Dienstag, Januar 24th, 2012

Hilfe, mich plagt das Milliardärs-Mitleid

Liebe Leser, ich muss zugeben: Ich bin verwirrt. Einfach deshalb, weil ich Mitleid mit einer Ex-Milliardärin habe. Jawohl, Madeleine Schickedanz tut mir leid. Und ich wünsche ihr, dass ihre famosen Anlageberater ordentlich zahlen müssen.

Die Quelle-Erbin ist mir in ihrer ganzen Tragik sympathisch. Sie kann nicht mit Geld umgehen, was sie mit mir als Journalisten definitiv verbindet. Angehörige meines Berufsstandes wollen ja – zumindest wenn sie jung sind – zuallererst die Welt retten und erst anschließend über die Bezahlung reden.

Madeleine Schickedanz hat geerbt, hat sich aber mit fiesen Gestalten in Nadelstreifen eingelassen. Dabei hat sie irrsinnig viel Geld verloren. Für Superreiche ist das superschlimm. Denn wenngleich ein paar wenige Milliönchen übrigbleiben sollten, so ist doch das Renomée im Eimer. Das tut besonders weh – ein Psychiater in New York hat sich darauf spezialisiert, diese Wunden der Betuchten zu heilen. Schickedanz hatte ihr Vermögen darauf gesetzt, dass ihr Konzern gerettet werden kann. Das ehrt sie, die Geldgeier Marke Esch und Middelhoff haben jede denkbare Retourkutsche verdient.

Die gönne ich auch dem Drogerie-Patriarchen Anton Schlecker. Er konnte sein riesiges Vermögen dank Leiharbeit, Lohndumping und Schikanen gegenüber der Belegschaft scheffeln. Bei ihm sage ich: Es ist an der Zeit, dass er einen gewissen Rest-Charakter zeigt und in die Rettung der Arbeitsplätze investiert.

Sollte er es nicht tun, stelle ich folgende Frage: Warum kann man eigentlich nur die Konten von afrikanischen und arabischen Tyrannen einfrieren? Das müsste bei deutschen Wirtschafts-Diktatoren doch auch gehen.


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