Der deutschen Einheit fehlt der Kuschelfaktor (mit Karaoke-Hymne)

„Hach! Früher war doch alles besser!“ Dieser Ruf erklingt jetzt gerade wieder besonders laut. Weil vor 20 Jahren der Vertrag zur deutschen Wiedervereinigung unterschrieben wurde, melden sich diejenigen zu Wort, die die alten Zustände wieder haben möchten. Und die gibt es auf beiden Seiten der früheren Todesstreifen.

Die deutsche Einheit wirkt auf eine paradoxe Art. Vor allem sollte sie ein Zugewinn an Heimat sein. Doch zugleich fehlt ihr der Kuschelfaktor. Was klein und niedlich ist, ist unwichtig geworden. Mäßig bedeutende Ereignisse lassen sich nicht mehr auf ein identitätsstiftendes Format aufblasen.

Wir im Westen spüren das, wenn es um die Politik geht. Bei landespolitischen Dramen – und sei es im Operettenstaat Saarland – schauten die Menschen früher interessiert hin. Aber bewegt es uns heute wirklich, dass in Schleswig- Holstein die Karriere eines Ministerpräsidenten Peter Harry Carstensen gelaufen ist? Sorgt es auch nur für schwache innere Zuckungen, dass in Hessen als Nachfolger des allseits geliebten Roland Koch ein gewisser Herr Bouffier inthronisiert wurde? Außer vielleicht, das da einer Landesvater werden soll, der aussieht wie ein übler Autohändler?

Oder nehmen wir die CSU. Früher hätte es passieren können, dass ein bayerischer Landwirtschaftsminister für sein Grußwort zum Start der Hopfenernte mit dem Hubschrauber gelandet wäre. Heute wissen bestenfalls 15 Prozent der Bevölkerung überhaupt, wie dieser Minister heißt.

Und im Osten haben eigentlich nur Marken wie Rotkäppchen-Sekt, Radeberger Pils sowie Sand- und Ampelmännchen überlebt.

Diese nationale Globalisierung ist den Menschen unangenehm. Noch immer hat gut jeder zweite Deutsche die Einheit  nicht akzeptiert. Neun Prozent der Ostdeutschen wollen die DDR wie­derhaben, elf Prozent der Wessis wün­schen sich die Mauer zurück. Dies ergibt sich aus dem „Sozialreport 2010“ des Bundesverbandes Volkssolidarität.

Alsdenn, solidarisieren wir uns und senden wir ein bisschen Trost gen Osten. Hier kommt sie, die DDR-Hymne „Auferstanden aus Ruinen“ – in einer (fast kompletten) Karaoke-Version zum Mitsingen für Alle.

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