Urlaub, oder: Die Freiheit macht uns Angst

Als Touristen sind wir eine seltsame Spezies. Vor dem Autokauf studieren wir mit Hingabe Kohlendioxid-Ausstoß-Statistiken, wir ermitteln die Öko-Bilanz unseres Erdbeerjoghurts und verweigern die Nahrungsaufnahme, sobald eine mutmaßliche Mörderbakterie auftaucht. Bloß: Wenn wir unser Urlaubsziel wählen, ist es mit dem bewussten Leben vorbei. Oder fragt jemand nach dem Demokratie-Index an unserem Traumstrand?

Nehmen wir Kuba. Eine tolle Insel, tolle Leute, tolle Musik, tolle Zigarren. Aber auch – zum Beispiel – der größte Journalistenknast der Welt. Schöne, heiße Gegenden wie der Oman oder das künftige Fußball-WM-Gastgeberland Katar sind keine freien Länder. Von Libyen (vorerst?) ganz zu schweigen.

Aber gerade beim Blick nach Arabien wird es absurd. Ein Land wie Ägypten war wegen seiner reichen Kultur, der günstigen Preise und wegen der gastfreundlichen Menschen immer ein beliebtes Reiseziel. Auch in Tunesien ließen sich deutsche Touristen gerne in der Sonne grillen.

Bis, ja bis in beiden Ländern die Demokratie ausgebrochen ist. Seitdem gehen die Gästezahlen nach unten, in Tunesien stärker als im Land der Pyramiden. Das wirkt, als wären uns von verlässlichen Diktatoren kontrollierte Urlaubsgebiete  lieber, als Regionen, in denen freie Menschen leben. Als fänden wir es schöner, wenn uns billige Sklaven bedienen als Gastgeber, die uns auf Augenhöhe begegnen.

Warum helfen wir den jungen Demokratien nicht, indem wir gerade jetzt hinfahren? Warum bestrafen wir Diktaturen nicht durch Urlaubsboykott? Wenn es nicht reine Ignoranz ist, muss es wohl eine Angst vor der Freiheit geben. In diesem Sinne: Bloß gut, dass Weißrussland nicht am Meer liegt.

 

 

3 Kommentare in “Urlaub, oder: Die Freiheit macht uns Angst

  1. Ich glaube es ist eher Dummheit. Und Angst, dass einem etwas passieren könnte. Schließlich haben mittlerweile viele Menschen Bilder von Militär und Protestanten in den Köpfen, wenn sie an die Länder denken. Und wer fährt schon gerne zum Militär auf Urlaub?

  2. Wir müssen aber doch jetzt alle Griechenland und Italien retten, demnächst Irland, so lernen wir schon mal Europa wieder kennen.

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