Jörg Kachelmann: Verschwindet unser lustiger Held?

Jörg Kachelmann: Was wird aus ihm?In vielen Partner- und Freundschaften kommt es irgendwann zu diesem Satz: „Ach, wie habe ich mich doch in diesem Menschen getäuscht!“ In unserem Fall gilt er einem gewissen Jörg Kachelmann, von Beruf Wetterfrosch. Ihm wird vorgeworfen, seine Freundin vergewaltigt zu haben. Er selbst nennt sich unschuldig. Was sein gutes Recht  ist.

Die aktuelle Affäre macht uns aber schlagartig klar, dass wir bei ihm einem Irrtum unterlegen waren: Wir haben ihn für nett und lustig gehalten. Das lag sicher an seiner Schweizer Sprachfärbung, die bei mir als Deutschem als gemütlich, selbstironisch und etwas schrullig auskommt. Außerdem wirkte es sympathisch, mit welcher Selbstverständlichkeit er mit einer schlampigem Frisur und einem gelegentlichen Zauselbart ins Rampenlicht ging. Und schließlich stammt sein Vater aus Bamberg. Er ist demnach halber Franke – so halbwegs einer von uns.

In erster Linie ist Jörg Kachelmann aber ein cleverer Geschäftsmann. Er hat zwar keine Ausbildung zum Meteorologen, weshalb man ihn den Udo Walz der Stratosphäre nennen könnte (der legendäre Star-Figaro hat auch keinen Meisterbrief). Er hat aber frühzeitig entdeckt, dass sich aus dem Wetterbericht, der ja praktisch jeden Menschen interessiert, eine Show machen lässt. Also lässt er die bevorstehenden Temperaturen von der schicken Blondine Claudia Kleinert und ihrem latent froschartigen Kollegen Sven Plöger aufsagen. Und wenn der Sturm über Deutschland tobt, stellt er jemand mit einem Mikrofon mitten in die schlimmsten Böen auf der Zugspitze.

Tendenziell lustig, das. So, wie wir uns Kachelmann immer vorgestellt haben. Obwohl seine Rolle als Botschafter für die neoliberale Initiative Soziale Marktwirtschaft Punktabzüge in der B-Note bringt.

Sollten allerdings die Vorwürfe seiner Ex-Freundin stimmen, hätte sich Kachelmann, der mutige Erneuerer eines Genres, äußerst rückständig verhalten. Man möchte hoffen, dass sich die Affäre irgendwie in Wohlgefallen auflöst. Denn der Verlust eines Helden tut uns allen immer weh. Leider gilt auch dies: Die Erkenntnis, dass man am sichersten Menschenfreund bleiben kann, wenn man auf Menschenkenntnis verzichtet, ist kaum zu widerlegen. Man wird sehen, wie es ausgeht.