Frauen von CSU-Größen: Warum heißen alle Karin?

So isses: Markus Söder lebt und tanzt mit Karin. Foto: Günter Distler

Man hat ja schon oft darüber nachgedacht, wie es dazu kommt, dass der eine in der Poltik berühmt wird, der andere aber nicht. Als aufmerksamer Gast auf dem “Ball der Union” in Nürnberg bekommt man zumindest Klarheit darüber, worauf es bei der CSU ankommt: Wichtige Jobs bekommt, wer mit einer Frau namens Karin verheiratet ist.

Begonnen hat das bei Edmund Stoiber. Seine Karin, von ihm selbst zärtlich “Muschi” genannt, war treue Begleiterin und Antreiberin. Mit ihr an seiner Seite hat er es insofern zu Weltruhm gebracht, indem er in einer freien und geheimen Wahl eine Zwei-Drittel-Mehrheit erreichte. Bis dann eine Dame mit dem Landfriseusen-Vornamen “Gaby” seinem Treiben ein Ende machte.

Es folgte ein, wie wir alle wissen, kurzes Gastspiel mit einer Landesmutter namens Marga. Oder “Marcha”, wie ihr Ehemann Günther Beckstein und alle anderen fränkischen Muttersprachler sagten. Das ging nur ganz kurze Zeit gut.

Aber jetzt ist alles im Lot, die Weichen sind auf Aufschwung zu alter Stärke gestellt. Markus Söder, der Gastgeber des CSU-Balls, tanzte den Eröffnungswalzer mit Gattin Karin. Ministerpräsident Horst Seehofer grüßte per Videobotschaft und hatte keine Zeit zum Parkettgeflüster mit Ehefrau Karin. Dafür war Finanzminister Georg Fahrenschon vor Ort. Und vergnügte sich inniglich mit – richtig – Gattin Karin.

So isses: Finanzminister Georg Fahrenschon lebt und tanzt auch mit Karin. Foto: Günter Distler

Aber warum bloß? Die Erklärung, dass der Vorname Karin ab 1940 und folgende Jahre auf Platz 1 der Liste der beliebtesten Vornamen in Deutschland stand, reicht nicht. Dafür sind Söder und Fahrenschon viel zu jung.

Nein, es liegt wohl an der Bedeutung des aus Schweden stammenden Namens, der eine Kurzform von “Katharina” ist. Er kommt vom griechischen Wort katharos – und das bedeutet „sauber” und/oder “rein“.

So gesehen ist jede Karin eine fleischgewordene weiße Weste. Und was könnten Politiker, die mit der brutalstmöglichen Aufarbeitung der Landesbank-Affäre mehr gebrauchen, als genau dieses?

Damit es Kinder gibt: Liebesschwüre im Tretboot

Wenn er jetzt was sagt, wird geheiratet. Der Eiffeltour ist der Heiratsantrags-Ort Nummer eins.Schade, dass sie das Fach gewechselt hat, die Mutter der Nation. Da hat Ursula von der Leyen nicht nur selbst Maßstäbe im Kinderkriegen gesetzt. Dank ihrer neuartigen und anfangs keineswegs konservativen Familienpolitik hat sie die Nation viel stärker für Fortpflanzung begeistert, als NRW-Ministerpräsident Jürgen Rüttgers mit seinem „Kinder statt Inder“-Gebrabbel.

Jetzt wurde Bilanz gezogen: Vor allem in Mecklenburg-Vorpommern ist die Botschaft angekommen. Die Kinderzahl pro Frau stieg 2008 gegenüber dem Vorjahr stieg dort von 1,36 auf 1,41. In Sachsen sogar auf 1,44. Bundesweit steigerte von der Leyens Politik die durchschnittliche Kinderzahl um 0,0 auf 1,38. Bayern lag bei 1,36. Die Schlusslichter bildeten das arme Saarland und das reiche Hamburg.

Gerade Letzteres zeigt deutlich: Geld macht keine Kinder. Kein Geld aber auch nicht. Es ist demnach verkehrt, die Reproduktionsrate ausschließlich über die Finanzen stimulieren zu wollen. Wir brauchen wieder mehr Romantik!

Ist doch auch so. Früher robbte sich der heiratswillige Jüngling mit zitternden Knien und Fleurop-Strauß in der Hand an Schwiegermutter und -vater heran und bat um die Hand der Tochter. Dieser Demutsakt machte auch ihm klar, welch wertvolles Gut da gerade zur Debatte stand.

Und die Orte für Heiratsanträge sind oft auch nicht so toll. Es passiert beim Verfassen der Steuererklärung am Esstisch, als Gedankenblitz im Supermarkt oder in der Werbungs-Pinkelpause der Sportschau.

So nicht: Die Reiseseite lastminute.de in einer Umfrage die schönsten Orten für den Heiratsantrag ermittelt. Deutlich in Führung liegt danach mit 21 Prozent der Nennungen Paris mit dem Eiffelturm als bestem Ort für die Frage aller Fragen. Es folgt knapp dahinter Venedig (18 Prozent), wo man sich die Liebesschwüre auch von einem Gondoliere jodeln lassen kann Auf Platz drei (mit zehn Prozent) landete der Antrag an einem Strand – egal wo. Und dann folgen nah beieinander die Karibik (fünf Prozent) und die Malediven (vier Prozent).

Auf Nürnberg übertragen heißt das also: Platz eins für Kaiserburg oder Businesstower. Dahinter folgen der Tretbootverleih am Dutzendteich, Stadionbad oder Wöhrder Wiese und schließlich die Pegnitzwiesen und der Kanalhafen. Zwei Orte also, die in der Nähe von Wasser liegen und ansonsten ziemlich langweilig sind.

Weitere Ideen sind willkommen…

Hey, Mr. Taliban! Guido zahlt für Dich!

Guido Westerwelle hat als FDP-Parteichef und -Wahlkämpfer bereits die eigentlich längst geplatzte Steuer-Seifenblase aufsteigen lassen. Jetzt will der Außenminister in Zusammenarbeit mit seinem famosen Entwicklungshilfeexperten Dirk Niebel etwas ganz Neues probieren: Ein Aussteigerprogramm für Taliban soll her.

Geht sowas? Nach allem, was wir über die Taliban denken, handelt es sich doch um die fanatistischten Fanatiker auf diesem Globus. Abgesehen vielleicht von der nordkoreanischen Führungsclique. Sie sind ja sogar eine asymmetrische Bedrohung. Diese trutzigen Bartträger, die Frauen für Humanvieh und Musik für Teufelszeug halten, sollen also bindende Verträge mit dem deutschen Staat abschließen. Das birgt Probleme.

Wie etwa soll man den Kontrakt formulieren? “Ich, Ali ….., bestätige hiermit, dass ich auf die 72 Jungfrauen verzichte, die im Paradies schon auf mich warten.” So etwa? “Ich versichere, dass ich vor einem Selbstmordattentat den gewährten Betrag mit Zins und Zinseszins zurückzahle.” Oder: “Die nächste Folter durch den örtlichen Warlord werde ich nach Gewährung der Unterstützung klaglos durchstehen.”

Und: Wie ist es mit den Fristen? Wie schnell soll das Aussteigerprogramm in Kraft treten? Schließlich wird für die Zeit, in der diese Geschichte durchs Parlament genudelt wird, die Teilnahme an Umtrieben der Taliban attraktiv. Wer noch nicht dabei ist, kann schließlich nicht aussteigen. Und wer sowieso friedlich ist, kriegt ja erstmal gar nichts.

Ach, Guido! Gibt`s nicht vielleicht eine Idee, die uns auch dann noch Hoffnung macht, wenn wir nachgedacht haben?

Auf zum Glück! Oder: Wie gesunde Gelenke dem Herzkranken helfen

Wer kennt das nicht? Du sitzt an der Bar, siehst beim Blick ins Glas schon wieder den Boden durchschimmern. Deine Laune wird dadurch nicht besser. Aber dann gibst du dir ein Ruck, lächelst süßlich und sagst gaaaanz langsam: „Das Glas ist halbvoll, das Glas ist halbvoll, das Glas ist halbvoll.“

Wer das schafft, ist dem wahren Optimismus nahe. Jener Einstellung, die uns manche Motivationstrainer so verkaufen, als wäre das Nirvana auf Erden möglich. Das hat zwar schon im Kommunismus nicht geklappt, aber andererseits: Entsorgungspark klingt eben besser als Atommülldeponie. Es fühlt sich besser an.

Das sollten wir für uns nutzen, meint zum Beispiel ein gewisser Ottomar Bahrs. Der Mann mit dem optimistischen Vornamen ist „Medizinsoziologe“ in Göttingen. Er erklärt, dass sich Patienten keinwesfalls als krank, sondern als „bedingt gesund“ bezeichnen sollten. Denn: Ein Herzkranker könne sehr gesunde Gelenke haben, ein Rheumatiker ein gesundes Herz und ein herzkranker Rheumatiker ein sehr fittes Gehirn. Niemand sei nur krank, sondern jeder habe stets auch gesunde Anteile. Bahrs glaubt, dass diese Botschaft  Kräfte und Ressourcen freisetzen kann, die bei der Bewältigung einer Krankheit helfen.

Also: Wer sich in den Finger schneidet, freut sich, dass er laufen kann. Wer einen Hörsturz hat, freut sich, dass er fernsehen kann. Wer Kopfweh hat, genießt seinen guten Appetit.

Selbstverständlich gäbe es rein analytisch die Möglichkeit, Bahrs These zu hinterfragen. Etwa dahingehend, wie man sich bei unheilbaren Leiden tröstet. Aber das lassen wir. Werden wir glücklich!!

Holen Sie sich also diesen Text ab sofort 365 Tage lang täglich vor dem Frühstück auf einen Bildschirm Ihrer Wahl. Und lesen Sie laut:

“Ein positiver Tag beginnt.”

“Dieser Tag hält unendlich viele Chancen für mich bereit.”

“Heute beginnt meine erfolgreiche Zukunft.”

“Heute beginnt ein neuer, noch schönerer Lebensabschnitt.”

“Heute ist ein schöner Tag. Ich freue mich, dass ich lebe.“

PS.: Wenn Sie`s machen, habe ich mein heimliches Ziel erreicht . Ich freue mich über mich über viele neue Klicks.

Die Jogginghose hat ihren Gedenktag verdient

Das Journalistenleben hält grausame Tage bereit. Da gibt es Anlässe, die heftigsten Schreibdrang auslösen. Dann aber  hast du nichts als Stress, puren Termindruck. Und verpasst ihn fast komplett, den heutigen Internationalen Tag der Jogginghose. Ein Ereignis, das bei uns in Nürnberg sogar mit einer eigenen Party gefeiert wurde.

Ich kann auf die Schnelle nicht nachvollziehen, wann genau die Jogginghose heutigen Stils in unser Leben getreten ist. Der erste Joggingclub der Welt wurde jedenfalls 1961 auf Neusseland gegründet. Was wahrscheinlich ein Sammelbecken für solche Leute ar, denen Bungeespringen zu gefährlich ist. 1962 kam die Idee in den USA an. Und weil die Leute dort besonders begeisterungsfähig sind, wurde umgehend eine Welle daraus. Nach einem kurzfristigen Nierdergang – es ist nicht überliefert, dass Janis Joplin, Jimi Hendrix und andere Hippies je gejoggt hätten – kam alles wieder hoch.

Allerdings: Männer und Frauen von Joggerwelt trugen zunächst kurze Hosen. Die Multifunktionalität der Jogginghose wurde nach meiner Erinnerung erst in den 80er Jahren entdeckt. Es geht ja bei der Sporthose generell darum, dass sie ausreichend Bewegungsfreiheit für das Ausüben vieler Leibesübungen bietet. Genauso wird das Schlabberteil geschätzt. Zum Rennen, zum HipHop, aber auch zum Müll runtertragen und zum Flachliegen auf dem Sofa.

In iher ballonseidenen Form wurde sie vor allem nach dem Jahr 1990 berühmt. Speziell für ostdeutsche Urlauber im Ausland war diese Art der Jogginghose ein Erkennungszeichen erster Güte.

Im Nürnberger Café Drehort wurde der Tag der Jogginghose mit einem offiziellen Schönheitswettbewerb gefeiert. Und das finde ich gut, denn als Laufbekleidung kommt sie offenbar wieder aus der Mode.

Und jetzt mal ganz ehrlich: Wer die spindeldürren Marathon-Freaks in ihren strumpfhosenartigen Gebilden sieht, fühlt zwar wieder eine wachsende Hofnung, was die langfristige Erhaltung der Weißstorchpopulation angeht. Aber genau dazu wäre zu sagen: Lasst  es ruhig mal schlabbern, es sieht manchmal richtig gut aus.

Steuerbonus für ein Trinkgeld, oder: Wie stolz ist die FDP?

So kann sich die Welt verändern: Waren früher die Hotels ein gerne betretener Ort der unbedingten Fürsorge für den Gast, so geht man heute mit einem unguten Gefühl vor allem in die Tempel der Gastlichkeit. Wurden von dort aus tatsächlich Politiker bestochen, damit sie einer ganzen Branche Geld schenken? Was nun dazu führt, dass es wegen geschrumpfter Mehrwertsteuereinnahmen in unseren Schulen und Kindergärten bald kein Klopapier mehr gibt?  Können all diese netten Menschen, die doch immer nur hilfreich sein wollen, derart hinterlistig sein?

Na ja, wenn wir an die 1,1 Millionen Euro Spenden an unsere Mövenpickpartei, die FDP denken, ist uns angesichts der Etats dieser stolzen Partei sofort bewusst, dass es sich hierbei um Peanuts handelt. Es geht gewissermaßen um ein Trinkgeld. Und das soll bestechlich machen? Nun, das nicht, aber vielleicht ja wohlgesonnen.

Wenn es ums  “Pourboire” (fürs Trinken) geht, wie wir vornehme Menschen das in der Genießersprache Französisch ausdrücken, landen wir zunächst in Nürnberg. Genauer gesagt bei seinem größten Künstler neben Fußball-Weltmeister Max Morlock, Albrecht Dürer. Von ihm ist laut wikipedia.org die erste schriftliche Aufforderung zum Trinkgeld überliefert. Im August 1509 forderte er von dem Frankfurter Handelsherren eine Extra-Gabe für seine Frau und seine Handwerker.

Für den Meister war das Trinkgeld eine schöne Nebensache, nachdem er sich selbst bereits seine Taschen vollgestopft hatte. So, wie es sein soll.

Aber wie ist es heute? Haben wir nicht schon längst ganz andere Verhältnisse? Mit Menschen, die derart mies bezahlt werden, dass sie vom Trinkgeld leben? So wie Friseurinnen, Croupiers, Kinder-Animateure, Taxifahrer oder Mitarbeiter(innen) von Restaurants und Hotels. Manchmal ist doch das Trinkgeld der letzte Rettungsanker vor der allergrößten Not.

Vor wenigen Wochen haben wir erfahren, dass die FDP muss nach einem Urteil des Berliner Verwaltungsgerichts wegen der Möllemann-Spendenaffäre noch knapp 3,5 Millionen Euro Strafe zahlen muss. Und nun grübeln wir mal. Kann sich diese Partei ihren Stolz vielleicht gar nicht mehr leisten?


Mein Video:Was denken Promis über Neid?

Für einen modernen Berichterstatter ist es natürlich nicht mehr ausreichend, Notizen in den Block zu kritzeln und das Ganze anschließend in die Tastatur zu hacken. Der Journalismus unserer Zeit bietet neue Herausforderungen. Zum Beispiel Videos:

Also war ich anlässlich der Verleihung des wenigstens bundesweit stark beachteten Karnevalsordens  “Wider die Neidhammel” mit Kamerafrau Kerstin W. aus N. unterwegs. Gelernt habe ich bei dieser Arbeit so viel: Preisträgerin Kriemhild Jahn ist wahrhaft zuckersüß. Zumindest älteren Herren gehen bei ihr zu 99 Prozent die Herzen auf.

Ihr Ehemann Ralph Siegel ist ein ziemlicher Umstandskrämer. Schauspieler Elmar Wepper ist nett und witzig. Wirklich sympathisch. Frank Elstnerdagegen ist ein Vollprofi. Er sagt genau das, wovon er weiß, dass es als Antwort auf eine Frage erwartet wird. Ob er das auch denkt, ist eine andere Frage.

Hier also das Video…

Übrigens: Die,wie ich finde, witzigste Szene kommt ganz am Schluss.

Ob Loddar oder Caroline: Auch Promis haben`s schwer

Sorgt Euch nicht, Ihr normalen Menschen: Denen da oben geht`s auch nicht besser. Mit diesem Satz ist das Wesen der Klatschpresse hinreichend beschrieben. Wir lesen Dinge, die uns zufriedener machen, weil wir immer wieder erfahren, dass die Reichen, Schönen und Mächtigen auch nicht immer glücklich sind.

Nehmen wir Lothar Matthäus. Eigentlich hat er doch alles, was ein Mann braucht. Relativ frisches Aussehen für sein Alter, weltweite Bekanntheit, mehrere Kinder von mehreren Frauen und einen sehr starken rechten Fuß. Aber irgendwie halten es die jungen Dinger an seiner Seite nicht aus. Weil er, mit 48, gerne mal einen Job länger als zwölf Monate machen möchte. Und weil es ihn auch irgendwann nervt, in Discos herumzuturnen oder den stundenlangen Telefongesprächen einer 22-Jährigen mit ihrer besten Freundin zuzuhören.

Oder Prinzessin Caroline. In meiner Altersgruppe haben viele, viele spätpubertierende Jungs von der Schönen aus dem Fürstentum geträumt. Und dann? Glücklich scheint sie doch nur noch dann zu sein, wenn sie wieder mal ein Paperazzo-Blatt erfolgreich verklagt hat.

In der unmittelbaren Verwandtschaft hat sie eine missratene Schwester und einen eierköpfigen, bindungsunfähigen Bruder.Und als Ehemann einen tumben deutschen Prinzen, dem die Auswirkungen des jahrhundertelangen Inzests in Adelskreisen überdeutlich anzumerken sind. Dieser betrügt sie mit einer gewissen Miriam I., die trotz dieses Namens angeblich keine Faschingsprinzessin ist. Er tut es öffentlich, vor Millionenpublikum – was für die Betroffene natürlich besonders brutal ist.

Dies alles waren Gedanken aus einer Wartezimmer-Zeitschriften-Stöberei. Wahrscheinlich ist der Lesezirkel ein Tochterunternehmen der kassenärztlichen Vereinigung, welches die Aufgabe hat, die Patienten vor der Begegnung mit dem Doktor jammertechnisch ruhig zu stellen. Denn was sind schon der Schnupfen, das verdrehte Knie oder die Bauchschmerzen gegen diese wahrhaftigen Tragödien?

Ich glaube, beim nächsten Mal gehe ich nach der zweiten Zeitschrift gleich ohne Arztgespräch heim…

Schlaft endlich, Ihr wachstumsbesoffenen Giraffen!

Alles schon erlebt: Du sitzt einem begnadeten mittelständischen Wirtschaftslenker gegenüber, der es,  sagen wir, zur Weltmarktführerschaft bei Kuhstall-Fliegenfallen gebracht hat. Er erzählt dir von seinem Leben, plaudert über Umsatz und Neuheiten, ehe es aus ihm herausbricht: „Ha, und was das Schlafen angeht. Ich brauche vier Stunden. Keine Minute mehr! Nur so boomt es richtig!“

Da du dich selbst zur fleißigen Elite dieses Landes zählst, fühlst du dich urplötzlich schlecht. Hast du nicht wieder sechs Stunden gepennt? Am Sonntag sogar acht Stunden plus ungeplantem Nickerchen auf dem Sofa. Na und? Schluss mit dem schlechten Gewissen! Gönnen wir uns den Schlaf, den wir brauchen!

Wir sind doch Menschen. Was uns den Vorteil bringt, dass wir umfallen oder uns hinlegen können, ohne dass wir Mordsprobleme bei

Dieser Mann ist übermüdet. Heidi Klums Ehemann Seal klagt, dass er wegen der Kinder zu wenig Schlaf bekommt.

Dieser Mann ist übermüdet. Heidi Klums Ehemann Seal bekommt wegen der Kinder zu wenig Schlaf.

m Aufstehen bekommen. Das erlaubt uns einen achtstündigen Schlaf, wie es auch bei den uns charakterlich manchmal nahe stehenden Spezies Hase und Schwein der Fall ist. Wenig Schlaf haben Tiere, denen das Stehen generell besser bekommt. Also Kuh, Ziege, Esel und Schaf (je drei Stunden), Pferd und Elefant (je zwei Stunden) sowie die Schutzheilige der chronisch Übermüdeten, die Giraffe. Sie schläft nur 20 Minuten am Tag. Immer so lange, dass sie nicht umfällt und zum wehrlosen Opfer blutrünstiger Raubtiere wird.

Wir Menschen sind also von der Natur in Sachen Schlaf gesegnet. Aber was machen wir damit? Wir verachten diese Tätigkeit. Bei einer Umfrage des Allensbach-Institutes (bei der Mehrfachnennungen möglich waren) brachten immerhin 89 Prozent der Befragten Schlaf mit Erholung in Verbindung, 62 Prozent empfanden ein Abschalten vom Stress.

Aber hintenraus, bei den seltener gegebenen Antworten, wird das ganze Ausmaß der Bettendepression des modernen Menschen deutlich. Für 15 Prozent ist Schlaf gleichbedeutend mit Schlafstörungen. Zwölf Prozent halten ihn für Luxus, elf Prozent für eine Form von Faulheit, zehn Prozent für verlorene Zeit. Und vier Prozent gaben an, im Schlaf Langeweile zu empfinden. Wer in dieser Gesellschaft vorwärts marschiert und das Wachstum beschleunigt verzichtet also auf Schlaf.

Andererseits: Wissenschaftler haben auch ermittelt, dass 24 Stunden ohne Schlaf die gleiche Wirkung wie ein Promille Alkohol im Blut haben. Und schon ist uns die wahre Ursache der Bankenkrise klar. Wer ständig derart besoffen Geschäfte macht, muss irgendwann alles gegen die Wand fahren.

Wir brauchen dringend ein Gesetz: Es geht nicht darum, ob Menschen dösen dürfen. Notwendig ist eine allgemeine Schlafpflicht, und zwar bald. Nur so werden manche Leute wieder normal.