Die Verfassungsfeinde an der Tankstelle

Unfassbar! Unglaublich! Impertinent! Wieder einmal haben kluge Köpfe darüber nachgedacht, wie sie uns noch ein bisschen mehr schröpfen können. Und natürlich ist der Ort des Wuchers die Tankstelle. Reifenluft soll in Zukunft einen Euro kosten.

Da hat also eine US-Firma mit dem harmlos klingenden Namen „Air-Serv“ einen Reifendruckprüfer gebaut, der Luft nur gegen eine Gebühr von einem Euro hergibt. Bisher war dieser Gummi-Aufblas-Schröpfer ein Exot, aber nun denkt Shell daran, ihn flächendeckend einzuführen.

Ich sage erstens: Das könnt Ihr überall machen, aber nicht bei uns in Bayern. Denn wir wissen, dass die Umwelt allen Menschen gehört. Im sogenannten „Schwammerlparagraph“ („Pilzparagraph“ – für Menschen mit hochdeutschem Dialekt), dem Artikel 141 der Bayerischen Verfassung, wird jedem Bürger „die Aneignung wildwachsender Waldfrüchte im ortsüblichem Umfang“ sowie der freie Zugang „zu Bergen, Seen und Flüssen und sonstigen landschaftlichen Schönheiten“ garantiert.

Zur Natur gehört ja wohl auch die Luft. Ich finde, mit allem Zubehör.

Zweitens: Ausgerechnet Shell, dieser Konzern, der sich, um die Unverschämtheit seiner überhöhten Preise zu kaschieren, wieder zum fensterputzenden Tankwart zurückkehrt, will bei der Luft den Service streichen. Der Firma sei gesagt, dass sie sich selbst schaden wird. Denn ihre Kunden würden aus Geiz keine Luft nachfüllen, anschließend wegen platter Reifen aus den Kurven fliegen, und somit für alle Zeiten als zahlendes Publikum verloren sein.

Na ja, ich fahre sowieso lieber mit dem Bike. Aber halt! Hat mir nicht der Fahrradhändler kürzlich einen Euro abgeknöpft. Mit der Begründung, dass die Luft nur dann umsonst sei, wenn etwas gekauft oder repariert würde. Tatsächlich. Er hat!

Es stimmt schon: Die Feinde unserer Verfassung lauern überall.

 

 

3 Kommentare in “Die Verfassungsfeinde an der Tankstelle

  1. ist schon sommerloch? ok, vielleicht nachrichten-loch, weil sommer kann man das ja wohl nicht nennen.

    es ist ja wirklich ne schlagzeile wert, das man jetzt nen euro reinwerfen muß. erinnert mich an die brandheiße reportage über die toiletten-abzocke an den autobahn-raststätten. die erlauben sich doch, da immerhin 70 cent zu verlangen. boah ey. bewahrheitet sich mal wieder: geld stinkt nicht.

    andererseits kann man natürlich schön von allen wirklichen problemen ablenken. haben wir inzwischen ein gültiges wahlgesetz? nein? was passiert eigemtlich, wenn die merkel beim wagner final einschläft? rösler wird neue bundeskanzlerin? aber wer will sich schon mit solchen horrorszenarien belasten, wenn man routinemäßig über ölkonzernabzocker schimpfen kann.

    ich würde mich liebend gerne über so was aufregen, wenn diese nachricht die schlimmste der woche wäre. aber so…

  2. Wenn man bedenkt, mit welchen Kosten ein gewöhnlicher Tankstellenpächter aufbringen muß, verwundert eigentlich nicht, daß bisher „selbstverständlich“ gratis erbrachte Leistungen vielleicht auf Dauer nicht unbedingt gratis bleiben können – als noch diese handlichen Reifendruckprüfgeräte üblich waren, sind sie oftmals von Autofahrern mitgenommen worden. Auch Spritdiebstähle haben zugenommen. „Entliehenes“ Werkzeug wird auch nicht immer zurückgebracht… daß Shell seit einigen Jahren den „Tankwartservice“ wieder eingeführt hat, soll sicher vor allem die „Zahlungsmoral“ der Kunden ein wenig heben – kostendeckend ist der Aufpreis von pauschal einem Euro sicher nicht…

    Dieses [URL=http://www.air-serv.eu/site/products/DE]Air-Serv[/URL]-Gerät ist zunächst einmal eine Kostenersparnis für den Tankwart, und wenn er an den Einnahmen beteiligt wird, ist dies wohl legitim. Im übrigen ist die Aufregung, die die Presse um die ursprüngliche Meldung veranstaltet, wohl ein wenig übertrieben, denn NOCH testet Shell in den kommenden sechs Monaten an zehn ausgewählten Tankstellen nahe der niederländischen Grenze kostenpflichtige Reifenluftdruckgeräte – vorerst ist an eine flächendeckende Einführung dieser Geräte nicht gedacht.

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