Aussteigen ist möglich – das zeigen die Raucher

Dieses Bild findet keiner mehr lustig oder sexy...

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Ausstieg? Geht das überhaupt? Ein Teil-Ausstieg auf jeden Fall. Am heutigen Welt-Nichtrauchertag kann man getrost feststellen. Der Versuch, den Menschen die Lust aufs Rauchen zu nehmen, war erfolgreich. Wer qualmt, ist heute Mitglied einer Randgruppe. Schick ist die Zigarette im Mundwinkel überhaupt nicht mehr.

Wenn man zurückdenkt, welch gewaltige Seelenwallungen die Diskussion um das bayerische Rauchverbot ausgelöst hat, ist das kaum zu glauben. Damals dachte man, die Freiheit würde zu Schutt und Asche verfallen, die Demokratie würde durch einen reinen Bevormundungsstaat abgelöst. Ich habe das auch lange Zeit gedacht.

Aus heutiger Sicht wissen wir, dass das Nichtraucherschutzgesetz, absehen von einigen Regelungs-Auswüchsen, insgesamt funktioniert hat. Die meisten Menschen haben sich damit arrangiert, der tägliche Konsum fertiger Ziga­retten sank von 391 Millionen Stück im Jahr 2001 auf 229 Millionen Stück im Jahr 2010. Das ist ein stolzer Rückgang, der allerdings durch eine Zunahme bei selbst gedrehten und geschmuggelten Zigaretten zu einem ordentlichen Teil konterkariert wird.

Ja, es gibt noch reichlich “Stand-by-Raucher”. Bis 2022 werden es aber noch viel weniger sein. Veränderungen durch Abstinenz sind möglich. Rückfälle aber auch…

EHEC: Händewaschen hilft mehr als Hysterie

Ach, seufz! Immer werden wir verarscht. Von der Politik. Von den Medien. Vom Bankberater. Vom Autohändler. In dieser Welt, auf der wir leben, ist unser Dasein, so scheint es, ein einziger Kampf gegen die Angriffe des allgegenwärtigen Bösen.  Jedoch – und dieser Hinweis muss mal erlaubt sein: Mit unserem Hang zur Hysterie machen wir es den Desinformations-Zynikern und Panik-Architekten aber auch wirklich leicht.

Das neueste Beispiel ist EHEC (Escherichia (E.) coli-Bakterien, der Hirndübel)Weiter lesen

Atomkraftwerke: Verseuchte Gurken in Merkels Garten

Jetzt hat sie ihren ganz persönlichen radioaktiven EHEC-Salat, unsere Kanzlerin. Laut ZDF-Politbarometer glauben etwas mehr als zwei Drittel der Deutschen nicht mehr, dass Angela Merkels Regierung eine redliche Atompolitik macht. Nur noch 13 Prozent halten die im “Herbst der Entscheidungen” beschlossene Laufzeitverlängerung für richtig. Was ist bloß geschehen?

Halten wir kurz inne. Wäre vor einem Jahr der Mond auf die Erde gefallen, hätte uns der Bayerische Umweltminister Markus Söder versprochen, dass dieser am Kühlturm von Isar 1 folgenlos abprallen würde. Viele hätten es geglaubt, auf dem Politischen Aschermittwoch hätte ihm die versammelte CSU für dieses Versprechen zugejubelt. Schließlich wurden doch – dank unserer überragenden Ingenieurleistungen – bei uns schon immer die sichersten Atommeiler der Welt gebaut. Nichts konnte passieren. Lästig war nur das Gebrabbel grüner/linker Kreise.

Aber stand dahinter eine Überzeugung? Nie und nimmer. Denn in dieser Regierung gibt es keine. Es kann doch nicht sein, dass sich das mit fester Stimmer gegebene Versprechen, dass unsere Kraftwerke Tod und Teufel trotzen würden, nicht mehr gilt, nur weil der große Airbus neuerdings zehn Meter länger ist. Oder weil ein Tsunami bei Landhut angesichts des weiteren Abschmelzens der Polkappen nicht einhundertprozentig ausgeschlossen werden kann?

Die deutsche Atompolitik ist ein gutes Beispiel dafür, wie die Menschen verarscht werden, wenn sie es sich gefallen lassen. Weil Entscheidungen frei nach Winston Churchills berühmtem Satz gefällt werden: “Glaube nur dem Gutachten, das du selbst gefälscht hast.” Notfalls mit einer grandios besetzten Ethik-Kommission.

Tja – und jetzt hat es das Volk gemerkt. Und lässt es sich nicht mehr gefallen, sondern geht auf die Straße. Wie heute in vielen Städten, unter anderem in Fürth.

Für unredliche Politiker/-innen ist das der Super-Gau. Verseuchte Gurken können schlimmer nicht sein.

Vom Sülzeaufstand zur Gurkenrevolution

Es sind also die Gurken. Ausgerechnet Gurken! Mit dem neuesten Skandal-Lebensmittel und dessen viralen Folgen erleben wir eine neuerliche Zeitenwende. Bisher galt es als ausgemacht, dass fieses Essen und Trinken ausschließlich aus gepanschten Flüssigkeiten oder tierischen Produkten bestünde. Wenigstens die Veganer, so lautete die verbreitete Überzeugung, könnten sich in Sicherheit wiegen. Das ist vorbei.

Erinnern wir uns. Anfang der 70-er Jahre wurden in Milch Rückstände aus der Produktion des Pflanzenschutzmittels Lindan festgestellt. Hexachlorcyclohexan hieß der giftige Stoff. Es folgten Salmonellen im Geflügel, Hormone in Kalbfleisch, Frostschutzmittel im Wein, Flüssig-Ei mit Hühnerkot in Nudeln, Perchlorethylen in Olivenöl, Würmer in Fischen, Gammelfleisch, Botulismus-Bakterien im Joghurt, BSE-Rindfleisch, Koli-Bakterien in Hamburgern, Chemiebutter aus Italien, und, und, und…

Nur einmal, im Jahr 2000, sorgte verseuchtes Gemüse für Aufregung. Damals war es Paprika aus Spanien, die mit einem Anti- Milbenmittel sowie mit Fungiziden und Pestiziden belastet war. Wundern braucht man sich nicht. Sind doch Obst und Gemüse von der iberischen Halbinsel die Garanten für Niedrigstpreise. Billigst bearbeitet und geerntet von Menschen, die die Bootsfahrt von Nordafrika nach Spanien überlebt haben. Die allerdings illegal im Land sind und deshalb wie Leibeigene ausgebeutet werden können.

Dieser Skandal lässt uns aber kalt. Sonst müsste sich unser Zorn entladen wie beim Hamburger Sülzeaufstand. 1919 machte in der Hansestadt in der Bevölkerung das Gerücht die Runde, dass verfaulte Kadaver zu Sülze verarbeitet und verkauft würden. Der Fabrikbesitzer wurde in die Alster geworfen und entkam so dem sicher Tod durch die wütende Menge, die ihn lynchen wollte.

Wie wir vom Atomstreit wissen, lässt sich die Politik inzwischen durch handfeste Proteste beeindrucken. Nach einer Gurkenrevolution würde sie genau darauf achten, dass Lebensmittel in Zukunft sauber sind.

Dann könnten wir mit einem rundem guten Gefühl zubeißen. Bloß: Qualität hat ihren Preis. Sie kostet mehr. Und wollen wir das wirklich?

Kinder: Das Glück, das Freiheit raubt

Achtung, dieses ist ein Experiment. Schaffe ich es, einen lesbaren Blogbeitrag unterhalb von 40 Fehlern auf dem iPhone zu schreiben, wenn ich nicht weiß, wann das Netz weg ist. Megastress.
Noch dazu über das Thema Glück. Heute Abend hatte ich zunächst wenig Glück. Auf dem ursprünglichen Abfahrtsbahnhof für meinen Zug von Berlin nach Nürnberg herrschte wegen eines Kabelbrandes tote Hose. Letztlich fuhr der ICE mit 46 Minuten Verspätung ab. Jedoch, oh Glück: An meinem Sitz ist ein Stecker. Mein Handyblog Nummer 1 ist möglich.
Und um Glück geht es. Vergangene Woche war ich zu einer Podiumsdiskussion über Kindererziehung eingeladen. Als Experte. Gleich neben mir saß der Chef der Kinder- und Jugendpsychiatrie der Uni Erlangen, Professor Moll. Und dieser erklàrte “aus biologischer Sicht”, dass das menschliche Gehirn nach vier Jahren “fertig” ist, dass der Mensch mit 14 Jahren erwachsen -weil geschlechtsreif – ist, und deshalb die Schule in diesem Alter verlassen sollte. Aus biologischer Sicht.
Wiederum aus dieser Sicht gibt es für Kinder laut Professor Moll den Königsweg zum Glück: Die Freiheit. Nämlich die Freiheit, tagtäglich Neues zu erleben und selbst zu begreifen.
Also wollte ich wissen, ob Kinder ihre Eltern unglücklich machen. Schließlich sei die Entscheidung für ein Kind immer auch eine bewusste Entscheidung für weniger persönliche Freiheit.
Man hat eben weniger Zeit und Geld für andere Dinge. Der Professor konnte meinem Gedanken nicht folgen. Trotzdem glaube ich, dass ich recht habe. Das Elterndasein ist nicht nur romantisch.
Unglücklich werden muss man aber nicht. Es kann sich lohnen, auf ein Stückchen Freiheit zu verzichten. Erst recht dann, wenn man -wie bei Kindern – ständig etwas Neues erlebt. Freiheit ist eben doch nicht alles.

Liebe Männer: Finger weg von Teilzeit!

Zwei Typen von Menschen verursachen mir Pickel auf der Seele: Vorneweg notorische Lächler, die anderen Leuten genauestens erklären, was “Glück” ist und wie man dahin kommt. Und außerdem Experten, die behaupten, dass sie die Zukunft kennen.

Eine solche Einrichtung ist die Bertelsmann-Stiftung. Diese beschäftigt sich damit, die Gesellschaft zu erforschen und den Spitzen der Politik Entscheidungshilfen für Themen zu geben, von denen diese nichts verstehen. Zu Fragen von Familie und Kindererziehung zum Beispiel. Politiker/-innen sind ja selten daheim.

Diese mächtige Stiftung hat also eine Umfrage in Auftrag gegeben. Und siehe da: Für sechs von zehn Deutschen ist der männliche Alleinverdiener in der Familie ein Auslaufmodell. Wobei das für mehr als 30 Prozent der Befragten mit dem gesellschaftlichen Fortschritt zu tun hat. Frauen seien grundsätzlich berufstätig und sollten in Gesellschaft und Beruf gleichberechtigt sein, meint diese Gruppe. Der Aussage, dass es wichtig sei, dass auch Frauen Karriere machen könnten, stimmen dann allerdings nur noch 17 Prozent in Ostdeutschland und äußerst magere fünf Prozent im Westen zu.

Wenn das mit dem Auslaufmodell “Papa Dagobert” stimmen sollte, würde das allerdings bedeuten, dass es in Zukunft immer mehr Teilzeit-Männer gäbe. Und da muss ich leider warnen und deutlich sagen: Liebe Männer, Finger weg! Lasst es bleiben!

Unsere Wirtschaft ist nämlich noch weit weg von dieser Zukunft. Frauen, die zuerst in die Familienpause gehen und danach Teilzeit arbeiten, können froh sein, wenn sie das Karriereniveau aus der Zeit vor der Geburt ihres Kindes erhalten können. Eine berufliche Förderung von Teilzeitkräften gibt es selten, weil zumeist männliche Chefs ihre Mitarbeiter/-innen ausschließlich anhand ihres eigenen Verhalten bewerten. Was bedeutet: Karriere wird durch ständige Präsenz, also im Grunde genommen mit dem Gesäß gemacht. Wer seltener da ist, arbeitet zwar meistens effektiver, verschwindet aber vom Aufstiegs-Radar.

Der wahre Grund, warum sich die Gesellschaft weg vom Alleinverdiener entwickelt, ist doch, dass dann Geld und Sicherheit nicht reichen. Es wäre reizvoll und wichtig, wenn Väter eine Chance hätte, ihre Kinder zu betreuen oder wenigstens zu kennen. Aber dafür müsste sich unsere Wirtschaft gewaltig ändern.

Und wann wird das sein? Da halt ich mich an den Dichter George Bernhard Shaw: “Prognosen sind schwierig. Vor allem, wenn sie die Zukunft betreffen.”

Ausgerechnet Aserbaidschan!

So sieht's in Baku aus: Die Akademie der Wissenschaften. Foto: Akbaroff

Ausgerechnet Aserbaidschan!  Das Duo Ell und Nikki hatte gerade die letzten Töne seines siegreichen Schmachtfetzens gehaucht, da haben wir uns wieder jene ewige Frage gestellt: Hat das wirklich sein müssen? Kann so ein Land am Kaspischen Meer überhaupt eine Mega-Show wie den Eurovision Song Contest organisieren? Hätte das Volk im Grand-Prix-Gebiet nicht wenigstens den Italiener wählen können? Den Mann aus dem Land mit der weltweit höchsten Kompetenz für durchgeknallte Fernsehereignisse? Ich sage: Keine Angst, das wird schon.

Was weiß man denn von Aserbaidschan? Zunächst einmal, dass dieses Land so weit von Düsseldorf entfernt liegt, dass es bestenfalls bei der überübernächsten EU-Erweiterung zum Zuge kommen dürfte. Bekannt ist, dass die Fußball-Nationalmannschaft von unserer deutschen Stimmungskanone Berti Vogts trainiert wird und neben Liechtenstein auch schon völlig überraschend die Türkei besiegt hat. Aber ansonsten tauchen – Obacht, Islam! –  in unseren Köpfen spontan Bilder von einem rückständigen Staat auf, in dem trutzige Männer mit Rauschebärten ganz gerne aus Spaß an der Freud’  ihre Frauen verprügeln.

Und so fragt man sich: Kommt nach der totalen Show vor 36000 Zuschauern in Düsseldorf nun ein Gesangswettbewerb inmitten von Pressspan-Kulissen in einem mittleren Hühnerstall?

Alles Quatsch. Das mit der geistigen Rückständigkeit können wir gleich abhaken. Nationalsport Nummer 1 in Aserbaidschan ist nämlich Schach. Die Hauptstadt Baku ist mit gut zwei Millionen Einwohnern fast vier Mal so groß wie Düsseldorf. Und während die Existenz des deutschen Song-Contest-Ortes erstmals im Jahr 1135 sicher beurkundet wurde, begann die Besiedlung der Hafenstadt am Kaspischen Meer im 8. Jahrhundert vor Christus.

Die Altstadt ist als Unesco-Weltkulturerbe eingestuft. Seit 100 Jahren gibt es eine Opernbühne, im Nahverkehr ist eine U-Bahn unterwegs. Und schließlich: Baku ist für sein pulsierendes Nachtleben bekannt. Der berühmte Reiseführer “Lonely Planet” hat die Stadt in seine Top 10 der weltweit besten Ziele für städtisches Nachtleben aufgenommen. Womit auch das schwierigste Problem lösbar erscheint: Wegen der Zeitverschiebung würde der Eurovision Song Contest in Baku erst um 1 Uhr Ortszeit beginnen und frühmorgens gegen 4 Uhr enden. Auch das wird sich regeln lassen.

Provinz-PS: Der Sieg von Aserbaidschan war auch ein fränkischer Triumph. Die “Postkarten”, mit denen die einzelnen Auftritte angekündigt wurden, zeigten – logisch – vor allem Bilder aus Berlin, Hamburg und München. Für Ell und Nikki gab es Bilder aus unserer Mittelalter-Metropole Rothenburg ob der Tauber. Keine Frage: Das hat ganz bestimmt geholfen.

Achtung, die Dicken greifen an

Voll respektierte dicke Menschen im Fernsehen kannte man bisher vor allem als bildschirmfüllende Kartenleserinnen bei Astro-TV. Grundsätzlich gehörten sie aber doch zu den bedauernswerten Verlierern der Evolution. So wie jene einst 370 Kilogramm schwere Transsexuelle namens Jacky Duvall, die nach dem Verlust von 220 Kilogramm Lebendgewicht verschieden ist und gerade in einem RTL-Beitrag mit reichlich Schwulstmusik ins Jenseits verabschiedet wurde. Aber das Image der Dicken ändert sich gerade. Durch die Tanzshow “Let’s Dance”. Weiter lesen