Atomkraft- die Brückentechnologie ins Jenseits

Die Katastrophe ist da – jetzt kommt das Krisenmanagement. Die Ereignisse in Japan haben uns wieder mal vor Augen geführt, dass Kernkraftwerke gefährlich sind. Wird die Bundesregierung also umdenken und ihren halbseidenen Atomdeal mit den Energiekonzernen korrigieren? Ich denke nicht. Es kommt wohl anders.

Der Super-Gau von Fukushima ist für Angela Merkel und ihre Freunde ein extrem dummes Ereignis. Beim Atomunfall in Tschernobyl vor bald genau 25 Jahren konnte man ja darauf hinweisen, dass dieses Kraftwerk von sozialistischen und somit menschenverachtenden Ingenieuren samt ostblock-typischer Schlamperei entwickelt und gebaut worden war. Diese radioaktive Wolke war demnach vorherzusehen. Nun jedoch erwischt es Japan. Und baut man dort nicht ganz besonders sicher? So, wie man das von den laut ADAC-Pannenstatistik vorzüglichen Autos kennt, bei denen schlimmstenfalls mal ein Gaspedal ein bisschen klemmt?

Aber zurück zum Krisenmanagement. Ich rechne mit Folgendem: Zunächst werden alle Mitglieder der Regierung Trauer und Bestürzung heucheln. Kanzlerin Merkel wird die Mundwinkel ein weiteres Stück nach unten ziehen, um unter anderem zu verkünden, dass sie Atomenergie eigentlich nie gewollt habe, dass man diese aber zurzeit noch brauche. Ihr Umweltminister Röttgen wird den nachdenklichen Part spielen und seine inneren ethischen Krämpfe nach außen tragen.

Fukushima wird dann in sämtlichen Talk-Shows durchgekaut. Bei Will, Plasberg und Illner wird es hauptsächlich um die politischen Aspekte gehen. Im Bayerischen Fernsehen wird Umweltminister Markus Söder erläutern, warum ein Tsunami in Landshut unwahrscheinlich ist. Reinhold Beckmann wird ein behindertes Strahlenopfer von Tschernobyl interviewen. Johannes B. Kerner wird seine Showbühne in Japan aufbauen am Rande des Sperrgebietes und mit dem Fußballtrainer Pierre Littbarski über das Schicksal seiner japanischen Verwandtschaft und schließlich über Kurzpassspiel auf bebendem Rasen reden. Die Redaktion von „Bauer sucht Frau“ wird fieberhaft nach einem japanischen Reisbauern fahnden, der beim Erdbeben seine Familie verloren hat, aber dringend eine helfende weibliche Hand braucht.

Die von Angela Merkel angeordnete Überprüfung der deutschen Atomkraftwerke wird dazu führen, dass das Kernkraftwerk Neckarwestheim am kommenden Mittwoch zwecks detaillierter Untersuchungen abgeschaltet wird. Diese Arbeiten dauern mindestens bis zur Landtagswahl am 27. März an.

Dann ist es aber auch wieder genug. Wenn sich in unseren Köpfen die gröbste Radioaktivität gelegt hat, also etwa Ende April, wird Angela Merkel verkünden, dass deutsche Atomkraftwerke garantiert die (erdbeben-)sichersten der Welt seien. Dies habe die umfassende Überprüfung ergeben. Man könne sie also als Brückentechnologie noch ein paar Jahrzehnte lang verwenden. Diejenigen, für die diese Technologie zur Brücke ins Jenseits geworden ist, werden es nicht mehr hören. Die anderen, die noch Opfer werden könnten, müssten sich wehren.

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9 Kommentare in “Atomkraft- die Brückentechnologie ins Jenseits

  1. Hallo.
    Wunderbar geschrieben und so voll aus dem Leben gegriffen.
    So oder zumindest so ähnlich wird es kommen.
    Genau so ist unsere Krisenbewältigung gestrickt.
    Vielen Dank für den guten Beitrag.

    Werner

  2. Ich glaube auch nicht, dass sich auf politischer Seite von Frau Merkel und Co. etwas ändert.
    Man wird, wie sie schreiben, an der Laufzeitverängerung festhalten. Die angekündigte Überprüfung unserer AKW’s wird nur positiv zugunsten der Politik von Merkel ausfallen! Damit wird man dann die Laufzeitverlängerung weiter beschönigen und vehement abstreiten, dass von unseren Atomkraftwerken eine Gefahr ausgeht…
    Außerdem ist es auch irgendwie verwirrend, dass es NACH der schon beschlossenden Laufzeitverlängerung jetzt erst eine Überprüfung der Sicherheit der deutschen Atommeiler geben soll!?

    Tja, wenn es um politische Macht geht, dann wird in der Atompolitik die Tatsache, dass es keine sicheren Atomkraftwerke gibt, sicherlich weiterhin unter den Tisch gekehrt!

  3. Wahrscheinlich hast Du es ziemlich genau getroffen.
    Mir fehlen allerdings noch ein paar „Gipfel“ in deiner Vision.
    Denn Du weißt ja, wenn sich in der Politik oder Wirtschaft
    zwei oder mehr Leute unterschiedlicher Parteien oder
    Organisationen treffen, so ist das heutzutage immer ein Gipfel!

  4. Es ist inzwischen noch viel, viel schlimmer gekommen. Der Ausstieg aus dem Ausstieg wird stillgelegt, natürlich nur bis nach den anstehenden Wahlen. Herr Söder hat bekräftigt, das er ja schon immer gegen die Atomkraft war.

    Die Reaktoren gehen reihenweise hoch. Und es werden noch mehr Reaktoren durchschmelzen, weil die anderen Reaktoren keinen Strom für die anderen Reaktoren liefern können, oder so ähnlich. Oder weil das Kühlwasser nicht reicht. Was weiss ich denn, bin ich Kraftwerksibauer?

    Was ich aber wieder einmal gemerkt habe: Die AKW sind nicht sicher. Besonders nicht, wenn sie abgeschaltet werden müssen. Oder wenn sie laufen. Oder wenn sie nicht mehr laufen. Politiker lügen, vertuschen, verschleiern. Die AKW-Lobby lügt, vertuscht, verschweigt die Gefahren.

    Ich wünsche mir eine Art Wähler-Tsunami, der dieses Pack wegschwemmt. Und nie wieder hochkommen lässt.

  5. So dreist und unredlich war noch keine andere Bundesregierung wie diese. Mit dem Hauptprojekt Laufzeitverlängerung – mehr hatte die Bundesregierung letztes Jahr nicht vollbracht – ging man jetzt so baden, wenn der Auslöser nicht so schrecklich wäre, könnte man glatt Häme empfinden. Das ist jetzt der oftmals angekündigte Anfang vom Ende der Regierung Merkel, davon wird sie sich nicht mehr erholen.

  6. Es geht den Kraftwerkbetreibern immer nur ums Geld. Sie denken nie an die Umwelt, Hauptsache sie bekommen ihren Profit. Jetzt sprechen die Energiekonzerne davon, dass nicht genug Elektrizität produziert würde ohne die Atomkraftwerke, aber das ist erneut nur eine der vielen Ausreden um den Ausstieg aus der Atomkraft zu vermeiden. Auch die Regierung will den Kraftwerksbossen entgegenkommen, indem sie ihnen erlaubt, die Stromkontingente der 7 Atommeiler, die umgehend abgeschaltet werden sollen, auf jüngere Atommeiler zu überschreiben. Ich denke, dass das alles nur zur Zeitgewinnung dient. Ich werde mich auch weiterhin gegen die Atomkraft einsetzen.

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