Archiv für März, 2010

März 30th, 2010

Welch ein Trost: Männer, die nicht zuhören, können nichts dafür

Leider passiert es nur selten, dass das fernsehbeitragsproduzierende Gewerbe wahrhaftige Lebenshilfe bietet.

Gelungen ist das gerade der Wissenschaftsredaktion des RTL-Magazin “Explosiv”. Dieses belegt in einem aktuellen Beitrag erneut die Erkenntnis, dass Männer ihren Frauen nicht zuhören. Mehrere Probanden wurden während einer Autofahrt oder während eines Einkaufbummel von ihren Herzallerliebsten zugetextet.

Fazit am Ende: Praktisch kein einziger Mann wusste nachher irgendetwas über den Inhalt des Gesprächs. Und eine Psychologin stellt sich auf die Seite der Männer. Wenn diese nicht zuhörten, sei das im Grund ein Schutzmechanismus des überforderten Gehirns.

Ich finde, dieses Wissen muss in alle Welt verbreitet werden. Alsdenn, der Link:

http://www.rtl.de/cms/information/rtl-explosiv/explosiv_englaender_malen_deu.html

März 27th, 2010

Retten wir Griechenland! Her mit der Hellas-Kopfpauschale!

Und das alles von unseren Steuergeldern.“ Wenn wir an Griechenland denken, ist dieser Stoßseufzer vollauf berechtigt. Vier Milliarden Euro gehen als rettende Geldspritze aus Deutschland an die Hellenen. Was umgerechnet bedeutet, dass jede(r) Bundesbürger(in), vom Baby bis zum Greis, mit 50 Euro dabei ist. Ohne Gegenleistung. Sorry, aber so geht`s nicht!

Sicher, es ist an der Zeit, den Griechen auch einmal mit Geld zu danken. Vieles in unserem Daseinst durch die Antike bestimmt. Unsere Architektur, die Kunst, unsere Diskussionskultur, unser Umgang miteinander, Olympia und vieles mehr. Aus Nürnberger Sicht wäre an die lange Kette griechischer Wohltaten anzufügen, dass man sich fest darauf verlassen kann, dass Angelos Charisteas in jeder Bundesligasaison ein Tor schießt.

Nun gut, Europa retten heißt heute, Kröten nach Athen zu tragen. Aber das könnte man doch mit mehr Phantasie arbeiten. Denken wir doch bloß an die Stichworte „Kopfpauschale“ und „Abwrackprämie“. Wie wäre es denn, wenn jedem interessierten Bundesbürger aus dem Vier-Milliardentopf einen 1000 Euro-Gutschein für einen Ägais-Urlaub gegeben würde? Das Geld käme bei den Hellenen an und vier Millionen Deutsche könnten ein paar Tage lang gratis durch Athen stapfen oder über Inseln hüpfen. Wahrscheinlich würden sie noch ein paar Euros mehr ausgeben und so die Wirtschaft vor Ort fördern.

Sie meinen, das Geld würde nicht reichen? Das ist unwahrscheinlich. Schließlich gibt es verschiedene Gründe, nicht nach Griechenland zu fahren. Dort ist es oft viel zu heiß und ständig brennt irgendwo ein Wald. Die Schrift ist unleserlich. Und es ist nicht jedermanns Sache, dass die ohnehin schwer verdaulichen Fleischklumpen auf der Dionysos-Platte im Herkunftsland lauwarm serviert werden. Das alles schränkt die Nachfrage ein.

Warum ich das jetzt so furchtbar bissig schreibe? Weil ich tatsächlich nicht will, dass die Nachfrage nach der Hellas-Kopfpauschale zu groß wird. Griechenland ist nämlich ein sehr schönes Urlaubsziel. Krise hin, Krise her.

März 26th, 2010

Jörg Kachelmann: Verschwindet unser lustiger Held?

Jörg Kachelmann: Was wird aus ihm?In vielen Partner- und Freundschaften kommt es irgendwann zu diesem Satz: “Ach, wie habe ich mich doch in diesem Menschen getäuscht!” In unserem Fall gilt er einem gewissen Jörg Kachelmann, von Beruf Wetterfrosch. Ihm wird vorgeworfen, seine Freundin vergewaltigt zu haben. Er selbst nennt sich unschuldig. Was sein gutes Recht  ist.

Die aktuelle Affäre macht uns aber schlagartig klar, dass wir bei ihm einem Irrtum unterlegen waren: Wir haben ihn für nett und lustig gehalten. Das lag sicher an seiner Schweizer Sprachfärbung, die bei mir als Deutschem als gemütlich, selbstironisch und etwas schrullig auskommt. Außerdem wirkte es sympathisch, mit welcher Selbstverständlichkeit er mit einer schlampigem Frisur und einem gelegentlichen Zauselbart ins Rampenlicht ging. Und schließlich stammt sein Vater aus Bamberg. Er ist demnach halber Franke – so halbwegs einer von uns.

In erster Linie ist Jörg Kachelmann aber ein cleverer Geschäftsmann. Er hat zwar keine Ausbildung zum Meteorologen, weshalb man ihn den Udo Walz der Stratosphäre nennen könnte (der legendäre Star-Figaro hat auch keinen Meisterbrief). Er hat aber frühzeitig entdeckt, dass sich aus dem Wetterbericht, der ja praktisch jeden Menschen interessiert, eine Show machen lässt. Also lässt er die bevorstehenden Temperaturen von der schicken Blondine Claudia Kleinert und ihrem latent froschartigen Kollegen Sven Plöger aufsagen. Und wenn der Sturm über Deutschland tobt, stellt er jemand mit einem Mikrofon mitten in die schlimmsten Böen auf der Zugspitze.

Tendenziell lustig, das. So, wie wir uns Kachelmann immer vorgestellt haben. Obwohl seine Rolle als Botschafter für die neoliberale Initiative Soziale Marktwirtschaft Punktabzüge in der B-Note bringt.

Sollten allerdings die Vorwürfe seiner Ex-Freundin stimmen, hätte sich Kachelmann, der mutige Erneuerer eines Genres, äußerst rückständig verhalten. Man möchte hoffen, dass sich die Affäre irgendwie in Wohlgefallen auflöst. Denn der Verlust eines Helden tut uns allen immer weh. Leider gilt auch dies: Die Erkenntnis, dass man am sichersten Menschenfreund bleiben kann, wenn man auf Menschenkenntnis verzichtet, ist kaum zu widerlegen. Man wird sehen, wie es ausgeht.

März 22nd, 2010

DSDS-Rauswurf wegen Kokain: Suchen die nicht einen Superstar?

Eigentlich ist “Deutschland sucht den Superstar” in diesem Jahr derart schlecht, dass man nichts mehr darüber schreiben sollte. Mein größtes Aha-Erlebnis war bisher, dass ich von der Existenz des Vornamens “Menowin” erfahren habe. Das soll übrigens aus dem Althochdeutschen stammen und “mächtiger Sieger” bedeuten. Aber darum geht es hier nicht. Sondern darum: Da feuern sie einen Teilnehmer, weil er Koks geschnupft hat. Ja, Himmel! Wollen Sie nun einen Superstar oder nicht?

Es hätte viele Gründe gegeben, diesen Helmut Orosz in die Wüste zu schicken. Mit 30 ist er zu alt für dieses Teenie-Format. Außerdem wirkt seine Bühnenshow so, als wäre David Hasselhoff als verjüngter Zombie durch die Bodenplatten am Brandenburger Tor erneut ins Licht der Welt gestoßen. Und dann hat er diesen Baumarkt-Schlagersänger-Stil, der einfach abgeschafft gehört. Denn ich sage: Auch Millionen von Veranstaltern von Hasenzüchter-Sommerfesten können irren. Schlecht ist schlecht.

Jawohl, Helmut Orosz musste weg. Aber doch nicht wegen Rauschgifts! Wissen die Macher von DSDS denn nicht, dass Drogensucht bei Superstars dazugehört? Was wäre eine Amy Winehouse, wenn sie immer nur Bionade trinken würde? Würde sich noch irgendjeamd für Britney Spears interessieren, wenn sie nicht dauernd besoffen wäre? Für die älteren Leser:  War nicht die Trunksucht ein Markenzeichen des großen deutschen Entertainers Harald Juhnke?

Und: Jubelt DSDS-Moderator Marco Schreyl nicht selbst seine Show derart zur Sensation hoch, dass er entweder bekifft sein oder einen anderweitigen Total-Dachschaden haben muss? Ein Vorbild sollen die Teilnehmer sein. Dieter Bohlens Sucht nach jungen Trullas spielt demnach keine Rolle.

Nein, ein Star ohne Knall ist keiner.  Und wenn es – bei Frauen – nur eine völlig überzogene Abmagerungskur ist. DSDS ist nach diesem Rausschmiss endgültig als Tummelfeld für mäßig begabte Hauptschüler entlarvt, die einer mäßig begabten Jury herzallerliebst über jedes Stöckchen hüpfen, das ihnen hingehalten wird. Man sollte wirklich nichts mehr darüber schreiben.

März 20th, 2010

Live bei der Wok-WM: Alle lieben Lena.

Schwimmt auf einer Sympathiewelle: Lena Meyer-Landrut. F.: ProSiebenQuatsch geht immer gut.  Das zeigt der neuerliche Erfolg der “TV Total Wok WM” am Freitag in Oberhof. 20,1 Prozent Einschaltquote und 6000 Menschen entlang der Strecke sprechen eine deutliche Sprache. (Meine Reportage auf nn-online.de) Ich bringe von dort noch eine andere Erkenntnis mit: Alle lieben Lena Meyer-Landrut, unseren “Star für Oslo”.

Während das Publikum das Geschehen, mit Ausnahme der Siegerehrungen,  ohne größere Begeisterungsstürme zur Kenntnis nahm, gab es für die 18-jährige Sängerin “Zugabe”-Rufe. Zuvor hatte sie ihren Eurovisionsbeitrag “Satellite” geboten. Auch ich kann nur sagen: Es macht Spaß, ihr zuzuschauen. Weil sie selbst so viel Freude ausstrahlt.

Ansonsten ist es erstaunlich zu erleben, wie wenig sich die Macher der Show und das Publikum füreinander interessieren. Das Wok-Rennen wird routiniert für das Fernsehen inszeniert, das Publikum ist eher ständig in der Herde unterwegs. Man läuft die Strecke entlang, schaut eher als Monitore als auf die Eisbahn selbst, trinkt Bier und kaut Döner.

Den Promis wiederum muss man nicht zu viel Mut zuschreiben. In Oberhof sind auch Jedermann-Fahrten möglich.  Passieren konnte nur wenig, zumal die Bahn auf langsam präpariert war, so dass es fast die größere Herausforderung zu sein schien, beim Siegerfoto für die Weltpresse gefühlte fünf Minuten lang “spontan” in die Kameras zu grinsen.

Gleichwohl: Nicht alle haben es so drauf, wie  Weltmeister Georg Hackl. Er fuhr zweimal Bestzeit. Bei anderen entsteht der Eindruck von Dynamik auf einer andere Art. So habe ich den langsamsten Fahrer von allen, TV-Schrotthändler Manni Ludolf mit einer Minikamera ohne Blitz abgelichtet. Die Frage stellt sich: Durchbricht da einer die Schallmauer? Oder nähert er sich doch schon der Lichtgeschwindigkeit? Manni, der rasende Schrtthändler (rechts). F.: Ich

März 19th, 2010

Staatsschulden: Jedes Jahr eine kaputte Landesbank…

Die etwas älteren Leser(innen) dieses Blogs erinnern sich sicher noch an Franz-Josef Strauß. Jenen bulligen, halslosen früheren bayerischen Ministerpräsidenten und CSU-Vorsitzenden. Im Jahr 1980 warnte er als Kanzlerkandidat der Union angesichts der wachsenden Verschuldung vor dem Staatsbankrott. Verstanden hat man dieses Thema damals nicht so recht. Der Bayer wurde für dieses Thema eher belächelt.

Wenn Du heute vor der “Schuldenuhr” über dem Eingang zur Berliner Zentrale des Steuerzahlerbundes stehst, wird es Dir schon anders. Die digitale Anzeige rast wie eine Präzisionsuhr auf Bobbahnen. Tatsächlich kann man sich die Gesamtverschuldung des Staates nicht mehr vorstellen. Beträgt sie doch 1,7 Billionen, also 1700 Milliarden Euro. Genug, um sämtliche Bewohner(innen) unserer Region auf der Stelle zum Millionär zu machen.

Und jetzt also 80 Milliarden Euro Neuverschuldung. Auch da könnte man schöne Rechnungen anstellen. Man könnte für dieses Geld hier in Nürnberg zum Beispiel 40.000 ganz nette Eigentumswohnungen erwerben oder zehn Millionen Menschen auf eine nette Kreuzfahrt einladen. Man könnte auch in einer guten Dorfwirtschaft acht Milliarden Portionen Schäufele mit Bier bestellen.

Schon diese Rechnungen lesen sich erschreckend genug. Das Problem mit den Schulden ist aber, dass sie Jahr für Jahr Zinsen nach sich ziehen. Und selbst wenn der Staat zu einem Freundschaftstarif von vier Prozent verzinsen kann, so würden in diesem Fall für die Neuverschuldung 2010 pro Jahr 3,2 Milliarden Euro Zinsen anfallen.

Das wiederum ist so, als gäbe es alle zwölf Monate den Bankrott einer Landesbank zu bewältigen. Da ist Horror wohl doch das passende Wort.

März 18th, 2010

Puddingbrumsel ist doof – welcher Kosename passt?

Kosenamen als Abtörner: Unter diesem Aspekt hatte ich am 21. Februar nach besonders blöden Bezeichnungen für den oder die Liebste(n) gefragt. (siehe hier)

Zwar war die Beteiligung an der Umfrage nicht gar so groß, aber es steht fest: “Puddingbrumsel” ist komplett unsexy. 48 Prozent der Teilnehmer waren dieser Meinung. Ebenfalls oft geklickt war “Sabberschnute”, die lustvoll zu küssen sich 31 Prozent lieber nicht vorstellen wollten. 17 Prozent fanden “Schmackopatz” daneben, drei Prozent wollen keinen “Zwockel” lieben.

Dagegen scheint “Erdbeerpfötchen” durchaus sexuell zu stimulieren. Ich frage also andersherum:

März 16th, 2010

Parfüm als störend wird empfunden, weil es mit Gestank verbunden

„Musik als störend wird empfunden, weil sie mit Geräusch verbunden.“ Mit diesem Zitat hat der famose Dichter Wilhelm Busch das Problem der Belästigung durch fremde Reize trefflich beschrieben. Was dem einen sein Wohlklang, ist dem anderen sein Lärm. Aber nicht nur Ohren leiden. Auch die Nasen.

Denn wer möchte schon festlegen, was Duft und was Gestank ist? Da fühlt sich die Frau vom dritten Stock als unwiderstehliche Sexbombe, wenn sie sich auf dem Weg in die Nacht mit 100 Milliliter „Opium“ einsprüht. Während ihr Nachbar, der unmittelbar nach ihr die Treppe hinuntergeht, kurz vor der Haustür ohnmächtig auf den Steinboden knallt. Da duftet der alternde Charmeur derart streng nach zotteligem Moschusochse, dass es selbst die Kakerlaken in die Flucht schlägt.

Zumindest das Zusammenleben in größeren Gruppen muss also in solchen Fällen geregelt werden. Es braucht Verbote. Wie jetzt in einer städtischen Behörde der US-Metropole Detroit. Deren Belegschaft wurde jetzt – wie zuvor schon Mitarbeitern verschiedenetr kanadischer Krankenhäuser – strikt untersagt, mit einem manipulierten Eigengeruch am Arbeitsplatz zu erscheinen. Weil eine Mitarbeiterin wegen des nach ihrem Empfinden unerträglichen Parfüms einer Kollegin auf 100.000 Dollar Schmerzensgeld geklagt hatte.

Aber wenn schon Parfüm so schlimm ist, was ist dann mit den Döner-Essern in den Straßenbahnen? Uns was mit jenen Kolleginnen und Kollegen, die uns gegenübersitzend einmal die Woche eine Fischsemmel mit Zwiebeln auspacken und die Büroluft so auf Stunden hinaus vernebeln?

Da ist die Ansage klar: Es ist nichts zu machen. Denn sie machen es nur am Freitag, wegen ihres tiefen Glaubens. Die Religionsausübung ist aber vom Grundgesetz nachhaltig geschützt. So wie übertriebenes Glockengeläut ja auch…

März 15th, 2010

Der Papst schweigt. Was soll ein ratloser Mensch auch sagen?

Der von Mail zu Mail oder Tweet zu Tweet hüpfenden Generation Internet sei eines mal gesagt. Man kann vier Tage lang wegfahren, ohne dass sich die Aufregerthemen grundsätzlich ändern. Gut, beim 1. FC Nürnberg riecht es wieder stärker nach Klassenerhalt. Aber sonst: Wir ärgern uns über Guido Westerwelle und den Papst.

Beide gehen uns zurzeit mächtig auf die Nerven, wenngleich aus unterschiedlichen Gründen. Der Mann von der FDP, weil er zu oft zu laut zu abseitig daherredet. Der Stellvertreter Christi, weil er zum Problem von Kindsmissbrauch hinter Kirchenmauern erstmal gar nichts sagt. Laut Volksmund soll Reden Silber und Schweigen Gold sein. Hier schaffen es zwei berühmte Persönlichkeiten, dass beides Schrott ist. Aber bleiben wir beim Papst.

Ansich ist Aussitzen spätestens seit Helmut Kohl ein integraler Bestandteil nachhaltiger Regierungskunst. Auch seine Nachfolgerin Angela Merkel versucht sich daran. Um so zu handeln, fehlt dem Papst allerdings nicht nur das breite Gesäß der Politiker. Er geht auch keiner Wahl entgegen. Und er ist, mutmaßlich, unfehlbar. Also im Besitz der Wahrheit. Warum rückt er dann nicht raus damit?

Vielleicht, weil er an Plato denkt. Von dem griechischen Philosophen stammt der Satz: “Man soll schweigen oder Dinge sagen, die noch besser sind als das Schweigen.” Und was soll er denn sagen? Dass es ihm leid tut? Dass ihm die Opfer leid tun? Dass er alles dafür tun will, damit so etwas nicht mehr oder wenigstens viel seltener passiert? Wahrscheinlich wird er das in seinem angekündigten Hirtenbrief an die irischen Bischöfe tun.

Dieser wird dann herumgereicht und verlesen  – und darf als Lehrschreiben wohl auch für Deutschland angewendet werden. Die Persönlichkeitsstruktur des irischen Kinderschänders sollte sich von jener des deutschen Täters ja nicht grundlegend unterscheiden.

Tja, warten wir mal ab, was Benedikt so schreibt. Wesentlich besser wird die Lage durch seinen Brief nicht werden.  Die Strukturen von Priestertum, Glaube und Macht über andere sind so angelegt, dass es immer wieder zu Übergriffen kommen wird. Deshalb ist das Schweigen des Papstes wohl ein ratloses Schweigen.

Ein Satz eines anderen klugen Menschen lautet: “Ändere die Welt, sie braucht es!” Aber das war Bertold Brecht. Einem wie ihm wird die ach so mächtige katholische Kirche bestimmt nicht folgen.

März 11th, 2010

Gleiche Denkstrukturen: Westerwelle und Berlusconi

Ach, Guido Westerwelle. Da denkt man, der zum Außenminister aufgestiegene FDP-Lautsprecher werde irgendwann ins seriöse Fach wechseln. Aber dann fliegt er nach Südamerika und liefert schon wieder Aufreger.

Nein, dass er seinen Lebensgefährten mit auf Auslandsreisen mitnimmt, ist bestimmt nicht das Thema. Filmemacher Rosa von Praunheim, der zu einer Zeit für die Rechte der Homosexuellen kämpfte, als diese noch heftig diskriminiert wurden, findet das “großartig”.  Dabei ist das, eigentlich, ganz normal.

Geschmacklos an der Zusammenstellung von Westerwelles Reise-Entourage ist jedoch, dass er befreundeten Unternehmern die Chance gibt, im unmittelbaren Umfeld seiner Begleitung Geschäfte anzubahnen. Der FDP-Chef findet das bestimmt clever und legitim. Ist es aber nicht.

Wenn man an die Hotelspenden-Affäre und an das Ablenkungsmanöver mit der “spätrömischen Dekadenz” zurückdenkt, dann scheint da einer zu sein, der keine Scheu kennt, Politik so zu machen, dass es seiner Klientel, seiner Partei und ihm selbst nützt. Und damit erinnert er an den großartigen Italienier Silvio Berlusconi. Dieser hat gerade in einer Pressekonferenz einen Journalisten aus dem Saal entfernen lassen, weil dieser eine Frage u dem umstrittenen Chef des italienischen Zivilschutzes, Guido Bertolaso, gestellt hatte, ohne aufgerufen gewesen zu sein.

Berlusconi beschimpft ihn als “Villano”, also Bauernlümmel oder Flegel, und meint schließlich (Szene bei 2:23 Minuten des Videos), der Journalist sei nur deshalb so aggressiv, weil ihm, wenn er morgens in den Spiegel schaue, der Tag versaut sei. Dann ließ es ihn aus dem Saal werfen.

Gut, Westerwelle hat die Presse auf diese üble Art noch nicht angegriffen. Beim Landesparteitag der nordrhein-westfälischen FDP rief er den Medienvertretern schon mal dieses zu: “Ihr kriegt mich nicht klein!” Alles andere kann ja noch kommen…

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März 8th, 2010

Frauen fahren besser – wenn genug Platz zum Einparken ist

Selbstverständlich ist es an diesem heutigen Weltfrauentag völlig undenkbar, Frauen etwas Schlechtes nachzusagen. Es handelt sich bei ihnen ja in letzter Konsequenz um Wesen, ohne die menschliches Leben auf diesem Planeten nicht möglich wäre. Selbst der Papst gibt das zu – auch wenn er dabei vielleicht mit den Zähnen knirscht.

Und was soll denn dieser Satz? “Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau ist nur möglich, wenn die Frau sich unterordnet.” Das plapperte ein gewisser “Martialis” so etwa 40 vor Christus daher. Wahre spätrömische Dekadenz, also. Es hilft dieser Welt aber auch nichts, wenn eine linke Vereinigung am 8. März am Weißen Turm in Nürnberg den “Goldenen Penis” verleiht: Siehe hier…. Auch der Penis gehört ja irgendwo zum Dasein unserer Spezies.

Machen wir es uns doch lieber einfach. Bringen wir eine gute, frauenfreundliche Nachricht: Als Autofahrerinnen sind Frauen besser als Männer. Wie der Auto Club Europa (ACE) ermittelt hat, verursachen Frauen deutlich weniger Unfälle mit Verletzten als Männer. Und im Osten sind die Frauen am Steuer noch besser. Besonders in Brandenburg. Da bauen 100.000 Einwohnerinnen statistisch gerade mal 187 Unfälle. In Bayern neigen die Frauen allerdings mehr zum Risiko. Hier liegt die Unfallquote bei 257.

Erstmal Glückwunsch, liebe Frauen. Aberein bisschen näher müssen wir schon hinschauen. Denn ist es nicht so, dass Frauen bundesweit eher die kleineren Autos fahren? Und: Zwar wähnt man sich zum Beispiel in München im Sommer im Iran, weil so viele Frauen mit Kopftuch in offenen Cabrios sitzen. Aber das ist Stadtverkehr. Übers Land gefahrvoll brausen – das ist immer noch eher Männersache.

Und ist es nicht so, dass in Ostdeutschland die Abwanderung der Bevölkerung in Richtung Westen so stark ist, dass es viel mehr Platz zum Einparken gibt? Wie Frauen einparken, wissen wir doch. Man(n) schaue hier:

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März 6th, 2010

Armer Bruder Barnabas! Oberbayern ist ja sooo bedeutend.

Böser Bruder Barnabas, jetzt bist du weg.

Böser Bruder Barnabas, jetzt bist du weg.

Was ist das bloß wieder für eine dumme Affäre? Weil er angeblich allzu überspitzt formuliert hat, und deshalb heftig attackiert wurde, stellt Michael Lerchenberg seinen Job als „Bruder Barnabas“ vom Nockherberg zur Verfügung. Typisch Oberbayern.

Es ist eben so, dass an den Kultstätten des angeblichen typisch bayerischen Brauchtums alles eine ganz Nummer bedeutender als bei uns in Franken. Während man hier einfach so auf Kirchweihen und Volksfeste gehen kann, wenn man eben gerade Lust hat, ist das Oktoberfest inzwischen ähnlich gut bewacht wie ein mittelprächtiger G-8-Gipfel. Weil dort eben Alkohol und Schweinefleisch in weitaus größeren Mengen dargereicht werden? Oder weil die Häuser rund um die Theresienwiese noch wochenlang nach menschlichem Urin stinken?

Bei uns diskutiert man bei uns nach „Fastnacht in Franken“ allenfalls darüber, ob man Klaus Karl-Kraus abservieren soll. Und zwar, weil er zuletzt richtig schlecht war. sorgt das super-wichtige „Derblecken“ für einen – letztlich völlig unwichtigen – künftigen Boykott durch Außenminister Guido Westerwelle und für einen Aufschrei des Zentralrats der Juden. Sicher, Lerchenberg hat Assoziationen an Nazi-Konzentrationslager mit seiner Wortwahl möglich gemacht. Aber wer ihn kennt, weiß doch, dass er das nie und nimmer so gemeint hat.

Es dämmert eben ganz generell das Ende der CSU-Folklore. Solange es nur eine Staatspartei gab, konnte man die Bußpredigten tolerieren. Jetzt, wo die Macht verteilt wird, gibt es immer mehr Leute, die beleidigt sein könnten – und die das auch sagen.

Tragisch an der Sache ist allerdings auch dies: In Oberbayern werden Mönche verjagt, weil sie das Maul zu weit aufreißen. Wo es da doch ganz andere Vergehen gäbe…

März 2nd, 2010

Ring der Wiederkehr (2): Loddar wieder bei Liliana. Käßmann lauert

Der Ring der Wiederkehr macht alles immer nur schlimmer? Wem immer ich mit meinem jüngsten Beitrag zu Nietzsche, DSDS und Merkel den Blick in den gähnenden Schlund der Hoffnungslosigkeit gelenkt habe, sage ich nun: Ich bereue, ziehe zurück, dementiere. Denn Lothar Matthäus ist wieder bei Liliana.

Es gibt also auch die fröhliche Wiederkehr. Ja, es gibt hoffnungsvolle News aus der Welt der Schönen und Reichen. Loddar stellte in einem Interview klar: “Unsere Liebe war nie erloschen.” Und fügte an: “Die Liebe ist doch keine Glühbirne, die man einfach so ausknipsen kann.” Die süße, zuletzt gar wenig fotografierte Liliana wiederum beschwor: “Ich benutze ihn nicht als Sprungbrett.” Nein, hier haben wir kein unerotisches Energiesparlampen-Gefunzel. Hier kocht es, brodelt es, bis auch die allergrößte Osram platzt. Endlich mal was anderes als Drogenexzesse von Britney Spears, Schulden von Nicolas Cage oder zufällig vergessene Slips von Paris Hilton.

Gut, eigentlich brauchen wir diese Seifenopfer nicht. Trost schöpfen wir ja normalerweise daraus, dass das neureiche Gesindel mindestens gleich heftige, wenn nicht sogar größere Beziehungs- und Geldprobleme hat wie wir selbst. Aber manchmal, wenn nach gefühlten 28 Wochen Wolkenhimmel plötzlich die Sonne scheint und gülden der Vollmond am Firmament funkelt, dann werden wir ganz weich. Es ist, als würde uns André Rieu mit dem Bogen seiner Fidel über den Herzmuskel streichen. Dann freuen wir uns.

Und wie groß wird die Freude erst sein, wenn ein anderes Gerücht wahr wird. Der amtierende Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Nikolaus Schneider, rechnet fest mit einem Comeback seiner Vorgängerin Margot Käßmann. Ihre Stimme werden bald wieder zu hören sein, sagte er in einem Interview.

Auch für diesen Tag fordern wird Vollmond und einen klaren Sternhimmel. Damit uns bloß nichts die Freude vernebelt…

März 1st, 2010

Im Ring der Wiederkehr: DSDS und die Politik

Gesanglich der Einäugige unter den Blinden: Mehrzad Marashi.

Gesanglich der Einäugige unter den Blinden: Mehrzad Marashi.

Es war der geniale, letzten Endes aber ziemlich irre Philosoph Friedrich Nietzsche, der die Menschen im „Ring der ewigen Wiederkehr“ gefangen. Populärwissenschaftlich wurde dieser Stoff im Hollywood-Film „Und täglich grüßt das Murmeltier“ verarbeitet. Es gibt aber mindestens zwei weitere Institutionen, die uns das immer Gleiche als immer Neues präsentiert: Der Fernsehsender RTL und die Bundesregierung.

Als unser dicker Bundeskanzler Helmut Kohl Anfang der 80-er Jahre die „geistig-moralische Wende“ ausrief, hatten wir Fernsehzuschauer ganz andere Erwartungen. Hier waren die öffentlich-rechtlichen Sender mit ihren ständigen Wiederholungen alter Filme. Dort die privaten TV-Pioniere, die uns tagtäglich neue Überraschungen bieten würden. Das ist vorbei: Zu Tages- und Sportschau gesellten sich beim ZDF „Wetten, dass…“ und bei RTL „Wer wird Millionär?“ als ständige Neuauflagen des immer Gleichen. Bei diesen Angeboten geht das aber noch. Schlimm wird es allerdings, wenn Machwerke wie „Deutschland sucht den Superstar“ zu Konstanten des kollektiven Daseins werden.

Das Problem ist nämlich, dass diese alljährliche Wiederkehr nicht rund, sondern spiralförmig verläuft. Die Qualität, gemessen am Radius der Umdrehungen, wird immer kleiner. Die Geschwindigkeit, mit der junge Menschen vom Ruhm ins Vergessen geschleudert werden, steigt. Die Qualität nimmt Jahr für Jahr ab.

So ist es doch im Jahr 2010. Diese angebliche Mega-Show mutiert erreicht nach und nach das Niveau einer Agrardisco-Karaokeparty. Niemand bleibt vor allem deshalb drin, weil er/sie gut ist. Sondern deshalb, weil es noch schlechtere Bewerber(innen) gibt.

Und damit ist die Parallele zur aktuellen Politik da: Steuersünder, Steuersenkung, Hartz IV, Kopfpauschale, Afghanistan – die Diskussionen drehen sich im Kreis, der Regierung gelingt scheinbar immer weniger. Nach jeder neuen Debattenrunde ist das Bild diffuser anstatt klarer. Viele Wähler(innen) sind schon froh, wenn sie für sich das kleinere Übel finden.

Dumm ist nur eines: Beim Karoke kann sich jeder selbst blamieren, wann immer er will. In die Politik geht es nur nach Wahlen, so alle vier bis sechs Jahre.