Grüne ganz oben? Aber nur ohne Pfandautomat

Echt wahr: Baldur Springmann war der Kopf der frühen Grünen.

Echt wahr: Er war der Kopf der frühen Grünen.

Der Aufschwung der Grünen wirkt wahrlich irrwitzig. Ich kann mich noch an Zeiten erinnern, in denen während Chaos-Parteitagen tonnenweise Socken und Pullover gestrickt wurden und in denen ein norddeutsches Catweazle-Double namens Baldur Springmann die besten Wege zur Rettung des Planeten erläuterte. Und heute winken trotz der Koteletten von Cem Özdemir und der Frisur von Claudia Roth  20 Prozent  und mehr. Finde ich gut. Eigentlich.

Wäre da nicht das Dosenpfand und seine schlimmsten Folgen: die Rückgabeautomaten.Das Dosenpfand wurde zwar 1991 unter dem Umweltminister Klaus Töpfer beschlossen und unter seiner NachfolgerinAngela Merkel bestätigt. Letztlich durchgesetzt hat es aber gegen den Widerstand der heulenden Getränkeindustrie der Grüne Jürgen Trittin. Und so sieht das dann aus:

Samstagvormittag im  Supermarkt: „Herr Gassner, bitte zum Automaten! (50 Dezibel). Herr Gassner, zum Automaten, bitte!“ (70 Dezibel). „Herr Gassner, Automaaaaat!“ (130  Dezibel). Herr Gassner kommt, sperrt eine Türe auf, rüttelt ein bisschen an dem stählernen Viereck, und grummelt im schönsten Fränkisch: „Dou konni mir doch glei a Feldbedd aafschdelln lassn.“ Abgang Herr Gassner – aber schon die übernächste Kundin schlurft zur Kassiererin: „Frollein, des roude Lichd blinggd scho widder“.

War das wirklich der Gedanke bei Dosen- und Plastikflaschenpfand, dass wir 20 Jahre nach der deutschen Einheit wieder wie in der DDR in endlosen Schlangen stehen? Wohl nicht, und doch wird so ein Automat zumindest in dicht bewohnten Stadtteilen zum ungewollten Kristallisationspunkt.

Dort treffen sich die Renterinnen, die für wenige Flaschen lange brauchen und die ökologisch orientierte Maßvoll-Trinkerin mit dem Korb aus handgeschorener Alpaka-Wolle. Dort steht der im Kleinbetrieb angestellte Normalsäufer neben dem Musikfan, der mit seinen vier riesigen Plastiktüten gerade vom Gelände eines Rockfestivals kommt. Da ist auch der Hartz-IV-Empfänger, der sich seine Stütze um weitere fünf Euro aufstockt.

Und mittendrin bin ich, der 20 Minuten Zeit hat, um verschärft darüber nachzudenken, wie er die 56 Cent Pfand, die demnächst auf dem Pfandbon stehen, anschließend sinnvoll verprasst.

Ja, Jürgen Trittin, das warst Du! Und Dich soll ich wählen? Da muss ich nochmal nachdenken. Andererseits: Seit es Pfandautomaten gibt, gehe ich samstags zum Einkaufen früher aus dem Haus. Dem Bruttosozialprodukt könnten diese Maschinen also sogar nützen.

5 Kommentare in “Grüne ganz oben? Aber nur ohne Pfandautomat

  1. Das stimmt. Welcher Irrtum! Durchgesetzt hat es allerdings Jürgen Trittin. Aber ich danke für den Hinweis und erlaube mir, was einzufügen. Dieser Beitrag ist also nachträglich aufgehübscht.

  2. Lieber Hirnduebel, da triffst du ein hochaktuelles Thema, aber wohl eher unbeabsichtigt. Erlaub mir ein paar kritische Anmerkungen:

    1. Das Dosenpfand war ökologisch betrachtet genau das Richtige. Und sicher eine der ganz starken Leistungen von Trittin, bei der er sich gegen die geballte Einzelhandels-Lobby durchsetzte.

    2. Dass der Handel das mit den Automaten nicht auf die Reihe bekommt, ist aber sicher nicht Trittins Schuld. Das kannst du nicht ernsthaft meinen, oder?

    3. Vielleicht ist dir in der letzten Zeit auch aufgefallen, dass in der Fuzo, auf größeren Events und natürlich auch in den Supermärkten wieder verstärkt Dosengetränke angepriesen bzw. beworben werden. Und das deshalb, weil die Produktion von Dosen wesentlich billiger kommt als die Herstellung von Flaschen. So die Rechnung der Hersteller und Einzelhändler, die für den gleichen Getränkepreis nun einen netten Aufschlag kassieren.

    Der springende Punkt ist aber, dass der Umwelt – und damit letztlich uns allen – die Dosen wesentlich teuerer zu stehen kommen.

    Von daher kommt mir dein Beitrag nun gerade recht, um meinem Ärger über das aktuelle Dosen-Pushing Luft zu machen.

    Nix für ungut! 🙂

  3. Mal Klartext Hirndübel:
    Der Baldur ist nach seinem Ausstieg bei den Grünen wieder da gelandet, wo er her kam. Bis zu seinem Tod 2007 hat er sich im rechtsradikalen Umfeld rumgetrieben. Genau daher stammt auch das Bild, mit dem du deinen Artikel schmückst: von der braunen Sudelseite Aktionsbündnis Erfurt – Nationale Sozialisten in Wort und Bild, pääh.
    Cem Özdemir hat ganz andere Qualitäten. Er hat sich brav bei Mappus wegen seiner Behauptung, dieser wolle Blut in Stuttgart sehen, entschuldigt. Mappus nahm die Entschuldigung an, zukünftigen schwarzgrünen Koalitionen steht nun nichts mehr im Wege.
    Das sind die Grünen damals wie heute, ich hatte niemals das Gefühl, daß die schnallen auf was oder wen sie sich einlassen.
    So ist auch das Dosenpfandgesetzt de facto nur noch eine Farce. Die Getränkelieferanten haben längst Möglichkeiten gefunden, pfandfreie Dosen aus fast allen Länder dieser Welt zu importieren. Das macht umwelttechnisch gar keinen Sinn, Dosenlaster durch ganz Europa zu karren und die Dinger fliegen auch schon wieder auf der Straße rum. Wer sich in Erwartung eines kleinen Zuverdienst danach bückt ist gemeiert, kein Recyclingsymbol, keine 25 cent. Nur einen Vorteil hat die Sache, nachts um halbdrei angetütert aus der Kneipe stolpern und ne Runde Dosenfußball spielen.
    Klapööööng, alle mal aufwachen!

  4. @tellit5
    du sagst Zitat;
    „Der springende Punkt ist aber, dass der Umwelt – und damit letztlich uns allen – die Dosen wesentlich teuerer zu stehen kommen. “

    Damit verpasst du aber den wirklich springenden Punkt. Nämlich, dass es beim Dosenpfand zum größten Teil überhaupt nicht um Aludosen geht, sondern um Plastikflaschen. Der Name Dosenpfand ist einfach nur ein Etikettenschwindel.

    Ob man die Plastikflaschen nun direkt zum Recyclingplastikmüll schmeißt, oder erst sammelt, doppelt transportiert, usw., damit sie dann nochmal gesammelt und nochmal transportiert werden, um dann wieder im recyclingmüll zu landen ist eigentlich….
    das war einfach eine dumme Erziehungsmaßnahme, die menschen von plastikflaschen wegzubringen, was nicht funktioniert, weil nicht jeder Lust oder ein Auto hat um die schweren Glasflaschen zu transportieren.

    Insofern verstehe ich die Wut des Autors sehr gut.

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