Von Döner-Morden, Herdprämien und Peanuts
Erinnern Sie sich? Barack Obama hat den Friedensnobelpreis bekommen. Geholfen hat es nichts bis wenig. Aber es macht uns klar, dass Jury-Entscheidungen mitunter seltsam sind. Das Preisgericht für das „Unwort des Jahres“ hat allerdings hervorragende Arbeit geleistet. „Döner-Morde“ sind wahrhaftig ein ekliger Begriff.
Schlimm ist der Rassismus, der hier mitschwingt. Türkinnen und Türken werden mit einem bestimmten Essen identifiziert, das bei uns zudem deutlich häufiger verkauft und gegessen wird, als in deren Heimat. Man muss sich fragen: Hätte jemand „Spagehtti-Morde“ gesagt, wenn die Neonazis Italiener erschossen hätten? Wäre nach einer Anschlagsserie in Nürnberg der Begriff „Lebkuchen-Morde“ denkbar? Würde man sich in München um die Aufklärung der „Weißwurst-Morde“ bemühen? Sicher nicht, der Respekt vor den Opfern wäre zu groß. Gut, dass die Jury daran erinnert.
Aber was ist aus früheren Unwörtern geworden? Werden sie noch benutzt oder sind sie verschwunden? „Alternativlos“ wurde 2011 gewählt. Angela Merkels Politik funktioniert noch immer so. Aber sie erklärt sie heute anders.
Die Schmähung „Betriebsratsverseucht“ aus dem Jahr 2009 ist zwar nicht aus allen Querköpfen, dafür aber aus dem Sprachgebrauch verschwunden, während uns „Notleidende Banken“ (2008) als angebliche Tatsache noch länger begleiten werden. Die „Herdprämie“ aus dem Jahr 2007 ist als Begriff zu Recht geächtet. Konservative Politiker verfolgen den Plan aber weiter.
Und wie steht es um ältere Unwörter? 1991 wurde „Ausländerfrei“ gewählt. Das dazugehörige Denken ist bei den entsprechenden Fanatikern auf jeden Fall da, wir werden es bald auch auf irgendwelchen Wahlplakaten lesen. Auch für „Ethnische Säuberung“ oder „Überfremdung“ – die Unwörter von 1992 und 1993, gibt es immer Aussender und Publikum. Das “Sozialverträgliche Frühableben” aus dem Jahr 1998 wird uns in einer netteren Formulierung noch begegnen, wenn wir darüber diskutieren müssen, welche lebenserhaltende Therapien für welche Kranken wirtschaftlich zu rechtfertigen sind.
Ein Star unter den Unwörtern ist für mich aber „Peanuts“. Der Begriff, mit dem 1994 der Deutsche-Bank-Chef Hilmar Kopper die 50 Millionen-Mark Schaden abtat, der Handwerkern durch Immobilien-Pleitier Jürgen Schneider zugefügt worden war. Aus Erdnüssen wurden lästige Kleinigkeiten. Und jeder meint das, wenn er “Peanuts” sagt. Wir gratulieren!
Einfach prima. Vielen Dank..