Archiv für Februar, 2010

Februar 26th, 2010

Adieu Loriot! Und danke für den Mops

Eigentlich paradox: Aus einem traurigen Anlass heraus, dem Tod von Loriot, will ich meinen Leserinnen und Lesern einfach mal knapp vier Minuten puren Spaß gönnen. Sein Telecabinet von 1972 – mit Werbungs-Persiflagen und Wissenwertem zu meinem Lieblingshund, dem Mops.

Dieses Video hatte ich schon im Februar 2010 gezeigt. Heute feiert es Auferstehung

Viel Vergnügen!

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Februar 25th, 2010

Bischöfin Käßmann: Erst richtig dumm, dann klug

Schon seltsam: Da denkt man sich, dass man als fröhlicher Blogger zu jedem x-beliebigem Ereignis ein paar witzige Bemerkungen parat hätte. Aber dann kommt Bischöfin Margot Käßmann. Und man spürt, dass in diesem Fall ein Satz völlig reichen würde. Da hat jemand einen saudummen Fehler begangen, anschließend aber alles richtig gemacht.

Musste dieser Rücktritt sein? Logisch, ja. Er war die einzige Möglichkeit für Margot Käßmann, um einigermaßen schadensfrei aus der Schusslinie zu kommen. Für Boulevardjournalisten ist ihr Fall doch wie gemalt. Eine Sünde in der Kirche zieht immer. Und wenn dann auch noch eine Frau als Kirchenführerin etwas macht, was man eigentlich nur Männern zugesteht, nämlich sich zu betrinken und anschließend das eigene Auto zu nehmen, wird die Sache umso prickelnder.

Die “Bild”-Zeitung hatte zudem schon die Spur für eine weiterführende Geschichte gelegt. “Käßmann war nicht alleine im Auto”, hieß es. Von einem männlichen Begleiter war die Rede. Von dieser Erkenntnis bis zur Schlagzeile “Das geheime Liebesnest der Bischöfin” ist es nicht weit. Schließlich: Die in der evangelischen Kirche recht einflussreichen christlichen Fundamentalisten hätten sowieso keine Ruhe gegeben, ehe diese Schande “gerecht” getilgt worden wäre.

Käßmanns Trunkenheitsfahrt ist eine ganz persönliche Fehlleistung. Sie wirft aber auch ein Schlaglicht darauf, unter welchem Druck Menschen stehen, die zu jedem Zeitpunkt hilfreich und gut sein müssen. Wie eben Pfarrer(innen), denen man nicht verzeiht, wenn sie sich ausnahmsweise eine ansonsten gar nicht seltene Idiotie leisten. Es ist ein Beruf mit einem Anforderungsprofil, das der Therapeuten-Branche gute Einnahmen sichert.

Über dieses Thema wird es aber keine große Diskussion geben. Anderes wird aufregender sein. Die Ex-Bischöfin kann sich zumindest darauf freuen, dass sie, befreit vom hohen Amt und erstmal ohne Führerschein, mit einem reineren Gewissen Martin Luther folgen kann. Von ihm stammt dieser Rat: “Man solle den Gästen einen guten Trunk geben, damit sie fröhlich werden; denn wie die Heilige Schrift sagt: Das Brot stärkt das Herz des Menschen, der Wein aber macht es froh.”

Februar 23rd, 2010

Jürgen Rüttgers, ein Mann wie Paris Hilton

"Ich sag jetzt gar nichts mehr...": Jürgen Rüttgers.

Das ist richtig dumm gelaufen, für den nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Jürgen Rüttgers. Da steht er kurz vor einer Landtagswahl, die die Strategen der Koalitionsparteien als derart heikel einschätzen, dass selbst die Bundesregierung vorsichtshalber auf unerfreuliche Botschaften oder Beschlüsse verzichtet. Und dann erscheint der Landesvater als käuflich. 6000 Euro auf den Tisch – und er redet mit jedem über alles.

Erstmal: Ganz ungewöhnlich ist so etwas nicht. Eine Beratung beim Arzt kostet zehn bis zwölf Euro, ein gutes Gespräch beim Therapeuten 80 Euro, auch bei sprachbegabten Friseuren ist der gepflegte Smalltalk während des Haareschneidens eingepreist. In noch ganz andere Dimensionen als bei Rüttgers geht das Schmerzensgeld, wenn sich berühmte Menschen bei “Wetten, dass…” von Thomas Gottschalk aushorchen lassen oder sich auf dem Wiener Opernball in die Loge des alten Lüstlings “Mörtel” Lugner setzen. Edel-Schlampe Paris Hilton wiederum erscheint angeblich erst ab  100.000 Dollar Honorar als exklusiver Partygast.

Alsdenn, wozu die Aufregung? Jeder, für den sich andere dringend interessieren, hält doch die Hand auf.

Aber beim Politiker ist das eben doch etwas anderes. Harmlose Ministerpräsidenten-Mieter wollen vielleicht tätsächlich nur etwas für ihr Ego tun. Finden es spannend, mit einem hohen Politiker auf ein Foto zu kommen. Das sie schlimmestenfalls für die nächste Broschüre ihrer Wurstfabrik verwenden.

Andere aber werden schon das eine oder andere ganz konkrete Problem oder Vorhaben ins Gespräch bringen. Sagen wir mal, den geplanten Bau einer Lagerhalle auf einer Fläche, die unter Naturschutz steht. Und informelle Unterredungen sind bekanntlich fast immer wirksamer als eine hochoffizielle Diskussion während einer Sitzung eines Landtages oder eines Stadtrates. Da aber wird es skandalös. Wer mit Geldscheinen wedeln kann, verschafft sich im Dialog mit der Politik einen Vorsprung gegenüber anderen Menschen.

Der Ministerpräsident hört genau hin und zeigt mindestens das allergrößte Verständnis für jedes Anliegen. In anderen Zusammenhängen nennt sich diese Form der Dienstleistung Prostitution. „Der Vorwurf, ich hätte Termine gegen Geld gemacht, läuft aber ins Leere. Es hat solche Termine nicht gegeben”, versichert Rüttgers nun, nachdem er seinen Generalsekretär gefeuert hat. Aber auch das kennt man: Wer sich im zwielichtigen Milieu bewegt, gibt das selten offen zu.

Februar 21st, 2010

Hasi und Sabberschnute: Kosenamen können Lustkiller sein

So, jetzt ist aber genug geschimpft über Bischof  Mixa. Einen Beitrag widme ich ihm noch. Denn der Mann braucht Hilfe in seinem Kampf gegen den überbordenden Sexualtrieb der Gesamtbevölkerung. Tun wir was. Geben wir uns süße Kosenamen. Denn das sind zuverlässige Lustkiller.

Darauf hat gerade die Zeitschrift “Petra” die Welt hingewiesen. Sie macht dass, was Frauenmagazine mindesten einmal im Quartal tun: Sie versucht sich an Antworten auf die angeblich heikelsten Beziehungsfragen. Dabei widmet sie sich auch den psychosozialen Folgewirkungen verbaler Liebkosungen.

Demnach zeigen nette und originelle Spitznamen zwar, wie einzigartig Partnerin oder Partner angesehen werden. Aber dass Ganze hat Tücken: Will jemand, wenn die Hormone brodeln, tatsächlich “Hase” oder “Hasi” im Bett haben? Ist Bärchen erotisch, soll die Liebste immer Engel sein?  Sind Sonnenschein und Herzblatt wirklich heiß?

Wenn wir also garantiert doofe Kosenamen finden, wird`s insgesamt wieder ruhiger. Aber welche könnten das sein.

Februar 21st, 2010

Die kleine Sonntagspredigt: Horoskope lesen ist gottlos

Die Aufregung um den famosen katholischen Sexualtherapeuten Walter Mixa scheint sich allmählich wieder zu legen. Dennoch: Das Interesse an tiefgründiger Orientierung in Glaubens-, Lebens- und Liebesfragen ist vorhanden. Selbst bei den Leserinnen und Lesern meines Blogs.

Das hat mir mein Statistik-Tool gerade mitgeteilt. Danach belegt das Video eines fränkischen Hobby-Missionars, der bei YouTube unter dem Künstlernamen “JesusunserRetter” der Frage “Hast Du den Schlüssel zum Himmel”

nachgegangen ist,  bei den Klickzahlen zu meiner völligen Überraschung den 25. Platz unter 455 Beiträgen.

Nun, es ist wieder Sonntag. Bevor ich also noch irgendetwas anderes schreibe, kommt hier eine weitere Predigt. Glaubt lieber an Gott, als immer bloß die Horoskope zu lesen.

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Februar 19th, 2010

Bischof Mixa: Die Bibel als Brett vor dem Kopf

Walter Mixa, der Schrecken der 68-er.Wer partout nicht akzpetieren will, dass die Wirklichkeit  anders ist, als er sie selber gerne haben möchte, lebt sein Leben als Fundamentalist. Eine klerikale Erscheinung in diesem Sinne ist der Augsburger Bischof  Walter Mixa. In der Debatte um sexuellen Missbrauch durch Priester macht er die sexuelle Revolution der späten sechziger Jahre für die wachsende Zahl von Übergriffen durch Erwachsene verantwortlich.

Ich selber habe Walter Mixa vor 13 Jahren bei einem Pressegespräch persönlich getroffen. Und war positiv beeindruckt vom damaligen Bischof von Eichstätt. Dieser trat als Mensch ohne Allüren auf, der Journalisten  Liegestühle anbot, um mit ihm im Garten seiner Residenz ganz locker über Gott und die Welt zu plaudern.

Mit Teilen der Realität hatte er aber Probleme. Auf die Frage , was geschehen müsste, damit Kinder für alleinstehende Mütter nicht zum Armutsrisiko würden, zeigte er sich irritiert. Kinder, so Mixa damals sinngemäß, seien ein Geschenk. Sie könnten kein Risiko sein. Eventuell störte ihn ja grundsätzlich die Existenz unverheirateter Mütter. Bekanntlich nannte er 2007 Pläne des Familienministeriums, zur Finanzierung neuer Kinderbetreuungseinrichtungen andere Familienleistungen zu kürzen, einen “gesellschaftspolitischen Skandal“.

Wie er aber auf die 68-er als Auslöser von Missbrauch hinter Kirchenmauern kommt, ist schon rätselhaft. Vielleicht hat es mit seiner eigenen Biografie zu tun. Mixa studierte ab 1964 Theologie und wurde 1970 zum Priester geweiht. (siehe hier…) Mit dieser Berufsentscheidung hatte er bei Gleichaltrigen sicher keinen leichten Stand. Vielleicht glaubt er ja auch daran, dass Teufel und Dämonen den seelisch labilen Menschen immer zu Irrungen verführen. Für diese Rolle eignen sich zottelige, kiffende  langhaarige Männer und Mädels in superkurzen Miniröcken natürlich hervorragend.

Besser wäre es, die Wahrheit zu akzeptieren. Nämlich, dass es immer Probleme verursacht, wenn man Menschen abverlangt, normale Bedürfnisse zu unterdrücken. Alle Geistlichen haben die Vorgabe, gegenüber anderen stets tugendhaft. gütig und verständnisvoll aufzutreten. Weshalb zum Beispiel evangelische Pfarrer aus ländlichen Gebieten mit hoher sozialer Kontrolle zu den guten Kunden von Psychotherapeuten zählen. Bei den Katholiken kommt der von der Ideologie erzwungene Verzicht auf körperliche Liebe hinzu.

Dass dieser Aspekt des Berufsbildes gerade solche Menschen anzieht, die mit ihrer eigenen sexuellen Orientierung  nicht zurechtkommen und auf Befreiung hoffen, liegt auf der Hand. Aber was die 68-er angeht, ist die Sache anders. Die sexuelle Revolution macht es möglich, dass Missbrauchsopfer offen über ihre Erlebnisse reden und sich nicht in Grund un Boden schämen müssen.

Vielleicht ist es ja gerade das, was der katholischen Kirche so weh tut.

Februar 15th, 2010

Was macht der Westerwelle mit den roten Händen…

Was macht Herr Westerwelle mit der roten Farbe?

Fasching? Von wegen? Zwar hantiert unser Außenminister und neuerdings wieder hyperaktiver  Sozialpolitiker Guido Westerwelle auf unserem Bild offenbar mit Theaterschminke. Was aber will mit der sozialistischen Farbe?

Er hat natürlich einen guten Grund: Er will endlich, endlich der sich ausbreitetenden spätrömischen Dekadenz ein Ende machen.

Und so ist er dann losgezogen gegen das leistungsfeindliche Pack in Stadt und Land…

Und räumt energisch den Sozialstaat auf.

Helau!!!!!

Februar 14th, 2010

DSDS 2010: Eine Pleite für den Feminismus

Die Fernsehkritik ist eigentlich nicht mein Feld. Aber beim Zappen in die erste Entscheidungsshow von „Deutschland sucht den Superstar“ wurde mir klar: Der Feminismus hat nicht gesiegt. Das muss einfach raus.

Anders ist kaum zu erklären, dass eine im allgemeinen Personalwesen gängige Formulierung bei der Publikumswahl der zehn Finalisten völlig negiert wurde. „Bei gleicher Qualifikation werden Frauen bevorzugt eingestellt“ heißt es in Stellenanzeigen. „Bei gleich schwacher Gesangsleistung wählen wir Männer“, meinten die Menschen an den Telefon-Endgeräten.

Und was dann aufgeführt wurde, müsste frauenbewegte Menschen schlichtweg entsetzt haben. Männliche Sieger, die nach Bekanntgabe ihres Erfolgs wilde Initiationsrituale aufführten – und mittendrin zunächst nur ein kleines Mäuschen in lila Leggings, die nach eigenen Angaben ihr Geld fast komplett für Kosmetik ausgibt. In einem Gnadenakt des Publikums durften noch zwei weitere Mädels antreten. Sie passten, vor allem Blondine Steffi mit den engen Ledershorts, ins Raster von Dieter Bohlen: „Wir hatten noch nie so geile Weiber wie dieses Mal.“

Zupackende Jungs und ein paar Tussis – so geht`s bei DSDS weiter. Ach so, falls jemand nach dem Gesang fragt: Es ist ziemlich unerklärlich, dass unter angeblich mehreren zehntausend gecasteten Kandidatinnen und Kandidaten keine größeren Talente zu finden waren. Wer ein empfindliches Gehör hat, sollten mindestens bis zum Halbfinale an DSDS  vorbeizappen.

Februar 13th, 2010

An superscharfe Oberpfälzer will ich nicht glauben

Selbsverständlich steht es mir nicht zu, die Arbeit meiner Kolleginnen und Kollegen zu kritisieren. Aber es gibt eben eben Zeitungsartikel, bei denen ich mir nach dem Lesen in größtmöglicher Heftigkeit sage: “Ich kann das nicht glauben. Ich werde das nicht glauben. Vor allem: Ich will das nicht glauben.”

So ging es mir gerade wieder bei dieser Geschichte, die in den Nürnberger Nachrichten unter der Überschrift

Die Lust wohnt in der Oberpfalz

erschienen ist. Sollte es wirklich so sein, dass es die “Moosbüffel” toller treiben als die Mittelfranken? Oder gar die von jeglichen religiösen Zwängen freien Großstädter?

Nochmals zu den Fakten: In Bayern haben nur die Oberpfälzer im vergangenen Jahr mehr Kinder bekommen als im Vorjahr. Auf den Neugeborenenstationen in Amberg, Neumarkt oder Regensburg erblickten 6865 Kinder  das Licht der Welt. Das entspricht einem Plus von 0,1 Prozent . Ansonsten gab es bayernweit ein Minus von 2,3 Prozent.

Also:  Ich meine nicht, dass die Oberpfalz die Libido stimuliert. Dafür ist der Klang der Sprache doch viel zu derb. Eher liegt es doch daran, dass die Menschen in schwach besiedelten Gegenden, in denen es an sonstigen Ablenkungen fehlt, tendenziell auf Sex ausweichen. Vor allem aber sind die Wege zu den Frauenärzten und Apotheken weiter als in anderen Regionen.

Fazit: Die Oberpfälzer sind nicht besonders erotisch, sondern nur bequem.

Sage ich – und warte auf Widerspruch.

Februar 12th, 2010

Valentinstag: Liebesbeweise auf ziemlich dünnem Eis

Wenn man anderen Menschen zuhört, dann ist der Valentinstag so etwas wie die FDP oder das DSDS des Schenkens. Keiner ist oder war je dafür, keiner hat etwas davon gesehen oder gehört. Und doch wer­den die Floristen am Ende dieses Hochfestes der Liebenden am kom­menden Sonntag entweder reif fürs Sauerstoffzelt sein oder fröhlich in den teuersten Bars zechen.
Weil der Blumentag vom einschlä­gigen Handel erfunden wurde, ist der Zwang zum Mitmachen nicht hundertprozen­tig. Bei der Ziel­gruppe, den Män­nern, greift er jedoch massiv. Also fragt sich: welche Blume, welche Farbe, welche Größe? Und da lauert die Gefahr.
Nehmen wir die rote Rose. Sie gilt als Zeichen für leidenschaftliche Liebe. Am Valentinstag überreicht, hat sie aber Nachteile. So neigen Frauen dazu, beim Schenkenden ein schlechtes Gewissen zu vermu­ten, welches durch gewisse Aben­teuer gespeist sein könnte.
Außerdem wissen holländische Großhändler um die hohe Symbol­kraft des Gewächses. Kurz vor dem Valentinstag treiben sie den Preis hoch. Wer rote Rosen kauft, zeigt also vor allem seine Liebe gegen­über den Betreibern der vor Rotter­dam gelegenen Blumen-Kühlhallen. Auch mit Nelken wandelt man(n) auf dünnem Eis. Wird diese Blume doch für Trauerkränze benutzt. Grabschmuck aber setzt kein Frau­enherz in Flammen.
Natürlich, die Geschmäcker sind immer verschieden. Und doch gibt es einen recht si­cheren Weg, zärt­liche Gefühle mit einem Geschenk zu erschlagen: Ei­ne Apotheken­kette bietet zum Liebespreis einen Strauß Rosen in Verbindung mit einer Großpackung Stärkungskap­seln an. Diese sollen körperliche und geistige Leistungsfähigkeit för­dern und Osteoporose vorbeugen.
Eine Frau liest die Botschaft die­ses Geschenkes so: „Ich liebe dich, aber du könntest dich ein bisschen anstrengen.“ Finger weg, meine Her­ren! Wir wissen doch: Was gut ge­meint ist, erweist sich oft als große Dummheit.

Februar 11th, 2010

“Anstrengungsloser Wohlstand”: Nervensäge Guido und Papa Boris

Seufz! Es wäre doch, gerade weil`s draußen so unaufhörlich schneit, höchste Zeit für eine gute, schöne, lustige, hoffnungsvolle Nachricht. Jedoch, diese Welt ist grausam. Wunderschöne Tier- und Pflanzenarten sterben aus – die Existenz der FDP dagegen ist möglich. Deren Ober-Lautsprecher Guido Westerwelle hat es jetzt geschafft, in Zusammenhang mit Hartz IV von Wohlstand zu reden.

Gut, man soll mit den Liberalen ein bisschen Nachsicht üben. Etwa mit Blick darauf, dass der junge Doktor Philipp Rösler offenkundig gar nichts auf die Reihe bekommt. Das ist okay, denn unser Gesundheitssystem ist dermaßen durchgeknallt, dass kaum jemand unter einer Einarbeitungszeit von mindestens drei Jahren zurechtkommen kann. Das ist halt so.

Aber uns Guido! In einem Zeitungsbeitrag attestiert er der Diskussion um Hartz IV “sozialistische Züge”. Leistung sei wichtig. Wer dem Volk anstrengungslosen Wohlstand verspreche, lade zu “spätrömischer Dekadenz” ein. O-Ton Westerwelle hier…

Abgesehen davon, dass “anstrengungsloser Wohlstand” ein erster Kandidat für das Unwort des Jahres 2010 ist, muss man doch auch fragen, was einer wie Westerwelle für Wohlstandskategorien im Kopf hat. Hartz-IV-Empfänger bekommen zehn Prozent vom nationalen Durchschnittslohn. Hält Westerwelle diese 323 Euro für Luxus, weil er als Politiker bei seinen Reisen und Terminen sowieso alles geschenkt bekommt? Weil es seine bisherige Haupt-Lebensleistung war, gegen Bezahlung durch seine Partei schlaue Reden zu halten?

Nein, da ist uns einer seiner Kollegen, der Berliner FDP-Bundestagsabgeordnete Martin Lindner geradezu  sympathisch. Er sagte dieses: “Ich möchte nicht, dass wir über ein neues System Anreize schaffen, dass man übers Kinderkriegen Geld verdienen kann.” Er darf das, weil er selbst sechs Kinder in die Welt gesetzt hat und ja auch auf Staatskosten lebt. Wobei er in Münchens Nobel-Stadtteil Grünwald aufgewachsen ist, also eher nicht weiß, wie sich sechs Kinder in einer Zwei-Zimmer-Wohnung anfühlen.

Jedenfalls hat Lindner – versehentlich wahrscheinlich – auch eine scharfe Medienkritik geübt. Dass man mit Kinderkriegen Geld verdienen, zeigen uns nämlich gerade die “Bunte” und ein Ex-Held namens Boris Becker:  “Baby ist da!”

Womit wir dann doch noch bei den netten Nachrichten wären…

Februar 9th, 2010

SPD protzt in der virtuellen Welt – Rammstein und Rihanna sind aber besser

Seid willkommen, Ihr Massen: Nach neuesten Zahlen präsentieren sich vier von zehn Deutschen im Internet. 46 Prozent der Internetanwender treiben sich in irgendeiner Community herum. Das Web als Plattform für die Selbstdarstellung wäre demnach fast schon erfolgreicher als, sagen wir, die CSU. Wobei es der größten aller bayerischen Parteien virtuell sowieso nicht so gut geht. Wie ein Ausflug in die Welt der Statistik zeigen wird…

Denn: Mit 1157 Fans ist sie im großen Sozialnetzwerk „Facebook“ ein kleiner Fisch. Die CDU sieht mit 1958 Fans auch nicht toll aus. Die Linke hat die Konservativen mit 2820 Fans lässig überholt. Allzusehr freuen dürfen sich die Sozialisten aber nicht. Denn die alte Tante SPD schneidet mit 5824 Fans von allen Parteien am besten ab. Sie liegt allerdings nur ganz knapp vor der Yuppie-Partei FDP, die es auf 5598 Fans bringt sowie vor den Grünen mit ihren 5295 Fans. Die Piratenpartei, von der man seit den Wahlen im Vorjahr nicht mehr ganz so viel gehört hat, ist mit 4266 Fans bestens im Rennen.

Keine der Parteien kann allerdings mit Germany´s Next Top Model 2009, Sara Nuru, mithalten. Sie wird von 11.822 Fans bewundert. Gilt also „Sex sells“ auch bei Facebook? Das nicht unbedingt. Denn schon die beliebtesten deutschen Medienseiten auf Facebook spielen in einer ganz anderen Liga. So kommt „Stromberg“ mit 76.186 Fans auf den fünften Platz. Ansonsten spielt die Musik: Kraftwerk 82.715 Fans, Scorpions 190.562, Tokio Hotel 392.651 und – Industrial Tusch, bitte! – Rammstein mit 502.198 Fans. Ermittelt hat das ein Blogger namens Leander Wattig unter dieser Adresse: http://ow.ly/15wCb.

Nur Lärm statt Erotik also? So schlimm ist es nicht. Frauen dürfte es freuen, dass der als Sexsymbol geltende Schauspieler George Clooney mit 515.047 Fans vor Rammstein und erst recht vor dem italienischen Staatsbock Silvio Berlusconi mit 200.908 Fans liegt.

Aber das alles ist nichts gegen Super-Sexy-Sängerinnen wie Britney Spears mit 2.542.852 Fans, Taylor Swift 3.133.143 oder gar die vom Dasein gar oft geprügelte Rihanna mit 3.147.616 Fans.

Bei Mädels wird eben hingeguckt. Das Internet ist demnach wie das richtige Leben. Ob uns das beruhigt, ist freilich eine andere Frage.

Februar 7th, 2010

Wenn Westerwelle droht, grinst die CSU

“Ich habe eine Engelsgeduld. Aber die FDP kann auch anders.” Oha: Jetzt wird es aber ernst für die CSU. Koalitionspartner Gudio Westerwelle ist – wie seine neueste Verlautbarung zeigt -  inzwischen mit der Gesamtsituation unzufrieden und wirklich sauer. Horst Seehofer und Co., setzt euch und  seid endlich brav! und zieht Euch warm an.

Oder vielleicht doch nicht. Denn den Satz, den der Oberliberale in Richtung Bayern abgefeuert hat, kennt doch jeder Mensch aus seiner Kindheit. Speziell wenn Mutti angesichts ständiger Frechheiten der Kleinen überfordert war, drohte sie ernste Konsequenzen an. Das sorgte tatsächlich für Schrecken und für Gehorsam. Aber eben leider nur bis zur Grundschule.

Danach war die Drohung gewissermaßen in die jeweilige Frechheit eingepreist. Man hatte Spaß dabei, Mami oder Papis großen Auftritt vorauseilend nachzuäffen. Wirklich Angst hatte keiner mehr. Und irgendwann hatte sich der Nachwuchs durchgesetzt.

Gehen wir also ruhig davonaus, dass Markus Söder seinen Berliner Kollegen Philipp Rösler weiterhin ärgern wird, wo er nur kann.

Denn, und hier greife ich auf einen großen Satz der Kauffrau Vera Hinselmann (veröffentlicht auf http://www.aphorismen.de) zurück: “Konsequenzloses Drohen beängstigt ebenso wie ein ausgestopfter Wachhund.”

So isses. Genau so.

Februar 5th, 2010

Es stimmt: Dicke Senioren leben länger!

Früh übt sich, wer lange leben will. Senioren dürfen dicker sein.

Warum kann man Personenwaagen nicht verbieten. Immer dieser Terror beim draufschauen. Man fühlt sich federleicht und beschwingt, steigt fröhlich pfeifend drauf, aber dann: Bomm. Wieder neuer Höchststand. Also kauen wir fettfreien Schinken, balgen uns mit der Lebensgefährtin um die Lätta und traben sinnlos am Ufer des nächstgelegenen Entenweihers entlang. Weil man uns eingetrichtert hat, dass schlanke Menschen gesünder sind.

Tja, bloß: Das ist falsch. Zumindest bei Senioren. Wie das von mir seit Beginn dieses Textes heiß geliebte „Journal of the American Geriartric Society“ jetzt gemeldet hat, muss Übergewicht im Alter nicht unbedingt von Nachteil sein. Wer ab dem 70. Lebensjahr etwas zu viele Pfunde auf die Waage bringt, hat nach einer Studie der Universität von Western Australia bessere Überlebenschancen als dünne oder normalgewichtige Gleichaltrige.

Über 9000 Männer und Frauen im Alter von 70 Jahren waren in einer Langzeitstudie beobachtet worden. Und siehe da: Nach zehn Jahren war die Sterblichkeitsrate bei den Dickeren um 13 Prozent niedriger. Der Mensch schrumpft eben im Alter, weshalb es gut ist, wenn er beim Verfall von ein paar nährenden Reserven gestützt wird.

Zeigen wir also wieder mehr Respekt vor den Dicken. Wie zum Beispiel die Air France: Sie will fettleibigen Fluggästen ab April 2010 den Preis für einen zweiten Sitz erstatten, falls das Flugzeug nicht ausgelastet ist.

Ich wiederum werde nun ganz gelassen an Gewicht zulegen. Schließlich muss man sich an das Seniorenleben mit Übergewicht auch erst mal gewöhnen. Ich pfeife auf die Lätta und dreh den Weiherenten eine lange Nase. Guten Appetit allerseits!

Februar 3rd, 2010

Guck mal, was der guckt…

Da meinte man immer, das Banker nur Zahlen lieben. Ansonsten ohne Worte.

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