen erregt, dass ein Jörg Pilawa absagt, dann hat die angeblich größte Show im deutschen Fernsehen tatsächlich ein Problem. Jetzt hilft nur noch eines: Wir brauchen ein großes Moderatoren-Casting.

Eine letzte Alternative vor einem solchen Showmaster-Roulette wäre der Rückkehr von Thomas Gottschalk. Dieser vertreibt gerade die Zuschauer aus dem ARD-Vorabendprogramm mit einer wirklich seltsamen Sendung. Jenseits von “Wetten, dass…?” sieht er schlecht aus. Ein Schicksal, das er mit seinem alten Kumpel Günther Jauch teilt. Dieser feiert am 3. Februar die 1000. Sendung von “Wer wird Millionär?”. Als Polit-Talker am Sonntagabend ist er aber nicht sehr überzeugend. Sofern er überhaupt etwas sagt.

Schließen wir also die Marktlücke. Es ist doch seltsam, dass es für alles und jedes und jeden ein Casting gibt. Wir suchen massenweise großartige Sänger, Artisten, Hobbytänzer, Dschungelköniginnen oder Frauen für Bauern. Aber es ist scheinbar noch keiner auf die Idee gekommen, jemand für die Krone der TV-Unterhaltung zu suchen. Traut man dem Volk nicht zu, dass es per Telefon klären kann, wer den Samstagabend am besten totplappern könnte?

Sicher müsste man eine sorgfältige Auswahl treffen. Um zu vermeiden, dass ein hübscher, aber ansonsten unfähiger Teeny-Schwarm gewählt wird. Davon abgesehen hätte das Casting ausschließlich Vorteile. Wir bekämen den Besten der Besten. Und das ZDF käme dank der Einnahmen durch viele Millionen Telefonanrufe in Zukunft mit geringeren Rundfunkgebühren aus.

Ansonsten bliebe nur noch das von der Papstwahl bekannte Konklave. Wobei sich das ZDF, wie das heute modern ist, von einem Privatsender unterstützen lässt. 50 Fernsehmoderatoren werden im Big Brother-Container eingesperrt und erst wieder freigelassen, wenn einer übrig geblieben ist oder freiwillig aufgegeben hat. Und jetzt alle Kandidaten im Schnelldurchlauf…