Das Unverhoffte kann so schön sein

Überraschung! Der Bahnhof kommt.

Überraschung! Der Bahnhof kommt.

Gibt es etwas Schöneres als das Unerwartete? Wenn es anders kommt als gedacht? Wenn alle Prognosen über den Haufen geworfen werden? Ja, das kann schön sein. Aber die Betonung liegt auf „kann“. Sicher ist nur, dass der große Wilhelm Busch richtig gelegen hat, als er dereinst dieses reimte: “Stets findet Überraschung statt. Da, wo man’s nicht erwartet hat.”

Nehmen wir das vergangene Wochenende: Bei der Volksabstimmung für „Stuttgart 21“ war eine klare Mehrheit für den unterirdischen Bahnhof. Das hatten sich viele anders ausgemalt. Andererseits: Durch den Weiterbau wird in Stuttgart zwar elend viel Geld vergraben. Aber vielleicht ist die Wirkung genauso wie bei einem anständigen Begräbnis: Danach herrscht Ruhe im Karton. Dann wäre es nicht so schlimm gewesen.

Unverhofft ist es auch gekommen, dass Florian Silbereisen mit seinem „Adventsfest der 1000 Lichter“ mehr Zuschauer in die ARD lockte als Dieter Bohlen und Konsortinnen mit ihrem „Supertalent“ in RTL. Es sei ihm vergönnt. Intellektuell schädlich ist jede dieser Sendungen – aber der nette Volksmusikant richtet keinen größeren Schaden an.

Völlig konfus und letztendlich glückselig hinterlässt es uns Nürnberger schließlich, dass an einem Spieltag der Fußball-Bundesliga der Club und Augsburg gewonnen und die Bayern verloren haben.

Ja, unglaubliche Überraschungen, die uns zeigen, dass die Dinge vielleicht doch besser sind, soll es noch viele geben. Die nächste Gelegenheit sehe ich bei der Klimakonferenz in Durban. Mal sehen.

Loddar Guttenberg: Keiner braucht ihn

Wer ist der wahre Loddar Matthäus? Er?

Wer ist der wahre Loddar Matthäus? Er?

Oder er?

Oder er?

Wie schön, wenn man treue Freunde hat. So wie unser verflossener Polit-Held Karl Theodor und sonstwas zu Guttenberg. Der überraschend schnell vergessene Ex-Verteidigungsminister will nach einer Schäm-Frist zurück auf die große Politik-Bühne. Die Kumpels von Bild helfen mit. Und sogar die noble “Zeit” ist zur Stelle.

Wie anders ist es zu erklären, dass der Auftritt eines zwecks Charakterlosigkeit geflüchteten Politikers bei einer Sicherheitskonferenz im kanadischen Halifax eine solche Aufmerksamkeit findet? Bei jedem anderen wäre ein solches Comeback mit ähnlicher Intensität verfolgt worden, wie das Platzen eines Reissackes an einer Ausfallstraße nahe Shanghai. Aber es ist “Gutti”. Also bricht da ein Genie von Rang sein Schweigen und liest der Politik, den Regierungen und dem Rest der Welt der Leviten. Um nebenbei ein Buch mit dem Titel “Vorerst gescheitert” anzukündigen. Ein 208-seitiger Band, der Gespräche zu Guttenbergs mit “Zeit”-Chefredakteur Giovanni die Lorenzo dokumentiert.

Es ist der Auftakt zu einer typischen “Bild”-Inszenierung. In der nächsten Stufe werden zirka vier prominente Parteifreunde sowie Arnulf Baring, Peter Scholl-Latour und Johannes B. Kerner dem Volk erklären, warum Deutschland, Europa, die Welt und der Mond man auf dieses überragende politische Talent keinesfalls verzichten dürften. Erstmal erklärt das Boulevardblatt seinen Lesern den “neuen Guttenberg”. Wobei es zuallererst – man weiß eben, was bei Guttenberg wirklich wichtig ist – auf das Aussehen eingeht. Kein Gel mehr, Haare nach vorne gescheitelt, keine Brille mehr. Dass das wie ein kräftiger Bruder von Lothar Matthäus aussieht, erwähnt Bild nicht. Geradezu als befreit wird er geschildert. Der Ex-Verteidigungsminister könne sogar wieder ohne Bodyguards Bus fahren.

Ja, dann bleib doch dort, lieber Gutti. Genieße Dein Leben, fahr mal rüber zu Sarah Palin und schieß Dir ein paar Elche. Lass Dir beim Heimaturlaub von der Jugendfeuerwehr-Kapelle Unterzipfelbach “Highway to Hell” vorspielen. Aber dann lass es auch wieder gut sein.

Du siehst nicht nur aus wie Loddar Matthäus, Du hast auch sein Problem: Wir vermisssen Dich nicht, wir brauchen Dich nicht.

Babak Rafati oder: Was sind wir doch nachdenklich

Was für ein schöner Satz, der da heute vielfach zu lesen war: “Der deutsche Fußball steht nach dem Suizidversuch von Schiedsrichter Babak Rafati unter Schock.” Wollen wir das glauben? Ich sag mal: Vielleicht, aber lange hält dieser Zustand bestimmt nicht an.

Erinnern wir uns noch? Vor fast genau zwei Jahren hatte sich der damalige Nationaltorwart Robert Enke das Leben genommen. Damals legte die Fußball-Branche den Schalter von Geld- und Leistungsstreben auf Nachdenklichkeit um. Es gab eine riesige Trauerfeier im Stadion. Es wurde auch viel darüber geredet, dass dieser Todesfall für die gesamte Gesellschaft der Anlass sein sollte, das Thema Depressionen zu enttabuisieren und zu diskutieren. Geändert hat sich nichts.

Jetzt forderte DFB-Präsident Theo Zwanziger wieder, in all dem Bundesliga-Trubel wieder mehr auf den einzelnen Menschen zu schauen.

Danke, das wäre dann also gesagt. Das Leben kann weitergehen. Es muss. Denn im Profifußball ist kein Platz für gescheiterte Menschen. Hier geht es um den Erfolg, um tatsächliche oder scheinbare Größe.

Man muss sich doch nur die Selbstinszenierung anschauen. In der Sportschau wird kein schlechtes 0:0 mehr gezeigt, ohne dass vorher eine dramatische Fanfare abgespielt wird. Die Hymne der Champions League klingt, als würden gleich anschließend Cäsar und Kleopatra samt 5000 Lakaien ins Stadion einmarschieren.

In dieser Welt sind die Schiedsrichter eine besonders geforderte Gruppe. Ihre Leistung bewegt im Zweifel Millionenbeträge. Ein falscher Abseitspfiff kann darüber entscheiden, ob ein Verein in der nächsten Saison in der Ersten oder Zweiten Liga kickt. Und wenn dann einer unbeliebt ist, wie eben Babak Rafati, ist der Druck noch größer.

Aber so ist das gewollt. Nur Leistung darf sich lohnen. Der einzelne Mensch zählt nur so lange, wie er es bringt. Das ist Fußball! Aber das soll es auch in anderen Branchen geben.

Merkel im Weltall, und andere große Fragen

Ist es nicht gut, dass wir unsere Politiker(innen) haben? Sie sind unsere zuverlässige Zielscheibe für Spott und Schimpf und Schande. Und sie übernehmen kraft Amtes die Verantwortung für Themen, die sie selbst kaum, wir aber schon gar nicht verstehen. Ja, sie erklären uns alles. Wir hingegen können es uns leisten, dass uns die Zukunft des Euro-Rettungsschirmes gelegentlich egal ist. Darum kümmern sich ja die Gewählten.

Aber: Steckt nicht auch in Angela Merkel ein kleiner, ganz normaler Mensch? Jemand, der sich nach Antworten auf wirklich bewegende Fragen sehnt. Warum ist der Himmel blau? Sind wir alleine im Weltall und falls nein, was ändert sich dadurch? Gibt es Äpfel, die weit vom Stamm fallen? Erschrecken Mitarbeiter der Deutschen Bahn, wenn ein Zug pünktlich ankommt? Warum wurde die Currywurst nicht vom Asiaten erfunden? Warum gerät der 1. FC Nürnberg immer dann in Abstiegsgefahr, wenn alle denken, dass es nur noch besser werden kann?

Die Kanzlerin verzichtet offenbar auf solche Gedanken. Sie tut, was sie zu tun hat: Sie gibt Antworten. Auf dem youtube-Kanal der Bundesregierung hat sie sich jetzt zu Fragen von Usern geäußert. Die wollten wissen, wie es sein kann, dass sich ausgerechnet Gut- und Großverdiener aus dem sozialen System der gesetzlichen Krankenkasse ausklinken dürfen. Oder warum die Bundestagsabgeordneten selbst über ihre Diäten bestimmen dürfen.

Ich finde das gerade sehr langweilig. Ich würde lieber wissen, warum Sekundenkleber überall klebt, bloß nicht in der Tube. Ich will auch wissen, warum am Ende meiner Supermarkt-Schlange immer die langsamste Kassiererin sitzt oder warum Ampeln immer dann auf Rot schalten, wenn ich darauf zufahre.

Gäbe es eine Partei, die sich endlich diesen existenziellen Fragen widmen würde – ich würde sie auf der Stelle wählen. Bis dahin lauschen wir eben unserer Frau Merkel…

http://www.youtube.com/user/bundesregierung?v=jstPfMyM5rw&feature=pyv&ad=8690663199&kw=bundesregierung

Schwere Zeiten für uns Philosophen

Ich bin enttäuscht! Jawohl! Nein, nicht über Philipp Rösler, den thüringischen Verfassungsschutz oder über Mark van Bommel. Ich bin enttäuscht über unsere Philosophen. Es gäbe gerade in dieser Zeit so viel zu erklären. Aber weitgehend herrscht Schweigen im Walde. Zum Tag der Philosophie frage ich: Wo seid Ihr, Ihr großen Denker?

Ich gebe zu, früher war es einfacher. Vor der Antike hatten die Menschen vor allem damit zu tun, sich und ihre Kinder zu ernähren. Die Lebenserwartung war gering – da blieb nicht viel Zeit zum Grübeln. Die alten Griechen hatten viel Sonne, vor allem auch reichlich Wein, Aussagen zum Leben als solchem waren ohne Plagiatsverdacht in ihrer ganzen Breite möglich. Die Frauen kochten, die Männer dachten nach. Sofern sie Frauen mochten.

Nehmen wir Diogenes. Von ihm stammen wahrhaft große Erkenntnisse. “Tote heilen und Greise ermahnen ist dasselbe” zum Beispiel. Oder: “An seinen Feinden rächt man sich am besten dadurch, dass man besser wird als sie.” Aber auch der für Midlife-Marathonläufer geeignete Hinweis “Sport ist von Nutzen, bis deine Wangen sich röten. Danach ist er schädlich und zerstört den Verstand.” Nicht schlecht, alter Saufkopf.

Aber dass er sich mit einem Satz wie “Geh mir aus der Sonne, Fremder” einen festen Platz in der ewigen Denker-Hitparade gesichert hat, ist ein Witz. Oder glaubt jemand, dass sich die Menschheit in 200 Jahren seelisch an Zitaten wie “Hau ab, du Depp” oder “Ey, ich weiß wo du wohnst” labt?

Wenn das also schon gereicht hat, ist klar, dass Philosophen heute kaum noch etwas Neues sagen können. Und die Themen passen ja auch nicht mehr. Denker sollen die Welt erklären. Aber wie macht man das, wenn es um Derivate, Wetten auf Staatsanleihen oder Ratingagenturen geht? Wie lässt es sich begründen, dass Menschen davon leben, Bauer sucht Frau zu erfinden? Wer sagt uns, wie es zu Motsi Mabuse kommen konnte? Und warum Menschen vor dem Fernsehgerät sitzen, wenn einem 16-jährigen Rauhaardackel auf Vox ein Darmtumor minimalinvasiv entfernt wird?

Ich weiß es nicht. Ich kümmere mich meine persönliche Müllphilosophie. Das kann ich: Aludeckel in den gelben Sack, Kaffeesatz in die Biotonne, zu eng gewordene Hosen in die Altkleidersammlung, alte Wurst in den Restmüll, Batterien in…. Batterien? Wohin bloß mit den Batterien? Danke, danke. Es gibt doch noch große Fragen des Daseins.

Schlapphüte in die Altkleidersammlung!

Nahezu jedes politische Ereignis hat für mich einen Schuss Komik, der es möglich macht, darüber zu schmunzeln. Wenn es um den Kampf gegen rechtsextreme Mörder geht, kommt bei mir allerdings überhaupt keine Ironie mehr auf. Die Verlogenheit insbesondere konservativer Politiker ist für mich nur noch unerträglich.

Das Reaktionsmuster auf Anschläge oder auf das Entlarven von Neonazis ist immer gleich und deshalb leicht durchschaubar. Es gibt einen Aufschrei, es wird geklagt, dass man mit einer völlig neuen Dimension von Menschenverachtung konfrontiert sei. Mit einem Terror, der wie aus dem Nichts über dieses Land gekommen sei.

Aber man werde so hart reagieren wie nie zuvor. Deshalb wird jetzt wieder ein Verbot der NPD ins Gespräch gebracht. Ich nehme jede Wette an (bitte für Gegenangebote die Kommentarfunktion nutzen), dass es dazu nicht kommen wird. Das Stichwort NPD-Verbot dient vielmehr dazu, die Bevölkerung zu beruhigen und Handlungsfähigkeit vorzuspielen. Sobald die Diskussion um braune Killer abgeebbt ist, wird man die Gegenargumente stärker ins Feld führen. Schließlich wird man vom Verbot “Abstand nehmen”. Was übrigens sowieso meine Meinung ist. Ich finde, eine Demokratie muss stark genug sein, die Existenz extremistischer Parteien zu ertragen.

Aber was wird dafür getan, um die demokratische Auseinandersetzung mit den Rechten zu führen? Sobald sich nach einer Gewalttat Netzwerke gegen Rechts gründen, bejubelt die Politik den “Aufstand der Anständigen”. Aber dann erfährt man, dass der bayerische Verfassungsschutz nicht nur V-Leute in Nazi-Verbindungen bezahlt und so das Treiben dieser Partei mitfinanziert, sondern – zwecks Rettung der Demokratie – einen KZ-Überlebenden bespitzeln lässt.

Weiteres Beispiel: Die antifaschistische Informationsstelle namens “a.i.d.a.” mit Sitz in München, die Fakten über die Neonazi-Szene sammelt, bekommt auf Bundesebene Preise für Zivilcourage. Sie hat die sächsischen Sicherheitsbehörden mit Informationen unterstützten, wird aber vom bayerischen Verfassungsschutz als tendenziell linksextrem eingestuft und beobachtet. Mit der Folge, dass sie nicht als gemeinnützig anerkannt ist. Staatliche Zuschüsse für Projekte von a.i.d.a. gibt es deshalb nicht.

Ein weiteres Beispiel: Wer sich in Dresden auf die Straße setzt, um einen Marsch von Neonazis zu blockieren, muss hinterher erfahren, dass die Sicherheitsbehörden sein Handy abgehört haben. Weil er ja ein Grundrecht verletzt hat.

Ich bin dafür, dass die berühmten “Schlapphüte” in die Altkleidersammlung kommen, dass der Verfassungsschutz abgeschafft wird. Für Kriminelle gibt es die Polizei. Sollte allerdings bekannt werden, dass Leute beobachtet werden, die andere Menschen unter menschenunwürdigen Bedingungen arbeiten oder hausen lassen oder dass Handys von Unternehmern abgehört wurden, die verfassungswidrig das Streikrecht behindert haben – dann sind wir vielleicht wieder im Geschäft. Aber nur dann.

Rösler und die Taschentücher: Wir winken zum Abschied

“Schluss mit der Trauer, Schluss mit den Tränen: Es ist Zeit, die Taschentücher wegzustecken”. Ach, wie ist er doch knuffig, der FDP-Vorsitzende Philipp Rösler. Er hat genug davon, dass seine Partei unter ständigen Wahlniederlagen ächzt. Also erklärt er das Problem für beendet. Kann das gehen?

Rösler erinnert an einen Menschen, der sich krankhaft vor Dunkelheit fürchtet, aber unbedingt in den Keller muss. Also steigt er – scheinbar – vergnügt pfeifend oder singend die Treppen hinunter, an deren Ende irgendein Grauen lauern könnte. Der FDP-Chef, der in seinem früheren Leben als Arzt seine jüngsten Patienten als Bauchredner aufgemuntert hat, probiert es also mit Humor. Oder was er dafür hält.

In seiner Parteitagsrede philosophierte er darüber, dass sich SPD-Chef Sigmar Gabriel zuletzt deshalb von den Grünen distanziert habe, weil diese eine Sondersteuer für dicke Menschen planten. Und die Meldung, dass Oskar Lafontaine und Sarah Wagenknecht ein Paar seien, kommentiert er so: “Sie hat ganz kleine Augen. Ich kenn mich damit aus.” Wahrhaft ein Hammer-Gag!

Würde Philipp Rösler einsehen, dass sein Kollege Rainer Brüderle der begabtere Humorist ist, würde das ihm und seiner Partei sehr helfen. So aber gibt es keinen Grund, die Taschtücher wegzustecken. Ganz im Gegenteil: Wir werden sie brauchen – um der FDP zum Abschied zuzuwinken.

Wie zählt Schnaps in der Ehe?

Eine kleine Frage zum 11. November: Welche Menschen schauen heute Abend in besonders müde Augen? Antwort: Es sind die Angehörigen von Standesbeamtinnen und Standesbeamten. Denn diese hatten Zwecks Spezial-Datum irrsinnig viel zu tun.

Man überlegt sich schon, warum Paare so wild darauf sind, an einem Schnapszahl-Tag zu heiraten. Ist es die Hoffnung, dass der angenehme Effekt des gegenseitigen Schönsaufens auf diese Weise dauerhaft in der Beziehung verankern ließe? Will man Verwandten und Freunden zeigen, dass man den festen Willen zu einer ganz einmaligen Ehe hat? Oder glaubt man daran, dass man diesen Hochzeitstag selbst niemals vergessen wird?

Hofft man gar darauf, dass sich der latente Frohsinn, der dem Datum 11.11. innewohnt, auf die große Liebe übertragen lässt? Glaubt man daran, dass ein Streit weniger schlimm ist, wenn er, wie eine Büttenrede, in Reimform ausgetragen wird? Hat es mit der Vision des Mannes zu tun, dass die Angetraute fortan ausschließlich in superkurzen Röckchen durch die Wohnung hüpfen wird?

Wir können die Motive wohl nur erahnen, müssen aber der Vollständigkeit halber darauf hinweisen, dass sich an früheren Schnapstagen nicht alle Hoffnungen erfüllt haben. So hat das Berliner Standesamt mitgeteilt, dass die am 9.9.09 geschlossen Ehen überdurchschnittlich häufig geschieden wurden.

Die Schnapsdrosseln auf Freiersfüßen werden wieder am 12.12.12 in Scharen unterwegs sein. An einem Tag also, der auch Nationalfeiertag von Kenia ist. Was für die Liebe in Westeuropa natürlich gar nichts bedeutet. Egal. Wir sehen uns am nächsten Red Nose Day der Traualtare!

PS.: Zur sehr wahrscheinlichen Schicksalshaftigkeit eines Datums kommt eine aktuelle Meldung aus Köln. Dort soll es am 11.11 genau um 11.11 Uhr die Geburt eines Zwillingskindes gegeben haben. Alles andere als eine Karriere im Karneval wäre in diesem Fall sehr erstaunlich.

Silvio, jetzt nimm doch mal die Maske ab

Irgendwann muss jeder gehen...

Irgendwann muss jeder gehen...

Caduto! (Gestürzt!) Finalmente! (Endlich!) Santo subito! (Heilig, sofort!) Halt, ganz am Schluss war ich auf der falschen Baustelle. Kaum jemand käme ja auf die Idee, den italienischen Noch-Regierungschef Silvio Berlusconi heilig zu sprechen. Außer er selbst, versteht sich. Viele, viele andere Menschen sind glücklich über seinen baldigen Rücktritt.

Als Blogger mit einem Herz für Kurioses werde ich den Cavaliere im Falle seines tatsächlichen Verschwindens auch vermissen. Denn er war stets ein zuverlässiger Click-Generator. Bezogen auf die meistgelesenen Beiträge meines Blogs ist er die Kader Loth der europäischen Politik. Ein irrealer Typ, dessen Haare wie aufgeklebt und hingetatscht aussehen und bei dessen maskenhaftem Gesicht man sich inzwischen fragt, ob darin nicht schon mehr Falten weggebügelt wurden als im Gesicht von Cher.

Berlusconi, das ist ein mit Testosteron getunter Gerhard Schröder. Ein Regierungschef, der sich keine Mühe gibt, seine Niveaulosigkeit durch schlaues Gerede zu kaschieren. Eine Beschreibung für Barack Obama wie “Er ist jung, gut aussehend und gut gebräunt” kann nur von ihm kommen. Schließlich ist er ein Medien-Mogul, der seinen Landsleuten auf allen Kanälen vorführen lässt, wie Frauen auszusehen haben: Brünette Mähne, möglichst blaue Augen, Traumfigur und ganz lange Beine auf sehr hohen Schuhen.

Über die Frage, wie er sich überhaupt so lange halten konnte, rätselt die halbe Welt. Ich sehe es so: Die Leute glaubten an ihn, dass er “den Menschen Arbeit gibt”, wie mir ein Italiener mal erklärt hat. Es wurde bewundert, wie er sich aus einfachen Verhältnissen nach oben gearbeitet hat. Berlusconi verkörpert den Typ des Unternehmers, der gegen alle Widerstände von Behörden und/oder Staat sein Ding macht. Er beherrscht die typischen Konversations-Gesten der Italiener perfekt. Und seine Frauen-/Mädchen-Affären? Er arbeitet doch auch viel. Ein erfolgreicher Mann muss sich auch mal etwas gönnen dürfen.

So haben das viele im Volk gesehen. Silvio Berlusconi auch. Ob er geht, ist für mich noch nicht sicher. Da fehlen noch einige Beratungen mit seinen Anwälten. Wenn es aber so kommen sollte, wie er jetzt gerade scheint, dann habe ich einen Wunsch: “Bitte, Silvio, nimm beim Abschied deine Maske ab. Ich möchte wissen, wer du wirklich bist.”

"Ich moderiere Wetten, dass…?. Oder nicht."

Na, bitteschön, da ist es doch – das Erfolgs-Fernsehformat der nächsten Jahre. Thomas Gottschalk moderiert seine Show weiter wie gewohnt und konfrontiert jeweils einen Studiogast mit der Aussage “Ich moderiere Wetten, dass…?. Oder nicht.” Das sorgt so lange für Hochspannung im Publikum, bis jemand “Ja, ich will” sagt. Am Samstag hat das schon mal prima funktioniert.

Das ZDF hatte ein klares Wort des bislang heißesten Gottschalk-Nachfolgekandidaten angekündigt. Und schon hatte “Wetten, dass…?” fast genau zehn Millionen Zuschauer, während die Konkurrenz-Show “Das Supertalent” 6,40 Millionen Fans verzeichnete. Hansi Hinterseer wollten in der ARD sogar nur 0,21 Millionen sehen.

Kerkeling lehnte ab. Wahrscheinlich, weil er klug genug ist, um zu erkennen, dass diese Show derart mit dem Moderator Gottschalk verwoben ist, dass andere Moderatoren/-innen sowieso scheitern müssen.

Aber warum nicht so weitermachen, wenn es Quote bringt? Im Fernsehen wird alles Mögliche gecastet: Sänger und Musiker, Song-Contest-Teilnehmer, Top-Models, Dackeldompteure, Jongleure oder notgeile Agrarökonomen. Warum also nicht auch den Super-Moderator suchen?

Das ZDF hätte eine neue Showidee etabliert. Und “Wetten, dass…?” würde den denkbar besten Mann für die Promis-präsentieren-ihr-neuestes-Produkt-Party bis auf Weiteres behalten. Alsdenn.