Archiv für Juli, 2011

Juli 30th, 2011

Dringend! Die Welt braucht ein Geld-App!

e Was waren doch die USA dereinst für eine Verheißung? Retter der Welt, Hüter der Freiheit, Kämpfer für die Gerechten, Auslöser jedweden Fortschritts, das Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Und jetzt ist man auf einem umfassenden Pleite-Kurs. Stand am Ende der Amtszeit von George W. Bush der moralische Bankrott, so fehlt unter Obama auch noch das Geld.

Jawohl, es gibt einiges, wofür wir die Amis mal geliebt haben. Man denke an die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg, wo sie die Berliner mittels Rosinenbombern ernährt und uns nach der schrecklichen Nazi-Herrschaft mit Jazz, Nylonstrümpfen, Coca-Cola, Kaugummis und Zigaretten wieder in die Genussspur gebracht haben. Unter anderem lernten wir, dass man sich in einem öffentlichen Park auf den Rasen setzen darf. Dank der US-Soldaten sind wir alle lässiger geworden.

Aber die heiße Liebe ist abgekühlt. Insgeheim war uns klar, dass unter einer weißen Weste immer auch Dreck ist. Also wurden viele der jüngeren Segnungen der USA alsbald angezweifelt. McDonald’s macht dick, Microsoft-Programme laufen immer wieder mal anders als sie sollen. Der Fall der Berliner Mauer wurde Helmut Kohl und nicht Ronald Reagan zugeschrieben. Und Barack Obama kann entgegen früherer Annahmen doch nicht übers Wasser laufen.

Jetzt also stehen die Börsenexperten der Fernsehsender vor dem Spiegel und üben ihr schlimmstes Krisengesicht. Heiner Geißler baut noch an seinem Bahnhof und fällt als Schlichter aus. Helfen kann somit nur noch Apple. Diese Firma ist derart beliebt, dass sie inzwischen mehr Geld auf dem Konto hat, als die USA in der Staatskasse.

Bitte, lieber Apple-Chef Steve Jobs. Du und nur du bist der Rosinenbomber dieser schweren Zeit: Schenk dem Obama ein Geld-App. Die Welt wird es Dir danken.

Juli 28th, 2011

Die Verfassungsfeinde an der Tankstelle

Unfassbar! Unglaublich! Impertinent! Wieder einmal haben kluge Köpfe darüber nachgedacht, wie sie uns noch ein bisschen mehr schröpfen können. Und natürlich ist der Ort des Wuchers die Tankstelle. Reifenluft soll in Zukunft einen Euro kosten.

Da hat also eine US-Firma mit dem harmlos klingenden Namen “Air-Serv” einen Reifendruckprüfer gebaut, der Luft nur gegen eine Gebühr von einem Euro hergibt. Bisher war dieser Gummi-Aufblas-Schröpfer ein Exot, aber nun denkt Shell daran, ihn flächendeckend einzuführen.

Ich sage erstens: Das könnt Ihr überall machen, aber nicht bei uns in Bayern. Denn wir wissen, dass die Umwelt allen Menschen gehört. Im sogenannten “Schwammerlparagraph” (“Pilzparagraph” – für Menschen mit hochdeutschem Dialekt), dem Artikel 141 der Bayerischen Verfassung, wird jedem Bürger “die Aneignung wildwachsender Waldfrüchte im ortsüblichem Umfang” sowie der freie Zugang “zu Bergen, Seen und Flüssen und sonstigen landschaftlichen Schönheiten” garantiert.

Zur Natur gehört ja wohl auch die Luft. Ich finde, mit allem Zubehör.

Zweitens: Ausgerechnet Shell, dieser Konzern, der sich, um die Unverschämtheit seiner überhöhten Preise zu kaschieren, wieder zum fensterputzenden Tankwart zurückkehrt, will bei der Luft den Service streichen. Der Firma sei gesagt, dass sie sich selbst schaden wird. Denn ihre Kunden würden aus Geiz keine Luft nachfüllen, anschließend wegen platter Reifen aus den Kurven fliegen, und somit für alle Zeiten als zahlendes Publikum verloren sein.

Na ja, ich fahre sowieso lieber mit dem Bike. Aber halt! Hat mir nicht der Fahrradhändler kürzlich einen Euro abgeknöpft. Mit der Begründung, dass die Luft nur dann umsonst sei, wenn etwas gekauft oder repariert würde. Tatsächlich. Er hat!

Es stimmt schon: Die Feinde unserer Verfassung lauern überall.

 

 

Juli 26th, 2011

Kaufhof-Rettung? Da hilft nur Geld.

Kennen Sie den? Den Primat der Politik? Dieser Begriff steht für die Meinung, dass bei wichtigen Entscheidungen der politische Wille Vorrang vor allen anderen Interessen, insbesondere vor wirtschaftlichen, haben sollte. Manchmal aber ist dieser Primat ein Witz. Aus gutem Grund.

Namhafte Gelehrte bezweifeln ohnehin längst, dass eine Welt funktionieren kann, in der die Politiker/-innen stets zuallererst den Ton angeben. Sie beschäftigen sich dabei gerne mit der Globalisierung. Ich nehme ein Nürnberger Thema. Den Kaufhof.

Jüngst hatte ich geschildert, dass mich das für 2012 geplante Aus für das traditionsreiche Nürnberger Südstadt-Kaufhaus richtig traurig macht. Mich verbinden damit viele persönliche Erinnerungen. Auch zahlreiche andere Menschen zeigten sich geschockt.

Alle, die in dieser Gegend Verantwortung tragen, sollten daher schleunigst gemeinsam nach der besten Lösung für die Zukunft suchen. Meint man. Aber das gelingt nicht. Zurzeit jedenfalls sucht offenbar jede Partei nach einer eigenen Lösung, die Einzelhändler-Vereinigung “Südstadt Aktiv” verbündet sich ganz offiziell mit der CSU,  bedient sich aber auch bei Ideen bei der SPD. Aus Sicht der Bürger entwickelt sich ein “Herr-Lehrer-ich-weiß-was-Spiel”. Am vergangenen Samstag waren auf dem Aufseßplatz zwei Stände zum Thema Kaufhof aufgebaut. Ein seltsames Bild.

So werden die Akteure nicht zum Ziel kommen. Den Primat der Politik kann man vergessen. Es hilft nur jemand, der den Mut hat, in diesen grauen Kasten viel Geld zu investieren. “It’s the econonmy, stupid” – es kommt darauf an, was die Wirtschaft sagt. Der frühere US-Präsident Bill Clinton hat mit seinem berühmten Satz in Sachen Nürnberger Südstadt recht. Und das ist ja auch ein globaler Aspekt.

 

 

 

 

 

Juli 24th, 2011

Warum bloß Norwegen?

Warum bloß Norwegen? Seit dem Terroranschlag und dem Amoklauf vom vergangenen Freitag geht mir vor allem diese Frage durch den Kopf. Die schrecklichen Ereignisse passen einfach nicht zu den Bildern, die mir zu diesem Land einfallen. Ich finde keine Antwort.

Norwegen war für mich bisher ein beneidenswertes Land. Stinkreich dank Erdöl, mit einer florierenden Wirtschaft, mit vielen Kindern und einer toleranten Gesellschaft ohne dumpfe Quadratschädel. Norwegen, das war für mich ein faszinierende Natur und eine stets erstaunlich große Zahl hervorragender Sportler. Ein Land, in dem sogar die Königsfamilie normal und nett wirkt.

Wenn die stets gut geschriebenen oder gedrehten Krimis aus Skandinavien aufgetaucht sind, habe ich eher mal gelästert, dass das doch unglaubwürdig sei, weil es in Skandinavien eh keine Morde gebe. Negativ an Norwegen war für mich eigentlich nur, dass es mir als Urlaubsziel zu teuer war.

Und nun kommt es ausgerechnet dort zu zwei Attentaten mit bislang 92 Toten. Uns mag das als schlimme, aber nicht so riesige Zahl erscheinen. Umgerechnet jedoch auf unsere Einwohnerzahl wären 1500 Menschen ums Leben gekommen, umgerechnet auf die Bevölkerungszahl der USA rund 5800.  Bei den Anschlägen auf das World Trade Center starben 2600 Menschen. Die Folgen sind bekannt.

Das zeigt, wie schwer beziehungsweise unmöglich es für die Norweger werden wird, zu ihrem bisherigen Lebensgefühl  zurückzukehren. Die Motive des Attentäters sind bisher das zweite große Rätsel. Und vielleicht wäre es gut, wenn das so bleibt. Denn mit der Tat eines irren Psychopathen ließe es sich wahrscheinlich immer noch am besten leben.

Juli 22nd, 2011

Die böse Fünf bedroht uns alle

Traditionell gilt die 13 als Unglückszahl. Die wahre Bedrohung ist jedoch die Fünf. Vieles, was schlimm ist, hat mit dieser Zahl zu tun. Trunksucht, Mobbing, Burnout, Fasching…

Juli 19th, 2011

Stefan Schuster – der Retter der Demokratie

Unser Retter: Stefan Schuster.

Unser Retter: Stefan Schuster.

Ich muss jetzt mal eine Frage stellen, mit der meine zahllosen Freunde außerhalb Bayerns nichts anfangen können: Kennen Sie Stefan Schuster? Nein? Sollten sie aber. Denn dieser SPD-Landtagsabgeordnete ist der Hoffnungsträger, der Retter. Er, und vielleicht nur er, kann die Vertrauenskrise der Politik überwinden. Denn er ist… Aber der Reihe nach.

Unsere glorreiche Nürnberger Gesellschaft für Konsumforschung untersucht ja alles, wovon jemand mit Geld meint, dass es untersucht werden sollte.  Zum Beispiel ermittelt sie die deutsche Single-Hauptstadt (Regensburg), ergründet die Nachfrage nach E-Books (noch schwach) oder fragt nach der bevorzugten Marke von Hausärzten beim Kauf von Blutdruck-Messgeräten.

Manchmal jedoch geht es auch den Marktforschern ums große Ganze. Dann sammeln sie Daten für den “GfK-Vertrauensindex”. Und lassen die Menschen fragen: Wer meint es wirklich gut mit uns? Wer ist aufrecht und niemals hinterfotzig? Wer lügt nie bei der Arbeit?

Für die Politiker/-innen ist diese Forschungsarbeit schlecht ausgegangen. Nur 14 Prozent der Befragten trauen ihnen über den Weg. Das tut weh, wird aber durch eine nette Pension schon nach relativ kurzer Amtszeit belohnt. Auch die Banker genießen kein Vertrauen mehr. Endlich, möchte man sagen. Und nicht einmal die eigentlichen Anker unseres Daseins, die Brückenbauer ins Paradies, also die Priester, schneiden überragend ab. Das Vertrauen in den Klerus ist innerhalb eines Jahres von 72 auf 55 Prozent gesunken.

Aber an wen glauben die Menschen? an die Ärzte, die Polizisten – und an die Feuerwehrleute. Unfassbare 94 Prozent sind sicher, dass die Löschkräfte ausschließlich aus hehren Motiven handeln.

Und jetzt kommt die Auflösung vom Anfang dieses Textes: Der Landtagsabgeordnete Stefan Schuster war vor seinem Wechsel ins bayrische Parlament von Beruf Feuerwehrmann. Er kann die Vertrauenskrise lösen. Denn wenn man die Feuerwehr- und Politiker-Vertrauensquote zusammenrechnet und durch zwei teilt, gilt er als spürbar vertrauenswürdiger als jeder katholischer Prieste. Und das als Sozialdemokrat! Die Marktforschung macht’s möglich.

 

 

 

 

Juli 16th, 2011

Urlaub, oder: Die Freiheit macht uns Angst

Als Touristen sind wir eine seltsame Spezies. Vor dem Autokauf studieren wir mit Hingabe Kohlendioxid-Ausstoß-Statistiken, wir ermitteln die Öko-Bilanz unseres Erdbeerjoghurts und verweigern die Nahrungsaufnahme, sobald eine mutmaßliche Mörderbakterie auftaucht. Bloß: Wenn wir unser Urlaubsziel wählen, ist es mit dem bewussten Leben vorbei. Oder fragt jemand nach dem Demokratie-Index an unserem Traumstrand?

Nehmen wir Kuba. Eine tolle Insel, tolle Leute, tolle Musik, tolle Zigarren. Aber auch – zum Beispiel – der größte Journalistenknast der Welt. Schöne, heiße Gegenden wie der Oman oder das künftige Fußball-WM-Gastgeberland Katar sind keine freien Länder. Von Libyen (vorerst?) ganz zu schweigen.

Aber gerade beim Blick nach Arabien wird es absurd. Ein Land wie Ägypten war wegen seiner reichen Kultur, der günstigen Preise und wegen der gastfreundlichen Menschen immer ein beliebtes Reiseziel. Auch in Tunesien ließen sich deutsche Touristen gerne in der Sonne grillen.

Bis, ja bis in beiden Ländern die Demokratie ausgebrochen ist. Seitdem gehen die Gästezahlen nach unten, in Tunesien stärker als im Land der Pyramiden. Das wirkt, als wären uns von verlässlichen Diktatoren kontrollierte Urlaubsgebiete  lieber, als Regionen, in denen freie Menschen leben. Als fänden wir es schöner, wenn uns billige Sklaven bedienen als Gastgeber, die uns auf Augenhöhe begegnen.

Warum helfen wir den jungen Demokratien nicht, indem wir gerade jetzt hinfahren? Warum bestrafen wir Diktaturen nicht durch Urlaubsboykott? Wenn es nicht reine Ignoranz ist, muss es wohl eine Angst vor der Freiheit geben. In diesem Sinne: Bloß gut, dass Weißrussland nicht am Meer liegt.

 

 

Juli 14th, 2011

Panzer verkaufen? Gut, das es miese Vorbilder gibt

Mit Vorbildern ist das so eine Sache. Ganz absolut und völlig zweifelsfrei gibt es keine. Der eine bewundert den Freund, der es zur Doppelhaushälfte gebracht hat, während der überzeugte Mieter denselben für spießig hält. Das erfolgreiche Arbeitstier gilt manchem als Idol, während der Familienmensch meint, dass sich da jemand auf Dauer bloß unglücklich macht. Und so sucht sich jede/r seinVorbild heraus, an dem sie/er sich ganz persönlich orientiert.

Clevere Menschen wissen, dass es sinnlos ist, herausragenden Idolen zu folgen. Wer etwa meint, er könne beim Fußball jemals dribbeln wie Lionel Messi, singen wie Anna Netrebko oder kochen wie Tim Mälzer (okay, mäßiges Beispiel), legt damit den Grundstein zu dauerhaftem Unglück. Die besten Vorbilder sind jene, die man erreichen und irgendwann übertrumpfen kann. Was aber tun, wenn man gerade nicht so gut in Form ist? Antwort: Dann folgt man erstmal schlechten Vorbildern. Denn wer ganz unten ist, steigt irgendwann nach oben.

Womit wir bei unserer Bundesregierung und bei den Panzerlieferungen für Saudi-Arabien wären. Hier geht es – wie auch bei den Patrouillenbooten für Angola – sehr offensichtlich fast nur ums Geschäft und gar nicht um die Moral. Gerade Saudi-Arabien, eine Unterdrücker-Monarchie der ersten Kategorie, wird mit Stahlmonstern beliefert, die laut Hersteller bestens für “asymmetrische Einsätze” geeignet sind. Also zum Beispiel für das Niederwalzen von Demonstranten.

Das geht gar nicht, möchte man sagen. Doch zum Glück für die Händler gibt es Vorbilder, wenn auch schlechte.Das Hauptargument der Regierung für den großen Deal lautet also: “Wenn wir die Panzer nicht verkaufen, macht es jemand anders.”

Glückwunsch. Dieses Motto lässt sich nun wirklich auf nahezu sämtliche Lebenslagen übertragen. Wenn ich das Gammelfleisch nicht verkaufe, macht es meine Konkurrenz. Wenn ich der alten Frau die Tasche nicht klaue, macht es ein anderer Dieb. Wenn ich keine Steuern hinterziehe, bin ich doch bloß in der Minderheit. Wenn ich meinen Kollegen nicht wegmobbe, wird bloß ein anderer Abteilungsleiter.

So funktioniert heute Politik in unserem Namen!? Es ist grauslig. Sonst nichts.

 

 

 

Juli 13th, 2011

“Wetten, dass…?”: Pelzig hält sich, aber die Frisur…

Ich bin noch die Auflösung meiner Umfrage zur Nachfolge für Thomas Gottschalk bei “Wetten, dass…?” schuldig. (siehe hier)

Alsdenn: Favorit meiner Leser(innen) ist demnach Hape Kerkeling. Er bekam 45,24 Prozent der Stimmen. Überraschend gut gehalten hat sich der bislang noch überhaupt nicht gehandelte Erwin Pelzig. 40,48 Prozent trauen dem fränkischen Kabarettisten den edelsten ZDF-Job zu. Anke Engelke und Jörg Pilawa sind mit je 7,14 Prozent abgeschlagen, Oliver Geissen will niemand sehen.

Ich muss aber zugeben, dass ich den strukturellen Konservatismus der öffentlich-rechtlichen Showmanager unterschätzt hatte. Dem Vernehmen nach läuft nämlich derzeit alles auf Michelle Hunziker zu. Mit ihr wäre, bei allen sonstigen Unterschieden zu Thomas Gottschalk, eine klare Kontinuität hinsichtlich Haarfarbe und -frisur gegeben.

Diesen Aspekt hatte ich unterschätzt. Aber wer weiß: Der weiße Rauch soll erst im Dezember aufsteigen. Vielleicht kann der verunglückte Kandidat von damals wieder gehen – und es bleibt alles, wie es war. Gottschalks Frisur hält auf jeden Fall.

Juli 11th, 2011

Wer kennt sie – die Wahrheit über Frauen?

Im Journalismus lernt man von Anfang an, dass man es mit den Botschaften nicht übertreiben soll. Vor allem sollte man nie sensationelle Versprechen geben, die man nicht erfüllen kann. Aber was macht gerade das selbst ernannte Magazin für die Info-Elite, der “Focus”? Geht mit der Titelgeschichte “Die Wahrheit über Frauen” auf den Markt. Und illustriert diese Botschaft mit TV-Moderatorin Michelle Hunziker. Mit einer durchschnittlichen Frau also.

Muss Mann das kaufen? Keinesfalls. Schließlich kann es keine noch so gute Zeitschrift schaffen, jene Rätsel zu entschlüsseln, die zahllose Männer bis ans Lebensende und oft genug darüber hinaus begleiten. Ein Heft wie der “Focus” schon gar nicht.

Nein, Frauen bleiben ein Rätsel. Zu erleben ist das bei den Chefs in den allermeisten Firmen. Diese machen ihre Unternehmen zu Weltmarktführern, erfinden die besten Automotoren, Solarzellen und Kuhstall-Fliegenfallen überhaupt, haben aber mitunter erhebliche Probleme, ihren Mitarbeiterinnen bereits vor deren zehntem Betriebsjubiläum den jeweils richtigen Namen zuzuordnen. Vor allem tun sich Spitzenmänner schwer mit der Vorstellung, dass eine Frau ihren Job genauso gut machen könnte, wie sie selbst. Wo doch die eigene Gattin mit Tennis, Golfen, Kosmetik-Terminen oder mit dem Betreiben ihrer kleinen Kunstgalerie so irrsinnig ausgelastet ist.

Deshalb wurden wahrhaftige Glanzlichter der Frauenförderung in Deutschland bislang nur dann gesetzt, wenn ein alter Mann seine Frau durch ein jüngere Mitarbeiterin ausgetauscht hat und anschließend gestorben ist. Die so aufgestiegenen Chefinnen heißen dann zum Beispiel Friede Springer oder Liz Mohn. Und deren Läden laufen.

Aber ein bisschen muss man die Männer auch verstehen. Denn dann, wenn man Frauen einmal bedingungslos vertraut, versagen sie. Oder war es nicht ausgemacht, dass sie Fußball-Weltmeisterinnen werden? Und dann das Aus! Gegen diese Japanerinnen mit ihren kleinen Füßen! Wären sie im Halbfinale rausgeflogen, hätte man die DFB-Frauen wenigstens “Weltmeisterinnen der Herzen” rufen dürfen. Aber so. Wer braucht schon Weltmeisterinnen der Nieren.

Klar, sie waren schon mal die Besten der Besten. Aber für drei Siege in Folge haben unsere Frauen offenbar noch nicht den ausreichend langem Atem. Ähem, will nicht unsere Bundeskanzlerin 2013 auch noch mal….?

Juli 10th, 2011

Der Trauer-Pomp um den Beinahe-Kaiser

In diesen, vom Hang zu Klatsch und Oberflächlichkeit geprägten Zeiten, sind so genannte Traumhochzeiten der eigentliche Markenkern des Hochadels. Zurzeit werden wir jedoch Zeuge einer ausgedehnten Grablegung. Diese gilt Seiner Kaiserlichen und Königlichen Hoheit Franz Joseph Otto Robert Maria Anton Karl Max Heinrich Sixtus Xaver Felix Renatus Ludwig Gaetan Pius Ignatius, Kaiserlicher Prinz, Erzherzog von Österreich, Königlicher Prinz von Ungarn. Also (so der weltliche Name) Otto Habsburg-Lothringen, der gerade 98-jährig verstorben, ähem, “hinübergegangen” ist, wie das gläubige Katholiken sagen.

Bis Mitte Juli werden seine sterblichen Überreste an Orten aufgebahrt, an denen seine Dynastie besonders erfolgreich geherrscht hat. Inszeniert wird mit reichlich Pomp und ganz besonderen Zutaten: So hat Papst Benedikt dem toten Kaisersohn einen Apostolischen Segen per Fax geschickt. Den kriegt so nicht jeder. Und zum glaubensschwangeren Brimborium gehört auch, dass seine Ehefrau Regine mit ihm gemeinsam in die Kapuzinergruft im Wiener Stephansdom gelegt wird. Dass Selbige schon seit über einem Jahr tot ist, ist bei einem Ereignis dieser Kategorie offenbar kein Hindernis.

Ich selber habe Otto Habsburg-Lothringen nie aus nächster Nähe erlebt. Allerdings hat mir sein Büronachbar im Europäischen Parlament, der CSU-Politiker Ingo Friedrich, mit leuchtenden Augen von dessen überragender Bildung vorgeschwärmt. Tatsächlich sprach der letzte Kaisersohn neben Deutsch auch Ungarisch, Kroatisch, Englisch, Spanisch, Französisch und Latein fließend. Das flößt mir mächtig Respekt ein. Ein weiteres Erlebnis in Bezug auf Seine Majestät hatte ich, als ich in einer Glosse Tatjana Gsell empfahl, es anlässlich ihrer seinerzeit geplanten Prinzessinnenwerdung doch beim Beinahe-Kaiser zu probieren. Da ich den europäischen Hochadel bei dieser Gelegenheit als überflüssig bezeichnete, drohte mir ein angebliches Mitglied der kontinentalen Königsklasse ernsteste Konsequenzen an, die aber bisher ausgeblieben sind.

Gut, nehmen wir es hin, dass Otto Habsburg-Lothringen als “großen Europäer” bezeichnet wird. Es ehrt ihn, dass er immer ein entschiedener Gegner Hitlers war. Allerdings hatte er auch kein Problem damit, seine politischen Ambitionen vom früheren spanischen Diktator Franco fördern zu lassen. Ein ausgewiesener Kommunistenfresser war er auf jeden Fall.

Letztlich verbietet sich die Überhöhung, zu der viele von uns offenbar neigen, wenn es um Kaiser oder Fürsten geht. Im Online-Kondolenzbuch liest sich das so: “Ein Lichtstrahl, ein Engel, ein Mensch – all das war und ist Otto von Habsburg. Unbeugsam im Fleiß, fröhlich im Wesen. Wir werden ihn vermissen. Doch in unseren Herzen lebt er weiter.”

Also, in meinem nicht. Mich beschäftigen da schon eher die zahlreichen Titel Habsburgs. Er durfte sich ja unter anderem König von Jerusalem nennen. Also frage ich mich: Wird der Nahost-Konflikt jetzt, nach seinem Tod, leichter oder noch schwerer zu lösen sein? Oder ist der Hochadel heute doch viel unwichtiger, als mancher glauben möchte?