DSDS: Das Volk will keine "Superstarin"

Es gibt wahrlich gute Gründe, die alljährliche Suche nach Deutschlands neuem Superstar doof, schlecht, abschaltungs- oder gar verabscheuungswürdig zu finden. Aber diese Sendung erzählt uns viel etwas über unsere Gesellschaft. Nämlich dieses: Der Sozialismus mag irgendwann zurückkehren. Doch der Feminismus siegt nie.

So zeigte die erste RTL-”Mottoshow”, dass eine seit langem bekannte Grundregel der Politik unverändert gilt: Frauen wählen keine Frauen. Weiter lesen

Plagiat? Der Soldat tarnt und täuscht

“Über Plagiate sollte man sich nicht ärgern. Sie sind wahrscheinlich die aufrichtigsten aller Komplimente.” Der Dichter Theodor Fontane, der uns diese Weisheit über *Fußnote* www.metager.de mitteilt, hatte leicht reden. Zu seinen Lebzeiten (1819-1898) war es ja auch noch schwer, irgendetwas abzukupfern. “Copy and Paste” gab es noch nicht. Mancher hatte beim Abschreiben wahrscheinlich mehr Mühe als der Poet, dem die schönen Worte nur so aus der Feder flossen. Kurzum, Ideenklau war eine Strafe für den Dieb.

Wir haben uns mittlerweile an Plagiate aller Art gewöhnt. Wir freuen uns diebisch, wenn wir aus Thailand oder aus der Türkei eine superbillige “Rolex”-Uhr oder eine “Armani”-Jeans für zwölf Euro mitbringen. Beim Radiohören wird uns tagtäglich bewusst, dass es kaum noch möglich ist, einen Pop-Song zu schreiben, der nicht verdächtig nach einem anderen klingt. Wir haben uns daran gewöhnt, dass sich viele Autos verschiedener Hersteller verdächtig ähnlich sehen.

Diese Welt ist also voller Plagiate. Das muss sie auch, denn die Menschen brauchen verlässliche Strukturen. Sie würden es gar nicht aushalten, wenn jeden Tag irgendetwas völlig anders wäre. Der Fortschritt ist eine Schnecke (*Fußnote* Urheber ist mit Sicherheit berühmt, aber mir nicht bekannt). Und das bedeutet, das auch die meisten neuesten Dinge zu einem erheblichen Teil kopiert.

Nächste Frage: Macht diese Erkenntnis Karl Theodor zu Guttenbergs Abschreiberei und ihn als Person und Juristen besser? Natürlich nicht. Disqualifiziert ihn das für das Amt des Verteidigungsministers? Das gerade nicht. Denn Tarnen und Täuschen ist integraler Bestandteil des Soldatenlebens. Es gibt die Zentrale Dienstvorschrift (ZDV) 3/710, in der anhand vieler Beispiele erläutert wird, wie man andere Menschen gekonnt übers Ohr haut. Zum Beispiel, indem man sich im Wald wie eine Fichte anzieht. Oder sich bei Dunkelheit das Gesicht schwarz anmalt.

Oder indem man die Garderobe ans jeweilige Gelände anpasst. Und so sieht man Karl Theodor zu Guttenberg im Bundestag im feinen Zwirn, in Afghanistan jedoch in einer sandfarbenen Tarnhose. Dieser Mann hat verstanden. Er trickst und gibt sich immer so, wie es ihm nützt. Er ist der Soldat im Kabinett. Ob das gut ist, steht auf einem anderen Blatt.

Ein alter Depp wird nie mehr schlau

In dieser bösen Welt der irren Diktatoren, streikenden Lokführer und raubkopierenden Minister sehnt sich unser Herz heftig nach Menschen, die uns diebische Freude bereiten, ohne Schaden anzurichten. Zum Glück, es gibt sie. Nämlich alte Männer, die sich wegen junger Frauen zum Deppen machen. So wie Richard Lugner.

Der verknitterte österreiche Baulöwe führt uns den klassischen Verlauf eines Niedergangs vor. Weiter lesen

Dresden und die Macht der Bilder

Gegendemonstranten werden "abgeführt".

Es hilft nichts, ich muss schon wieder gegen die vorherrschende Meinung anschreiben. Nach der Blockade des für Samstag in Dresden geplanten Neonazi-Aufmarsches gab es reichlich anklagende Berichte gegen zündelnde und Steine werfende Gewalttäter zu lesen. Ich bin mit überwiegend jungen Gegendemonstranten mitgefahren und -gelaufen. Und kann nur vermelden: Sorry, bei mir war es anders.

Speziell Bilder von brennenden Barrikaden sind um die Republik gegangen. Es waren Fotos, die die Überschrift “Dresden brennt” provozierten. Ich wiederum habe eine solche Aktion in der Strehlener Straße aus nächster Nähe erlebt. Was ist dort passiert? Einige vermummte junge Leute haben dort die Umzäunung einer Großbaustelle niedergerissen. Sie haben einen Haufen Bauschutt auf die Straße geworfen, Holzlatten und anderen Müll angezündet sowie den Inhalt von Abfallcontainern in Brand gesetzt.

Da die Polizei erstaunlich lange aus der Entfernung zuschaute, gab es ein chaotisches Bild mit hohen Flammen und dunklem Qualm. Eine Gewaltorgie war es aber – zumindest an dieser Stelle – nicht. Sondern eine  dumme Provokation einiger weniger, die dem weitestgehend friedlichen Protest geschadet haben. Denn für Fotografen und Kameraleute waren diese Bilder logischerweise attraktiver als Impressionen von Menschen, die in der Kälte geduldig auf der Straße sitzen.

Zumindest “meine” Gruppe war überhaupt nicht auf Krawall gebürstet. Wer sich vorstellt, dass in einem Bus mit linken Demonstranten vor allem darüber geredet wird, wie man am Pflastersteine am weitesten schmeißen kann, täuscht sich völlig. In der ersten größeren Durchsage nach der Abfahrt hieß es wahrhaftig: “Die Herren werden gebeten, sich auf der Toilette hinzusetzen.” Auf dem zehn Kilometer langen Marsch in Richtung Innenstadt, der notwendig war, weil die Busse an einer Autobahnausfahrt gestoppt wurden, wurde mehr geplaudert und gescherzt als gebrüllt.

Heute nun wurde mir erklärt, dass das Durchbrechen einer Polizeisperre eine Straftat sein soll. Finde ich nicht. Jedenfalls dann nicht, wenn keiner der Beamten dabei tätlich angegriffen wird. Wenn ein Gefängnisausbruch straffrei ist, warum soll es dann das schlichte Davonrennen nicht auch sein?

Mit den Polizisten möchte ich bei einer solchen Demonstration bestimmt nicht tauschen. Es muss schlimm sein, Nazis verteidigen zu müssen. Bestimmt wäre dieser Text anders ausgefallen, wenn ich auf deren Seite gestanden hätte. Aber ich habe in Dresden aus nächster Nähe erlebt, wie friedliche und lediglich ungehorsame Leute ohne Vorwarnung mit Reizgas eingesprüht wurden. Das verstehe ich nicht.

Letztlich konnten die Neonazis nicht marschieren. Das Ziel ihrer Gegner – das auch meines war – wurde erreicht. Und gebrannt hat Dresden trotz alledem nicht. Auch wenn es die Bilder so dramatisch suggerieren.

Doktortitel? Gutti braucht den gar nicht.

Ich mach das jetzt mal andersrum. Bei den jüngsten Skandalen war es immer wieder mal so, dass es zunächst eine riesige gemeinsame Empörung und anschließend ein vereinzeltes Zurückrudern gab. Das passiert mir nicht. Und deshalb sage ich: Jawoll, ich verteidige unseren Verteidigungsminister Karl Theodor zu Guttenberg.

Die Aufregung über seine Doktorarbeit ist doch überflüssig. 475 Seiten hat er über das Thema “Verfassung und Verfassungsvertrag: Konstitutionelle Entwicklungsstufen in den USA und der EU” geschrieben. Und? Interessiert dieses Pamphlet jemand? Hilft es jemand? Bringt es uns vorwärts? Kann es zu Guttenberg in seinem Job brauchen?

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Kinderlos im Duft der Rosen

Da war er also wieder, der „Tag der Liebenden“. Massenhaft sind sich Menschen im Gedenken an Bischof Valentin im Duft der im Pestiziddunst gepflückten Rosen in die Arme gefallen. Aber ob das gegen die Überalterung dieser Gesellschaft wirklich etwas hilft? Eher mal nicht. Die Geburtenquote wird wegen den Blumensträußen nicht explodieren.

Sage keiner, die Regierung habe es nicht probiert. Ursula von der Leyen hat mächtig Geld herbeigeschaufelt, um die Zeugungs- und Gebärfreude im Land zu fördern. Ihre Nachfolgerin Kristina Schröder geht sogar höchstpersönlich mit gutem Beispiel voran. Und stürzt sich ins Abenteuer Elternschaft, obwohl Sie und ihr Ehemann von läppischen knapp 20.000 Euro brutto im Monat leben müssen.

Aber was lässt die Menschen so sehr verzagen, was treibt sie in die Windelphobie? Weiter lesen

Gottschalk und der Werther-Effekt

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Ein Grund dafür, warum sich anständige Medien mit Berichten über Suizide zurückhalten, ist der so genannte “Werther-Effekt”. Dieser besagt, dass spektakuläre Abschiede von dieser Welt, über die viel geschrieben und gefunkt wird, immer Nachahmer finden. Nun ist auch jeder Rücktritt ein kleiner Tod. Und somit hat Hosni Mubarak einen solchen Nachfolger gefunden. Thomas Gottschalk ist der neue Werther.

Gut, seine Rücktrittsankündigung in der gestrigen “Wetten, dass…?”-Sendung war uns irgendwie klar. Weiter lesen

Wenn die Macht wie Pattex klebt…

Wer soll das begreifen? Da lehnt sich ein Volk gegen seinen Präsidenten auf. Aber der alte Mann will nicht aufhören. Zunächst mal. Man fasst sich an den Kopf und fragt sich: Was ist los mit diesem Hosni Mubarak? Warum macht er nicht endlich das, was wir alle erwarten? Wir haben schließlich auch noch anderes zu tun.

Um Antworten zu finden, blicken wir doch mal in unsere eigene jüngere Geschichte. Der letzte deutsche Mubarak war ein Sozialdemokrat namens Gerhard Schröder. Nachdem er seine Wahl verloren, sah er zunächst keinen Grund zum Aufhören. Offensichtlich angetrunken maulte er vor laufenden Kameras herum, musste aber schließlich einsehen, dass nichts mehr zu machen war. Immerhin durfte seine Partei noch ein bisschen mitregieren.

Ein härteres Kaliber war Helmut Kohl. Ihm war – ebenfalls im fortgeschrittenen Alter – die Macht so wichtig, dass er seine CDU mit nach unten riss. Wie sein ägyptischer Freund hatte auch er nicht begriffen, dass seine Zeit vorbei war. Der heutige, unumstrittene Mubarak Europas ist jedoch Silvio Berlusconi. Er ist ein wahrer Bruder im Geiste des Despoten vom Nil, inzwischen aber auch ein Auslaufmodell. Sein möglicher, vermutlich aber letzter Erbe, dürfte aus heutiger Sicht Nicolas Sarkozy sein. Der ja auch aussieht wie Mubarak in klein.

Alle genannten Politiker irritieren uns, weil die jetzige Generation ziemlich verweichlicht ist. Was hatten wir nicht für Rücktritte. Der Bundespräsident geht, weil er kurzfristig beleidigt ist. Der Hamburger Bürgermeister, weil er sich lieber schöngeistigen Dingen widmen will. Der hessische Ministerpräsident, weil er lieber Bagger fährt.

Ein Mubarak verstört uns aber auch, weil er in anderen Zeitdimensionen denkt. Wir gehen ja davon aus, dass persönliche Schicksale in kürzester Zeit entschieden werden. So kennen wir das vom Fernsehen. Ein Rücktritt darf nicht zu lange dauern, weil die Angelegenheit sonst langweilig werden könnte. 18 Tage Revolution – das ist schon jetzt eine Qual für unsere Medien.

Der ägyptische Staatschef hingegen beschwört, dass er seinem Land seit 60 Jahren diene. Außerdem sei die Lage immer dann am besten gewesen, wenn man zusammengehalten habe. Das sei am Nil seit 7000 Jahren so. Nicht gesagt hat Mubarak in seiner Rede, dass er die Pyramiden selbst gebaut hat. Ich vermute: Diesen Hinweis hat er sich für seine nächste Rede aufgehoben…

Vorsicht, hier simst Mubarak

Es ist mittlerweile Stand der Wissenschaft, dass Jungen, die auf den Namen Kevin getauft werden, wenig Chancen haben, in einem seriösen Job Karriere zu machen. Dieser Vorname gilt Sozialpädagogen und anderen Experten für menschliche Regelungen als (verheerende) Diagnose. Es gibt aber auch gesellschaftliche Schranken, die man gar nicht vermutet: Es könnte an der falschen Telefonnummer liegen.

Forscher der Julius-Maximilians-Universität Würzburg haben den Zusammenhang zwischen der Ziffernfolge und der Beliebtheit von Menschen untersucht. Nun mag man angesichts der doch sehr speziellen Fragestellung in den von unterirdischen Bahnhöfen bekannten Seufzer „Und das alles von unseren Steuergeldern“ verfallen. Jedoch: Angesichts von 34,4 Milliarden SMS, die 2009 in Deutschland versendet wurden, hat das Thema Relevanz. Und es gibt auch ein Ergebnis.

Bestens ist bei den Testpersonen demnach die Nummer 54323 angekommen. Auf der Tastatur als SMS-Nachrichten gelesen, taucht vor dem Augen das Wort „Liebe“ auf. Dagegen ergibt die Ziffernfolge 543243 das Wort „Leiche“. Klar, welche Reihe angenehmer ist. Die Forscher erkundeten auch die Auswirkungen auf eine fikitive Partnervermittlung. In der Kombination 54323/Liebe wirkte die angebliche Kuppelfabrik netter als unter der Nummer 72528. Das kann man auch als “Salat” lesen – und den hat man ja normalerweise erst nach einer gewissen Dauer einer Beziehung.

Wir sollten bei unserer Selbstvermarktung auf diesen Aspekt achten. Die Telefonnummer 6822725 zum Beispiel ist derzeit ganz ungünstig. Gelesen ergibt sie nämlich „Mubarak“. Die ebenfalls ungünstige 82 64 225 alias „vanGaal“ wiederum ist der Nummer für “Taliban” (82 54 226) erstaunlich ähnlich.

Ach so: Mein Büronummer kann als „Bobele“ gelesen werden. Bloß, Boris Becker bin ich trotzdem nicht. Dumm gelaufen. Oder auch nicht.