Sonntag, Mai 15th, 2011

Ausgerechnet Aserbaidschan!

So sieht's in Baku aus: Die Akademie der Wissenschaften. Foto: Akbaroff

Ausgerechnet Aserbaidschan!  Das Duo Ell und Nikki hatte gerade die letzten Töne seines siegreichen Schmachtfetzens gehaucht, da haben wir uns wieder jene ewige Frage gestellt: Hat das wirklich sein müssen? Kann so ein Land am Kaspischen Meer überhaupt eine Mega-Show wie den Eurovision Song Contest organisieren? Hätte das Volk im Grand-Prix-Gebiet nicht wenigstens den Italiener wählen können? Den Mann aus dem Land mit der weltweit höchsten Kompetenz für durchgeknallte Fernsehereignisse? Ich sage: Keine Angst, das wird schon.

Was weiß man denn von Aserbaidschan? Zunächst einmal, dass dieses Land so weit von Düsseldorf entfernt liegt, dass es bestenfalls bei der überübernächsten EU-Erweiterung zum Zuge kommen dürfte. Bekannt ist, dass die Fußball-Nationalmannschaft von unserer deutschen Stimmungskanone Berti Vogts trainiert wird und neben Liechtenstein auch schon völlig überraschend die Türkei besiegt hat. Aber ansonsten tauchen – Obacht, Islam! -  in unseren Köpfen spontan Bilder von einem rückständigen Staat auf, in dem trutzige Männer mit Rauschebärten ganz gerne aus Spaß an der Freud’  ihre Frauen verprügeln.

Und so fragt man sich: Kommt nach der totalen Show vor 36000 Zuschauern in Düsseldorf nun ein Gesangswettbewerb inmitten von Pressspan-Kulissen in einem mittleren Hühnerstall?

Alles Quatsch. Das mit der geistigen Rückständigkeit können wir gleich abhaken. Nationalsport Nummer 1 in Aserbaidschan ist nämlich Schach. Die Hauptstadt Baku ist mit gut zwei Millionen Einwohnern fast vier Mal so groß wie Düsseldorf. Und während die Existenz des deutschen Song-Contest-Ortes erstmals im Jahr 1135 sicher beurkundet wurde, begann die Besiedlung der Hafenstadt am Kaspischen Meer im 8. Jahrhundert vor Christus.

Die Altstadt ist als Unesco-Weltkulturerbe eingestuft. Seit 100 Jahren gibt es eine Opernbühne, im Nahverkehr ist eine U-Bahn unterwegs. Und schließlich: Baku ist für sein pulsierendes Nachtleben bekannt. Der berühmte Reiseführer “Lonely Planet” hat die Stadt in seine Top 10 der weltweit besten Ziele für städtisches Nachtleben aufgenommen. Womit auch das schwierigste Problem lösbar erscheint: Wegen der Zeitverschiebung würde der Eurovision Song Contest in Baku erst um 1 Uhr Ortszeit beginnen und frühmorgens gegen 4 Uhr enden. Auch das wird sich regeln lassen.

Provinz-PS: Der Sieg von Aserbaidschan war auch ein fränkischer Triumph. Die “Postkarten”, mit denen die einzelnen Auftritte angekündigt wurden, zeigten – logisch – vor allem Bilder aus Berlin, Hamburg und München. Für Ell und Nikki gab es Bilder aus unserer Mittelalter-Metropole Rothenburg ob der Tauber. Keine Frage: Das hat ganz bestimmt geholfen.


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3 Kommentare

15. Mai 2011

Das war doch damals mit Serbien genauso. „Oh Gott, Serbien, Ruinen, Krieg, bla!“ Und was war?

Wir haben es allen gezeigt: Eine wunderschöne Stadt, bis zu 5 Sprachen sprechende Moderatoren, ein tolles Fest und alle Möglichkeiten die eine Großstadt bieten kann.

Wie oft wurde gestern geheult: „OH GOTT Griechenland, Hilfe, diese Pleitegeier, bla!“

Ich finde das ekelhaft, primitiv und dumm.


15. Mai 2011
Friedrich Ernst

Also doch,es geht hier nicht um Musik sondern um National gefuehl.Dannn haben die mit recht gewonnen.


20. Mai 2011

Am ende sehen es die meisten zuschauer doch eh von ihrer Couch aus im eigenen Fernseher. Was wir sehen werden ist eine Halle mit Bühne, Zuschauer, Licht und Soundeffekten Feuerwerkt und der englischen Sprache mächtige Moderatoren. Das wird wohl jedes Land der EU hinbekommen…



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