Valentinstag: Liebesbeweise auf ziemlich dünnem Eis

Wenn man anderen Menschen zuhört, dann ist der Valentinstag so etwas wie die FDP oder das DSDS des Schenkens. Keiner ist oder war je dafür, keiner hat etwas davon gesehen oder gehört. Und doch wer­den die Floristen am Ende dieses Hochfestes der Liebenden am kom­menden Sonntag entweder reif fürs Sauerstoffzelt sein oder fröhlich in den teuersten Bars zechen.
Weil der Blumentag vom einschlä­gigen Handel erfunden wurde, ist der Zwang zum Mitmachen nicht hundertprozen­tig. Bei der Ziel­gruppe, den Män­nern, greift er jedoch massiv. Also fragt sich: welche Blume, welche Farbe, welche Größe? Und da lauert die Gefahr.
Nehmen wir die rote Rose. Sie gilt als Zeichen für leidenschaftliche Liebe. Am Valentinstag überreicht, hat sie aber Nachteile. So neigen Frauen dazu, beim Schenkenden ein schlechtes Gewissen zu vermu­ten, welches durch gewisse Aben­teuer gespeist sein könnte.
Außerdem wissen holländische Großhändler um die hohe Symbol­kraft des Gewächses. Kurz vor dem Valentinstag treiben sie den Preis hoch. Wer rote Rosen kauft, zeigt also vor allem seine Liebe gegen­über den Betreibern der vor Rotter­dam gelegenen Blumen-Kühlhallen. Auch mit Nelken wandelt man(n) auf dünnem Eis. Wird diese Blume doch für Trauerkränze benutzt. Grabschmuck aber setzt kein Frau­enherz in Flammen.
Natürlich, die Geschmäcker sind immer verschieden. Und doch gibt es einen recht si­cheren Weg, zärt­liche Gefühle mit einem Geschenk zu erschlagen: Ei­ne Apotheken­kette bietet zum Liebespreis einen Strauß Rosen in Verbindung mit einer Großpackung Stärkungskap­seln an. Diese sollen körperliche und geistige Leistungsfähigkeit för­dern und Osteoporose vorbeugen.
Eine Frau liest die Botschaft die­ses Geschenkes so: „Ich liebe dich, aber du könntest dich ein bisschen anstrengen.“ Finger weg, meine Her­ren! Wir wissen doch: Was gut ge­meint ist, erweist sich oft als große Dummheit.