Chaos? Wir sind zu weich für den Schnee

Qualvoll fährt der Mensch nach Hause... Foto: Günter Distler

Qualvoll fährt der Mensch nach Hause... Foto: Günter Distler

Ich muss das mal anmerken: Ich mache mir Sorgen. Sorgen über die unübersehbaren Verweichlichungstendenzen in dieser unserer Gesellschaft. Man gebe uns ein gelegentliches Problem – und wir sinken auf die Knie.

Denken wir doch bloß einmal an die Isländer. Als bei ihnen dieser Vulkan mit dem bescheuerten Namen ausgebrochen war,  wurde selbst ein Vertreter der einst so testosteron-gesteuerten CSU, nämlich Verkehrsminister Peter Ramsauer, zum braven Hausväterchen und sorgte mit dafür, dass praktisch weltweit alle Flugzeuge am Boden bleiben. Damit nichts passiert. Und die Isländer? Die saßen da und schauten ihrem Vulkan zu. Ansonsten ging das Leben weiter.

Wir haben die Vulkanasche gerade in Form von Schneeflocken. Da ist einiges runtergekommen. Und was ist die Reaktion? Aufregung, Verzweiflung, Panik gar. Trotz Winterreifenpflicht rutschen die Autos kreuz und quer durch die Gegend. Und schuld ist überall die Kommunalpolitik.

Ich stelle hierzu Folgendes fest: Es ist die Natur. Weil Schnee nicht in der Konsistenz von Asphalt, sondern als rutschiges Zeug vom Himmel fällt, kann man nicht so gut laufen und fahren wie sonst. Das war so und das ist so. Und weil es Schneefälle dieses Ausmaßes nur an wenigen Tagen im Jahr gibt, kann eine Stadt auch nicht 1000 Menschen vorhalten, die punktgenau zur Stelle sind, wenn es denn mal schneit.

Genauso wenig, wie nach Überschwemmungen auf der Stelle 200 verbeamtete Sandsackschmeißer ausrücken können. Es kommt eben vor, dass es mal nicht so läuft, wie es immer läuft.

Somit helfen in solchen Zeiten nur zwei Verhaltensweisen: Entweder man zieht die Bettdecke nochmal über den Kopf und weicht der Gefahr durch Nichtstun aus. Oder man zeigt Unerschrockenheit und trotzt mutig den bösen Mächten der Natur.

Das jedoch ist Sache der Isländer, vielleicht auch noch der Finnen, Russen, Schweizer und Kalmüken. Bei uns sind ja schon die Männer zu weich. Oder wie ist es sonst zu erklären, dass drei von zehn deutschen Männern aus nackter Angst vor dem Zahnarzt nur dann dorthin gehen, wenn sie die Schmerzen nicht mehr aushalten?

Am besten akzeptieren wir das einfach und bemühen uns um Gelassenheit. So, wie es uns Goethe vorschlägt: „Wer will denn alles gleich ergründen! Sobald der Schnee schmilzt, wird sich’s finden.“

4 Kommentare in “Chaos? Wir sind zu weich für den Schnee

  1. Mich wundert das auch immer, wenn es ein bisschen regnet oder gar mal schneit (kommt bei uns ja anscheinend seltenst vor…..), dass alle dann das Auto fahren „verlernen“. Für was gibts Öffentliche Verkehrsmittel? Gut, diese fahren auch nicht – jedesfalls im Moment – unbedingt nach Fahrplan, aber dann plant man eben ein wenig mehr Zeit ein. Ändern kann ich persönlich am Wetter ja doch nichts!

  2. Auslöser ist m.E. doch der Anspruch, immer und überall verfügbar und erreichbar zu sein. Wenn bei heftigem Schneefall einfach alles etwas langsamer ginge, würde keiner jammern. Aber in einer globalisierten Welt interessiert es einfach nicht, wenn es irgendwo gerade mal schneit. Da wird keine Rücksicht genommen darauf, dass man wg. des Schnees zu spät kommt oder den Flieger nicht nehmen kann. Und als Konsequenz hat man nur noch mehr Stress. Würde der Schnee alle Räder mal etwas abbremsen, hätten sicher deutlich weniger Leute etwas dagegen.

  3. Was mich jedes Jahr beim ersten Schneefall immer wieder wundert und ärgert: Alle stellen urplötzlich fest, das Schnee und Eis glatt sind.

    Wow. Welch eine Erkenntnis.

    Aber ist diese Erkenntnis so grundlegend, das man sein Auto auf die Kreuzung stellt und auf Tauwetter wartet (Selbst etwa 39 mal beobachtet)? Ist das ein Grund für LKW-Fahrer, sich auf eine topfebene Straße zu stellen und den Rädern beim durchdrehen zuzuschauen (selbst gesehen, während etwa 25 andere LKW diesen *’@%§! überholt haben)?

    Ich hätte da mal ein paar einfache Tipps: Vorsichtig fahren, aber fahren. Sich nicht mitten in die Kreuzung stellen. Und zu guter letzt: Schaut euch alle mal den §1 der StVO an.

    Den ich hier einmal zitieren möchte:

    Straßenverkehrs-Ordnung (StVO)

    I. Allgemeine Verkehrsregeln

    §1 Grundregeln

    (1) Die Teilnahme am Straßenverkehr erfordert ständige Vorsicht und gegenseitige Rücksicht.

    (2) Jeder Verkehrsteilnehmer hat sich so zu verhalten, daß kein Anderer geschädigt, gefährdet oder mehr, als nach den Umständen unvermeidbar, behindert oder belästigt wird.

  4. Das Auto stehen zu lassen, ist aber nicht das Schlechteste. Wenn es nur wenig schneit und kaum Wind geht, werden wir eine austauscharme Wetterlage bekommen und Smog-Alarm winkt.
    Dann schmerzt nicht nur die kalte Luft in den Nebenhöhlen, sondern es kratzt auch noch der Smog.

    Aber: Was uns nicht umbringt macht uns nur härter! Wir schaffen das alles. Vielleicht bekommen wir ja auch ein wenig Entschleunigung und die Gelegenheit eine besinnliche Adventszeit zu leben.

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