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Franz-Josef Jung: Einer, den keiner vermisst
Deutschland braucht einen neuen Anfang. Recht hat er, der Franz-Josef Jung.
Der Mensch unterscheidet sich vom Tier durch seine Fähigkeit zur Empathie. Gut, das größte Gehirn im Vergleich zur Körpergröße haben nicht wir, sondern der Elefantenrüsselfisch. Aber empfindet er Mitgefühl, mit all seiner Intelligenz?
Uns dagegen nimmt es mit, wenn die wunderschöne Sängerin Rihanna Liebeskummer im Alkohol ertränken muss oder Victoria Beckham von ihren High Heels derart krumme Füße bekommen hat, dass sie Söhnchen Brooklyn (oder heißt er Westend?) nicht mehr über die Straße tragen kann. Das sind Schicksale, die uns nahegehen.
Dagegen sind uns andere Menschen leidlich egal. Die Berufsvertriebene Erika Steinbach zum Beispiel, der holländische Fußballgott Louis van Gaal, der schwäbische Schnellsprecher Günther Oettinger oder der Fernseh-Allesversteher Johannes B. Kerner. Wären sie plötzlich weg – unser Leben ginge weiter, als wäre es nie ein anderes gewesen.
Und jetzt Franz-Josef Jung. Kurzzeitig hatten wir in Bayern gedacht, er sei ein großer Politiker. Weil es ja schon einmal einen Verteidigungsminister namens Franz-Josef (Strauß) gab, der zeitweise so großartig mächtig war, dass er uns fast die Atombombe gesichert hätte. Aber wir hatten übersehen, dass dieser Jung vermutlich nur deshalb Bundesminister geworden ist, weil er dereinst dem “brutalstmöglichen Aufklärer” Roland Koch in einer Spendenaffäre durch Erinnerungslücken und Lügen den Kopf rettete.
Als Minister war er von Anfang eine blasse Figur, dessen Auftreten man unter Einsatz des allergrößten Wohlwollens als Ausdruck von Friedfertigkeit ansehen konnte. Der Mann wirkte immer überfordert, er war der Wolfgang Tiefensee der Schlachtfelder. Wobei Tiefensee, nach allem , was wir wissen, nicht gelogen hat. Aber zum großen Erstaunen der denkenden Menschen bekam ausgerechnet er den größten Teiletat des Bundeshaushalts anvertraut. Das war die Konsequenz des Wählerverhaltens.
Nun aber ist hat Angela Merkel ein Problem weniger – und eine junge Ministerin namens Köhler mehr. Die Worte des deutschen Philosophen Friedrich Theodor von Vischer werden in gewisser Weise wahr: “Jung sein ist Glück und vergeht wie Dunst.” So ist es: Da verschwindet einer im Nebel der Geschichte – und keiner will ihn zurück.