Montag, Januar 4th, 2010

Babynamen: Leon bleibt uns. Aber was soll Fynn?

Es ist immer wieder eine spannende Frage: Welche Namen werden auf Deutschlands Spielplätzen in zwei, drei oder vier Jahren besonders oft gerufen? Antwort: Die wahrscheinlichsten Suchbotschaften von Eltern werden Mia und Leon gelten. So wurden Neugeborene 2009 am häufigsten benamst.

Wer sich – wie schon im Vorjahr – darüber wundert, warum Söhne wie eine Automarke beziehungsweise wie ein (von der Schreibweise her) kastrierter Löwe genannt werden, mag aber auch beruhigt sein. Zum Sieg in der nationalen Namensstatistik reicht ein Anteil von 1,04 Prozent. Bei Mia, was man mit “Ausruf einer maulfaulen Katze” übersetzen könnte, reichte sogar eine Quote von 0,95 Prozent. Die Gesamtzahl der Geburten lag übrigens bei 123.372.

Die Top-20-Namenslisten bieten Überraschungen. So gibt es eine Verarmung der Sprache, was die Anfangsbuchstaben angeht. Bei Mädchen wie bei Buben werden nur acht Buchstaben des Alphabetes verwendet. Und erstaunlich ist die Überrepräsentanz des Buchstabens “L”. Sieben von 20, also 35 Prozent der beliebtesten Mädchennamen beginnen mit diesem Buchstaben. Leoni, Lena, Lea, Lilli, Lara, Laura und Lina zeigen zudem, dass es deutsche Eltern kurz und schmerzlos mögen. Nur Maximilian (Platz sechs bei den Jungs) zählt zu den gerne gewählten langen Vornamen.

Ziemlich unbegreiflich ist mir der Erfolg des Namens “Fynn” oder “Finn”.  Dieser liegt bei den Buben deutschlandweit auf Platz 8. Aber was wollen uns Eltern damit sagen? Dass sie sich wünschen, ihr Knabe möge beim Pisatest – wg. Finnland – besonders gut abschneiden? Was könnte sonst der Reiz dieses rätselhaften Landes im hohen Norden sein?

Ganz grundsätzlich bedeutet dieser irische Name “blond, weiß, hell”. Sind wir schon wieder so weit? Ist “Fynn/Finn” nur der Testlauf für den wahren Lieblingsnamen von Menschen mit nationaler Gesinnung? Also “Deutsch”? Oder erleben wir, im Gegenteil, ein starkes Signal für Internationalität? Wird es bald “Russ”, “Swasi”  oder “Neusee” über die Spielplätze schallen?

Wir werden sehen. Wobei ich zu meinem eigenen Trost anzumerken kann, dass der blonde, weiße, helle Säugling bei uns in Bayern keine Chance hat. Sein Name ist im Freistaat nicht unter den ersten 20, Säuglinge heißen hier am häufigsten Maximilian und Lena.

Komplett untröstlich bin ich allerdings, was das Schicksal meines schönen Namens “Klaus” angeht. Dieser kommt nicht mal in den deutschen TOP 500 vor? Ist er wirklich so beknackt, dass Eltern ihre Söhne lieber “Ecrin” (Platz 489), “Cassian” (470), “Bo” (385), “Ilias” (297) oder “Korbinian” (234) rufen? Kann doch nicht sein, oder?

Seltsame Zeiten…


Kategorie: Gesellschaft
Sie können den Kommentaren zu diesem Posting über diesen RSS 2.0-Feed folgen. Sie können einen Kommentar hinterlassen, oder einen Trackback von Ihrer eigenen Seite setzen.
  • Spam Protection by WP-SpamFree