ZDF: Fatal ist, wenn der Koch zu mächtig wird
Stellen wir uns einmal vor: In unserem Lieblingsrestaurant steht der Küchenchef vor der Vertragsverlängerung. Er hat seinen Job bis dahin ordentlich gemacht, kein Mensch wirft ihm vor, dass er mieses Schlabberzeug produziert hätte. Trotzdem muss er gehen, denn im Gastronomie-Ausschuss des Stadtrates hat sich eine konservative Gruppe gegen ihn zusammengerottet. Ihr Anführer kann zwar nicht genau sagen, warum der Koch nicht mehr tragbar ist. Entfernt wird er trotzdem.
Sie fänden das absurd? Doof? Skandalös? Sicher, aber so etwas gibt es. Nicht in einem Wirtshaus, aber beim ZDF. Der Küchenchef heißt Brender. Der andere Hauptdarsteller Koch, Roland Koch.
Sympathisch war uns der hessische Ministerpräsident ja noch nie. Er ist ein Meister der Machtpolitik alter Prägung, der eigentlich nur deshalb noch regiert, weil seine schärfste Konkurrentin Andrea Ypsilanti vorübergehend rettungslos machbesoffen war. Sollte er journalistische Kompetenz besitzen, so besteht sie wohl am ehesten in Versuchen, die öffentliche Meinung durch fiese Kampagnen zu beeinflussen.
Im ZDF-Verwaltungsrat darf so einer das große Wort führen. Und weil er willfährige Mitvollstrecker wie unseren Ex-Ministerpräsidenten Edmund Stoiber hat, klappt es mit dem Absägen eines Journalisten.
Nun hat ein Nikolaus Brender kein natürliches Recht auf eine automatische Vertragsverlängerung. Sein ZDF ist ja ganz bestimmt keine phänomenale Vorzeige-Anstalt. Aber wenn es bei einem Sender eine klare Personalempfehlung des Intendanten gibt und einsichtige Argumente gegen eine Person fehlen, sollten sich die Politiker ganz einfach zurückhalten.
So aber zeigt der Fall Brender wie aktuell eine frühere Mahnung des früheren Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker ist. Dieser hatte vor 17 Jahren den immer übermäßigen Einfluss der Parteien in der Gesellschaft kritisiert. Bei den öffentlich-rechtlichen Sendern ist er definitiv zu groß. Vor allem dann, wenn es Politiker gibt, die unbedingt einmal wie Berlusconi sein möchten.
PS.:Fragt sich bloß, wer das ZDF künftig führen soll. Eigentlich gibt es als kongenialen Partner für Koch und Stoiber doch nur einen: BR-Chefredakteur Siegmund Gottlieb. Mit ihm wären, wie man so schön sagt, die Richtigen beeinander.
2 Kommentare
Irgendwann geht “Mutti” Merkel in Rente – da wird es wohl Zeit, sich als Nachfolger zu positionieren. Und wenn man den HR und das ZDF auf seiner Seite hat, dann muss man nicht mehr immer auf die Bildzeitung schielen.
Wer die Macht hat und auch behalten will, der muss die Medien unter Kontrolle haben. Das weiss nicht nur der Italiener, das wusste auch schon der Österreicher.

Franz Josef Jung hätte doch jetzt Zeit. Und wer schon Verteidigung und Arbeit konnte kann bestimmt auch Fernsehen