Karl Theodor, verlass uns nicht!

Es hat ja schon einige merkwürdige Politiker-Rücktritte gegeben. Da gab es eine seltsame Affäre um Einkaufswagen-Pfandsysteme, der ex-Wirtschaftsminister Jürgen Möllemann zum Opfer fiel. Bei Bundespräsident Horst Köhler weiß man bis heute nicht so genau, warum er abgetreten ist. Also sollten wir uns durchaus Sorgen um unseren Bundes-Hoffnungsträger Karl Thedor zu Guttenberg machen.

Wir brauchen diesen Mann. Er flößt uns Vertrauen ein und weiß einfach, wie man sich passend zum Anlass kleiden muss. Im Smoking bei den Bayreuther Festspielen, im dunkelblauen Anzug in der Wall Street und in Kampfstiefeln und Tarnweste in Afghanistan. Er könnte doch noch so viele Polit-Jobs richtig schick machen. Im Trucker-Karohemd als Verkehrsminister, im Arztkittel als Gesundheitsminister, in Gummistiefeln als Agrarminister…

Stattdessen bedrohen ihn Affären um ein Schulsegelschiff. Zunächst: Man muss doch einmal fragen dürfen, wozu die Bundeswehr so etwas überhaupt braucht. Da bauen sie Präszisionsraketen, die aus 4000 Kilometern Entfernung einen Apfel treffen. Sie bauen Atom-U-Boote, die drei Jahre ununterbrochen unter Wasser bleiben können. Und arbeiten in geheimen Projekten an Kampfflugzeugen, die sich feindlichem Beschuss durch eine Mondumkreisung entziehen können.

Und dann dümpelt so ein – zugegeben schicker – Kahn über die Weltmeere. Eine Meereskaserne, die schmutzig denkende Gesellen als „größten schwimmenden Puff der Welt“ oder kurz als „Gorch Fick“ bezeichnen. Wenn dort Unfälle passieren, darf das unserem „KT“ einfach nicht schaden. Doch nicht ein Segelschiff. Das wäre ja so, als würde ein Landesbank-Vorstand wegen eines gefälschten Sparbüchleins vor Gericht gestellt.

Immerhin scheint keine Gefahr zu bestehen, dass zu Guttenberg, wie andere bekannte Unionspolitiker auch, unvermittelt die Flucht ergreift. Seine Reflexe funktionieren noch. Wer der Karriere des Ministers schaden könnte, wird weggehauen. So wie der Gorch-Fock-Kapitän.Aber die Politik in diesen Zeiten ist verrückt.

Passen wir also auf und beten wir drei Mal täglich: „Karl Thedor, verlass uns nicht.“

1 Kommentar in “Karl Theodor, verlass uns nicht!

  1. Wenn jeder Politiker, dessen Ministerium bzw. die Untergebenen Mist bauen, sofort zurücktreten würde, dann könnte man die Vereidigung zur Dauerveranstaltung machen.

    Ich frage mich, warum unser Ex-Wirtschaftsminister und jetziger Verteidigungsminister derartig aalglatt sein kann wie der Guttenberg.

    Wahrscheinlich geelt der nicht nur seine Haare sondern wird jeden Tag komplett mit Teflon überzogen. Besonders seine Aussagen und Meinungen sind so glitschig, darauf könnte ein Elefant barfuß Schlittschuhlaufen.

    Auch die Angewohnheit, jeden, der in die Schlagzeilen kommt, sofort abzuservieren, zeigt mir, das mit dem Beil regiert wird. Da wird nicht aufgearbeitet, untersucht, verbessert, oder gar werden Lehren gezogen. Derjenige, der in der Zeitung als erster „Schuldiger“ auftaucht, wird „gekillt“. Fertig. Irgendwann werden die Verbliebenen entweder komplett schweigen oder alle Verfehlungen intern „abwickeln“. Etwa dadurch, das die Betroffenen bzw. Untergebenen zum schweigen gebracht werden.

    Das hätte aber auch seine guten Seiten: der Grinseminister, der uns laufend belügt und betrügt, kann wieder mehr Talkshows (vom Steuerzahler bezahlt) in Afghanistan für Steuerzahler darbieten. Das Volk will ja belustigt werden. Statt Dschungel-Camp halt mal Wüsten-Camp. Allerdings darf man dieses wohl nur im Zinksarg verlassen.

    Unsere Freiheit muss in Berlin verteidigt werden! Warum greift die UN nicht endlich ein und befreit uns?

Kommentare geschlossen.