Archiv für Dezember, 2010

Dezember 28th, 2010

Flughafen-Profiling: Auch Promis kriegen Stress

Darf er ins Flugzeug? Doch eher nicht.

Darf er ins Flugzeug? Doch eher nicht.

Fast wäre dieser Winter langweilig geworden. Eis, Schnee und die Folgen beherrschten die Nachrichten der vergangenen Tage dermaßen, dass kaum Platz für die Veröffentlichung visionärer politischer Projekte vorhanden war. Doch nun taucht doch noch eine heiße Idee aus dem Winterloch auf: Deutsche Flughäfen sollen ihre Passagiere nach Risikogruppen einteilen. Wer einen terrorismusfreundlichen persönlichen Hintergrund hat und auch noch so aussieht, soll nicht mehr mitfliegen dürfen, mindestens aber extra-gründlich gefilzt werden. .

Jetzt sehen wir doch einmal unser linkes Bild an. Es zeigt uns einen Mann französischer Staatsbürgerschaft. Sein Gesichtsausdruck verrät, dass er mit seiner Umgebung nicht wirklich gut zurechtkommt und düsteren Gedanken nachhängt. Wir wissen von diesem Mann, dass er muslimischen Glaubens ist. Wir wissen, dass er bereits im Diesseits den Kontakt zu weiblichen Wesen sucht, die Jungfrauen sein könnten. Und dass dieser Franck Ribéry bei seiner Lieblingsbeschäftigung, dem Torjubel, wahrlich furchterregend aussieht.

Würden Sie also, wenn Ihnen einen Fluglinie gehören würde, diesen Mann mitfliegen lassen? Doch eher nicht.

Mit ihm Boden bleiben müsste zudem wohl der Herr hinter dem Link. Er stammt aus einem bestenfalls halb-demokratischen Staat. Zudem wird von ihm gemunkelt, dass er Sprengstoff in den Fäusten hat.

Nichtflieger 2

Ich nehme weitere Vorschläge für Nichtflieger gerne an und weise ansonsten auf zweierlei hin:

1. Wirklich sicher ist nur der Nacktflug. Das habe ich vor fast genau einem Jahr bereits erwähnt, nämlich  hier

2. Terroristen wandeln sich, wenn es der Sache dient. Nehmen wir die Frau auf unserem zweiten Bild:  Offensichtlich keine Muslimin, freundlich und offensichtlich ein bisschen doof. Ich bin sicher, Daniela Katzenberger fliegt nach den neuen Sicherheitsregeln überall hin. Und das, obwohl ihre bereits bekannten Aktivitäten manchem als Verbrechen an der Menschheit gelten…

Sie fliegt überall hin. Foto: dpa

Sie fliegt überall hin. Foto: dpa

Dezember 26th, 2010

Festtags-Schock: Die neue Lothar-Matthäus-Passion

Ich gebe zu, irgendwo macht mir die Zeit zwischen Weihnachten und Neujahr Angst.  Zu oft haben sich da in den letzten Jahren Katastrophen ereignet. Nehmen wir bloß den zweiten Weihnachtsfeiertag: Da rauschte 1999 ein verheerender Orkan namens Lothar durch Nord- und Westeuropa, 2003 wurde die historische Stadt Bam bei einem Erdbeben im Iran zerstört und 2004 forderten die Tsunamis nach einem Seebeben im Indischen Ozean weit über 200.000 Menschenleben. Ich war also vorbereitet, dass Schlimmes passieren oder bekannt werden würde. So ist es auch gekommen. Und schuld ist Lothar.

Zum Glück für die Menschheit erleben wir aber keinen neuen Orkan, sondern eine – jahreszeitlich unpassende – Matthäus-Passion. Unser fränkischer Fußballgott Lothar/Loddar ist im Hafen der Ehe bereits zum vierten Mal auf Grund gelaufen. Sylvia, Lolita und Marijana sind schon weg. Und jetzt hat Noch-Ehefrau Liliana vermutlich eingesehen, dass ihr Talent nicht für eine große Show-Karriere ausreicht. Trotz ihres weltberühmten Mannes.

Ihres Mannes, der einem auf seiner unglücklichen Suche nach wahrer Liebe so richtig leid tun kann. Was sogar die ansonsten eher unsensiblen Journalisten der “Bild”-Zeitung empfunden haben müssen, als sie ihren Ehe-Abgesang geradezu dramatisch begannen: “Die Gefühle verebbten und brandeten wieder auf, mal schwammen sie auf einer Glückswelle, dann brach alles über ihnen zusammen.”

Nein, hier tobte kein Orkan. Wir wissen nichts von einem Gefühls-Erdbeben. Aber am Ende war es, wie schon einmal an einem zweiten Weihnachtsfeiertag, ein astreiner Tsunami.

Doch einer wie Lothar Matthäus war beruflich lange genug mit Oliver Kahn zusammen, um zu wissen, dass es im Leben immer weiter geht. Was uns auch eine andere Katastrophen-Meldung dieses Tages signalisiert: Playboy-Gründer Hugh Hefner (84) hat sich mit einem 24-jährigen Playmate namens Crystal verlobt.

Lothar Matthäus ist gerade mal 49 Jahre alt. Wir sehen ihn also noch oft in diesem Theater…


Dezember 24th, 2010

Weihnachtsstress? Das Leben genügt – wenn man`s bedenkt

Liebe Gemeinde! Gestern habe ich eine Geschichte über so genannte “Weihnachtsverweigerer” gelesen. Also über Menschen, denen der ganze Trubel hemmungslos auf den Geist geht.

Ist das jetzt wieder so eine Erfindung der Neuzeit? Weil man kein besseres Thema hat, klopft man auf unser liebstes Fest ein? Nein, falsch gedacht. Weihnachtskritik gab es schon 1927. Niedergeschrieben in einem wunderbaren Gedicht von Erich Kästner. Ich finde, wir sollten es lesen – und danach mit viel größerer Gelassenheit feiern.

“Morgen, Kinder, wird’s nichts geben!
Nur wer hat, kriegt noch geschenkt.
Mutter schenkte euch das Leben.
Das genügt, wenn man’s bedenkt.
Einmal kommt auch eure Zeit.
Morgen ist’s noch nicht soweit.

Dezember 22nd, 2010

Schneechaos: Wo bleiben die Erfinder?

“Zuerst kaufe ich mir eine selbstreinigende Kaffeemaschine.” Dieser jüngst gesprochene Satz einer Kandidatin bei “Wer wird Millionär?” bekommt angesichts unserer aktuellen Schneemengen eine besondere Bitterkeit. Denn es wird  klar, dass die eigentlich so bewunderungswürdigen Erfinder versagen, wenn es um die wahren Probleme der Menschen geht. Die Frage ist: Warum gibt es keine Innovationen in Sachen Eis und Schnee?

Wenn es die Menschen schon verlernt haben, mit Sommerreifen durch den Winter zu kommen, wenn Züge wegen vereister Bremsen stehen bleiben, wenn tausende Flugzeuge am Boden bleiben – dann darf das die Tüftler eigentlich nicht ruhen lassen. Aber stattdessen kümmern sie sich um sinnlosen Krampf wie selbstreinigende Kaffeemaschinen und investieren jede Menge Hirnschmalz in Maschinen, mit denen man wahlweise Menschen am Arbeitsplatz wegrationalisieren oder an Kriegsfronten töten kann.

Warum etwa gibt es massenhaft Fußballplätze mit Rasenheizung, aber keine beheizten Landebahnen? Warum gibt es keine Autos, die bei Bedarf Gummireifen ein- und Kufen ausklappen? Wo bleibt das Patent auf selbstschippende Gehsteige? Wo sind Luftkissen-Taxis, die über vereiste Flächen extra gut gleiten? Nein, nicht einmal Schaufelaufsätze für Schuhe gibt es, die Menschen befähigen würden, beim Gehen den Dreck zur Seite zu schieben.

Das Versagen der Denker ist eklatant und wohl nur so zu erklären, dass die Klimawandel-Propaganda zu einem Innovationsloch geführt hat. Palmenhaine wurden uns versprochen, Schnee haben wir gekriegt. Der ist jetzt da. Also, wacht auf, Ihr Tüftler dieser Erde!

Dezember 20th, 2010

Fast drei Prozent: Guido darf von Bord

Wie lange bleibt er? Wann fällt er um? Es scheint so, als habe ganz Deutschland einstimmig beschlossen, dass Guido Westerwelle unverzüglich abzuservieren ist. Obwohl für seine Partei die Abkürzungs-Variante “fast drei Prozent”  wahr zu werden scheint, hält der FDP-Vorsitzende  dagegen. Er streckt trotzig das Kreuz durch und verkündet mit fester Stimme: “Ich verlasse das Deck nicht, wenn es stürmt”.

Was will er uns damit sagen? Zunächst einmal ist sicher, dass sich Westerwelle zum Montagsauto unter den deutschen Außenministern entwickelt hat. Es ist schon eine hohe Kunst, ständig den Mächtigsten der Mächtigen die Hände zu schütteln, das globale Geschehen ein Stück weit mitzulenken, und trotzdem unbeliebter zu sein als Gregor Gysi oder Horst Seehofer. Dramatische Fehlbesetzung, würde man im Theater sagen.

Dezember 18th, 2010

Im Schnee wird der Wutbürger zahm

“Wutbürger”, das Wort des Jahres, hat eine Diskussion darüber ausgelöst, wie stark die Ungehorsamkeitsneigung der Bevölkerung tatsächlich ist.

Sie ist gering. Der Winter bringt es an den Tag. Denn genauso, wie sich Raucher auf Bahnsteigen kreuzbrav in gelbe Vierecke stellen, geht der anständige Menschen jenen Weg, der ihm von der Obrigkeit vorgegeben ist. Der Lemming ist in uns – schauen Sie hin.

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Dezember 17th, 2010

Die “Wutbürger”: Sauer, aber ziemlich doof

Jetzt mal ehrlich: Haben Sie in diesem Jahr auch nur ein einziges Mal “Wutbürger” in den Mund genommen? Ich nicht.  Kein anderer Mensch hat das zu mir gesagt. Schon deshalb finde ich die Entscheidung der Gesellschaft für Deutsche Sprache, diesen Ausdruck zum “Wort des Jahres” zu machen, sehr seltsam.

Außerdem finde ich dieses Wort grundsätzlich daneben. Nicht, weil mir die Inkarnationen Welt-, Staats-, Bildungs- und Kleinbürger reichen würden. Sondern weil ich es so verstehe, dass die Bürger schon mal zurecht sauer, aber dabei auch ziemlich doof sind. Vor allem derjenige,

Dezember 16th, 2010

Nach Kerner, Steffi und KT: Schickt die RTL-Kasper ins Wüstencamp

Frontsoldaten wissen: Diese Frau ist eine Granate.

Frontsoldaten wissen: Diese Frau ist eine Granate.

Heute Abend also die Fernseh-Sensation des Jahres: Johannes B. Kerner sitzt gemeinsam mit Verteidigungsminister Karl Theodor zu Guttenberg auf einer Bühne im Bundeswehr-Camp Mazar-e-Sharif und schildert der staunenden Nation, wie das Leben der Soldaten in Afghanistan wirklich ist. Bevor dieses Theater beginnt, sage ich: Eklatante Fehlbesetzung. Das wird nichts.

Unser christlich-sozialer “Sonnenbrillenträger des Jahres” passt hin, da gibt es gar nichts. Hat er doch wieder einmal für großartige Bilder aus der Wüste gesorgt. Wie er an der Seite seines blonden Schutzwesten-Engels Stephanie auf die Fotografen zumarschiert ist, war ein neuerliches Staatsschauspiel der allerersten Güte. Er wie Bruce Willis mit Haaren, sie wie Lilli Marleen ohne Laterne. Glaubwürdig, optimistisch, erfolgsorientiert.

Aber Kerner? Da ist doch einer nach Afghanistan geflogen, der seine Schlacht um die Zuschauer längst verloren hat. Beim ZDF war er für jeden und alles zuständig. Für Fußball, Kochen, Menschen und andere Sensationen. Sein Wechsel zu Sat1 ist ihm aber überhaupt nicht bekommen. Keiner mag ihn mehr sehen. Was sich auch daran zeigt: Sein todesverachtender Talkshow-Fronteinsatz wird erst ab 23.15 Uhr gezeigt. Nach “Out of Time – Sein Gegner ist die Zeit.” Stimmt. Kurz vor Mitternacht sind die Einschaltquoten eher schlecht.

Eine afghanische Fernseh-Sensation müsste ohnehin RTL übernehmen. Mitte Januar startet das neue Dschungelcamp, unter anderem mit Kachelmanns SMS-Tussi Indira Weis, Liebesgott Rainer Langhan, Spaßkugel Dirk Bach sowie unserer unvergleichlichen oberfränkischen Sex-Göttin Tatjana Gsell.

Dieses Grauen in Mannschaftsstärke müsste vorübergehend als “Wüstencamp” an den Hindukusch verlegt werden. Ungeziefer aller Art sollte reichlich vorhanden sein, als Mutprobe wäre ein Bergdorf-Burka-Lauf denkbar. Wir würden zusehen, bibbern, für unsere Kandidaten beten.

Und die Taliban würden vielleicht sogar kapitulieren. Denn eines würde ihnen mit aller Macht klar: Eine Gesellschaft, die trotz solcher Sendungen ohne Selbstmordattentate auskommt, kann man nicht besiegen.

Dezember 13th, 2010

Montags im Schnee stirbt die Liebe im Radio

Montagmorgen, Wetter, Verdauung, Liebeskummer: Nur zu gerne denken wir in unserer westlichen Wohlstandsgesellschaft, dass wir ganz besondere Menschen sind. Deshalb haben wir auch ganz besondere Probleme. Zum Beispiel können wir lange darüber nachdenken, welches Wetter-App für unser Handy extra-chic wäre. Wir übersehen dabei, dass wir letztlich auch nur einer von 6,9 Milliarden Menschen sind. Und dass es bei anderen Leuten nur deshalb ums nackte Überleben geht, weil sie zufällig in einer anderen Gegend geboren wurden.

Die vier Einstiegsworte indes zeigen, dass auch unser Dasein einfacher gestrickt ist, als wir oft denken. Heute ist Montagmorgen. Das ist schlecht. Sagen jedenfalls die Leute im Radio.

Dezember 11th, 2010

Jetzt sagt mal: Warum feiert Ihr Weihnachten?

Ihr, die Ihr gerade dabei seid, die Stiefel aus dem Schuhschrank zu holen, um zum Geschenkekauf in die Innenstadt zu gehen, lasst Euch sagen: Haltet ein! Fragt Euch lieber erst einmal, warum Ihr das macht.

Hört den fränkischen Volksmissionar “JesusUnserRetter” und Ihr wisst, dass Jesus allenfalls  im Februar oder März auf die Welt gekommen sein kann. Warum also feiert Ihr Weihnachten?

http://www.youtube.com/watch?v=2NwcYqAZNjk

PS.: Aufmerksam wurde ich auf diesen wichtigen Beitrag durch die Radio-Z-Sendung “Sendeloch”

Dezember 9th, 2010

Das neue Projekt heißt “Rettet die FDP!”

Heute ist Welt-Anti-Korruptionstag. Also ein Datum, an denen wir allen, die sich durch dunkle Machenschaften und geheime Absprachen die Taschen vollstopfen, den erhobenen Zeigefinger zeigen. Es ist ein Datum, das der Gerechtigkeit zum Durchbruch verhelfen soll. Ein Tag, an dem mehr Transparenz erreicht werden soll. Also ist unsere Bundesregierung zur Stelle: Sie will Steuererklärungen vereinfachen und den Menschen zugleich Geld schenken.

Und wie immer sind Angela Merkel & Co. dabei gerecht bis ins Knochenmark. Vier Milliarden Euro bekommt die Wirtschaft, damit sie Arbeitsplätze schaffen kann. Was sie erfahrungsgemäß tun wird. Den Bürgern sind 590 Millionen Euro zugedacht. Das sieht gut aus, bedeutet aber bloß, dass jede(r) in Deutschland lebende Mensch um 7,21 Euro pro Jahr entlastet wird, also um 60 Cent pro Monat. Wenn man sieht, dass das durchschnittliche Bruttoeinkommen pro Haushalt bei 44.000 Euro jährlich liegt, ist sonnenklar, dass die Nachricht aus Berlin dem Weihnachtsgeschäft den finalen Schub geben wird.

Man könnte nun fragen, warum es automatisch mehr Steuerrückzahlung bringen soll, wenn weniger Daten abgefragt werden. Man könnte auch fragen, ob durch den Verzicht auf Belege korrupten Zeitgenossen das Leben erleichtert wird.

Aber darum geht es bei der "Aktion Steuergeschenk" ohnehin nicht. Die entscheidende Zahl für die schwarz-gelbe Koalition lautet vier Prozent. Auf diesem Wert dümpelt die FDP in den Umfragen herum. Die CDU hat sich dank Wirtschaftsaufschwung erholt. Nun muss man die Partei der Steuerlüge sanieren.

Fazit: Die Bundesregierung verkündet Steuergeschenke und Bürokratieabbau, startet aber nur das Programm "Rettet die FDP!". Irgendwie korrupt, oder?

Dezember 8th, 2010

Lennon, Brandt, Heesters – drei Opfer meines Warnstreiks

Paragraph 92,  Paragraph 99, Paragraph 111…  Da ich auf derzeit auf einem Seminar kiloweise Rechtswissen eingetrichtert bekomme, könnte ich ohne einen Funken schlechten Gewissens eine Blog-Pause einlegen. Aber natürlich will ich meinen Leserinnen und Lesern immer etwas bieten.  Zumal es einige aktuelle Jubiläen zu kommentieren gäbe.

Zum 30. Todestag von John Lennon könnte ich daran zurückdenken, dass der auf deutsch gesungene Beatles-Hit “Komm gib mir Deine Hand” die erste Single war, auf die ich eigenhändig den Tonarm des Phonoschranks meiner Großmutter gezittert habe.  Zum 40. Jahrestag des Kniefalls von Warschau könnte ich mich darüber auslassen, dass mich Willy Brandt beeindruckt hat, obwohl ich pubertierend mit ganz anderen Sorgen zu kämpfen hatte.

Das Jubiläum “25 Jahre Lindenstraße” stellt mich vor die Frage, ob es eine gute Entscheidung war, diese Serie im Beisein meiner heranwachsenden Kinder an vielen Sonntagabenden zum Abendessen laufen zu lassen. Und auch 107 Jahre Johannes Heesters schreien nach einer Betrachtung. Zum Beispiel zur Frage, ob auch ich meine Geburtstagsgäste in diesem Alter noch mit meinem Gesang beschallen würde.

Aber aus alldem wird nichts. Denn heute habe ich erfahren, wie sich die deutschen Zeitungsverleger die Zukunft meines Berufsstandes vorstellen. Wir Journalisten sollen mehr arbeiten, weniger Urlaub haben und deutlich weniger Geld verdienen. Vor allem junge Kolleginen und Kollegen soll es treffen: Sie sollen von Anfang an auf 25 Prozent des heutigen Gehaltsniveaus verzichten, und dieser Abstand soll auch für den Rest der Karriere bleiben.

“Der Aufschwung ist bei den Menschen angekommen”, könnte ich jetzt mit Angela Merkels Worten sagen. Aber die Ironie ist mir erstmal vergangen.

Deshalb schreibe ich nichts mehr und wünsche allseits eine schöne Zeit. Das wäre dann also mein Warnstreik für heute.

Dezember 5th, 2010

Beten nach “Wetten, dass…?” Mir geht das zu weit

Ein falscher Sprung – und die Fernsehnation ist fassungslos und entsetzt: Nachdem sich bei “Wetten, dass…” der Kandidat Samuel Koch schwer verletzt hat, wird inzwischen schon zum weltweiten Gebet für den 23-Jährigen aufgerufen. Passt das noch?

Thomas Gottschalks ZDF-Show lebt – neben zugeplapperten Werbeeinblendungen für neue Produkte bekannter Stars – davon, dass Menschen völlig absurde Höchstleistungen vollbringen.

Dezember 3rd, 2010

Sepp Blatter – unser Präsident für die Ewigkeit!

Er denkt wahrhaft global: Sepp Blatter

Er denkt wahrhaft global: Sepp Blatter

“Sepp Blatter ist ein Schweizer, wie es keinen Schweizer mehr geben wird.” Dieser Satz stammt zwar aus einer Franz-Beckenbauer-Parodie, jedoch: Bestimmt ist der Präsident des Welt-Fußballverbandes Fifa als Mensch ein wunderbarer Solitär. Denn gerade haben wieder alle Zweifler erfahren, dass er und nur er weiß, wo es auf diesem Planeten entlanggeht.

Wer das nicht glaubt, soll doch bitte mal sagen, welchem Menschen es sonst noch vergönnt ist, dass seine Grundschule zu seinen Lebzeiten nach ihm benannt wurde. In Visp in der Schweiz, wo dazumal der kleine Sepp auf der Schiefertafel herumgekratzt hat, ist das so. Und sind von diesem Mann Momente des Scheiterns überliefert? Außer bei seinem erfolglosen Vorschlag aus dem Jahr 2004, die Bekleidung von Fußballerinnen femininer zu machen? Blatter dachte damals (sicher) an Volleyballhöschen und (eventuell) an Fußballschuhe mit Absätzen und aufgemalten lackierten Zehen. Dafür war die Zeit noch nicht reif.

Die jüngsten Entscheidungen seiner Fifa haben jedenfalls Weltökonomie und Klimawandel im Blick. Blatter weiß, dass sich bis 2018 mit Öl und Gas noch mächtig Geld verdienen lässt. Also schickt er die Kicker ins russische Riesenreich. Der Umstand, dass dieses Land nur halbdemokratisch regiert wird und dass an allen Ecken und Enden die Mafia lautert, mag manchen abstoßen. Ein Fifa-Funktionär, und erst recht der Alpha-Rüde des Weltfußballs, kennt das aus der täglichen Arbeit.

Bekannt ist aber auch, dass das Öl immer knapper und teurer wird. Also gilt es, während späterer Wettbewerbe kostspielige Mannschaftstransport-Flüge zu vermeiden. In Katar 2022 klappt das. Dieses Land entspricht von seiner Größe her – einem 80 Kilometer breiten Streifen zwischen Nürnberg und München. Es liegt am Meer, was schön ist und bietet ansonsten als Sehenswürdigkeiten vor allem Hochhäuser. Das ist übersichtlich. Man muss bloß die Fußballstadien so platzieren, dass man sie nach der WM wieder abreißen kann. Brauchen wird man sie ja nicht mehr.

Ja, Sepp Blatter weiß, was er tut. Gilt er doch auch als nimmermüder Reformator des Fußballs. Und eine WM der kürzesten Wege bietet doch zum Beispiel die Möglichkeit, die Zahl der teilnehmenden Nationalmannschaften  zu verdoppeln (TV-Rechtevermarktung!). Schließlich würde die 15-minütige Halbzeitpause genügen, damit  Teams die Stadien wechseln und nebenan ein neues Spiel beginnen.

Sein wahrer Plan ist aber ein ganz anderer. Blatter hat insgeheim genug von neureichen Rohstoffvermarktern. Er will dorthin, wo das große Geld seit fast zwei Jahrtausenden zuhause ist, nämlich in den Vatikan. 2026 wird die Fußball-WM in dem aus dem Petersplatz gestampften “Josephs Dome” eröffnet. Vor Anpfiff des Finales bekommt unser Fifa-Sepp, inzwischen 90-jährig, im Anstoßkreis vom Papst persönlich die letzte Ölung.

Und dann ist er das, als was er sich schon seit langem sieht: Unser Präsident für die Ewigkeit!

Dezember 2nd, 2010

Chaos? Wir sind zu weich für den Schnee

Qualvoll fährt der Mensch nach Hause... Foto: Günter Distler

Qualvoll fährt der Mensch nach Hause... Foto: Günter Distler

Ich muss das mal anmerken: Ich mache mir Sorgen. Sorgen über die unübersehbaren Verweichlichungstendenzen in dieser unserer Gesellschaft. Man gebe uns ein gelegentliches Problem - und wir sinken auf die Knie.

Denken wir doch bloß einmal an die Isländer. Als bei ihnen dieser Vulkan mit dem bescheuerten Namen ausgebrochen war,  wurde selbst ein Vertreter der einst so testosteron-gesteuerten CSU, nämlich Verkehrsminister Peter Ramsauer, zum braven Hausväterchen und sorgte mit dafür, dass praktisch weltweit alle Flugzeuge am Boden bleiben. Damit nichts passiert. Und die Isländer? Die saßen da und schauten ihrem Vulkan zu. Ansonsten ging das Leben weiter.

Wir haben die Vulkanasche gerade in Form von Schneeflocken. Da ist einiges runtergekommen. Und was ist die Reaktion? Aufregung, Verzweiflung, Panik gar. Trotz Winterreifenpflicht rutschen die Autos kreuz und quer durch die Gegend. Und schuld ist überall die Kommunalpolitik.

Ich stelle hierzu Folgendes fest: Es ist die Natur. Weil Schnee nicht in der Konsistenz von Asphalt, sondern als rutschiges Zeug vom Himmel fällt, kann man nicht so gut laufen und fahren wie sonst. Das war so und das ist so. Und weil es Schneefälle dieses Ausmaßes nur an wenigen Tagen im Jahr gibt, kann eine Stadt auch nicht 1000 Menschen vorhalten, die punktgenau zur Stelle sind, wenn es denn mal schneit.

Genauso wenig, wie nach Überschwemmungen auf der Stelle 200 verbeamtete Sandsackschmeißer ausrücken können. Es kommt eben vor, dass es mal nicht so läuft, wie es immer läuft.

Somit helfen in solchen Zeiten nur zwei Verhaltensweisen: Entweder man zieht die Bettdecke nochmal über den Kopf und weicht der Gefahr durch Nichtstun aus. Oder man zeigt Unerschrockenheit und trotzt mutig den bösen Mächten der Natur.

Das jedoch ist Sache der Isländer, vielleicht auch noch der Finnen, Russen, Schweizer und Kalmüken. Bei uns sind ja schon die Männer zu weich. Oder wie ist es sonst zu erklären, dass drei von zehn deutschen Männern aus nackter Angst vor dem Zahnarzt nur dann dorthin gehen, wenn sie die Schmerzen nicht mehr aushalten?

Am besten akzeptieren wir das einfach und bemühen uns um Gelassenheit. So, wie es uns Goethe vorschlägt: “Wer will denn alles gleich ergründen! Sobald der Schnee schmilzt, wird sich’s finden.”