Archiv für Dezember, 2011

Dezember 31st, 2011

Die Sterne wissen: Ich werde 2012 viel Zeitung lesen

Wir alle wissen, dass die größte aller bisher bekannten Wirtschaftskrisen für 2012 (nach 2009, 2010 und 2011) beschlossene Sache ist. Mir ist das egal. Denn es steht fest, dass ich in diesem Jahr Spaß und Freude haben werde.

Merkur ist nämlich an meiner Seite. Sagt die Astrowoche. Uns so werde ich beruflichen Erfolg wie nie zuvor haben. Da werde eine tolle Stelle frei, dort gebe es ein prima Geschäft. Ich sollte allerdings, so die Sternendeuter, nicht zu gierig werden. Sonst könnte ich eine enttäuschung erleben. Woraus wir lernen: Es ist nicht nur so, dass in jeder Krise eine Chance steckt. Genauso steckt in jeder Chance eine Krise.

Zu allem Überfluss betritt Anfang April Liebesplanet Venus mein Sternzeichen. Das soll mir traumhafte Stunden der Zweisamkeit bescheren. Allerdings nur bis Juli. Logisch, denn im Laufe des Juni beginnt die Fußball-EM. Vielleicht werde, so das Horoskop, jemand von früher wieder in mein Leben treten. Das muss nicht unbedingt sein, liebe Venus.

Auch gesundheitlich soll bei mir dank Merkur alles in Butter sein. Ich müsste also regelmäßig Energie tanken. Das klingt nach einem ganz bestimmten Schokoriegel, was dramatisch gegen meinen guten Vorsatz spricht, im neuen Jahr 5,7 Kilogramm abzunehmen. Ich frag mal Pluto, wie ich diesen Konflikt lösen kann.

Aber das ist ja auch egal, schließlich sind Horoskope eh nur inhaltsleeres Gebrabbel. Dachte ich auch. Bis ich auf www.kostenlos-horoskop.de mein “50plus-Horoskop gelesen habe. “Das tägliche Zeitunglesen ist ein Muss”, steht da wie in Stein gemeißelt. Und das stimmt tatsächlich. Na denn…

Dezember 30th, 2011

Mein Adrenalinschub durch kaltes Licht

Nein, ich möchte dieses Blog nicht zum Diskussionforum über Qualiätsjournalismus machen. Aber was qualitätsloser Journalismus anrichten kann, ist enorm. Ich hatte wegen eines leichtfertigen Schiefmelders heute einen völlig ungeplanten Adrenalin-Kaufrausch-Schub.

Da fahre ich also auf der Autobahn Richtung Heimat. Mit dem Ziel, diesen Tag sowie das Jahr als solches lässig ausklingen zu lassen, als im Radio gemeldet wird: “Was sich zum Jahreswechsel ändert: Ab 2012 ist es mit Glühbirnen vorbei.” Und schon war es mit der eingebetteten Staubeobachtung (embedded traffic jam watching) vorbei. Nur eine Frage ging mir noch durch den Kopf: Wie lange haben die Geschäfte am 31. Dezember offen? Wo könnte es noch ausreichende Bestände an Glühbirnen geben? Wo kann der Lichthamster vor 2012 noch zuschlagen?

Ich finde nämlich das Licht von altmodischen Glühbirnen viel schöner als die kalte Beleuchtung von Energiesparlampen. Ich meine auch, dass es für jeden Menschen gewisse Nischen für kleinere, bezahlbare Umweltsünden geben sollte. Ich rauche nicht mehr, fahre kein SUV, habe keine Yacht und keinen Privatjet. Warum bekomme ich also nicht wenigstens alte Glühbirnen oder mais- und getreidefreies Normalbenzin?

Im zähfließenden Verkehr angelangt, hörte ich eine Live-Reportage von der Trauerfeier für Johannes Heesters. Wenn ich es recht mitbekommen habe, hielt sich die Hysterie in Grenzen. Der bayerische Fachminister für Operetten, Ludwig Spaenle, soll allerdings gesagt haben, der 108-Jährige habe das vergangene Jahrhundert “wie kaum ein anderer geprägt”. Ich habe mich spontan gefragt, ob der Redner nicht eher den anderen Mann aus Heesters’ Bekanntenkreis gemeint hat, den der Verstorbene vor nicht allzu langer Zeit einen “netten Kerl” genannt hat.

Aber lassen wir die Toten ruhen. Das Beispiel zeigt allerdings, dass es wenigstens bei Trauerreden sinnvoll sein kann, beim Beleuchten eines Lebens auf Energiesparlampen zu setzen. Die Radiomeldung vom allerbaldigsten Aus der Glühbirne war übrigens nur schlampig formuliert. Richtig ist, dass ab September 2012 keine 40-Watt-Birne mehr produziert werden darf. Weggeworfen wird aber nichts – wir haben noch viel Zeit zum Kaufen. Das stand klipp und klar in meiner Qualitätszeitung.

Dezember 22nd, 2011

Der Bundespräsident als böser Weihnachtsmann

Fernsehtipp: Lieber Benedikt als Christian gucken.

Fernsehtipp: Lieber Benedikt als Christian gucken.

Nein, ich habe keine Lust, mich groß über die moralische und sonstige Dimension des Skandals um Christian Wulff auszulasten. Aber für mich steht fest: Der Bundespräsident ist kein guter Christ.

Seine im typischen Knödelton vorgetragene “Entschuldigung” war doch nur eine Pflichtübung. Er musste eine Beruhigungspille unters Volk schmeißen, um ein bisschen aus der Schusslinie zu kommen. Damit er den Rücken frei hat, um zu Weihnachten über Nächstenliebe, über das famose mitmenschliche Engagement der Krankenschwestern und Feuerwehrleute, über den herausragenden einsatz deutscher Soldaten am Hindukusch und über die wunderbaren Revolutionen im arabischen Raum daherzureden.

Der Weihnachtsbaum gehört zu Deutschland. Jawohl. Aber was macht der Wulff in dieser Zeit, in der andere ans Schenken denken? Er feuert seinen langjährigen Sprecher Olaf Glaeseker. Hätte das nicht noch ein paar Tage Zeit gehabt? Nein, zu Weihnachten kündigen sonst nur ausgewiesene Raubtierkapitalisten oder ausgewiesene Nicht-Christen.

Und deshalb rufe ich alle dazu auf, Wulffs Rede nicht zu gucken, sondern zum Zeichen des Protests überall im Land die Toilettenspülungen zu drücken. Die Stadtwerke werden uns davon berichten.

Ich selber schaue mir zu Weihnachten und zum Jahreswechsel den Papst an. Der ist auch irgendwo schlimm. Aber seine “Espressione Cinese” ist immer wieder schön. Wie “Dinner for one” für die Stadt Rom und den Erdkreis. Hallelujah!

Dezember 19th, 2011

Wenn der Bock zum Gärtner wird

Nur wer das Böse kennt, kann dem Guten dienen. Wie das gemeint ist, erkläre ich am Beispiel unseres vorerst gescheiterten Starpolitikers Karl-Theodor zu Guttenberg in meinem aktuellen Video.

Dezember 18th, 2011

Christian Wulff, der mentale Couchsurfer

Heute macht uns “Bild am Sonntag” mächtig Angst: “Wullff wankt” lautet ihr Titel, auf dem der Bundespräsident im größtmöglichen Format zu sehen ist. Jetzt nehmen wir mal an, die nächste Schlagzeile würde “Wulff stürzt” lauten. Wäre es schlimm?

Nein. Deutschland würde sich nicht verändern. Christian Wulff ist rhetorisch derart baldrianös, dass er nicht einmal genug Energie erzeugt, damit es einem die Schuhe auszieht. Wüsste man nicht, dass seine Gattin tätowiert ist und hätte er nicht den Satz “Der Islam gehört zu Deutschland” gesagt – viele würden ihn gar nicht wahrnehmen.

Andererseits: Wulff verfügt über Weitblick. 415.000 Euro soll sein Haus gekostet haben, aber einer wie er weiß, dass da noch Anschaffungen wie Carport, Sofa, Schlafzimmerschrank und Weinkeller kommen. Deshalb hat er sich 500.000 Euro geben lassen. Mittellos, wie er wegen seiner Scheidung offenbar war.

Zu loben ist ferner Wulffs visionäre Kraft. Ihm war klar, dass man Banken nicht mehr vertrauen sollte. Deshalb setzte er auf die Hilfe von Freunden/-innen. Solche Geschäfte auf Gegenseitigkeit kommen immer mehr in Mode. Wie diese Seite beweist: http://www.tauschring.de.

Und wer darüber meckern möchste, dass sich unser Bundespräsident in seiner Zeit als Regierungschef von Niedersachsen im Urlaub bei Privatleuten einquartierte, sollte sich die Couchsurfer-Seite http://www.couchsurfing.org/ näher ansehen. Deren Betreiber betrachten Ferien bei Freunden als persönlichen Beitrag zu einer besseren Welt.

Wir haben also gelernt: Christian Wulff ist hoch kommunikativ, er öffnet sich guten Freundinnen und Freunden mit all seinen Bedürfnissen, er ist bereit, neue gesellschaftliche Entwicklungen anzunehmen. Er ist langweilig – und korrupt, wenn es die Situation erfordert. Kurzum, er ist einer von uns.

Sie sind nicht überzeugt? Na gut, dann soll er weg. Aber warten wir noch ein bisschen. Bis die Weihnachtsansprache gesendet ist. Und natürlich bis man weiß, wer in Zukunft “Wetten, dass…?” moderiert.

Dezember 17th, 2011

Schnäppchenjagd beim StressStresstest

Es ist erstaunlich, dass “Stresstest” erst 2011 zum “Wort des Jahres” geworden ist. Dabei kennen wir alle dieses Verfahren, die Grenzen unserer physischen und mentalen Belastbarkeit in einer besonderen Versuchsanordnung zu erproben, die meiste Zeit unseres Lebens. Einfacher gestrickte Menschen nennen es Weihnachtseinkauf.

Unser Jesuskind-Stresstest wird immer schwieriger. Reichte es früher, kurz vor dem Fest loszuziehen, so macht uns die Werbung der Einzelhändler längst klar, dass wir spätestens Ende September ans Schenken denken müssen. Weil danach die besten Stücke weg sind.

Und jetzt flattern vor dem vierten Advent die “Sale”-Fahnen im Wind. Was bedeutet, dass wir uns mitten im allgemeinen Getümmel auch noch darum kümmern müssen, bloß kein Schnäppchen zu verpassen. Man macht das wahrscheinlich, weil auch die Fernseh-Jahresrückblicke schon Anfang Dezember laufen. Aber das steigert die potentielle Belastung, bei Sat1 würden sie vom StressStresstest reden.

Aber wir werden es aushalten, wissen wir doch aus Ländern wie Bangladesch, Indien oder China, dass sich auch extremste Überbevölkerung alles in allem ertragen lässt. Der Mensch ist wohl doch ein Kuschelwesen. Bis an den Rand des rabattgehebelten Sale-Burnouts.

Übrigens: Ich finde, dass die Gesellschaft für deutsche Sprache die Kategorie “Verschwindende Begriffe” einführen sollte. Mein Favorit für 2011 ist “FDP”. Aber bestimmt gäb’s da ja noch mehr.

Dezember 13th, 2011

Reiche in Not – Arme früh tot

Ich schreib jetzt einfach mal, was ziemlich viele denken: Eure Armut kotzt mich an! Seit dem Abschied von Sabine Christiansen sind die Reichen aus den Talkshows verschwunden. Nur einige viel zu junge FDP-”Politiker” halten das Fähnchen unserer Leistungselite hoch. Ansonsten gibt es nur noch ein bisschen Rettungsschirm, tonnenweise Ungerechtigkeit sowie Not, Not, Not und nochmals Not.

Leute, begrift doch: Reiche Menschen haben es schwer. Sie haben etwas zu verlieren. Sie werden vom Staat geschröpft. Brutalstmöglich, nachdem sie ihr Luxusauto und die selbstverständlich für das Büro angeschafften teuren Skulpturen von der Steuer abgesetzt haben. Nachdem sie nachweisen konnten, dass sie beim Restaurantbesuch mit der hübschen Sekretärin auch einen Geschäftsfreund getroffen und im Rotlichtviertel von Rio de Janeiro eine umfangreiche Markterkundung vorgenommen haben.

Das alles kommt erst mal weg – aber was dann zu zahlen ist, ist immer noch viel zu viel. Man sagt nicht umsonst, das man Steuern “abführt”. Diese Gesetze sind doch fürs Klo.

Dagegen die Armen. Schon Jesus hat sie als die eigentlich Glückseligen beschrieben. Leben von Luft und Liebe. Gut, sie rauchen mehr als unsereins. Was bedeutet, dass sie die asozialste Steuer dieser Republik berappen, die Tabaksteuer. 4,90 € kostet die Schachtel. 3,58 € kriegt der Staat. Macht zusammen 13,5 Milliarden.

Aber dafür sterben die Armen auch früher. Sagt eine neue Statistik. Ihnen bleibt es also erspart, in einem sündhaft teuren Wohnstift dement dem Ende entgegen zu dämmern. Sie haben kein schlechtes Gewissen, weil sie ihr Rentenwegfallalter (veritabler Fachbegriff) viel zu spät erreichen.

Ja, wir sollten den kapitalschwachen Menschen für alles danken, was sie für diese Gesellschaft leisten. Dazugehören will ich aber nicht. Sag ich mal, sozial schwach wie ich bin.

Dezember 11th, 2011

Das “Supertalent” für Aasfresser und Titanen

Da ich in diesen Tagen unter erhöhtem Zerstreuungsbedarf leide, habe ich es getan: Ich habe das “Supertalent” angeschaut, was ja laut RTL “die größte Show im deutschen Fernsehen” sein soll. Ergebnis: Ich bin empört!

Nein, nicht wegen der Jury. Nicht wegen der drallen Frohsinnsbeauftragten Motsi Mabuse, die zwar von wenig eine Ahnung hat, aber dafür fast alles toll findet. Nicht wegen Sylvie van der Vaart, die superhübsch ist, aber manchmal wie ein Kalb schaut, das man versehentlich auf den Mars geschossen hat. Und nicht wegen des angeblichen Pop-Titanen Dieter Bohlen, der trotz seines fortgeschrittenen Alters engste Jeans tragen muss, so dass er nur sehr ungeschmeidig laufen kann.

Ich bin empört, weil ich die Inkarnation meines persönlichen Hassobjektes erleben musste. Einen Indio, der auf der Panflöte “El Condor Pasa” spielt. Ich gebe ja zu, dass ich diese Anden-Version von “Komm, großer schwarzer Vogel” mitgepfiffen habe, damals, als Simon & Garfunkel damit in 180 nationalen Hitparaden insgesamt 500 Wochen lang auf Platz eins standen. Aber kann es sein, dass damit heutzutage einer ins Finale einer Castingshow kommt? Haben wir noch nicht bemerkt, was da für ein abgekartetes Spiel läuft? Dass in Bolivien und Peru kurz vor der Adventszeit ganze Landstriche ewntvölkert werden, damit deren männliche Bewohner in Flugzeuge gesetzt werden, um dann unter unseren Weihnachtsbeleuchtungen das Lied vom depperten Aasfresser zu dudeln? Brauchen wir das auch noch Samstagnacht?

Das Telefonabstimmungs-Volk sagte Ja. Was aber vielleicht auch an der mäßigen Konkurrenz lag. Frauen hatten gar keine Chance. Dafür schafften es mit unserem Indianer ins Finale ein durchaus guter Sänger in einem Presswurst-Overall, ein Tänzer, der ohne Bühnenbild langweilig gewirkt hätte, ein biegsamer Mann in einem abartigen roten Froschkostüm sowie ein Punk aus Zürich, der ziemlich gut Klavier spielt. Was gut kommt, weil er nach Gitarre ausschaut.

Sie alle eint es, dass sie “Supertalent” heißen. Sie müssen also schon vom Titel der Show her nichts können, sondern nur die Veranlagung zu großen Fähigkeiten haben. Das kann man bestätigen, wenn man nett sein will.

Schade nur um den Engländer, der alles mögliche Zeug schluckt, um es leicht bearbeitet wieder herauszuwürgen. Die Fans wollten das nicht mehr sehen. Ich glaube, er wird seine Kunst verfeinern und in Zukunft nach dem Verzehr von drei russischen Babuschkas, einem Feuerzeug und 100 Millilitern zitronen-Spülmittel extrem aromatische Kaffeebohnen kacken.

Auf Wiedersehen, beim “Supertalent 2012″!

Dezember 10th, 2011

Menschenrechte? Es gibt immer was zu tun

“Es gibt immer was zu tun.” In unserer durchgeregelten und mitunter etwas gelangweilten Gesellschaft kommt dieser Satz am Ende einer Baumarkt-Werbung. Irgendwann aber sind Gartenteich und Carport fertig. Weshalb sich der Blick auf ein Thema lohnt, bei dem unsere Eingangs-Feststellung vermutlich bis zur Ewigkeit stimmen wird. Nämlich auf die Menschenrechte.

Der 10. Dezember ist der von den Vereinten Nationen ausgerufene Tag der Menschenrechte. Seit 1948. Der erste Satz in der dazugehörigen Erklärung lautet: „Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren.“ Das liest sich auf den ersten Blick gar nicht kompliziert. Es ist ja nur logisch, dass ein Kind, unschuldig wie es ist, genauso viel wert sein muss wie alle anderen, die zur gleichen Zeit auf die Welt kommen.

Tja, aber beim zweiten Blick zeigt sich, dass es möglich ist, in einer schlichten Satz mit elf Wörtern eine schier unlösbare Aufgabe zu verpacken. Man muss ja nicht einmal in Gegenden schauen, in denen die Mächtigen ihre ganz persönlichen Menschenrechte definieren, an denen sich die Untertanen gefälligst zu orientieren haben. Man muss gar nicht daran denken, dass unfassbar oft Herkunft, Hautfarbe oder Geschlecht darüber entscheiden, ob man ein Leben lang unten oder oben steht. Es wäre ja schon schön, wenn es zumindest bei uns gleiche Würde, gleiche Rechte und gleiche Chancen gäbe.

Nicht mal dazu reicht es. Aber soll man deshalb aufgeben? Der zurzeit geradezu kultisch verehrte alte Mann namens Helmut Schmidt hat einmal gesagt: “Wer Visionen hat, sollte zum Arzt gehen.” Mag sein, dass er recht hat. Weitaus sympathischer ist mir aber ein Zitat von Che Guevara: “Seien wir Realisten. Wagen wir das Unmögliche.”

Auf dieser Basis könnte sich jede/r für die Menschenrechte engagieren. Allerdings: Beim Bau eines Gartenteichs ist der schnelle Erfolg wahrscheinlicher.

Dezember 8th, 2011

Gibt es den Krieg gegen den Euro?

Der FDP-Humorbeauftragte Rainer Brüderle hat gerade zu Protokoll gegeben, dass er kein Freund von Verschwörungstheorien sei. Aber manchmal falle es schwer, den Eindruck zu widerlegen, dass amerikanische Rating-Agenturen gegen die Euro-Zone arbeiten. Aber wie ist es wirklich? Stellen wir doch einfach ein paar Fragen.

Die Agentur “Standard & Poor’s” gibt es seit 70 Jahren. Sie wurde von den berühmten Märkten beachtet, war aber nie ein großes Thema für die breite Öffentlichkeit. Wie kommt es, dass sich plötzlich alle Welt für diese Firma interessiert? Wer bringt sie mit solcher Macht in die Nachrichten? Ist diese Agentur wirklich unabhängig vom Staat? Ist es Zufall, dass sie gerade jetzt so massiv auftritt, wo es der US-Wirtschaft so schlecht wie noch nie seit dem Zwiten Weltkrieg geht? Hängt die internationale Bedeutung von “Standard & Poor’s” und anderen US-Agenturen davon ab, dass der US-Dollar die Welt-Leitwährung bleibt?

Könnte es sein, dass die USA einen starken Euro als Bedrohung für ihre Währung und für ihre Stellung als Weltmacht ansehen? Was würde zum Beispiel ölfördernde Staaten erwarten, wenn sie ihre Kontrakte auf Euro umstellen würden? Was würde es für die USA bedeuten, wenn sich China dem Euro zuwenden würde, zu Lasten des Dollars?

Kann man Krieg auch an den Börsen führen?

Und dann hätte ich noch ein ganz anderes Problem: Was passiert, wenn das globale Finanzgewerbe feststellt, dass Diktaturen wie China mehr Geld generieren als demokratische Staaten?

Ich finde, diese Fragen darf man stellen.

Dezember 4th, 2011

Gottschalk Abschied: Es war wie Winnetou IV

Auch wenn es uns nicht immer bewusst ist: Eines der faszinierendsten Themen für uns Menschen ist der Tod. Deshalb musste Jesus leiden und auferstehen, deshalb liegen millionenfach Krimis und Thriller unter dem Weihnachtsbaum – und deshalb hatte “Wetten, dass…?” am 3. Dezember eine Zuschauerzahl, wie man sie sonst nur von wichtigen Fußballspielen kennt. 14,73 Millionen Menschen wollten den Abgang von Thomas Gottschalk miterleben.

Die Fernsehzuschauer machten also klar: Vielleicht hat man den Meister des Breitgrinsens irgendwo satt, vielleicht mag man seine PR-lastige Show gar nicht mehr so sehr, aber zum Begräbnis geht man als anständiger Mensch. Wir haben, wie man in unseren Breiten sagt, “a scheene Leich” erlebt.

So hat sich das auch gehört. Denn jede/r Nachfolger/in wird scheitern. Die Frage ist nur, mit welcher Wucht. Das Konzept und die Präsentation von Wetten, dass…? ist derart verstaubt, dass es nur durch und mit Gottschalk funktioniert hat. Seine Abschieds-Show zeigte das. Gäste oder Wetten waren völlig nebensächlich. Es ging nur um den Chef.

Wobei sich dieser ungewöhnlich nachdenklich gab. Er habe eigentlich nichts anderes als Seifenblasen produziert, sagte er. Und anders als bei seinem ersten Abschied von “Wetten, dass…?”, als “Show must go on” von Queen dröhnte, setzte er diesmal auf sanfte Orchestermusik. Als Gottschalk seinem Publikum zum Abschied den Rücken kehrte, klang es wie Winnetou IV.

Letztlich gilt auch für ihn: Der Tod ist der lebendige Beweis, dass kein Mensch unentbehrlich ist. Oder doch? Gottschalks letzte Worte waren: “Ich komme bald wieder”. Wir sind gespannt, Messias!

Dezember 1st, 2011

Bussi, Bussi? Hier küsst der bayerische Finne

Almog Cohen (li.) und Robert Mak vom 1. FC Nürnberg vollziehen den neuesten Bussi-Bussi-Trends.

Almog Cohen (li.) und Robert Mak vom 1. FC Nürnberg vollziehen den neuesten Bussi-Bussi-Trends.

Selbstverständlich, der heutige Welt-Aids-Tag ist ein wichtiges Datum. Jeder Mensch, der sich informiert und deshalb vor einer Infektion geschützt hat, ist ein Erfolg. Die meisten von uns haben als Durchschnitts-Party- oder -Theater-Gänger aber ein ganz anderes Problem. Es besteht aus zwei Worten, nämlich “Bussi, Bussi!”.

Es gab Zeiten, in denen der Deutsche so etwas wie der Finne von heute war. Geküsst wurde im Normalfall bestensfalls die eigene Frau. Sonst aber niemand. Der schnelle, beidseitige Wangenkuss hat somit einen Migrationshintergrund. Ich sehe einen wesentlichen Grund in der massenhaften Brenner-Überquerung ab der Wirtschaftswunderzeit. Die Deutschen brachten von diesen Reisen neben Aufklebern, mit denen die erfolgreiche Bewältigung der Großglockner-Hochalpenstraße nachgewiesen werden konnte, vor allem auch den Traum mit, selbst einmal ein bisschen Italiener zu sein.

Wer aber die Glückwunsch- oder Abschieds-Zeremonien in Italien kennt, weiß, dass es bei einem dortigen Festessen einer Großfamilie mindestens 45 Minuten dauert, ehe jede/r jede/n geküsst hat.

Dieses ansich flüchtige Zuneigungs-Ritual machte alsbald in der italienischten Großstadt Deutschlands, in München, die Runde. Es kam zur Bildung der so genannten “Bussi-Bussi-Gesellschaft”. Da aber das Geschehen in der Glitzer-City an der Isar von Menschen in anderen Gebieten stets mit einem gewissen Minderwertigkeitskomplex verfolgt wurde und wird, sah auch die fränkische Bevölkerung Nachholbedarf.

Von der Mentalität her ist der Franke zwar eher ein bayerischer Finne. Er küsst von sich aus erst dann, wenn es einen geistig-mentalen Hintergrund hat. Aber man will ja nicht hinter den Münchnern zurückstehen, selbst wenn es einen beim “Bussi, Bussi!” innerlich gottserbärmlich graust. Es muss halt sein.

Erstaunlich ist eigentlich nur, dass sich der Wandel in den Urlaubsgewohnheiten noch nicht auf die Küsserei ausgewirkt hat. Immer mehr Menschen fahren in die Türkei. Dort wird eifrigst gebusselt. Allerdings küssen in der Regel Männer andere Männer und keine Frauen. Und umgekehrt. Man sieht das zwar immer öfter. Aber alles muss man auch nicht kopieren.