Wir sind Popstars, dank Vanessa! Und alle werden verarscht.
Jawohl, wir Mittelfranken sind Popstars! Das wussten wir insgeheim sowieso. Aber jetzt ist Vanessa Meisinger (17) in den Pop-Himmel aufgestiegen. Gemeinsam mit einem gewissen Leo hat sie Casting-Show “Popstars” gewonnen. Neben Waltraud und Mariechen beglücken wir die restliche Nation jetzt auch mit Some &Any.
Zunächst stellt sich die Frage: War das gut so?
Oben der finale Auftritt des Duos als Video – bitte das Urteil selbst bilden. Ich finde den Gesang ein bisschen angestrengt.
Jedenfalls wird unsere Vanessa ab sofort für einige Monate durch die Hitparaden gejagt. Wenn es gut geht, sogar zwölf Monate lang. Bis die nächsten Sterne am Musikhimmel erleuchten.
Begeistert hat uns zunächst Veranstalter ProSieben. Vermutlich aus akuter Geldnot hat der Sender am 8. Dezember die Maske fallen lassen. Die Jury traf keine Entscheidung über die zweiten Teilnehmer des Finales. Sondern warf die Geldmaschine Telefonvoting an. Die Fans sollen weiter für ihre Favoriten anrufen – für 50 Cent pro Anruf. Derart schamlos hat wohl noch niemand sein Publikum verarscht.
Aber geht es den Kandidatinnen und Kandidaten anders? Nein. Auf Vanessa (ist sie eigentlich Some oder Any?) wartet ein kurzer und schlecht bezahlter Ruhm. Wobei sie den Traum von der ganz großen Karriere als Sänger(in) besser nicht träumen sollte. Denn sowohl Publikum als auch Musikfirmen wollen Castingstars nur so lange sehen, bis der nächste Wettbewerb beginnt. Von dieser Erfahrung haben mir sowohl StarSearch-Gewinner Martin Kesici, der ehemalige DSDS-Zweite Martin Stosch und DSDS-Finalist Günther Göbbel berichtet. Danach gilt man in der Branche als “verbrannt” und hat es enorm schwer, wieder nach oben zu kommen.
Von der im Fernsehen so allmächtig kompetent erscheinenden Jury berichtet Martin Kesici etwas ganz anderes: Unter deren Schreibtisch seien Lampen montiert, die den Beurteilern vorgäben, wenn sie weiterkommen oder scheitern lassen. Noch eine Verarsche? Oder braucht ein Detlef D. Soost rein intellektuell eine solche Hilfe?
Im Nürnberger Stadtanzeiger lief diese Woche ein Interview mit einem Chorleiter. Dieser stellte fest, dass Casting-Shows seinen Kinder- und Jugend-Gesangsgruppen keinen Zulauf bringen. Hätte das, erstens, irgendjemand ernsthaft erwartet? Und sind solche Chöre, zweitens, nicht einfach zu seriös, um attraktiv zu sein?
“Popstars” sind da, wo alle verarscht werden. Daran sollte man denken.
PS: Selbstverständlich ist die Entscheidung letztlich urdemokratisch per Telefonabstimmung gefallen. Und so ist es erstaunlich, dass ProSieben gleich nach der Krönungszeremonie ein augenscheinlich teures Video mit den Siegern präsentiert hat. Beruhigend: Wenn es das in drei Versionen gibt, geht es dem Sender ja doch nicht so schlecht…
5 Kommentare
Und jetzt hat es Vanessa zu allem Überfluss auch noch geschafft. Ob den Hirndübel dazu noch was einfällt.
Aus gegebenem Anlass wurde der Beitrag aktualisiert.
Ups, kleiner Fehlerteufel: Martin Kesici entsprang nicht Popstars sondern StarSearch auf Sat.1
Danke, Dominik. Wird sofort geändert.

Wie wahr, wie wahr. Habe gerade mal reingeschaut – aber länger als drei Minuten am Stück ist das eigentlich nicht auszuhalten.