DSDS: Das Volk will keine "Superstarin"

Es gibt wahrlich gute Gründe, die alljährliche Suche nach Deutschlands neuem Superstar doof, schlecht, abschaltungs- oder gar verabscheuungswürdig zu finden. Aber diese Sendung erzählt uns viel etwas über unsere Gesellschaft. Nämlich dieses: Der Sozialismus mag irgendwann zurückkehren. Doch der Feminismus siegt nie.

So zeigte die erste RTL-„Mottoshow“, dass eine seit langem bekannte Grundregel der Politik unverändert gilt: Frauen wählen keine Frauen.

Man muss ja wohl davon ausgehen, dass bei der Abstimmung vor allem junge weibliche Sims-Daumen fliegen. Und so schickten sie sechs Jungs und nur drei junge Frauen ins weitere Rennen. Das entspricht fast exakt der von-der-Leyen’schen Wunschquote für Führungskräfte. Es ist aber eine dürres Resultat für alle jene, die da hoffen, dass sich vielleicht von der Jugend her mal irgendetwas ändert. Die Frauen-Klüngelkurse der Volkshochschulen werden weiterhin gebraucht.

Auf der Gegenseite lechzt die Gesellschaft danach, dass junge Männer wenigstens einen Hauch von Talent zeigen. Egal, ob sie in seltsamen Kostümen Schlagertexte vergessen, lustig-doof sind oder garantiert untauglich für Starschnitte daherkommen – die junge Frauenwelt sagt Dankeschön. Weil so die Illusion genährt bleibt, dass frau in ihrem Leben einen Prinzen finden könnte, der sich wenigstens nicht als kompletter Langeweiler herausstellt. Dieser Hoffnung zuliebe wird vieles verziehen.

Eine Kandidatin, die vergleichsweise viel Talent und Können mitbringt, hingegen wird eliminiert, weil sie den Fehler gemacht hat, öffentlich zu erklären, dass sie sich ihrer Qualität bewusst ist.  Es bleibt also dabei, dass Frauen schnell  unbeliebt und chancenlos sind, wenn sie allzu selbstbewusst auftreten. Das Volk will da schon eher „Emotionale Intelligenz“ erleben.

Wie aber können feministische Kreise die frauenfeindliche Tendenz der größten Castingshow aller Zeiten bekämpfen? Mein Rat: Die Sprache muss verändert werden. Von Anfang an lautet der Titel „Deutschland sucht den Superstar“. Das setzt einen männlichen Sieger geradezu voraus. Doch was ist die weibliche Form von Star? Starin? Superstarin?

So, dann denkt mal nach.

5 Kommentare in “DSDS: Das Volk will keine "Superstarin"

  1. Moin!

    Trifft in meinen Augen nicht ganz den Kern. Denn die Frau hat nicht öffentlich erklärt, dass sie sich ihrer Qualität bewusst ist, sondern penetrant und arrogant immer wieder erklärt, warum sie toll und die anderen schlecht sind.

    Selbst wenn man jetzt mal die RTL-übliche Story- und Charaterkonstruktion, sowie die Bohlen’sche Richtungsbeeinflussung außer Acht lässt, kam die junge Dame trotzdem schlicht und ergreifend vollkommen unsympathisch rüber.
    Schade an der Stelle ist, dass sich die zweite, nicht minder talentierte, aber vielleicht noch naivere Anna Carina Woitschack mit in diesen Zickenkrieg hinein ziehen liess. Denn so gewinnt am Ende womöglich doch wieder ein Mann, weil die Zuschauer über 13 diesen Zickenkrieg schnell mit einem Kindergarten gleich setzen.

    CU

    Richie

  2. also, ich finde diesen beitrag sehr treffend und gut geschrieben! 🙂
    nein, ich finde nicht, dass sarah unsympathisch rüberkam, und dies findet bei twitter oder anderen social medias auch nicht seinen widerhall. sie hat durch diese rtl´sche charakterkonstruktion viel verloren, gerade weil die naive anna-carina, die eben glaubwürdig und authentisch rüberkam, sich vor den karren spannen ließ…

  3. Nun ja, es ist eine Frage, ob sich die Rauswahl einzig dadurch erklären lässt, dass sich Anna Carina vor den Karren spannen liess.

    Wenn ein Mensch sich jeden tag vor die Kamera stellt, um sich selbst in den Vordergrund zu rücken und andere schlecht da stehen zu lassen, dann bekommt er die Quittung spätestens dann, wenn andere ihn für sein Verhalten abstrafen können. Ich halte das auch nicht für eine Charakterkonstruktion von RTL, sondern für einen Wesenszug, den niemand konstruieren musste. Da ist dann nicht Twitter oder Facebook entscheidend, sondern das Voting der Zuschauer. Und hier haben sich ganz offensichtlich die Sympathien anders verteilt.

    Ob der Kommentar oben treffend ist werden wir in den kommenden 9 Sendungen sehen. Meiner ansicht nach wird von Diter Bohlen der Sieger bereits jetzt konstruiert – und zwar entweder in Richtung „Justin Bieber 2“ oder „singing doctor“ ;).

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