"Tag der Putzfrau": Lächelt doch mal!

Scheuern, kehren, schrubben: Putzfrauen verdienen einen Ehrentag.

Scheuern, kehren, schrubben: Putzfrauen verdienen einen Ehrentag.

Der Begriff „Werktätige Massen“ ist mit dem 9. November 1989  – der Mauerfall eben – nach und nach aus dem öffentlichen Sprachgebrauch verschwunden. Und wenn es sich dann noch um Menschen handelt, die man normalerweise gar nicht zu Gesicht bekommt, fällt uns diese Bezeichnung schon gar nicht mehr ein. Dabei gibt es eine Berufsgruppe, auf die sie bestens  passt.: unsere Putzfrauen.

Ihnen ist der 8. November als „Tag der Putzfrau“ gewidmet. Allerdings geht dieser Gedenktag, anders als der Welttoilettentag, nicht auf eine Initiative der Vereinten Nationen zurück. Die Idee hatte die Krimiautorin Gesine Schulz,  deren Romanheldin Karo Rutkowsky Putzfrau und Privatdetektivin zugleich ist.

Sinnvoll ist er aber auf jeden Fall. Denn die Sparte „Wisch und Weg“ ist eine ausgesprochene Boombranche. Im Jahr 2008  waren in der Gebäudereinigung und Raumpflege in Deutschland rund 916.000 Menschen beschäftigt. Das sind 47 Prozent mehr als 15 Jahre zuvor. Jede(r) 40. Erwerbstätige putzt irgendwo,  der Frauenanteil beträgt 88 Prozent.

Man kann das natürlich ganz unterschiedlich werten. „Dienstleistung boomt“, würden die Neoliberalen jubeln. „Immer mehr prekäre Beschäftigungsverhältnisse“, würden Gewerkschafter grummeln. „Der Dreck in Deutschland wächst unaufhörlich“, würden Umweltschützer klagen.

Und auch den Wert das bezahlten Putzens kann man unterschiedlich einschätzen. Wenn unsere Böden, Schreibtische und Fenster immer blitzblank sind, müssen wir uns um unser Grundbedürfnis nach Sauberkeit nicht selbst kümmern. Wir können auf der Bedürfnispyramide nach oben klettern, eine neue, bessere Daseinsstufe erreichen. Bei pessimistischer Betrachtung müsste man andererseits sagen, dass uns unsere Putzfreiheit viele Möglichkeiten eröffnet, auf eine andere Art unglücklich zu werden.

Die Putzfrau kann so oder so nichts dafür. Sie macht ihren Job. Was wir daraus machen, ist unsere Sache. Wenn wir also jemand schrubben sehen, schauen wir nicht weg, strecken wir nicht die Nase nach oben. Sondern schenken wir ein bisschen Aufmerksamkeit. Wir müssen nicht gleich „Danke“ sagen. Ein Lächeln genügt.