Die Griechen sind unerreichbar – und kommen immer wieder hoch

So, und jetzt greifen wir diesem Griechen in die Tasche.

„Ihr griecht nix!“ Das Niveau der Debatte um die Pleitegeier der Ägäis wird längst nicht mehr auf die nette Art geführt. 110 Milliarden Euro, wie jetzt beschlossen, sind ja auch eine Unsumme. Aber man wird Griechenland helfen müssen, genauso wie Hypo Real Estate, Opel und demnächst wahrscheinlich Karstadt. Es geht schließlich um die Eigenkapitalrendite jener Wettbüros für Nadelstreifen-Zocker, die früher mal Banken waren.

Ich finde meinen Vorschlag, den deutschen Defizit-Ausgleichsbeitrag in Form von Reisegutscheinen auszuzahlen (siehe hier) immer noch ckever. Aber so etwas macht keine Regierung. Die Menschen könnten ja Freude an der Finanzkrise entwickeln. Und irgendwann dafür beten, dass auch Spanien, Italien, Portugal und die französischen Überseegebiete pleite gehen. Damit man auch da mal zum Nulltarif hinfahren kann.

Es geht aber nicht, die Griechen derart heftig an den Pranger zu stellen, wie das gerade geschieht. Schließlich haben sie uns in den letzten gut 2000 Jahren unendlich viel an Bildung, Umgangsformen etc. geschenkt.

Lassen wir dazu etwa den Gelehrten und Staatsmann Wilhelm von Humboldt (1767-1835) sprechen. In seiner Betrachtung „Über den Charakter der Griechen, die idealische und historische Ansicht desselben“  schrieb er unter anderem dieses:

„Die Griechen sind uns ein Ideal. Ihre Vorzüge über uns sind von der Art, dass gerade ihre Unerreichbarkeit es für uns zweckmässig macht, ihre Werke nachzubilden, und wohlthätig, in unser durch unsre dumpfe und engherzige Lage gepresstes Gemüth ihre freie und schöne zurückzurufen. Das Leben kann wie eine Kunst, und der im Leben dargestellte Charakter wie ein Kunstwerk betrachtet werden…

…durch alle diese Züge wurde der Charakter der Griechen insofern das Ideal alles Menschendaseyns, dass man behaupten kann, dass sie die reine Form der menschlichen Bestimmung unverbesserlich vorzeichneten, wenn auch die Ausfüllung dieser Form hätte hernach auf andre Weise geschehen können.“

Wer diese Zeilen liest, wird das europäische Geldproblem gelassener sehen. Es geht eben in diesem Leben nicht nur darum, unablässig Kohle in den Sparstrumpf zu stopfen. Man muss auch gut leben wollen.

Natürlich: Es gibt auch andere Stimmen. Der alte Miesepeter Friedrich Nietzsche schrieb über die Griechen: „Die Gefahr eines Rückfalls ins Asiatische schwebte immer über den Griechen. Und wirklich kam es von Zeit zu Zeit über sie wie ein dunkler überschwemmender Strom mystischer Regungen, elementarer Wildheit und Finsternis. Wir sehen sie untertauchen, wir sehen Europa gleichsam weggespült. Aber immer kommen sie auch wieder ans Licht, gute Schwimmer und Taucher wie sie sind, das Volk des Odysseus.“

Die Griechen sind demnach Seelenverwandte unseres 1. FC Nürnberg. Auch da heißt es bei Abstieg stets: „Wir kommen wieder!“