Der Islam? In der Tasse ist er gut

In dieser bebenden, radioaktiven, unübersichtlichen Welt dürstet es uns danach, dass uns wenigstens einzelne Politiker die Gewissheit geben, dass unser Weltbild trotz Japan, Knut und Grün-Rot in Baden-Württemberg weiterhin im Lot ist. Und für diese Aufgabe ist, wir ahnen oder wissen, nur eine Partei geeignet: die CSU. Sie muss durch ihr Spitzenpersonal neuerdings nicht mehr Deutschland am Hindukusch verteidigen, also verteidigt sie die Nation gegen den Islam.

Der neue Innenminister Hans-Peter Friedrich hat diesen Job übernommen. Mit seinem Hinweis, dass der Islam – historisch gesehen -nicht zu Deutschland gehöre, hat er einen uralten Pflock seiner Partei erneut in den Boden gerammt. Damit hat er die Mitglieder der Islamkonferenz gegen sich aufgebracht. Aber alte Stammtischbrüder werden zufrieden sein.

Wenn es nur stimmen würde. Denn die Früchte morgenländischer Kultur sind bei uns allgegenwärtig. So greifen unsere Mediziner auch heute noch im Wesentlichen auf jahrhundertealte Erkenntnisse arabischer Ärzte zurück. Auch das Grundrezept für Seife stammt aus dem Orient. Deutschland ohne Islam würde also nicht gut riechen.

Und schließlich: Der Kaffee. Dieses Getränk wurde der Legende nach von Hirten in Jemen entdeckt. Im 17. Jahrhundert wurde in Venedig des erste europäische Kaffeehaus eröffnet. Mit ausdrücklicher Billigung des damaligen Papstes Clemens VII. Christliche Fanatiker hatten ihn gedrängt, das heidnische Teufelsgesöff zu verbieten. Der Pontifex fand es jedoch so köstlich, dass er erklärte, dass es eine Sünde wäre, es alleine den Ungläubigen zu überlassen. (So schildert es das Arabische Museum Nürnberg)

Heute liegt der Konsum an Kaffee pro Kopf in Deutschland nach der Statistik bei 146 Litern im Jahr – bei Mineralwasser sind es nur 130 Liter, und auch Bier wird weniger getrunken. Nicht mal CSU-Wähler kämen auf die Idee, 800 Euro und mehr für einen Schankbier-Dosierautomaten auszugeben. Für eine Espressomaschine schon.

Also, lieber Herr Friedrich. Wer mir die Freude an meinem Kaffee nehmen will, kriegt meine Stimme nicht. Und überhaupt: Glaubwürdig wären CSU und Bayerische Staatsregierung erst, wenn sie feierlich erklären würden, dass Franck Ribéry (Moslem) kein Teil von Bayern München ist.