Archiv für Januar, 2010

Januar 31st, 2010

Frauen von CSU-Größen: Warum heißen alle Karin?

So isses: Markus Söder lebt und tanzt mit Karin. Foto: Günter Distler

Man hat ja schon oft darüber nachgedacht, wie es dazu kommt, dass der eine in der Poltik berühmt wird, der andere aber nicht. Als aufmerksamer Gast auf dem “Ball der Union” in Nürnberg bekommt man zumindest Klarheit darüber, worauf es bei der CSU ankommt: Wichtige Jobs bekommt, wer mit einer Frau namens Karin verheiratet ist.

Begonnen hat das bei Edmund Stoiber. Seine Karin, von ihm selbst zärtlich “Muschi” genannt, war treue Begleiterin und Antreiberin. Mit ihr an seiner Seite hat er es insofern zu Weltruhm gebracht, indem er in einer freien und geheimen Wahl eine Zwei-Drittel-Mehrheit erreichte. Bis dann eine Dame mit dem Landfriseusen-Vornamen “Gaby” seinem Treiben ein Ende machte.

Es folgte ein, wie wir alle wissen, kurzes Gastspiel mit einer Landesmutter namens Marga. Oder “Marcha”, wie ihr Ehemann Günther Beckstein und alle anderen fränkischen Muttersprachler sagten. Das ging nur ganz kurze Zeit gut.

Aber jetzt ist alles im Lot, die Weichen sind auf Aufschwung zu alter Stärke gestellt. Markus Söder, der Gastgeber des CSU-Balls, tanzte den Eröffnungswalzer mit Gattin Karin. Ministerpräsident Horst Seehofer grüßte per Videobotschaft und hatte keine Zeit zum Parkettgeflüster mit Ehefrau Karin. Dafür war Finanzminister Georg Fahrenschon vor Ort. Und vergnügte sich inniglich mit – richtig – Gattin Karin.

So isses: Finanzminister Georg Fahrenschon lebt und tanzt auch mit Karin. Foto: Günter Distler

Aber warum bloß? Die Erklärung, dass der Vorname Karin ab 1940 und folgende Jahre auf Platz 1 der Liste der beliebtesten Vornamen in Deutschland stand, reicht nicht. Dafür sind Söder und Fahrenschon viel zu jung.

Nein, es liegt wohl an der Bedeutung des aus Schweden stammenden Namens, der eine Kurzform von “Katharina” ist. Er kommt vom griechischen Wort katharos – und das bedeutet „sauber” und/oder “rein“.

So gesehen ist jede Karin eine fleischgewordene weiße Weste. Und was könnten Politiker, die mit der brutalstmöglichen Aufarbeitung der Landesbank-Affäre mehr gebrauchen, als genau dieses?

Januar 28th, 2010

Damit es Kinder gibt: Liebesschwüre im Tretboot

Wenn er jetzt was sagt, wird geheiratet. Der Eiffeltour ist der Heiratsantrags-Ort Nummer eins.Schade, dass sie das Fach gewechselt hat, die Mutter der Nation. Da hat Ursula von der Leyen nicht nur selbst Maßstäbe im Kinderkriegen gesetzt. Dank ihrer neuartigen und anfangs keineswegs konservativen Familienpolitik hat sie die Nation viel stärker für Fortpflanzung begeistert, als NRW-Ministerpräsident Jürgen Rüttgers mit seinem „Kinder statt Inder“-Gebrabbel.

Jetzt wurde Bilanz gezogen: Vor allem in Mecklenburg-Vorpommern ist die Botschaft angekommen. Die Kinderzahl pro Frau stieg 2008 gegenüber dem Vorjahr stieg dort von 1,36 auf 1,41. In Sachsen sogar auf 1,44. Bundesweit steigerte von der Leyens Politik die durchschnittliche Kinderzahl um 0,0 auf 1,38. Bayern lag bei 1,36. Die Schlusslichter bildeten das arme Saarland und das reiche Hamburg.

Gerade Letzteres zeigt deutlich: Geld macht keine Kinder. Kein Geld aber auch nicht. Es ist demnach verkehrt, die Reproduktionsrate ausschließlich über die Finanzen stimulieren zu wollen. Wir brauchen wieder mehr Romantik!

Ist doch auch so. Früher robbte sich der heiratswillige Jüngling mit zitternden Knien und Fleurop-Strauß in der Hand an Schwiegermutter und -vater heran und bat um die Hand der Tochter. Dieser Demutsakt machte auch ihm klar, welch wertvolles Gut da gerade zur Debatte stand.

Und die Orte für Heiratsanträge sind oft auch nicht so toll. Es passiert beim Verfassen der Steuererklärung am Esstisch, als Gedankenblitz im Supermarkt oder in der Werbungs-Pinkelpause der Sportschau.

So nicht: Die Reiseseite lastminute.de in einer Umfrage die schönsten Orten für den Heiratsantrag ermittelt. Deutlich in Führung liegt danach mit 21 Prozent der Nennungen Paris mit dem Eiffelturm als bestem Ort für die Frage aller Fragen. Es folgt knapp dahinter Venedig (18 Prozent), wo man sich die Liebesschwüre auch von einem Gondoliere jodeln lassen kann Auf Platz drei (mit zehn Prozent) landete der Antrag an einem Strand – egal wo. Und dann folgen nah beieinander die Karibik (fünf Prozent) und die Malediven (vier Prozent).

Auf Nürnberg übertragen heißt das also: Platz eins für Kaiserburg oder Businesstower. Dahinter folgen der Tretbootverleih am Dutzendteich, Stadionbad oder Wöhrder Wiese und schließlich die Pegnitzwiesen und der Kanalhafen. Zwei Orte also, die in der Nähe von Wasser liegen und ansonsten ziemlich langweilig sind.

Weitere Ideen sind willkommen…

Januar 25th, 2010

Hey, Mr. Taliban! Guido zahlt für Dich!

Guido Westerwelle hat als FDP-Parteichef und -Wahlkämpfer bereits die eigentlich längst geplatzte Steuer-Seifenblase aufsteigen lassen. Jetzt will der Außenminister in Zusammenarbeit mit seinem famosen Entwicklungshilfeexperten Dirk Niebel etwas ganz Neues probieren: Ein Aussteigerprogramm für Taliban soll her.

Geht sowas? Nach allem, was wir über die Taliban denken, handelt es sich doch um die fanatistischten Fanatiker auf diesem Globus. Abgesehen vielleicht von der nordkoreanischen Führungsclique. Sie sind ja sogar eine asymmetrische Bedrohung. Diese trutzigen Bartträger, die Frauen für Humanvieh und Musik für Teufelszeug halten, sollen also bindende Verträge mit dem deutschen Staat abschließen. Das birgt Probleme.

Wie etwa soll man den Kontrakt formulieren? “Ich, Ali ….., bestätige hiermit, dass ich auf die 72 Jungfrauen verzichte, die im Paradies schon auf mich warten.” So etwa? “Ich versichere, dass ich vor einem Selbstmordattentat den gewährten Betrag mit Zins und Zinseszins zurückzahle.” Oder: “Die nächste Folter durch den örtlichen Warlord werde ich nach Gewährung der Unterstützung klaglos durchstehen.”

Und: Wie ist es mit den Fristen? Wie schnell soll das Aussteigerprogramm in Kraft treten? Schließlich wird für die Zeit, in der diese Geschichte durchs Parlament genudelt wird, die Teilnahme an Umtrieben der Taliban attraktiv. Wer noch nicht dabei ist, kann schließlich nicht aussteigen. Und wer sowieso friedlich ist, kriegt ja erstmal gar nichts.

Ach, Guido! Gibt`s nicht vielleicht eine Idee, die uns auch dann noch Hoffnung macht, wenn wir nachgedacht haben?

Januar 23rd, 2010

Auf zum Glück! Oder: Wie gesunde Gelenke dem Herzkranken helfen

Wer kennt das nicht? Du sitzt an der Bar, siehst beim Blick ins Glas schon wieder den Boden durchschimmern. Deine Laune wird dadurch nicht besser. Aber dann gibst du dir ein Ruck, lächelst süßlich und sagst gaaaanz langsam: „Das Glas ist halbvoll, das Glas ist halbvoll, das Glas ist halbvoll.“

Wer das schafft, ist dem wahren Optimismus nahe. Jener Einstellung, die uns manche Motivationstrainer so verkaufen, als wäre das Nirvana auf Erden möglich. Das hat zwar schon im Kommunismus nicht geklappt, aber andererseits: Entsorgungspark klingt eben besser als Atommülldeponie. Es fühlt sich besser an.

Das sollten wir für uns nutzen, meint zum Beispiel ein gewisser Ottomar Bahrs. Der Mann mit dem optimistischen Vornamen ist „Medizinsoziologe“ in Göttingen. Er erklärt, dass sich Patienten keinwesfalls als krank, sondern als „bedingt gesund“ bezeichnen sollten. Denn: Ein Herzkranker könne sehr gesunde Gelenke haben, ein Rheumatiker ein gesundes Herz und ein herzkranker Rheumatiker ein sehr fittes Gehirn. Niemand sei nur krank, sondern jeder habe stets auch gesunde Anteile. Bahrs glaubt, dass diese Botschaft  Kräfte und Ressourcen freisetzen kann, die bei der Bewältigung einer Krankheit helfen.

Also: Wer sich in den Finger schneidet, freut sich, dass er laufen kann. Wer einen Hörsturz hat, freut sich, dass er fernsehen kann. Wer Kopfweh hat, genießt seinen guten Appetit.

Selbstverständlich gäbe es rein analytisch die Möglichkeit, Bahrs These zu hinterfragen. Etwa dahingehend, wie man sich bei unheilbaren Leiden tröstet. Aber das lassen wir. Werden wir glücklich!!

Holen Sie sich also diesen Text ab sofort 365 Tage lang täglich vor dem Frühstück auf einen Bildschirm Ihrer Wahl. Und lesen Sie laut:

“Ein positiver Tag beginnt.”

“Dieser Tag hält unendlich viele Chancen für mich bereit.”

“Heute beginnt meine erfolgreiche Zukunft.”

“Heute beginnt ein neuer, noch schönerer Lebensabschnitt.”

“Heute ist ein schöner Tag. Ich freue mich, dass ich lebe.“

PS.: Wenn Sie`s machen, habe ich mein heimliches Ziel erreicht . Ich freue mich über mich über viele neue Klicks.

Januar 22nd, 2010

Weil sie immer so superenge Sachen tragen….

Mit den storchenartigen Läufer-Beinen in den hautengen Rennhosen hatte ich es gerade.

Was passieren kann, wenn Sportler(innen) allzusehr auf eine zweite Haut setzen, zeigt der Film.

Entschuldigung.

Mit dem Video gibt es ein kleines Darstellungs-Problem
auf dieser Seite.
Deshalb wurde der folgende Link eingebaut.

Januar 21st, 2010

Die Jogginghose hat ihren Gedenktag verdient

Das Journalistenleben hält grausame Tage bereit. Da gibt es Anlässe, die heftigsten Schreibdrang auslösen. Dann aber  hast du nichts als Stress, puren Termindruck. Und verpasst ihn fast komplett, den heutigen Internationalen Tag der Jogginghose. Ein Ereignis, das bei uns in Nürnberg sogar mit einer eigenen Party gefeiert wurde.

Ich kann auf die Schnelle nicht nachvollziehen, wann genau die Jogginghose heutigen Stils in unser Leben getreten ist. Der erste Joggingclub der Welt wurde jedenfalls 1961 auf Neusseland gegründet. Was wahrscheinlich ein Sammelbecken für solche Leute ar, denen Bungeespringen zu gefährlich ist. 1962 kam die Idee in den USA an. Und weil die Leute dort besonders begeisterungsfähig sind, wurde umgehend eine Welle daraus. Nach einem kurzfristigen Nierdergang – es ist nicht überliefert, dass Janis Joplin, Jimi Hendrix und andere Hippies je gejoggt hätten – kam alles wieder hoch.

Allerdings: Männer und Frauen von Joggerwelt trugen zunächst kurze Hosen. Die Multifunktionalität der Jogginghose wurde nach meiner Erinnerung erst in den 80er Jahren entdeckt. Es geht ja bei der Sporthose generell darum, dass sie ausreichend Bewegungsfreiheit für das Ausüben vieler Leibesübungen bietet. Genauso wird das Schlabberteil geschätzt. Zum Rennen, zum HipHop, aber auch zum Müll runtertragen und zum Flachliegen auf dem Sofa.

In iher ballonseidenen Form wurde sie vor allem nach dem Jahr 1990 berühmt. Speziell für ostdeutsche Urlauber im Ausland war diese Art der Jogginghose ein Erkennungszeichen erster Güte.

Im Nürnberger Café Drehort wurde der Tag der Jogginghose mit einem offiziellen Schönheitswettbewerb gefeiert. Und das finde ich gut, denn als Laufbekleidung kommt sie offenbar wieder aus der Mode.

Und jetzt mal ganz ehrlich: Wer die spindeldürren Marathon-Freaks in ihren strumpfhosenartigen Gebilden sieht, fühlt zwar wieder eine wachsende Hofnung, was die langfristige Erhaltung der Weißstorchpopulation angeht. Aber genau dazu wäre zu sagen: Lasst  es ruhig mal schlabbern, es sieht manchmal richtig gut aus.

Januar 19th, 2010

Steuerbonus für ein Trinkgeld, oder: Wie stolz ist die FDP?

So kann sich die Welt verändern: Waren früher die Hotels ein gerne betretener Ort der unbedingten Fürsorge für den Gast, so geht man heute mit einem unguten Gefühl vor allem in die Tempel der Gastlichkeit. Wurden von dort aus tatsächlich Politiker bestochen, damit sie einer ganzen Branche Geld schenken? Was nun dazu führt, dass es wegen geschrumpfter Mehrwertsteuereinnahmen in unseren Schulen und Kindergärten bald kein Klopapier mehr gibt?  Können all diese netten Menschen, die doch immer nur hilfreich sein wollen, derart hinterlistig sein?

Na ja, wenn wir an die 1,1 Millionen Euro Spenden an unsere Mövenpickpartei, die FDP denken, ist uns angesichts der Etats dieser stolzen Partei sofort bewusst, dass es sich hierbei um Peanuts handelt. Es geht gewissermaßen um ein Trinkgeld. Und das soll bestechlich machen? Nun, das nicht, aber vielleicht ja wohlgesonnen.

Wenn es ums  “Pourboire” (fürs Trinken) geht, wie wir vornehme Menschen das in der Genießersprache Französisch ausdrücken, landen wir zunächst in Nürnberg. Genauer gesagt bei seinem größten Künstler neben Fußball-Weltmeister Max Morlock, Albrecht Dürer. Von ihm ist laut wikipedia.org die erste schriftliche Aufforderung zum Trinkgeld überliefert. Im August 1509 forderte er von dem Frankfurter Handelsherren eine Extra-Gabe für seine Frau und seine Handwerker.

Für den Meister war das Trinkgeld eine schöne Nebensache, nachdem er sich selbst bereits seine Taschen vollgestopft hatte. So, wie es sein soll.

Aber wie ist es heute? Haben wir nicht schon längst ganz andere Verhältnisse? Mit Menschen, die derart mies bezahlt werden, dass sie vom Trinkgeld leben? So wie Friseurinnen, Croupiers, Kinder-Animateure, Taxifahrer oder Mitarbeiter(innen) von Restaurants und Hotels. Manchmal ist doch das Trinkgeld der letzte Rettungsanker vor der allergrößten Not.

Vor wenigen Wochen haben wir erfahren, dass die FDP muss nach einem Urteil des Berliner Verwaltungsgerichts wegen der Möllemann-Spendenaffäre noch knapp 3,5 Millionen Euro Strafe zahlen muss. Und nun grübeln wir mal. Kann sich diese Partei ihren Stolz vielleicht gar nicht mehr leisten?


Januar 19th, 2010

Mein Video:Was denken Promis über Neid?

Für einen modernen Berichterstatter ist es natürlich nicht mehr ausreichend, Notizen in den Block zu kritzeln und das Ganze anschließend in die Tastatur zu hacken. Der Journalismus unserer Zeit bietet neue Herausforderungen. Zum Beispiel Videos:

Also war ich anlässlich der Verleihung des wenigstens bundesweit stark beachteten Karnevalsordens  “Wider die Neidhammel” mit Kamerafrau Kerstin W. aus N. unterwegs. Gelernt habe ich bei dieser Arbeit so viel: Preisträgerin Kriemhild Jahn ist wahrhaft zuckersüß. Zumindest älteren Herren gehen bei ihr zu 99 Prozent die Herzen auf.

Ihr Ehemann Ralph Siegel ist ein ziemlicher Umstandskrämer. Schauspieler Elmar Wepper ist nett und witzig. Wirklich sympathisch. Frank Elstnerdagegen ist ein Vollprofi. Er sagt genau das, wovon er weiß, dass es als Antwort auf eine Frage erwartet wird. Ob er das auch denkt, ist eine andere Frage.

Hier also das Video…

Übrigens: Die,wie ich finde, witzigste Szene kommt ganz am Schluss.

Januar 15th, 2010

Ob Loddar oder Caroline: Auch Promis haben`s schwer

Sorgt Euch nicht, Ihr normalen Menschen: Denen da oben geht`s auch nicht besser. Mit diesem Satz ist das Wesen der Klatschpresse hinreichend beschrieben. Wir lesen Dinge, die uns zufriedener machen, weil wir immer wieder erfahren, dass die Reichen, Schönen und Mächtigen auch nicht immer glücklich sind.

Nehmen wir Lothar Matthäus. Eigentlich hat er doch alles, was ein Mann braucht. Relativ frisches Aussehen für sein Alter, weltweite Bekanntheit, mehrere Kinder von mehreren Frauen und einen sehr starken rechten Fuß. Aber irgendwie halten es die jungen Dinger an seiner Seite nicht aus. Weil er, mit 48, gerne mal einen Job länger als zwölf Monate machen möchte. Und weil es ihn auch irgendwann nervt, in Discos herumzuturnen oder den stundenlangen Telefongesprächen einer 22-Jährigen mit ihrer besten Freundin zuzuhören.

Oder Prinzessin Caroline. In meiner Altersgruppe haben viele, viele spätpubertierende Jungs von der Schönen aus dem Fürstentum geträumt. Und dann? Glücklich scheint sie doch nur noch dann zu sein, wenn sie wieder mal ein Paperazzo-Blatt erfolgreich verklagt hat.

In der unmittelbaren Verwandtschaft hat sie eine missratene Schwester und einen eierköpfigen, bindungsunfähigen Bruder.Und als Ehemann einen tumben deutschen Prinzen, dem die Auswirkungen des jahrhundertelangen Inzests in Adelskreisen überdeutlich anzumerken sind. Dieser betrügt sie mit einer gewissen Miriam I., die trotz dieses Namens angeblich keine Faschingsprinzessin ist. Er tut es öffentlich, vor Millionenpublikum – was für die Betroffene natürlich besonders brutal ist.

Dies alles waren Gedanken aus einer Wartezimmer-Zeitschriften-Stöberei. Wahrscheinlich ist der Lesezirkel ein Tochterunternehmen der kassenärztlichen Vereinigung, welches die Aufgabe hat, die Patienten vor der Begegnung mit dem Doktor jammertechnisch ruhig zu stellen. Denn was sind schon der Schnupfen, das verdrehte Knie oder die Bauchschmerzen gegen diese wahrhaftigen Tragödien?

Ich glaube, beim nächsten Mal gehe ich nach der zweiten Zeitschrift gleich ohne Arztgespräch heim…

Januar 13th, 2010

Schlaft endlich, Ihr wachstumsbesoffenen Giraffen!

Alles schon erlebt: Du sitzt einem begnadeten mittelständischen Wirtschaftslenker gegenüber, der es,  sagen wir, zur Weltmarktführerschaft bei Kuhstall-Fliegenfallen gebracht hat. Er erzählt dir von seinem Leben, plaudert über Umsatz und Neuheiten, ehe es aus ihm herausbricht: „Ha, und was das Schlafen angeht. Ich brauche vier Stunden. Keine Minute mehr! Nur so boomt es richtig!“

Da du dich selbst zur fleißigen Elite dieses Landes zählst, fühlst du dich urplötzlich schlecht. Hast du nicht wieder sechs Stunden gepennt? Am Sonntag sogar acht Stunden plus ungeplantem Nickerchen auf dem Sofa. Na und? Schluss mit dem schlechten Gewissen! Gönnen wir uns den Schlaf, den wir brauchen!

Wir sind doch Menschen. Was uns den Vorteil bringt, dass wir umfallen oder uns hinlegen können, ohne dass wir Mordsprobleme bei

Dieser Mann ist übermüdet. Heidi Klums Ehemann Seal klagt, dass er wegen der Kinder zu wenig Schlaf bekommt.

Dieser Mann ist übermüdet. Heidi Klums Ehemann Seal bekommt wegen der Kinder zu wenig Schlaf.

m Aufstehen bekommen. Das erlaubt uns einen achtstündigen Schlaf, wie es auch bei den uns charakterlich manchmal nahe stehenden Spezies Hase und Schwein der Fall ist. Wenig Schlaf haben Tiere, denen das Stehen generell besser bekommt. Also Kuh, Ziege, Esel und Schaf (je drei Stunden), Pferd und Elefant (je zwei Stunden) sowie die Schutzheilige der chronisch Übermüdeten, die Giraffe. Sie schläft nur 20 Minuten am Tag. Immer so lange, dass sie nicht umfällt und zum wehrlosen Opfer blutrünstiger Raubtiere wird.

Wir Menschen sind also von der Natur in Sachen Schlaf gesegnet. Aber was machen wir damit? Wir verachten diese Tätigkeit. Bei einer Umfrage des Allensbach-Institutes (bei der Mehrfachnennungen möglich waren) brachten immerhin 89 Prozent der Befragten Schlaf mit Erholung in Verbindung, 62 Prozent empfanden ein Abschalten vom Stress.

Aber hintenraus, bei den seltener gegebenen Antworten, wird das ganze Ausmaß der Bettendepression des modernen Menschen deutlich. Für 15 Prozent ist Schlaf gleichbedeutend mit Schlafstörungen. Zwölf Prozent halten ihn für Luxus, elf Prozent für eine Form von Faulheit, zehn Prozent für verlorene Zeit. Und vier Prozent gaben an, im Schlaf Langeweile zu empfinden. Wer in dieser Gesellschaft vorwärts marschiert und das Wachstum beschleunigt verzichtet also auf Schlaf.

Andererseits: Wissenschaftler haben auch ermittelt, dass 24 Stunden ohne Schlaf die gleiche Wirkung wie ein Promille Alkohol im Blut haben. Und schon ist uns die wahre Ursache der Bankenkrise klar. Wer ständig derart besoffen Geschäfte macht, muss irgendwann alles gegen die Wand fahren.

Wir brauchen dringend ein Gesetz: Es geht nicht darum, ob Menschen dösen dürfen. Notwendig ist eine allgemeine Schlafpflicht, und zwar bald. Nur so werden manche Leute wieder normal.

Januar 11th, 2010

Psst, nicht wecken: Die Kanzlerin träumt von der SPD

Wahrscheinlich fragt sich längst die halbe Welt, was da eigentlich in und um Angela Merkel vorgeht. Die CDU/CSU/FDP-Männer veranstalten ein Sommertheater mitten im schneereichen Winter. Und die Kanzlerin sagt nichts. Vielleicht, weil sie einem alten deutschen Sprichwort folgt: “Damit die Ehe kann bestah´n, braucht´s stumme Frau und blinden Mann.”

Aber darf man Politiker blind nennen? Wenn man die Ankündigung von Steuersenkungen dem Zustand der Staatsfinanzen gegenüberstellt, liegt das jedenfalls nahe. Allerdings handelt es sich nicht um ein körperliches Leiden. Erklärungen für diese Politik lassen sich eher in Psychologie-Lehrbüchern finden.

Auf  Guido Westerwelle trifft das Stichwort “blindwütig” zu. Wer, wie der FDP-Chef in seiner Dreikönigs-Rede, sinngemäß erklärt, dass es sich bei Steuern um Geschenke der Bürger an den Staat handle, die dieser jetzt eben mal zum Teil zurückbekämen, ist entweder ein Fanatiker, steht unter Drogen oder ist ein Gefangener seiner allzu flotten Sprüche aus der Vergangenheit.

Oder es ist tatsächlich so? Konservative und Liberale unterscheiden sich von Sozialdemokraten und Linken dadurch, dass sie Eigennutz im Zweifel höher als das Gemeinwohl gewichten. Die SPD hat den Beweis für diese These eindrucksvoll angetreten. Sie hat Politik gemacht, von der sie wusste, dass sie Wählerstimmen kosten wird. Weil man glaubte, dass es dem Staat nützt.

Einem Guido Westerwelle käme sowas nicht in den Sinn. Und so ist das Schweigen der Kanzlerin vermutlich damit zu erklären, dass sie angesichts der immer gleichen Sprüche aus ihrer neuen Männerriege erschöpft weggenickt ist. Sie träumt von Partnern, auf die sie sich verlassen kann, also zum Beispiel von den Herren Steinmeier, Steinbrück und Müntefering.

Angela Merkels Problem: Irgendwann muss sie aufwachen. Und null und nichts wird besser sein als vor dem kleinen Winterschlaf.

Januar 8th, 2010

Wachstumsbeschleunigungsgesetz: Doof bleibt doof

Was meine literarische Energie angeht, bin ich heute Abend etwas reduziert. Eine gute Gelegenheit, um eine Altlast zu beseitigen. Die Auflösung meiner Umfrage  in Sachen  Unwort des Jahres

steht noch aus.And the Winner is: “Wachstumsbeschleunigungsgesetz”.

So wahnsinnig klar war die Sache nicht. 34 Prozent der Teilnehmer(innen) wählten diese Antwortmöglichkeit. 28 Prozent fanden “Betriebsratsverseuchte Mitarbeiter” extrem bescheuert, 25 Prozent stimmten für “Erweiterter Suizid”. Flüchtlingsbekämfung” bekam neun Prozent, “Freistellung” scheiterte klar an der Fünf-Prozent-Hürde.

Auch ein aktueller Gesprächspartner hat über die gesetzliche Wachstumsbeschleunigung gelästert. Bernd Händel, Sitzungspräsident beim legendären Veitshöchheimer Fernsehfasching, meinte im Interview mit mir mit Blick auf die Reimtauglichkeit dieser Wortschöpfung: ” Das passt nicht, damit kann man nichts anfangen. Das will auch keiner hören.” Kluger Mann.

Januar 7th, 2010

Dubai baut nach oben, die CSU macht Löcher

Erstaunlich.Gewisse Meinungen über Edmund Stoiber gibt es schon länger. Dieses Bild wurde von Mark Johnston im März 2006 gemacht.

Erstaunlich.Gewisse Meinungen über Edmund Stoiber gibt es schon länger. Dieses Bild wurde von Mark Johnston im März 2006 gemacht.

Es ist schon hart: Da haben sie also in Dubai das mit 828 Metern höchste Gebäude aller Zeiten hingestellt. Den Burj Chalifa. Dann aber siehst du den Horst Seehofer, wie er vor der Tagungsscheune in Wildbad Kreuth den Medien die Funktionsweise der großen Politik erklärt. Und dir ist wieder mal klar: Die CSU war mal groß, sie ist es nicht mehr.

Denn hätten sie doch den Edmund Stoiber ein bisschen machen lassen, die Wähler. Hätten sie ihm, in seine durchgeknallte Phase hinein, eine zweite Zwei-Drittel-Mehrheit gegeben – er hätte garantiert Türme bauen lassen. Schließlich regierte er den besten, fortschrittlichsten, schuldenfreiesten, laptoppigsten und lederhosigsten Freistaat der Welt. BMW-Turm in München, 452 Meter. Uli-Hoeneß-Tower, 511 Meter, Allianz-Wolkenkratzer, 677 Meter, Ewigkeits-Maibaum der CSU-Zentrale, 923 Meter. Selbstverständlich alles ausgestattet mit Transrapid-Lift.

Wie wir wissen kam es anders. Inzwischen sogar ganz anders: Im früher CSU-eigenen Land wird nach unten gebaut. Das “Tiefste Loch der Welt”, die Kontinentale Tiefbohrung in Windischeschenbach existiert bereits. Es hat aber massive Konkurrenz bekommen. Von der in München ansässigen Hypo Real Estate. Und natürlich von der Bayerischen Landesbank.

Nun ist es einfach, die Bankmanager an den Pranger zu stellen. Aber sie waren – übrigens nicht nur in Bayern – getrieben von den Politikern. Diese meinen ja ohnehin, alles zu können. Sie entlassen Chefredakteure genauso wie Fußballtrainer. Und mit den Großeinkäufen einer Landesbank durften sich Provinzregenten einmal so richtig wichtig fühlen. Sie durften am großen Rad drehen, ganz wie die Supermanager durch die Weltgeschichte jetten.

Kurzum, sie hatten das Zwei-Drittel-Mehrheits-Stoiber-Gefühl. Es ist so. Edi ist Abu al Hofrad, auf arabisch der Vater aller Löcher. Das darf nicht vergessen werden. Aber ob das ein Horst Seehofer jemals sagen wird?

Januar 4th, 2010

Babynamen: Leon bleibt uns. Aber was soll Fynn?

Es ist immer wieder eine spannende Frage: Welche Namen werden auf Deutschlands Spielplätzen in zwei, drei oder vier Jahren besonders oft gerufen? Antwort: Die wahrscheinlichsten Suchbotschaften von Eltern werden Mia und Leon gelten. So wurden Neugeborene 2009 am häufigsten benamst.

Wer sich – wie schon im Vorjahr – darüber wundert, warum Söhne wie eine Automarke beziehungsweise wie ein (von der Schreibweise her) kastrierter Löwe genannt werden, mag aber auch beruhigt sein. Zum Sieg in der nationalen Namensstatistik reicht ein Anteil von 1,04 Prozent. Bei Mia, was man mit “Ausruf einer maulfaulen Katze” übersetzen könnte, reichte sogar eine Quote von 0,95 Prozent. Die Gesamtzahl der Geburten lag übrigens bei 123.372.

Die Top-20-Namenslisten bieten Überraschungen. So gibt es eine Verarmung der Sprache, was die Anfangsbuchstaben angeht. Bei Mädchen wie bei Buben werden nur acht Buchstaben des Alphabetes verwendet. Und erstaunlich ist die Überrepräsentanz des Buchstabens “L”. Sieben von 20, also 35 Prozent der beliebtesten Mädchennamen beginnen mit diesem Buchstaben. Leoni, Lena, Lea, Lilli, Lara, Laura und Lina zeigen zudem, dass es deutsche Eltern kurz und schmerzlos mögen. Nur Maximilian (Platz sechs bei den Jungs) zählt zu den gerne gewählten langen Vornamen.

Ziemlich unbegreiflich ist mir der Erfolg des Namens “Fynn” oder “Finn”.  Dieser liegt bei den Buben deutschlandweit auf Platz 8. Aber was wollen uns Eltern damit sagen? Dass sie sich wünschen, ihr Knabe möge beim Pisatest – wg. Finnland – besonders gut abschneiden? Was könnte sonst der Reiz dieses rätselhaften Landes im hohen Norden sein?

Ganz grundsätzlich bedeutet dieser irische Name “blond, weiß, hell”. Sind wir schon wieder so weit? Ist “Fynn/Finn” nur der Testlauf für den wahren Lieblingsnamen von Menschen mit nationaler Gesinnung? Also “Deutsch”? Oder erleben wir, im Gegenteil, ein starkes Signal für Internationalität? Wird es bald “Russ”, “Swasi”  oder “Neusee” über die Spielplätze schallen?

Wir werden sehen. Wobei ich zu meinem eigenen Trost anzumerken kann, dass der blonde, weiße, helle Säugling bei uns in Bayern keine Chance hat. Sein Name ist im Freistaat nicht unter den ersten 20, Säuglinge heißen hier am häufigsten Maximilian und Lena.

Komplett untröstlich bin ich allerdings, was das Schicksal meines schönen Namens “Klaus” angeht. Dieser kommt nicht mal in den deutschen TOP 500 vor? Ist er wirklich so beknackt, dass Eltern ihre Söhne lieber “Ecrin” (Platz 489), “Cassian” (470), “Bo” (385), “Ilias” (297) oder “Korbinian” (234) rufen? Kann doch nicht sein, oder?

Seltsame Zeiten…

Januar 2nd, 2010

“Hast Du den Schlüssel zum Himmel?” Eine tolle Predigt

Aus gegebenem Anlass – Jahresbeginn, Nach-Weihnachts-Waren-Umtausch-Stress-Beendigung, Papst-Predigten – möchte ich meinen Lesern eine nachhaltige Chance auf die Besinnung aufs Wesentliche geben. Hierfür bietet sich vor allem der religiöse Vortrag eines nicht näher bekannten Nürnberger Laienpredigers an.

Er fragt: “Hast du den Schlüssel zum Himmel?” Und es ist garantiert keine Satire!

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Unser fränkischerHilfsprophet ist übrigens relativ sympathisch. Wer`s nicht glaubt, sollte auch die folgende Ansprache anhören. Ich sage: Wenn es solche Leute gibt, bin ich froh, nicht Gott zu sein.

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