Geld ist unsexy – aber auch überflüssig?

„Geld allein macht nicht glücklich.“ Wie oft haben wir diesen Satz schon gehört? Mehr als Mahnung ist er gedacht als tröstender Hinweis an all jene, die keine Kohle haben. Der Tenor: Es gibt Schlimmeres.

Oder ist alles ganz anders? Ein gewisser Mark Boyle findet nämlich, dass man erst durch völlige Abwesenheit von Geld so richtig glücklich wird. Der 30-jährige Brite hat ein Jahr ohne Geld hinter sich. Er wohnte in einem Wohnwagen in der Nähe von Bath in Südwestengland, pflanzte sein eige­nes Gemüse und suchte sich Kleidung im Abfall. „Es war befrei­end“, sagte der in Irland geborene Wirtschaftswissenschaftler. Deshalb will er nun auf „unbegrenzte Zeit“ ohne Geld leben.

Richtig ist, dass Geld ansich nicht sexy ist. Sein Wert definiert sich ausschließlich über seine Menge und über seine Währung. Es hat kein Gefühl, weshalb es auch schwer ist, ein Gefühl fürs Geld zu entwickeln.

Unglücklich macht Geld dann, wenn entweder viel zu wenig da ist, so dass man jeden Cent umdrehen muss. Oder wenn es um unüberschaubar hohe Summen geht, so dass den Eigentümer ständige Verlustängste plagen. Es gibt Psychiater, die sich speziell um Superreiche kümmern, die einen Teil ihres Vermögens verzockt haben. Reiche Menschen stecken einen 500-Euro-Schein achselzuckend in die Tasche, sehen aber richtig glücklich aus, wenn ihnen die Verdienstmedaille des von ihnen geförderten Sportvereins an die Brust geheftet wird.

Am besten ist das Leben mit Geld doch dann, wenn es zwar nicht in riesigen Mengen, aber immer ausreichend vorhanden ist, so dass man ohne ständiges Nachrechnen gut leben kann. Wenn man es also hat, wenn man es braucht. Das sagen auch psychologische Studien.

Herr Boyle aus England indes wird nur einem kleineren Teil der Menschheit eine Hilfe sein. Er hat ja auch deshalb ge- und überlebt, weil er sein Gemüse selbst angebaut hat. Das hilft Vegetariern. Andere werden ein paar Euro für Wurst und Fleisch brauchen. Es sei denn, sie wären Metzger.

2 Kommentare in “Geld ist unsexy – aber auch überflüssig?

  1. Ein sehr interessantes Experiment des Herrn B., finde ich. Dass man als Farmer auch ohne Geld überleben kann, kann ich mir ja vorstellen. Aber dass ein Journalist (dem ich jetzt ganz platt mal unterstelle, dass seine Kenntnisse im Anbau von Gemüse eher durchschnittlich sind) das hinbekommt: Respekt! Da wüsste ich doch gerne mehr drüber.

    Beim Googeln haben ich nur einen Bericht der Ärztezeitung gefunden http://www.aerztezeitung.de/panorama/article/579143/geldlos-gluecklich-mann-lebt-jahr-penny.html
    der aber noch ein wichtiges Detail mehr enthält: „Ein Problem sei allerdings das Sozialleben gewesen. Statt mit Freunden in den Pub zu gehen, habe er Wanderungen unternommen oder ein Lagerfeuer gemacht.“ Es wird mir nicht ganz klar, ob er die Wanderungen allein unternommen hat, aber ich kann mir schon vorstellen, dass sich manche Freunde doch so nach und nach rar machen. Und auch ein wenig Ablenkung braucht der Mensch: Zum Beispiel Bücher, vielleicht mal einen Kino- oder Theaterbesuch. Aber okay, zumindest an Lesestoff kommt man vielleicht auch kostenlos. Geht alles irgendwie. Sehr interessant das Ganze, finde ich.

    Ob für Nicht-Vegetarier (zu denen ich auch gehöre) Wurst und Fleisch wirklich unverzichtbar sind, wage ich übrigens zu bezweifeln. Das bekommt man schon hin, denke ich.

Kommentare geschlossen.