Verschenkt das Geld für Griechenland!

Griechenland! Krise! Ruin! Untergang des Euro! Das Ende des christlichen Abendlandes! Egal, welche Zeitung man liest, welche Nachrichtensendung man hört oder sieht oder welchen Newsseite man klickt – allüberall ist der Jammer groß. Die Politik rudert wild in der Gegend herum. Warum hören die nicht auf mich?
Am 27. März 2010 habe ich den revolutionären, ultimativen Vorschlag zur Hellas-Rettung gemacht. Statt Rettungsschirm und neuen Krediten, die später eh nicht bezahlt werden, sollte ein reiches Land wie Deutschland seine Milliarden gleich verschenken. Es sollte es seinen Bürgerinnen und Bürgern geben, damit diese am Mittelmeer Urlaub machen.
Menschen, die sich große Ferien nicht mehr leisten können, würden glücklich gemacht. Und für die griechische Wirtschaft wäre ein massenhafter Zustrom deutscher Touristen ein grandioses Konjunkturprogramm. Der dortige Staat würde plötzlich Steuern einnehmen – und bräuchte weniger Geldspritzen von außen.
Noch hat die Feriensaison nicht überall begonnen. Noch ist Zeit. Also los, liebe Regierung!
Ansonsten bleibt den Griechen, so befürchte ich, nur der Anschluss an die Türkei.

Die Frage aller Fragen: Wer wird der neue Gottschalk?

Bisher haben wir uns mehr oder weniger stark um diese Frage herumgedrückt, aber nun muss es eine Antwort geben: Wer soll der neue Thomas Gottschalk werden?

Das Original hat Samstagabend noch einmal richtig abgeräumt. 12,43 Millionen Zuschauer wollten Gottschalk in seiner Abschiedsshow sehen. Damit hatte er den entschieden besseren Abgang als Fußballstar Michael Ballack. Der kriegt ja wohl gar keine Farewell-Party.

[polldaddy poll=”5155883″]

Außerdem kann Gottschalk neu durchstarten, zum Beispiel in der ARD. Was immer er aber macht, es wird Zweite Liga sein. Denn er und “Wetten, dass…?” gehören so symbiotisch zusammen, dass jede neue Sendung oder Show nur ein relativer Flop werden kann.

Wer aber soll es werden? Wenn nicht Thomas Gottschalk, der dann “Allzeit-Unersetzliche”, darselbst? Ich habe schon vor Monaten nachgefragt, damals lag Hape Kerkeling klar vorne. Aber vielleicht gibt es ja noch jemand, der Jörg Pilawa verhindern kann.

Der Latin Lover ist ein Muttersöhnchen

Wie stellen wir uns den jungen Italiener vor? Am ehesten so: Dunkelhaarig, glutäugig, gepflegt, vielleicht ein bisschen klein geraten, dafür aber mit geschmeidigen Bewegungen und einem Charme, dem keine Frau lange widerstehen kann. Ein Latin Lover eben. Aber dieses Klischee stimmt nicht – sofern diese Nachricht stimmt: Die Zahl der Muttersöhne in Italien steigt alarmierend.

Laut einer offiziellen Studie ist in Italien der Anteil der jungen Menschen zwischen 15 und 29 Jahren, die weder arbeiten noch studieren, auf 22,1 Prozent gestiegen. Der europäische Schnitt liegt bei 14,7 Prozent. Unser südlicher Nachbar ist somit das einzige Land, in dem es mehr Inaktive als Arbeitslose gibt.

Das ist überraschend, aber es gibt Gründe. Da ist die italienische Mama als solche. Keine andere weltweit ist derart fürsorglich wie sie, keine andere vertsteht sich so gut auf die Zubereitung der drei großen P’s (Pasta, Pizza und Polenta). Auf der anderen Seite gibt es für junge Italiener kaum angemessene Partnerinnen. Jene Grazien, die das Frauen-Wunschbild prägen, indem sie durch die Programme der privaten TV-Sender tänzeln, sind derart schön und derart auf Drei-Wetter-Taft de Luxe gestylt, dass im realen Leben nichts Vergleichbares anzutreffen ist.

Und schließlich: Silvio Berlusconi lehrt den jungen Männern, dass es für Amore vor allem und zuallererst eine dicke Brieftasche braucht. Für berufliche Perspektiven hat er allerdings weniger gut gesorgt. Kein Job, kein Geld. Also bleiben viele lieber gleich daheim und ruhen sich vorsorglich aus für den Tag, an dem ihnen bezahlte Arbeit zufliegt.

Sie meinen, dass das bei uns ganz anders ist? Noch ist es so, aber wir sind auf dem Weg dorthin. Wenn sich der Trend zu immer mehr Praktika, Leiharbeit und befristeten Jobs fortsetzt, wird der Mut, auf eigenen Füßen zu stehen, entsprechend nachlassen. Wir wären dann so verzagt wie die Italiener – höchstwahrscheinlich aber weniger chic.

EHEC und andere Essens-Katastrophen

EHEC ist vielleicht vorbei. Doch neue Essens-Katastrophen kommen sicher. Aber: Wollen wir es auf unseren Tellern überhaupt ganz anders? Mein Beitrag – mit einem Filmstar und einem anderen Hasen. Weiter lesen

"Bauer sucht Frau" und der rosa Traktor

Ach ja, im Fernsehen ist es doch immer dasselbe: Sobald die Quote zu bröckeln drohen, beginnt die Suche nach jener  Provokation, die uns wieder neugierig machen könnte. Sogar bei der beliebten, treudoofen Agrar-Kuppelshow “Bauer sucht Frau” läuft das so: Zum ersten Mal ist ein schwuler Landwirt am Start.

Es stimmt doch. Wir hatten uns immer gedacht, dass sich draußen in der Pampa manchmal nicht nur Fuchs und Hase, sondern auch Sodom und Gomorrha “Gute Nacht” sagen würden. Uns war auch aufgefallen, dass in entlegenen Dörfern überraschend viele Menschen überraschend oft die gleichen Namen tragen. Aber Schwulsein? Davor sollte doch die psychosoziale Zwangsmitgliedschaft in Feuerwehr und Schützenverein schützen. Dachten wir.

Doch  jede Show braucht neue Reize. Also reicht es nicht, dass unsere Franken-Transe Valencia Vintage alias Florian Stöhr einige Zeit lang durchs Big-Brother-Haus gehüpft ist. Bald also sucht der schwule “attraktive Biobauer”  Jan-Oliver Seit’ an Seit’ mit dem “sanften Schweinebauern” Uwe , dem “liebevollen Lausitzer” Dirk und dem “gutmütigen Kuhbauern” Horst nach dem großen Glück.

Und die Menschen freuen sich auf TV-Bildern von Fahrten mit dem rosa Traktor und auf die Abenteuer rund ums Jauchefass von Alessi.

Ich aber bitte die Zuschauer inständig: Lasst Euch verarschen, schaltet zahlreich ein und schaut die neue Staffel bis zur letzten Folge. Nur dann bleibt die nächste Steigerung des Nervenkitzels aus. Nur dann heißt es auch in Zukunft: Nein, Schäfer Heinrich, wir wollen nicht wissen, was Du abends machst.

Ich werde alt. Ich trauere um ein Kaufhaus

“Ach, das ist doch bloß ein schlecht besuchtes Kaufhaus. Und sieht auch noch beschissen aus.” Da schließt also die Kaufhof AG Mitte 2012 ihre Filiale in der Nürnberger Südstadt – ich erwarte auch Kommentare dieser Sorte, finde das selber aber wirklich schlimm. Wahrscheinlich merke ich bei dieser Gelegenheit nur mal wieder, wie alt ich inzwischen geworden bin.

So lange ich zurückdenken kann, war dieser merkwürdige Betonwürfel mit seiner Bienenwaben-Fassade für mich so etwas wie das Herz der Südstadt. Mal hieß das Kaufhaus Merkur, dann Horten, dann Kaufhof – aber immer stand es da, als wäre sein Grundstück extra dafür geschaffen worden. Ich habe dort in den letzten 40 Jahren alles mögliche Zeug gekauft. Klamotten, Schreibmaschinen, Sektgläser, Zeitschriften, Parfüm, Lebensmittel, jede Menge Geschenke. Ich bin gerne die denkmalgeschützte Wendeltreppe rauf- und runtergelaufen, habe mir dort die Haare schneiden lassen und habe in der Fernsehabteilung die ersten Bilder von der Ratzinger-Papstwahl gesehen.

Da ich sicher bin, dass viele andere Menschen ähnliche persönliche Erlebnisse gehabt haben, mag ich mir nicht vorstellen, dass dort eine Reste-Rampe oder ein großer Elektromarkt einziehen. Gerade eine Gegend, in der 30.000 Menschen aus allen Teilen der Welt ganz überwiegend in Mietshäusern und oft genug alleine leben, braucht Kristallisationspunkte wie ein ordentlich bestücktes Kaufhaus. Und auch andere Händler und Dienstleister leben davon. Denn rund um den Magneten sammeln sich andere, die von und mit ihm profitieren. Die Experten reden da von “Clustern”.

Aber der Umsatz? Haben nicht einfach zu wenige Menschen beim Kaufhof Geld gelassen? Handel ist Wandel, schon immer gewesen.

Tja, wenn das so ist, dann bin ich bei diesem Thema vielleicht doch bloß ein weinerlicher Nostalgiker. Der noch nicht kapiert hat, dass heute diese Sätze stimmen: “Wir brauchen keine alten Kaufhäuser. Wir haben Amazon und Ebay.”

Klimaschutz 2011: Wer rülpst, wird erschossen

Wenn es um die Leiden der Natur geht, gibt es unter uns Menschen viele selbstkritische Gesellen. In Deutschland liegt ihr Anteil inzwischen bei 24,09 Prozent, also der addierten Zustimmung zu den Grünen und zur Partei bibeltreuer Christen. Aber auch andere Lebewesen schaden dem Planeten. Und zumindest die australische Regierung will nun aufräumen: Sie will rülpsende Kamele eliminieren.

Kamele sind nämlich gewaltige Klimasünder. Nach wissenschaftlichen Berechnungen stößt ein Tier dieser Spezies pro Jahr 45 Tonnen Methan aus­. Ein Gas, das 21 mal klima­schädlicher ist als Kohlendioxid. In Australien leben angeblich mehr als 1,2 Millionen wilde Kamele. Ihr Gerülpse und Gefurze ist somit umgerechnet genauso klimaschädlich wie die Auspuffgase von rund 300.000 Autos.

Die Regierung will die Tiere nun massenweise erschießen lassen. Den Henkern wiederum sollen CO 2-Zertifikakte winken. Diese könnten an Firmen verkauft werden, die Verschmutzungsrechte brauchen. Eine Aktion also, damit die Schlote wieder furzen können.

Ehrlich gesagt, wünsche ich mir nicht, dass diese Aktion statfindet. Haben wir doch eine Bundeskanzlerin, der weltweit unter die Nase gerieben wird, dass sie mit ihrem Atomausstieg den Klimaschutz gefährdet. Sie ist auch eine Frau, die derzeit zu allem fähig ist.

Gleichzeitig gibt es gerade in Franken und Bayern – zwecks Bier- und Sauerkrautausstoß – außergewöhnlich rülps- und furzfördernde Veranstaltungen. Zu denken ist da an die Erlanger Bergkirchweih, das Oktoberfest, an politische Aschermittwoche sowie an ausverkaufte Heimspiele von Bayern München. Müsste nicht auch dort dem Planeten zuliebe aufgeräumt werden? Oder droht gar rohste Gewalt an den Zielorten der Vatertagsausflüge?

Hoffentlich nicht. Es ist auch nicht zu begründen. Der Homo Sapiens gehört schon immer zu Franken. In Australien hingegen sind ja nicht Beutel- oder Schnabelkamele unterwegs, sondern ganz normale Wüstenviecher. Und sie sind nicht auf den Fünften Kontinent geschwommen, sondern wurden zwecks Landeserkundung und -erschließung von Menschen importiert. Genauso wie die weidenden Rinder, welche in Australien eigentlich noch viel weniger zu suchen haben.

Fazit: Wir sind also doch wieder schuld. Mist.

Echt wahr: Auch Griechen können schuften

Der Herr erhalte uns unsere Vorurteile. Eines davon geht so: Die Griechen können nicht mit Geld umgehen und sind obendrein stinkfaul.

Man kann es schon verstehen. Schließlich lag einer der berühmtesten Philosophen dieser Nation ständig in einer Tonne herum und bat die Fremden darum, ihm doch bitte aus der Sonne zu gehen. Außerdem: Was ist das für ein Land, dessen Menschen jahrhundertelang hauptsächlich mit dem Meißeln von Skulpturen und dem Aufstellen von Säulen beschäftigt waren? Und das den Marathonlauf erfunden hat, welcher den Menschen ja nun wirklich ganz unnötig viel Zeit raubt.

Hinzu kommt, dass wir im Griechenland-Urlaub faul herumliegen, wenn wir nicht gerade sinnlos von Insel zu Insel hüpfen. So meinen wir, die Lebensart der Hellenen zu kennen.

Aber stimmt das Gerücht? Vielleicht doch nicht. Laut einer neuen Studie ist ebendieses nicht der Fall. Danach arbeitet der durchschnittliche Deutsche im Durchschnitt 1390 Stunden, der Grieche hingegen 2119 Stunden. Auch beim Rentenalter spreche nichts für griechische Faulheit. Deutsche verabschieden sich demnach im Schnitt mit 62,2 Jahren in den Ruhestand, die Griechen mit 61,5.

Zwar bleiben Zweifel, weil die Herausgeberin der Studie, die französische “Natixis”-Bank, verdächtig nach Griechenland klingt. Sollten die Arbeitszeiten allerdings nur annähernd stimmen, wäre ein weiteres verbreitetes Gerücht widerlegt: Entscheidend ist offenbar, was man macht. Es kommt nicht auf die Länge an.

Böse Sprossen – jetzt wird's im Baumarkt billig

Wenn sie am Anfang dieser Woche Ihre Zeitung auseinanderklappen, ist klar, was rausfällt: Prospekte von Baumärkten, die die Preise für Fenster und Leitern gesenkt haben. Denn es gibt neue Hauptverdächtige für die EHEC-Pest. Die Sprossen aus Uelzen.

Preisverfall und Heimwerkersorgen sind allerdings überflüssig, die Frage “Muss ich die Schuhe desinfizieren, wenn ich meinen Kirschbaum abgeerntet habe?” darf mit Nein beantwortet haben. Denn natürlich geht es um Essbares wie Brunnenkresse oder Sojasprossen. Aber das wird in einer Panik schon mal übersehen.

Ist auch egal, denn man darf sicher sein, dass die Regierung und das Robert-Koch-Institut schon bald die nächste EHEC-Sau durchs globale Dorf treiben werden. Erst waren es Gurken aus Spanien, dann ein Wirt aus Lübeck, jetzt gerade die Sprossen – aber das wird nicht reichen. Denn eines hat in dieser schweren Stunde unserer Nation allerhöchste Priorität: Die Politik muss beweisen, dass sie auf der Höhe des Geschehens ist und die Situation im Griff hat. Obwohl sie vielleicht gar nichts weiß.

Dass Opfer wie insolvente Gemüsebauern hierfür in Kauf zu nehmen sind, ist seit jeher Bestandteil zeitgemäßer Regierungskunst. Und deshalb sieht es vermutlich schlecht aus für Spargel aus der Hallertau, für Schinken aus Parma oder für Pommes aus Fritz. Und was ist mit Sommersprossen aus Irland?

Lassen wir uns überraschen. Ich hingegen denke wieder an die großen Worte eines Kommunalpolitikers, den ich irgendwann in den 90-ern zu seinem Abschied interviewt habe: “Das Wichtigste ist doch, dass die Leute anständig kacken können.” Mir scheint, der Mann hatte recht.