Pauschalreisen: Kein Geld zurück bei Russenüberschuss

Es gibt viele Gründe, warum Touristen nach dem Urlaub ihr Geld zurückfordern. Man denke an Kakerlaken in der Kochnische, an eine im Prospekt nicht erwähnte vierspurige Autobahn zwischen Hotel und Strand oder an einen ständig defekten Aufzug zwischen Erdgeschoss und Suite im 12. Stock. Aber gibt`s auch einen Scheck, weil Russen gestört haben?

Grundsätzlich gilt auch in den Ferien die allgemeine Lebenserfahrung: Der Mensch ist des Menschen größter Feind. Auf Reisen ist das besonders schwierig, weil dann Leute aus verschiedenen Kulturkreisen und ihren typischen Vorurteilen aufeinandertreffen. Wir Deutsche sind doch tolle Gäste. Wir sind pünktlich, sauber und korrekt. Wir sind bereit, ein Dutzend Worte selbst in der seltsamsten Landessprache zu versuchen. Unsere Eigenart, Liegestuhlplätze mit Handtüchern zu reservieren oder augenkrebsverursachend weiße Tennissocken zu Sandalen zu tragen, mag uns unbeliebt machen. Aber wie benehmen sich denn bitteschön die anderen?

Da sind die Engländer, die ihr Bier eimerweise trinken und selbst die wabbeligsten Oberkörper überall textilfrei zeigen. Die Spanier, die um Mitternacht beim Abendessen ein Mordsgeschrei veranstalten. Die Japaner, die auch den größten Schrott fotografieren und so jede Rundfahrt aufhalten. Und noch was: Wer entschädigt uns für den Stress, der entsteht, wenn ein Mann in arabischer Tracht in die Toilette unseres Flugzeugs geht?

Und, ja, die Russen. Trinken Unmengen von Krimsekt, löffeln Kaviar aus der Metro-Großpackung, paffen die teuersten Zigarren aus Kubas volkseigenen Betrieben und haben jeweils zwei kurzberockte Schönheitsköniginnen im Arm. Das ist für uns nicht zu ertragen. Schließlich gehörte es immer zu unserem Weltbild, dass der Osteuropäer arm und unterdrückt ist. So mögen wir ihn, aber nicht als neureiche Großkotze, die mit den größten denkbaren Geldscheinen herumwedeln.

Also: Wo zu viele Russen um uns herum waren, wollen wir nicht bezahlen. Wir fordern unser Geld zurück. Aber die Justiz lässt uns im Stich. Selbst wenn 80 Prozent der Gäste Russen sein sollten, kann ein deutscher Pauschalreisender deswegen nicht den Reisepreis mindern, entschied das Landgericht Düsseldorf (Az.: 22 S 93/09). Mit Gästen anderer
Nationalitäten müsse ein Reisender grundsätzlich rechnen, berichtet die von der Deutschen Gesellschaft für Reiserecht
in Wiesbaden herausgegebene Fachzeitschrift „ReiseRecht aktuell“.

Da bleibt also nur, im Urlaub gelassen zu bleiben oder eben klug zu buchen. Mein Typ: Fahrradferien in Mecklenburg-Vorpommern oder Sachsen-Anhalt. Dorthin fahren die Russen schon lange nicht mehr hin.

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