Archiv für April, 2010

April 29th, 2010

Die Griechen sind unerreichbar – und kommen immer wieder hoch

So, und jetzt greifen wir diesem Griechen in die Tasche.

“Ihr griecht nix!” Das Niveau der Debatte um die Pleitegeier der Ägäis wird längst nicht mehr auf die nette Art geführt. 110 Milliarden Euro, wie jetzt beschlossen, sind ja auch eine Unsumme. Aber man wird Griechenland helfen müssen, genauso wie Hypo Real Estate, Opel und demnächst wahrscheinlich Karstadt. Es geht schließlich um die Eigenkapitalrendite jener Wettbüros für Nadelstreifen-Zocker, die früher mal Banken waren.

Ich finde meinen Vorschlag, den deutschen Defizit-Ausgleichsbeitrag in Form von Reisegutscheinen auszuzahlen (siehe hier) immer noch ckever. Aber so etwas macht keine Regierung. Die Menschen könnten ja Freude an der Finanzkrise entwickeln. Und irgendwann dafür beten, dass auch Spanien, Italien, Portugal und die französischen Überseegebiete pleite gehen. Damit man auch da mal zum Nulltarif hinfahren kann.

Es geht aber nicht, die Griechen derart heftig an den Pranger zu stellen, wie das gerade geschieht. Schließlich haben sie uns in den letzten gut 2000 Jahren unendlich viel an Bildung, Umgangsformen etc. geschenkt.

Lassen wir dazu etwa den Gelehrten und Staatsmann Wilhelm von Humboldt (1767-1835) sprechen. In seiner Betrachtung “Über den Charakter der Griechen, die idealische und historische Ansicht desselben”  schrieb er unter anderem dieses:

“Die Griechen sind uns ein Ideal. Ihre Vorzüge über uns sind von der Art, dass gerade ihre Unerreichbarkeit es für uns zweckmässig macht, ihre Werke nachzubilden, und wohlthätig, in unser durch unsre dumpfe und engherzige Lage gepresstes Gemüth ihre freie und schöne zurückzurufen. Das Leben kann wie eine Kunst, und der im Leben dargestellte Charakter wie ein Kunstwerk betrachtet werden…

…durch alle diese Züge wurde der Charakter der Griechen insofern das Ideal alles Menschendaseyns, dass man behaupten kann, dass sie die reine Form der menschlichen Bestimmung unverbesserlich vorzeichneten, wenn auch die Ausfüllung dieser Form hätte hernach auf andre Weise geschehen können.”

Wer diese Zeilen liest, wird das europäische Geldproblem gelassener sehen. Es geht eben in diesem Leben nicht nur darum, unablässig Kohle in den Sparstrumpf zu stopfen. Man muss auch gut leben wollen.

Natürlich: Es gibt auch andere Stimmen. Der alte Miesepeter Friedrich Nietzsche schrieb über die Griechen: “Die Gefahr eines Rückfalls ins Asiatische schwebte immer über den Griechen. Und wirklich kam es von Zeit zu Zeit über sie wie ein dunkler überschwemmender Strom mystischer Regungen, elementarer Wildheit und Finsternis. Wir sehen sie untertauchen, wir sehen Europa gleichsam weggespült. Aber immer kommen sie auch wieder ans Licht, gute Schwimmer und Taucher wie sie sind, das Volk des Odysseus.”

Die Griechen sind demnach Seelenverwandte unseres 1. FC Nürnberg. Auch da heißt es bei Abstieg stets: “Wir kommen wieder!”

April 27th, 2010

Danke, Frau Özkan: Die Retter des Abendlandes haben wieder Arbeit

Zu Hilfe: Frau Özkan sägt an unseren Kreuzen.

Ach wie wunderbar: Endlich ist Politik der alten Schule wieder möglich. Dank sei der neuen niedersächsischen Sozial- und Integrationsministerin Aygül Özkan. Ausgerechnet sie, die türkischstämmige Muslimin, hat gefordert, dass die Kreuze in den Klassenzimmern dieses Bundeslandes abgehängt werden. Da kocht die Seele der Retter des christlichen Abendlandes.

Gut ist das. Denn angesichts der sonstigen Themen –tote Soldaten in Afghanistan, Griechenland-Pleite, abgesagte Steuersenkung – konnte die Politik ihre bedeutende Funktion, den Menschen Hoffnung und Zuversicht zu geben, nicht mehr richtig erfüllen. Wir sehnen uns aber nach jemand, der uns vor den Wirren und Gefahren dieses Lebens bewahrt.

Logisch, dass sich die CSU extra-laut zu Wort gemeldet hat. Gebeutelt von der Landesbank-Affäre und angeführt von einem Horst Seehofer, der ziemlich abgetaucht ist, hat sie es besonders nötig, sich wieder einmal in Erinnerung zu bringen.

Zumal ein Kruzifix-Streit immer ein schönes Thema ist. Die Angelegenheit ist im Grunde genommen unwichtig, weckt aber Emotionen. Deshalb diskutieren Gemeinderäte stundenlang öffentlich über das Aufstellen eines Verkehrsschildes, winken aber die schwierigen Themen in Nullkommanix durch.

Ein Problem hat die CSU allerdings. Weil gerade die katholische Kirche so unpopulär ist, wie seit Jahrhunderten nicht mehr, ist das Klassenzimmer-Kreuz nicht der wirklich große Aufreger. Wählerstimmen lassen sich damit nicht sehr viele sammeln. Den Niedergang der weiß-blauen Partei wird diese künstliche Empörung also kaum stoppen.

April 24th, 2010

Kultvideo: Merton, der verrückte Internet-Pianomann

Selbst Menschen, die sich mit größtmöglicher Eleganz durchs Internet bewegen, ist dieses weltweite Netz immer auch verdächtig. Hier wird dem Gerechten und Guten gefrönt, dort geht es um Geldanlage und Abzocke, wieder woanders um Bombenbau und Pornographie.

Man weiß nie so genau, wo man rauskommt. Die Krone der Ungewissheit ist ein neues Angebot namens Chatroulette. Man nehme Internet-Empfangsgerät und Kamera – und wird dann mit irgendeinem Menschen zusammengeschaltet, der irgendwo anders auf der Welt irgendetwas tut.

Oder man landet in einem Konzertsaal in den USA. Dort sitzt ein gewisser Merton an seinem Piano, schaut sich sein Gegenüber an und dichtet spontan einen Text zur jeweiligen Person.

Ich kann nicht anders: Dieser Mann am Klavier ist sympathisch, witzig und auf seine Weise genial. Das Internet beschert uns auch sehr schöne Erlebnisse…

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April 23rd, 2010

Missbrauch – das Hartz IV der katholischen Kirche

Wenn es so weitergeht, hat der Papst bald gar nichts mehr zu lachen.

Wenn es so weitergeht, hat der Papst bald gar nichts mehr zu lachen.

Oft genug hört man den Seufzer, dass es im Leben so ziemlich alles gebe, bloß keine Gerechtigkeit. Wenn man aber eine neue Umfrage unter Katholiken liest, bekommt man den Glauben an Selbiges wieder. Angeblich soll fast ein Viertel der deutschen Katholiken an Austritt denken. Es wäre ein verdientes Desaster. Andere Vereinigungen kennen das schon längst.

Da rettet auch der Rückzug des Augsburger Erzbischofs   Walter Mixa nichts mehr. Er war immer wieder mal durch verquere Ansichten auffällig geworden. Das gab es seitens katholischer Führungspersönlichkeiten schon immer. Aber ein Oberhirte, der lügt? Das war eine Nummer zu viel. Auch wenn er “nur” Ohrfeigen verteilt haben sollte.

Das mit dem Missbrauch kriegt die Kirche sowieso nicht so schnell vom Hals. Immer mehr Menschen denken – wie Walter Mixa – ebenfalls an Rückzug. Laut einer Forsa-Umfrage beschäftigen sich damit ein Viertel der Katholiken. Bei den seltenen Kirchgängern sind es demnach sogar 38 Prozent. 77 Prozent der Befragten glaubten, dass die Kirche Missbrauch vertuschen möchte.

Was aber ist das jetzt? Ein Waterloo? Vielleicht ja ein Hartz IV. Denn auch der SPD sind die Mitglieder dramatisch davongelaufen. 1977 gab es über eine Million Genossen. Als die Regierung Schröder ihre Arbeitsmarktgesetze fertig hatte, ging es immer weiter bergab. Von 1990 bis 2008 hat sich die Mitgliederzahl dieser Partei auf eine knappe halbe Million fast halbiert.

Die katholische Kirche kann also sehen, wo es hinführen könnte, wenn sie ihr Reizthema nicht besser in den Griff bekommt. Die Menschen wissen zwar, dass es wahre Gerechtigkeit nicht gibt. Aber Gerechtigkeitslücken, zumal durch Lügen gedeckte, werden von ihnen offensichtlich erkannt. Und das ist gut.

April 21st, 2010

Der Bierkonsum sinkt. Wir wissen, warum…

In dieser verrückten Welt voller Flugverbote, Aschewolken, Schuldenuhren und Taliban braucht der Mensch doch bitteschön etwas zum Festhalten. Zum Beispiel einen gut gefüllten Krug mit Henkel. So war das über Jahrhunderte hinweg zumindest für Männer. Aber das ist vorbei. Der Bierkonsum sinkt und sinkt…

Im dritten Jahr in Folge wurde in Deutschland weniger Bier getrunken. Der Rückgang betrug diesmal 1,8 Mil­lionen auf 86,1 Millionen Hektoliter. Somit hat laut Statistischem Bundesamt jeder potenzielle Biertrin­ker über 14 Jahre im Schnitt 121,4 Liter geschluckt. Das entspreche einer kleinen Flasche Bier am Tag.

In Regionen, in denen das Vollrausch-Design aus fünf kleinen Bieren und zehn doppelten Schnäpsen besteht, mag man diese Entwicklung lässig betrachten. Meine Heimat Franken jedoch ist die Gegend mit der größten Brauereidichte überhaupt. In der Gemeinde Aufseß in der Fränkischen Schweiz gibt es vier Brauereien bei gerade einmal 1350 Einwohnern. Das ist Weltrekord in Sachen Brauereidichte. Und zwei Halbe kosten in dieser Gegend nicht mehr als ein kleines Pils in Berlin-Mitte. Zwischenfazit: Wenn zu wenig Bier getrunken wird, stirbt die Kultur.

Woran liegt es? Erste These: Wir sind ganz allgemein kritischer geworden. Der letzte Spitzenwert stammt mit 171,3 Litern pro Bundesbürger im bierfähigen Alter aus dem Jahr 1992. Kurz nach der Wiedervereinigung waren wir demnach nicht nur freudetrunken. Heute wissen wir, was daraus geworden ist. Unsere Hoffnung, dass es den Trabant mit Hybridantrieb geben würde, haben sich nicht erfüllt.

Zweite These: Allgemeiner Schönheitswahn. Nach zirka 756 Diätplänen aus “Man`s Health” ist der einst stolze Bauchträger so weit zermürbt, dass er sich zum Mineralwasser eine Schaumkrone halluziniert. Daneben geht mit dem Trend zur Komplettrasur der strikte Verzicht auf Mundgeruch einher. Was das angeht, schaut Bier selbst im Vergleich zu Schnäpsen schlecht aus.

Dritte These: Demographischer Wandel. Älter Männer vertragen weniger Alkohol, und zwar wegen des Medikamentencocktails, den sie sich wegen der Sünden der Vergangenheit einverleiben müssen.

Vierte These: Allgemeine Vereinsamung: Wer nur noch alleine herumhockt, muss sich niemand anders mehr schönsaufen.

Fünfte These: Angela Merkel ist schuld. Während sie ein Wasser- oder Bionade-Typ ist, wusste ein anderer Kanzler ein gutes Bier zu schätzen…

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April 19th, 2010

Vulkanasche-Chaos: Die Schweinegrippe der Lüfte?

Nun gut, Island war uns immer verdächtig. Die Insel mit der seltsamen Sprache, wo heißes Wasser aus dem Boden spritzt und Trolle herumhüpfen. Die Insel, auf der ein Bundestrainer Rudi Völler einen Tobsuchtsuchtsanfall erleidet, Banken ruiniert werden und eine Sängerin wie Björk berühmt werden kann – das war für viele Menschen schon immer eigentümlich. Aber das, was dieser Vulkan namens Eyiafjallajökull  mit uns treibt, geht auf keine Kuhhaut.

63.000 abgesagte Flüge, 150.000 Deutsche fern der Heimat, Wirtschaftskrise in Nigeria wegen ausgefallener Schnittblumentransporte – wer hätte sich denn jemals ausgemalt, dass so etwas wegen eines solchen „Aschemonsters“ passieren könnte. Wer hätte je gedacht, dass es in London ein Vulkanasche-Beratungszentrum gibt und dass ein Politiker wie Verkehrsminister Ramsauer eine Krise dieser Größe regeln sollte?

Es gibt noch mehr Fragen: Zum Beispiel diese, ob das mit dem Flugverbot übertrieben ist. Wenn man sich vorstellen soll, dass jetzt nahezu flächendeckend hoch über Europa eine Aschewolke herumhängt, dann riecht das schwer nach der Schweinegrippe der Lüfte. Es kann doch nicht sein. Zumindest nicht in einer Konzentration, dass die Flieger vom Himmel fallen. Es müsste doch wenigstens ein paar aschefreie Korridore geben.

Andererseits: Falls uns Eyiafjallajökull wirklich in diesem Ausmaß verseuchen kann, dürfte ja noch einiges nachkommen. Wie sind die Auswirkungen auf die Nockenwellen unserer Autos. Muss in Nürnberg die führerlose U-Bahn stillgelegt werden? Müssen wir Vulkanasche-Partikel auf den im Freien gegrillten Bratwürsten befürchten, die uns beim Reinbeißen den Gaumen verätzen?

ielleicht steht hinter dem Vulkan aber gar kein böser Monster-Troll, sondern eine gute Fee, die zwischendrin ein wenig Klimaschutz betreiben möchte und deshalb den Flugverkehr lahmlegt. Vielleicht haben wir sogar einen Wunsch frei? Dann wäre es nett, wenn die Vulkanasche die Mobilfunkantennen angreifen würde.

Eine Woche Handyverbot für Alle. Es wäre wahrlich ein Segen.

April 17th, 2010

DSDS-Mehrzad: Der Feminismus lebt doch noch

Merzad (li.) und Menowin mit Papa Bohlen.

Mehrzad (li.) und Menowin mit Papa Bohlen.

DSDS 2010 sei eine Pleite für den Feminismus hatte ich kürzlich in diesem Beitrag

geschrieben. Es gab daran Zweifel, und nach dem Sieg von Mehrzad Marashi sieht es so aus,als seien diese berechtigt gewesen. Das Schlimmste wurde vermieden.

Schließlich sind es junge Frauen, die mit ihren superschnellen SMS-Daumen für die Entscheidung gesorgt haben. Sie hatten die Wahl zwischen einem soften Typen, dem Frau und Familie viel bedeuten. Und der als dunklen Fleck in seiner Biographie nur einen verlorenen Führerschein herzeigen kann.

Auf der anderen Seite einer, den manche Medien bei anderer Gelegenheit als jugendlichen Intensiv-Straftäter führen würden. Einer, der selbst nach einer sanften Nummer wie ein hochexplosives Aggressionsbündel auf der Bühne steht. Dessen Blick nach der Entscheidung schlichtweg furchterregend war. Das also soll er sein, der Mann, den junge Frauen wünschen. Kann das wirklich sein?

Selbst die “Bild”-Zeitung flehte gestern geradezu, den “mächtigen Sieger” (so die Übersetzung des althochdeutschen Wortes Menowin) nicht zu wählen. Und wurde erhört. Vielleicht könnte Mehrzad zu den Lesern meines Blogs gehört. Die haben nämlich via Abstimmung

entschieden, dass “Erdbeerpfötchen” ein sinnlicher Kosename ist. 44 Prozent waren dieser Meinung. “Abendstern” kam auf 28 Prozent, “Sinuskürvchen” auf  18 Prozent. Es ist vorstellbar, dass der neue Superstar in seiner Beziehung einen dieser Namen verwendet. Wäre es Menowin geworden, hätte ich neu über die die Liebkosung “Schlampe” abstimmen lassen müssen.

Wie gesagt: Das Schlimmste wurde vermieden.

April 15th, 2010

Afghanistan: Wir haben wieder Feinde

Wenn man die heutigen neuesten Todesnachrichten aus Afghanistan hört, muss man staunen. Darüber, wie sich Deutschland innerhalb weniger Jahre verändert hat. Unser Land hat wieder Feinde. Es wird scharf geschossen.

Als ich vor 30 Jahren meinen Militärdienst abgeleistet habe, gab es zwar “den Russen”. Aber der Gedanke an einen Kampfeinsatz erschien nicht nur mir als völlig abwegig. Einerseits würde die Bundeswehr sich immer nur wehren und niemals wieder irgendwo einmarschieren. Und wenn schon Krieg, dann würde dieser wegen der zwangsläufig eingesetzten Atomwaffen innerhalb kürzester Zeit mit dem Tod des letzten Menschen für alle Zeiten beendet sein.

Nun also wird Deutschland auch am Hindukusch verteidigt. Wer immer dem damaligen Verteidigungsminister Peter Struck diesen Satz aufgeschrieben hat, kann einerseits stolz sein. Er ist zum Sprichwort geworden. Kaum jemand stellt jedoch die Frage, ob er überhaupt so stimmt. Verteidigt sich Deutschland oder macht es sich vor allem unbeliebt?

Sicher, die Terroristen müssen bekämpft werden. Aber mal anders betrachtet: Was würden wir als Afghanen oder Iraker sagen, wenn Soldaten eines anderen Landes bei uns auftauchen würden, weil deren Regierung beschlossen hat, dass wir alle zu rückständig und korrupt sind? Und dennoch mit unseren eigenen korrupten Politikern zusammenarbeitet? Würden wir vielleicht fragen, warum sich diese fremde Macht so absolut überlegen fühlt, und außerhalb von Museen keinerlei Respekt vor unserer Kultur hat, die noch viel älter ist? Und von der sie selbst – siehe arabische Medizin – in vielfältiger Weise profitiert hat.

Gut möglich also, dass unsere Form der Landesverteidigung als Anmaßung empfunden wird. Was aber, wenn sich die Geretteten als Unterdrückte fühlen? Wenn sie mit Widerstand statt mit Dank antworten?

Dann greift die Logik des Krieges. Deutschland will nicht “vor den Taliban in die Knie gehen.” Ein Zurück gibt es nicht, es wird aufgerüstet, die Waffen werden schwerer, die Zahl der Toten wird größer. In diesem Stadium sind wir wohl. Aber wenn eines fernen Tages alle fremden Soldaten Afghanistan verlassen haben: Wie lange wird es dauern, bis alles wieder so ist, wie es vorher war?

An einem Abend wie diesem sind die Aussichten wahrlich trostlos…

April 14th, 2010

Happy Birthday, Foffi! Viel Spaß mit Tatjana!

Bussi, Bussi. Tatjana Gsell mit Foffi und Alt-Playboy Rolf Eden.

Glückwunsch, Hoheit! Ferfried Maximilian Pius Meinrad Maria Hubert Michael Justinus Prinz von Hohenzollern wird heute 67 Jahre alt. Uns was hat er sich nicht selbst für ein wunderbares Geschenk gemacht? Er schmust wieder mit Tatjana Gsell. Und dabei hatte er sie noch vor nicht allzu langer Zeit als Fall für die Suchtklinik bezeichnet. Sie wiederum nannte ihn “abartig und pervers”. Alles vergessen und verziehen!?

“Foffi” ist nun also selbst nach Müntefering`scher Berechnung ins Rentenalter eingetreten. Das wird sein Leben aber nicht unbedingt verändern, schließlich werden Angehörige des Hochadels gewissermaßen als Staatspensionisten geboren. Die Rente heißt dann “Apanage”. Diese staatliche Zuwendung soll eine “standesgemäße Lebensführung” ermöglichen. Ab einer gewissen täglichen Champagnermenge  wird es trotzdem knapp.

Zurück zu Tatjana Gsell.  Noch im Jahr 2006 schien es so, als könnte Nürnbergs erstaunlichste Society-Lady aller Zeiten via Heirat Eingang in den deutschen Hochadel finden. Eine TV-Doku-Soap sollte vor dem Traualtar enden. Doch dann platzte die von der Öffentlichkeit heftigst beachtete Beziehung. Es folgten heftige gegenseitige Beschimpfungen, der Prinz wandte sich neuen Leidenschaften zu.

Nur gewisse Berliner Spaßmacher glaubten fest an ein Liebes-Comeback. Auf der von ihnen veranstalteten witzigen Stadtrundfahrt blenden sie am Berliner Dom ein Bild von Tatjana Gsell ein und nennen sie einen “Zombie aus der Hohenzollerngruft.”

Angesichts der neuesten Entwicklung erweist sich dieses geradezu als Prophetie. Nun mag der Volksmund ans Sprichwort “Pack schlägt sich, Pack verträgt sich” denken. Was nicht verkehrt ist, schließlich ist der Hochadel ja auch nur durch Krieg, Plünderung und Mord entstanden. Heute zitiert man auf der Ebene der Feingeborenen freilich eher Hölderlin: “Gut ist es, an anderen sich zu halten, denn keiner trägt das Leben allein.”

Und so ist es ja auch. Was anderes als Nächstenliebe ist es, wenn sich  gerade jetzt seinem “Sweetie” annimmt in einer Zeit, in der böse Gerüchte über Tatjana Gsells Hang zum Kokain kursieren.  Wie in einem TV-Promimagazin gestern berichtet wurde, ist die Nobel-Witwe zu einem Fototermin mit dem “Playboy” ausdrücklich bereit. Zudem hat sie sich die Brüste auf Größe 75 Doppel-D ausbauen lassen. Eine Größe, die selbst Schönheitschirurgen als “Dämonische Dimension” übersetzen.

Da kommt noch einiges auf uns zu…

April 12th, 2010

Wo ist Guido W.? Er mutiert zu “Angela zwo”

Pssst! Ich hätte da mal eine bescheidene Frage. Ganz leise gestellt, um keine schlafenden Hunde zu wecken: Wo ist eigentlich Guido Westerwelle? Man hört gar nichts mehr. Hat er seinen Kampf gegen die Sozialschmarotzer aufgegeben? So wie er das Thema Steuersenkung abgehakt hat? Oder mutiert er zu “Angela zwo”. Zum Themen-Phantom der Liberalen?

Zunächst aber einen Glückwunsch zu zehn Jahren CDU-Vorsitzende Angela Merkel. Man kann gegen diese Frau sagen, was man will. Etwa, dass sie Politik so langweilig zelebriert, dass den Menschen die Lust auf Wahlkampf und Wählen vergeht. Aber wie sie es geschafft hat, eine ehemalige Patriarchenpartei über eine derart lange Zeit zu führen und dennoch viele Fragen hinsichtlich ihrer wahren politischen Ziele offen zu lassen, verdient Respekt.

Wie anders arbeitete da doch ihr Vizekanzler Guido Westerwelle? Seine laute Kritik an den Hartz-IV-Empfänger kam bei erfreulich vielen Menschen richtigerweise als populistisches Geschwätz an.  Und so ist er inzwischen er unbeliebteste deutsche Außenminister aller Zeiten. Der FDP-Chef wird sogar stärker abgelehnt als der linke Talkshow-Stammgast Gregor Gysi.

Aber irgendwie ist er weg. “Ihr kriegt mich nicht klein!”, hatte er beim jüngsten FDP-Parteitag der FDP der vermeintlich blutgierigen Pressemeute zugerufen. Das ist tatsächlich nicht gelungen. Ruhig hat man ihn gekriegt,vielleicht aber auch nur, weil er selbst die Taktik gewechselt hat. Schrille Töne sind nicht mehr zu hören, der oberste Liberale scheint von Angela Merkels Erfolgsrezept zu lernen. Nicht viel reden – und das Volk liebt dich.

Zuletzt hat Guido Westerwelle mit seinem famosen Parteifreund Dirk Niebel Afrika bereist. Auf seiner letzten Station Dschibuti an die Verantwortlichen appelliert, doch bitteschön die Piraterie am Horn von Afrika zu beenden. gutes ziel, abr: Wenn die Seeräuber ihre Arbeit einstellen, sitzen sie nur noch zuhause herum und schauen sinnlose Fernsehprogramme. Kurzum, sie liegen spätrömisch-dekadent dem Staat auf der Tasche.

Große Politik ist schon sehr kompliziert. Man möchte Westerwelle fast verstehen, wenn er mal wieder aus der Haut fährt…

April 9th, 2010

Pauschalreisen: Kein Geld zurück bei Russenüberschuss

Es gibt viele Gründe, warum Touristen nach dem Urlaub ihr Geld zurückfordern. Man denke an Kakerlaken in der Kochnische, an eine im Prospekt nicht erwähnte vierspurige Autobahn zwischen Hotel und Strand oder an einen ständig defekten Aufzug zwischen Erdgeschoss und Suite im 12. Stock. Aber gibt`s auch einen Scheck, weil Russen gestört haben?

Grundsätzlich gilt auch in den Ferien die allgemeine Lebenserfahrung: Der Mensch ist des Menschen größter Feind. Auf Reisen ist das besonders schwierig, weil dann Leute aus verschiedenen Kulturkreisen und ihren typischen Vorurteilen aufeinandertreffen. Wir Deutsche sind doch tolle Gäste. Wir sind pünktlich, sauber und korrekt. Wir sind bereit, ein Dutzend Worte selbst in der seltsamsten Landessprache zu versuchen. Unsere Eigenart, Liegestuhlplätze mit Handtüchern zu reservieren oder augenkrebsverursachend weiße Tennissocken zu Sandalen zu tragen, mag uns unbeliebt machen. Aber wie benehmen sich denn bitteschön die anderen?

Da sind die Engländer, die ihr Bier eimerweise trinken und selbst die wabbeligsten Oberkörper überall textilfrei zeigen. Die Spanier, die um Mitternacht beim Abendessen ein Mordsgeschrei veranstalten. Die Japaner, die auch den größten Schrott fotografieren und so jede Rundfahrt aufhalten. Und noch was: Wer entschädigt uns für den Stress, der entsteht, wenn ein Mann in arabischer Tracht in die Toilette unseres Flugzeugs geht?

Und, ja, die Russen. Trinken Unmengen von Krimsekt, löffeln Kaviar aus der Metro-Großpackung, paffen die teuersten Zigarren aus Kubas volkseigenen Betrieben und haben jeweils zwei kurzberockte Schönheitsköniginnen im Arm. Das ist für uns nicht zu ertragen. Schließlich gehörte es immer zu unserem Weltbild, dass der Osteuropäer arm und unterdrückt ist. So mögen wir ihn, aber nicht als neureiche Großkotze, die mit den größten denkbaren Geldscheinen herumwedeln.

Also: Wo zu viele Russen um uns herum waren, wollen wir nicht bezahlen. Wir fordern unser Geld zurück. Aber die Justiz lässt uns im Stich. Selbst wenn 80 Prozent der Gäste Russen sein sollten, kann ein deutscher Pauschalreisender deswegen nicht den Reisepreis mindern, entschied das Landgericht Düsseldorf (Az.: 22 S 93/09). Mit Gästen anderer
Nationalitäten müsse ein Reisender grundsätzlich rechnen, berichtet die von der Deutschen Gesellschaft für Reiserecht
in Wiesbaden herausgegebene Fachzeitschrift „ReiseRecht aktuell“.

Da bleibt also nur, im Urlaub gelassen zu bleiben oder eben klug zu buchen. Mein Typ: Fahrradferien in Mecklenburg-Vorpommern oder Sachsen-Anhalt. Dorthin fahren die Russen schon lange nicht mehr hin.

April 7th, 2010

Orgasmusforschung: Kluge Frauen kommen ohne Geld

Man kann es drehen und wenden, wie man will. Das schönste Thema ist immer noch die Liebe. Und spannend ist es vor allem dann, wenn es darum geht, ob und wie stark Männer Frauen verstehen können. Wie groß ist das Rätsel, das am Ende übrig bleibt?

Ich verstehe zum Beispiel überhaupt nicht, was die doch ganz hübsche Sangestussi namens Indira Weis dazu gebracht hat, via SMS Liebesbotschaften mit dem Schweizer Wetterzausel Jörg Kachelmann auszutauschen. Dass unsere oberfränkische Society-Nudel Tatjana Gsell neuerdings angeblich Koks nimmt, leuchtet uns dagegen ein. Wer öffentlich behauptet, 38 Jahre alt zu sein und dann das reale eigene Gesicht im Spiegel sieht, muss sich wohl irgendwo glückstechnisch aufputschen.

Eine Droge, an deren hundertprozentige Wirksamkeit bei Frauen Männer gerne glauben, ist das Geld. Das des jeweiligen Partners. Die Scheidungsstatistik lehrt uns zum Beispiel, dass die Beziehungen jüngerer Frauen und erfahrener gutsituierter Männer am besten halten. Und das Bedürfnis nach Sicherheit der Frauen gilt uns sowieso als legendär evolutionär.

Jedoch: Macht ein dickes Konto alte Deppen wirklich sexy? Das Ergebnis einer gemeinsamen Studie der niederländischen Universität Groningen sowie die Newcastle University sprach für diese These. Die Wissenschaftler  wollten anhand der Daten von 1534 Chinesinnen herausgefunden haben, dass Frauen wohlhabender Partner häufiger einen Orgasmus erlebten. Ein hohes Einkommen mache eben begehrenswert und attraktiv.

Forscher der Münchner Ludwig-Maximilian-Universität gingen dieser These nach. Und kamen jetzt zum Ergebnis: “Nix da”. Die Kollegen, so die Münchner, hätten einem Fehler in ihrem Statistikprogramm vertraut. Man hätte wissen müssen, dass “Nummer 64″ auf Chinesisch auch “Rindfleisch süß-sauer” bedeuten kann.

Die Wahrheit ist demnach eine ganz andere: Die Orgasmushäufigkeit der Frauen hängt am stärksten mit ihrem Bildungsniveau, aber auch mit ihrem Gesundheitszustand und dem Alter zusammen. Jüngere und gesündere Frauen berichteten über häufigere sexuelle Höhepunkte als ältere und wenig gesunde. Das Einkommen des Partners habe sich dagegen als unbedeutende Variable in diesem Zusammenhang erwiesen.

Na, das freut uns doch. Geld ist eben doch nicht alles. Ob es der Zusammenhang mit der Klugheit uns Männern einfacher macht, muss allerdings bezweifelt werden. Es tauchen neue Fragen auf. Hat ein Kachelmann überhaupt die Chance auf eine höhepunktsfähige Frau? Und: Hatte Tatjana Gsell jemals einen Orgasmus?

April 6th, 2010

Italien war auch schon mal schöner…

Ach, wie schön war doch Italien! Das Land an der Adria war unser Traumziel, hier konnten wir Deutschen mal ganz anders sein. Das stimmt nicht mehr so ganz. So völlig glücklich wirken die Italiener auch nicht.

Blicken wir aber zurück. Der Stiefel war das Land, in dem die Zitronen blühen. In dem sich große Geister wie Albrecht Dürer oder Johann Wolfgang von Goethe bei einer täglichen Überdosis edlen Weines besonders hochfliegenden Gedanken hingeben konnten. Wo jeder Mann ein Herzensbrecher war, wo man vier Stunden Mittagspause und 52 Feiertage hatte und mit 40 Jahren in die Rente ging. Und in dem selbst  Regierungswechsel im Acht-Wochen-Turnus kein Chaos anzurichten vermochten.

Dann kam Berlusconi. Er brachte Kontinuität in die Politik und das Privatfernsehen in die Wohnzimmer Italiens. Politisch schaffte er zum Teil mehr als ein Annäherung an die angeblich fleißigen Nachbarn wie uns. Heute gibt es seinem Land kaum noch einen Tag, an dem alle Geschäfte geschlossen sind. Einkaufsbummel am Karfreitag ist kein Problem – ein Ostermontag wird gar nicht mehr gefeiert.

Dafür hat Silvio Berlusconi das mutmaßlich dümmste und zugleich widersprüchlichste Fernsehprogramm der Welt geschaffen. Einerseits schöpft man bis heute in 60 Jahren Nachkriegs-Unterhaltung. Auf jung geliftete und gespritzte Altstars erklären in mehrstündigen Nachmittagsshows dem Publikum auf immer gleiche Art das Leben und die Liebe. Zur Belohnung dürfen sie ein Lied von anno dunnemals singen. Mittendrin ist jeweils mindestens eine junge Frau mit Cindy-Crawford-Frisur. Sie hat ein sehr kurzes Kleid und Schuhe mit sehr hohen Absätzen an, redet viel und laut und ist notorisch gut gelaunt. Ihr Name tut nicht unbedingt etwas zur Sache.

Die so beglückten Zuschauer bekommen aber auch die gegensätzliche Medizin verabreicht. Fernsehnachrichten in Italien sind nämlich so aufgebaut, dass jede Gewalttat und jeder schwere Autounfall in diesem ja nicht so kleinen Land ausführlichst breit getreten werden. Wer guckt, lernt also, dass es in Italien die tollsten Frauen der Welt gibt, dass aber das Böse hinter jeder Ecke lauert.

Und da die Wahrscheinlichkeit, einer der Schönen von Canale 5 im realen Leben zu begegnen, sehr begrenzt ist, sind die Sorgen nach jedem Fernsehtag ein bisschen größer. Also, früher war Italien schöner. Da wollte auch ich – wenigstens zwischendrin – ein Italiener sein. Heute bin ich mir da nicht mehr so sicher.

April 1st, 2010

Der Zukunfts-Schwafler und Gottes Kopfschmerz beim Urknall

Die Ereignisse überschlagen sich: Da habe ich Sonntagabend dem Zukunftsforscher Matthias Horx bei Anne Will gelauscht und war sicher, dass es nur Stunden bräuchte, damit ich ihn in diesem Blog in der Luft zerfleische. Aber dann kam „Cern“ – und alles ist anders.

Ein bisschen Anmerkung zu Herrn Horx braucht es aber schon. Es ist doch schon das offizielle Eingeständnis geistiger Quacksalberei, wenn sich jemand „Zukunftsforscher“ nennt. Viel aufrichtiger war da zum Beispiel der irische Dichter George Bernhard Shaw, welcher richtig bemerkte: „Prognosen sind schwierig. Vor allem, wenn sie die Zukunft betreffen.“

Keiner kennt die Zukunft. Keiner weiß, ob Deutschland oder die Schweiz die Fußball-WM gewinnen. Prognosen sind doch – siehe Bankenkrise – vor allem dann interessant, wenn wir darüber diskutieren können, warum sie nicht eingetreten sind. Wir haben in den 70er Jahren völlig umsonst davon geträumt, dass wir im Jahr 2000 mit kleinen Luftfahrzeugen durch die Stadt brausen. Stattdessen treten wir immer noch in Hundescheiße. Und wenn dieser Horx tatsächlich meint, dass es das Glück des modernen Menschen sei, wenn er heute nicht weiß, wovon er in sechs Monaten Essen und Miete zahlt, dann wünscht man sich, dass diese Utopie – wie vieles andere auch – auf der Kehrschaufel der Geschichte landet.

Da ist es doch besser, zurückzublicken. Auf den Urknall, das Werk jenes Wesens, das neben Fußbällen auch Hundescheiße erschaffen hat. Wir nähern uns Gott.

Nun sagen die Physiker im „Cern“, dass die Dinge bei ihnen anders laufen als sonst. Einer erklärte zu den Ergebnissen des Teilchenbeschleunigers: Während im normalen Leben aus zwei heftig aufeinanderprallenden Äpfeln mit absoluter Sicherheit Mus werde, könnten aus zwei seiner Kollissions-Erdäpfeln auch Erdbeeren werden. Stimmen vielleicht all die Sagen und Legenden dieser Welt? Würde es ein Prinz, wenn man zwei Frösche im Cern zerschreddert? Kann es doch sein, dass Wasser zu Wein wird, wenn es mit Lichtgeschwindigkeit aus dem Hahn kommt?

Was aber, wenn unsere anderen Vorstellungen nicht zutreffen? Wenn Gott, anders als wir denken, in Wahrheit dass kleinste Elementarteilchen von allen ist, das nach dem 36. Urknall unterhalb von Genf endgültig die Schnauze voll davon hat, ständig mit dem Schädel gegen den Heiligen Geist zu donnern? Was dann?

Insgeheim wissen wir es schon: Es wird sich ein Schwarzes Loch bilden, dass unsere Erde für alle Ewigkeit verschluckt. Dann hilft uns die Auferstehung auch nichts mehr.