Mein Rat: Junge Leute in die Politik!

Das Leben könnte so einfach sein. Würde ich bloß auf die richtigen Leute hören. So etwa auf den grießgrämigen Genmanipulator Thilo Sarrazin und auf dessen Ehefrau, die fiese Lehrerin. Ich wüsste dann, dass die Jugend schlecht, faul und unfähig ist. Ich wüsste, dass sich Deutschland abschafft und dass ich froh sein darf, wenn ich später von meinem bisschen Rente leben kann.

Mein Weltbild wäre nicht wirklich schön, aber klar und somit insgesamt in Ordnung. Bloß: Ich höre nicht auf die Sarrazins. Sondern schaue selber hin.

Vergangene Woche also stand ich in Leipzig drei Dutzend Studentinnen und Studenten gegenüber. Sie alle wollen später in den Medien arbeiten. Meine Aufgabe war es, ihnen zu sagen, ob man Journalismus als Traumjob ansehen könne.  Beknackte Situation.

Denn Journalismus ist ein toller Beruf, für mich der beste überhaupt. Allerdings einer, in dem sich in Zukunft mehr und mehr die Frage stellen wird, ob man auch gut davon leben kann. Also konnte ich meinen Zuhörern nur sagen, dass die Lage der Medienbranche davon geprägt ist, dass immer weniger Leute für deren Inhalte bezahlen. Sie würden also auf einen Job hinarbeiten, der tendenziell weniger als heute bringt. Wobei sich – das war mein kleinstmöglicher ehrlicher Trost – Qualität letztlich immer durchsetze.

Ein neuer Gedanke kam mir erst hinterher. Gut ausgebildete junge Leute hoffen auf interessante Jobs, übersehen aber, dass es eine krisenfeste Branche gibt: Die Politik und alles was damit zusammenhängt. Eigentlich haben doch alle Institutionen, die die Gesellschaft zusammenhalten, ein dramatisches Nachwuchsproblem. Völlig egal, ob das nun Parteien, Gewerkschaften oder Vereine aller Art sind.

Und deshalb werden Menschen, die sich hier gut einbringen, mit Handkuss genommen und haben im Vergleich zu früher erheblich größere Chancen, ihre Ideen durchzusetzen und Karriere zu machen. Klar, hier geht es ganz überwiegend um ehrenamtliche Arbeit. Die bringt kein Geld. Aber ein paar Jobs gibt es doch – und man kann Kontakte knüpfen, die später helfen können. Kurzum, es stecken Chancen drin.

Mein Fazit für hier und jetzt: Manche Institutionen mögen alt und verbraucht wirken. Aber zumindest das können junge Leute ändern…

2 Kommentare in “Mein Rat: Junge Leute in die Politik!

  1. Hmmmm…. Junge Leute in die Politik? Sehr zu unterstützen. Die Frage, die sich bei mir nur immer wieder stellt: Werden die vorhandenen Leute zulassen, das jemand mal eben den Ortsverein von unten her aufrollt? Da könnte ja jeder kommen. Und ausserdem, das haben wir immer schon so gemacht….

    Nicht, das ich nicht glauben könnte, das man als “Junger” (also nicht abhängig vom Lebensalter) was ändern könnte (siehe auch “Die Guten” in Nürnberg), aber bei den “etablierten” Parteien? Ich hab da so meine Zweifel….

    Ich persönlich glaube ja, daß das Zusammentreffen von Gelderwerbs-Job und Will-ich-machen-Job reiner Zufall ist. Ist also vielleicht keine schlechte Idee, beide Jobs zu machen, getrennt voneinander, wenn es denn sein muss.

  2. Junge Leute in die Politik. Das hat sich Hr. Minister Söder auch mal gedacht – und gemacht… Die NN berichten ja immer wieder, wie das dann läuft, in den Nürnberger Ortsverbänden und auch weiter “oben”.
    Und den Nachwuchsjournalisten sei nur zugeraten, wenn sie auch einen Bezug zur Sprache haben und sie nicht nur nutzen (mißbrauchen?) um einen Sachverhalt schnell darzustellen. Negativbeispiele liefern auch die NN täglich und damit meine ich jetzt nicht die läßliche Sünde “grießgrämig” (s.o.). Allerdings hat mein Bewusstsein hierzu auch die NN geschärft – W. Gallasch(?) vor Jahren mit einem schönen Artikel im Wochenmagazin.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *


9 − = fünf

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>