Horst Köhler geht. Wer soll kommen?

Ich schwöre: Ich war entschlossen, in die allgemeine Lena-Glückseligkeit einen Beitrag zu bringen, in den an tragisch gescheiterte Menschen erinnert wird. Ich hatte die einstige Polit-Ikone Gabriele Pauli auf der Rechnung. Doch dann kam  Horst Köhler (siehe Video).

Der Bundespräsident ist zurückgetreten. Weil er wegen seiner Äußerung, wonach es beim Afghanistan-Einsatz auch um Wirtschaftsinteressen gehe, Kritik bekommen habe, die den notwendigen Respekt vor dem Amt habe vermissen lassen. Sein Auftritt kam überraschend, er wirkte irgendwie absurd.

Tja, Äußerungen von Horst Köhler. Hierzu ist zu sagen, dass dieser Bundespräsident vieles war, aber ganz bestimmt kein großer Redner. Er kam langweilig rüber und war immer in der Gefahr von falschen Betonungen. Aber Köhler war auch geradlinig und ehrlich – und wurde insofern als bürgernah angesehen. Er traute sich auch, der jeweiligen Bundesregierung zu widersprechen. Er war für diese kein einfacher Partner.

Was Konservative und Liberale angeht, entwickelt sich die deutsche Politik immer mehr zu einem Trauerspiel. Wer Ecken und Kanten oder Mut zur eigenen Meinung hat, ergreift die Flucht. Zurück bleiben handelnde Personen, von denen immer weniger Menschen glauben, dass sie Probleme lösen können.

Wenn also in den Twitter- und Facebook-Communities heftig darüber gewitzelt wird, ob Stefan Raab ein Bundespräsidenten-Casting organisieren oder den Job selbst machen soll, dann hat das einen bitteren Hintergrund. Man glaubt nicht mehr, dass eine gute Personalentscheidung auf normalem Weg gelingt.

Alsdenn: Wer soll es werden, wer kann es richten?

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Lenas "Satellite" über Europa – die komplette Statistik

Irre. Aus Deutschland kommt ein Lied, das sogar den Slowaken und Litauern und sieben anderen Nationen so gefällt, wie kein anderes. Lena Meyer-Landruts “Satellite” schwebt über Europa. Schade nur um die wunderbaren Schmetterlinge aus Weißrussland.

Vorneweg natürlich das Video vom Auftritt: http://bit.ly/bcdapM

Ansonstens sehe ich die Sache jetzt sportlich und bringe das Endergebnis im entsprechenden Stil. Mit Tabelle und mit der kompletten “Wer mit wem”-Statistik: 1. Deutschland (246), 2. Türkei, (170),  3. Rumänien (162),  4. Dänemark (149), 5. Aserbaidschan (145), 6. Belgien (143),  7. Armenien (141), 8. Griechenland (140), 9. Georgien (136), 10. Ukraine (108), 11. Russland (98), 12. Frankreich (98), 13. Serbien (82), 14. Israel (71), 15. Spanien (68), 16. Albanien (62), 17. Bosnien-Herzegowina (51), 18. Portugal (43), 19. Island (41), 20. Norwegen (35), 21. Zypern (27), 22. Moldau (27), 23. Irland (25), 24. Weissrussland (18), 25. Großbritannien (10).

Und hier steht, wer für wen gevotet hat: http://bit.ly/bQnfTc

Der Videobeweis: Jetzt sind wir alle Lena!

Jetzt, wo das Bohrloch im Pazifik dank “Top Kill” gestopft zu sein scheint. Jetzt, wo das Wetter voraussichtlich beschissen bleibt, ist es an der Zeit, sich erfreulichen Dingen zuzuwenden: Die Rede ist von Lena Meyer-Landrut.

Unser Oslo-Star ist zwar nicht mehr jedermanns Liebling. Manchen gilt sie als arrogant, andere nervt ihre starke Medienpräsenz, wieder andere gruselt es bei ihrem extra-starken englischen Akzent. Jedoch: Dieses Land braucht wieder einmal einen Erfolg. Erst recht, da Angela Merkel in Europa als Krisenmanagerin zusehends umstritten ist.

Der neue Stern am Gesangshimmel zeigt zudem eine Wesensverwandtschaft mit einem berühmten Teil-Namensvettter, nämlich dem heldenhaften Fußballtrainer Hans Meyer. Dieser hatte nie ein Problem damit., notleidende Mannschaften zu übernehmen. Schließlich, so seine Logik, könne es von ganz unten nur noch oben gehen. Misserfolg sei gar nicht möglich.

Wenn man die deutschen Grand-Prix-Pleiten der vergangenen Jahre berücksichtigt (es gab zuletzt die Plätze 19 durch Roger Cicero, 23 durch die No Angels und 20 durch Alex Swings Oscar Sings), scheint Lena Meyer-Landrut in genau dieser Situation zu sein.

Sie finden trotzdem, dass die Überschrift dieses Blog-Beitrages übertrieben sei? Dieses Video auf ihrer StudiVZ-Seite sagt etwas anderes: http://bit.ly/cbgMSF

Roland Koch geht – wer wird das neue Feindbild?

Dumme  Situation: Man kann einen Menschen irgendwie nicht leiden, regt sich über ihn auf, findet ihn unmöglich – aber wenn er dann endlich geht, mag man sich doch nicht so richtig freuen. Hessens Ministerpräsident Roland Koch will zum Jahresende 2010 von allen politischen Ämtern zurücktreten.

Dieses ist ein unerhörter Vorgang. Der Mann ist gerade mal 51 Jahre alt. Es kann doch nicht sein, dass er zurücktritt, nur weil er sich inzwischen den Anspruch auf die Ministerpräsidenten-Pension gesichert hat. Aber vielleicht gibt es da eine Wesensverwandtschaft zu Friedrich Merz. Auch dieses CDU-Alphamännchen hat hingeschmissen, weil es immer wieder von Mutti Merkel untergebuttert wurde.

Roland Koch wurde zuletzt für seine Sparvorschläge abgebügelt – und die jüngsten Maßnahmen in Sachen Finanzmarktkontrolle dürfte ihm überhaupt nicht gefallen haben. Sollte er geplant haben, Finanzminister Schäuble zu beerben, könnte er zuletzt die Lust verloren haben.

Für die Medien ist Kochs Abgang auf jeden Fall ein Verlust. War er doch stets ein verlässliches Feindbild. So etwa, nachdem er nach der CDU-Spendenaffäre “brutalstmögliche Aufklärung” vorgegaukelt hatte. Oder als er nach dem brutalen Überfall in der Münchner U-Bahn im Dezember 2007 gegen junge Ausländer hetzte. “Wir müssen zur Kenntnis nehmen, dass es eine sehr aggressive Kriminalität einer sehr kleinen Gruppe von Menschen unter 14 Jahren gibt. In Ausnahmefällen könnten Elemente des Jugendstrafrechts für diese Zielgruppe eingesetzt werden”, grollte er damals. Weitere Aufreger lieferte Koch genug.

Wer kann oder soll in diese Fußstapfen treten? Unser CSU-Spitzenmann Markus Söder ist als Feindbild – bundespolitisch gesehen – nicht wichtig genug. Männliche CDU-Politiker mit  beachtenswerten exotischen Ansichten sind kaum vorhaben.  Wirklich beleben könnte es die politische Debatte, wenn Thilo Sarrazin ins Bundeskabinett berufen würde.

Und was Roland Koch angeht, hat man vielleicht nicht immer genau genug zugehört oder einfach nicht gedacht, dass er wirklich meint was er sagt. Von ihm stammt auch der Satz: “Ich habe den Hessen nie angedroht, mein ganzes Leben lang Ministerpräsident sein zu wollen.” Gesagt im November 2002 – damals allerdings noch mit der Aussicht, Kanzlerkandidat werden zu wollen.

Ein kleines Erinnerungsvideo habe ich auch noch:

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Die deutsche Politik braucht einen Messias

Vizehäuptling Reiner Calmund - kann er Deutschland retten?

Vizehäuptling Reiner Calmund - kann er Deutschland retten?

Warum gehen Menschen heute noch in die Politik? Es gibt kaum noch die Chance, mit einer wahrhaftigen Großtat berühmt zu werden. Gut ist schon, wer beim täglichen Regieren folgenschwere Fehler vermeidet. So recht geht nichts voran.

Nehmen wir Ursula von der Leyen. In ihrer Zeit als Familienministerin schien es so, als würde die oftfache Mutter ihren Landsleuten die Lust am zeugen, gebären und erziehen vermitteln können. Aber was passiert? Trotz Familiengeld? Noch nie kamen in Deutschland so wenige Kinder auf die Welt wie im Jahr 2009. DasStatistische Bundesamt meldete 651 000 neugeborene Jungen und Mädchen. Das waren rund 30000 oder 3,6 Prozent weniger als 2008. Nix war`s mit dem demographischen Wandel von unten.

Nehmen wir die Bankenkrise. Da wird ein gigantischer Rettungsschirm aufgespannt, da werden Leerverkäufe verboten. Und was ist? Das Ausland macht nicht mit, die Banken maulen – und der Eurokurs geht weiter nach unten.

Liegt das alles an Bundeskanzlerin Angela Merkel? Nein, das wäre ungerecht. So waren viele Deutsche monatelang davon überzeugt, dass Barack Obama übers Wasser gehen könne. Heute wissen wir: Das ist nicht der Fall. Immerhin hat er seine Gesundheitsreform so einigermaßen hingekriegt.

Ja, die Macht der Politik ist derart begrenzt, dass es schon eines Messias bedürfte, um das nachhaltig zu ändern. Nun ist der einzige Mensch, bei dem die Deutschen zuletzt göttliche Kräfte vermuteten, Bayern-Trainer Louis van Gaal, zwecks falscher Nationalität nicht wählbar.

Aber vielleicht tut`s ja auch eine schwergewichtige Light-Version? Reiner Calmund, einst erfolgreicher Fußball-Manager, hat gerade seinen Twitter- und Facebook-Freunden mitgeteilt, dass er in Paraguay zum Vize-Häuptling ernannt worden ist. Auch da vermuten Einheimische zumindest einen halbgöttlichen Status. Und mit diesem Amt kennt er sich aus, füllte er es ja lange Zeit mit Hingabe als bundesliga-Vize von Uli Hoeneß aus. Einer wie er könnte van Gaal vertreten.

Andererseits: Der aktuelle Deutschland-Vize heißt Guido Westerwelle. Einen wie ihn kann wohl auch ein Normalsterblicher ersetzen.

Pendeln Sie mal: Mein Brief an die Bahn

Weil ich meiner Leserschaft und mir selbst das Verdrussthema Deutsche Bahn nicht antun möchte, habe ich einen an ebendieses Verkehrsunternehmen gerichteten Brief dem geschätzten Kollegen vom Pendlerblog übergeben.
Es geht um ein wahres Erlebnis. Und insbesondere um die Frage, warum jemand, der der Bahn für eine Zugfahrt bereits 41,50 Euro bezahlt hat, nicht spontan auf einen ansonsten für spontane Fahrgäste offenen Zug umsteigen darf,  welcher 28 Euro kostet.

Vielleicht ist diese Frage verwegen und deshalb falsch gestellt. Aber lesen Sie hier…

Lifestyle: Abschieds-SMS mit Tränen in den Augen

Die ehemalige Bohlen-Freundin Nadja Abdel Farrag, allgemein besser bekannt als “Naddel”, hat vor neun Jahren einen Trend gesetzt: Sie hat sich von Schlagerproduzent Ralph Siegel per SMS getrennt. Die Öffentlichkeit war schockiert.

Nicht, dass man die arabische Party-Tussi nicht verstanden hätte. So konnte sich TV-Fiesling Harald Schmidt die Beziehung der damals noch jungen Frau zum älteren Herren nur so erklären, “dass da doch der Ekel über die Gier gesiegt hat.” Irritiert hat damals die stillose Art, Schluss zu machen.

Aber während Naddel inzwischen derart durchgeknallt ist, dass sie trotz einer eher bulimischen Figur Fettabsaugungen plant, ist die finale elektronische Mitteilung längst zur Normalität. Angeblich haben drei Millionen Deutsche schon einmal per E-Mail oder SMS Schluss gemacht. Gemäß einer Forsa-Umfrage, über die die Nürnberger Nachrichten heute berichtet haben, be­enden meist jüngere Menschen eine Beziehung mit einer elektronischen Mitteilung. Jeder Siebte zwischen 14 und 19 Jahren hat sich demnach schon einmal auf diese Weise von seinem Partner getrennt.

Ist doch auch klar. Wir leben in einer Zeit, in der es schnell gehen muss. Und: Wir kennen alle unsere Probleme aus den Doku-Soaps dieser Welt. Eine Scheidung ist dort nach maximal drei Folgen erledigt. Das ist die Vorgabe – warum also irgendwelches Palaver.

Es reicht doch “(-.-) ´’`_(ò_Ó)_/´’` (^_^)/” (q_q)” – was in etwa “finde Dich doof, alter Zombie. Winke mit Tränen in den Augen” heißen dürfte.

So genau weiß ich es aber nicht. Ich gehöre noch einer Generation an, die Beziehungen – wenn schon – mit einem persönlichen Gespräch beendet. Ob das wegen etwaiger explosiver Emotionen gesünder ist, sei dahingestellt. Aber vielleicht halten Partnerschaften mit Reden am Ende länger, als man selbst gedacht hat.

Ballacks Knöchel toppt die schlimmsten Krisen

Was ist schlimmer? Afghanistan, Eurokrise oder Ölpest? Die Redakteurinnen und Redakteure des ZDF, die uns bekanntlich als Speerspitze des Qualitätsjournalismus helfen, das Weltgeschehen richtig einzuordnen, haben uns am 17. Mai erklärt, worum sich diese Welt wirklich dreht: Die Sendungen “heute” und “wiso” wurden für ein Spezial “WM-Aus für Ballack” gekürzt.

Deutschland ist durch seinen lädierten Knöchel und Innenband tatsächlich geschockt. So sehr, dass sich auf einer Facebook-Seite in zwischen eine vierstellige Zahl von depperten Fans zusammengerottet hat, die “den Ghanaer” Kevin-Prince Boateng zum “Staatsfeind Nr. 1 ” erklärt. “Der Ghanaer” ist übrigens ein Straßenfußballer aus Berlin-Wedding, der schon in der deutschen U-19-Nationalelf gespielt hat, dann aber als schwer erziehbar abgestempelt und nach England abgeschoben wurde. Dort spielt er bei Portsmouth, dem Schlusslicht der dortigen Ersten Liga. Spitzname: “The Ghetto Kid.”  Bei der WM spielt er für Ghana, sein Bruder Kevin ist im deutschen Aufgebot.

Ob er bei dieser persönlichen Vorgeschichte zum Staatsfeind taugt, darf bezweifelt werden.

Aber was wird aus Deutschland bei der WM? Können wir die Fahnen gleich eingerollt lassen, brauchen wir unser Auto nicht Schwarz-Rot-Gold lackieren, fahren wir ins Dorfwirtshaus anstatt zum Autokorso?

Ach ja, Ballacks Verletzung hilft uns doch allen. Sollte es nämlich in Südafrika schlecht laufen, hätten wir schon jetzt die einzig wahre  Begründung. Hat die Nationalelf dennoch Erfolg, wäre es ein neues Sommermärchen, ja vielleicht sogar ein “Wunder”.

Und diese gibt es bekanntlich immer wieder…

Erotik 2010: Twitter, Facebook und Xing

Oft schießt uns diese Frage durch den Kopf: Sind die Computer wirklich gut für uns? Jedenfalls haben sie unser Leben massiv verändert, steuern unsere Leidenschaften in eine ganz neue Richtung. “Wein, Weib und Gesang” lautete das männliche Lebensideal bei Goethe, “Sex, Drugs and Rock`n Roll” etwas wilder bei Mick Jagger und Co. “Twitter, Facebook und Xing” heißt es heute bei einem wachsenden Teil der fortpflanzungsfähigen Bevölkerung. Weiter lesen

FDP: Die Partei für absurdes Theater

Die FDP hat uns in den letzten Wochen und Monaten etliche lustige oder absurde Momente beschert. Nun ist zwar der Chef der Liberalen, Guido Westerwelle, zuletzt ziemlich kleinlaut aufgetreten, doch seine Parteifreunde in Nordrhein-Westfalen machen mit den seltsamen Verhaltensweisen weiter.

Sie haben nämlich zu erkennen gegeben, dass sie vielleicht gar nichts dagegen hätten, wenn sie in einer Ampelkoalition mit SPD und Grünen mitregieren dürften. Möglich sei das aber nur, wenn die beiden Partner in spe feierlich erklärten, dass sie auf keinen Fall mit den Linken über eine Koalition reden.

Würden die anderen unter diesen Bedingungen mitmachen, würde der Schwanz mit dem Hund wedeln. Das jedoch passiert im Leben ganz, ganz selten.

Außerdem: Ein kommunikationstechnisches Fiasko ist es sowieso. Es kann in einer fairen Partnerschaft nicht funktionieren, dass  einer dem anderen vorschreibt, mit wem er nicht über etwas reden darf.

Die NRW-Liberalen schaffen nur eines: Eine rot-rot-grüne Koalition wird möglich, ohne dass die Schuld hierfür der machtgierigen SPD gegeben werden kann. Wenn es keine Gespräche oder Einigung gibt, dann hat es die FDP verbockt.

Absurder kann eine Parteistrategie eigentlich nicht sein…