Samstag, Januar 23rd, 2010

Auf zum Glück! Oder: Wie gesunde Gelenke dem Herzkranken helfen

Wer kennt das nicht? Du sitzt an der Bar, siehst beim Blick ins Glas schon wieder den Boden durchschimmern. Deine Laune wird dadurch nicht besser. Aber dann gibst du dir ein Ruck, lächelst süßlich und sagst gaaaanz langsam: „Das Glas ist halbvoll, das Glas ist halbvoll, das Glas ist halbvoll.“

Wer das schafft, ist dem wahren Optimismus nahe. Jener Einstellung, die uns manche Motivationstrainer so verkaufen, als wäre das Nirvana auf Erden möglich. Das hat zwar schon im Kommunismus nicht geklappt, aber andererseits: Entsorgungspark klingt eben besser als Atommülldeponie. Es fühlt sich besser an.

Das sollten wir für uns nutzen, meint zum Beispiel ein gewisser Ottomar Bahrs. Der Mann mit dem optimistischen Vornamen ist „Medizinsoziologe“ in Göttingen. Er erklärt, dass sich Patienten keinwesfalls als krank, sondern als „bedingt gesund“ bezeichnen sollten. Denn: Ein Herzkranker könne sehr gesunde Gelenke haben, ein Rheumatiker ein gesundes Herz und ein herzkranker Rheumatiker ein sehr fittes Gehirn. Niemand sei nur krank, sondern jeder habe stets auch gesunde Anteile. Bahrs glaubt, dass diese Botschaft  Kräfte und Ressourcen freisetzen kann, die bei der Bewältigung einer Krankheit helfen.

Also: Wer sich in den Finger schneidet, freut sich, dass er laufen kann. Wer einen Hörsturz hat, freut sich, dass er fernsehen kann. Wer Kopfweh hat, genießt seinen guten Appetit.

Selbstverständlich gäbe es rein analytisch die Möglichkeit, Bahrs These zu hinterfragen. Etwa dahingehend, wie man sich bei unheilbaren Leiden tröstet. Aber das lassen wir. Werden wir glücklich!!

Holen Sie sich also diesen Text ab sofort 365 Tage lang täglich vor dem Frühstück auf einen Bildschirm Ihrer Wahl. Und lesen Sie laut:

“Ein positiver Tag beginnt.”

“Dieser Tag hält unendlich viele Chancen für mich bereit.”

“Heute beginnt meine erfolgreiche Zukunft.”

“Heute beginnt ein neuer, noch schönerer Lebensabschnitt.”

“Heute ist ein schöner Tag. Ich freue mich, dass ich lebe.“

PS.: Wenn Sie`s machen, habe ich mein heimliches Ziel erreicht . Ich freue mich über mich über viele neue Klicks.


Kategorie: Gesellschaft
Sie können den Kommentaren zu diesem Posting über diesen RSS 2.0-Feed folgen. Sie können einen Kommentar hinterlassen, oder einen Trackback von Ihrer eigenen Seite setzen.

1 Kommentar

24. Januar 2010
Mumintroll

Das erinnert an den alten Indianertrick bei schmerzenden Wunden: Einfach den linken Fuß ins Lagerfeuer halten. Dann merkt der Rest des Körpers, wie gut er es hat!


  • Spam Protection by WP-SpamFree