SPD: Totes Rennen wg. Vorsitz, Talsohle nicht erreicht

Über andere spottet man gerne, wenn sie es verdient haben, aber kein Mitleid brauchen. Meine Umfrage vom 5. Oktober, in der ich mich nach Alternativen zur Wahl von Sigmar Gabriel zum SPD-Schef erkundigt habe, war demnach kein guter Scherz. Denn die SPD schrumpft weiter. Wohin eigentlich noch?

Die Teilnehmer meiner Umfrage haben sich jedenfalls nicht für einen neuen SPD-Chef entscheiden können. Jeweils 35 Prozent der Stimmen entfielen auf Horst Schlämmer – Begründung: Weil ihn Hape Kerkeling sonst sterben lässt – sowie auf Quizmaster Günther Jauch. Ihn hatte ich empfohlen, weil er auf jede Frage die richtige Antwort weiß. Die realistische Alternative, Andrea Nahles, erreichte 22 Prozent. Sie werde es sowieso irgendwann, lautete die Begründung.

Nun aber sind wir schnell beim Thema Mitleid. Nach neuesten Umfragen verlieren die Sozialdemokraten weiter in der Wählergunst und kommen nur noch auf 20 Prozent. Sie liegen somit nur noch vier Prozent vor der FDP. Und was fällt dem Noch-Vorsitzenden Franz Müntefering dazu ein? Er gibt Oskar Lafontaine die Schuld. In einem Interview für die neue Ausgabe der „Zeit“  klingt das so: „Er hat die Partei verlassen, dann verraten und anschließend ganz gezielt gegen uns organisiert.“ Der jetzige Vorsitzende der Linkspartei habe die linke Mitte in Deutschland „aus niederen persönlichen Motiven“ beschädigt.

Ein einzelner Neu-Linker soll also die älteste deutsche demokratische Partei ruiniert haben? Man muss fragen, ob für diese Argumentation Mitleid adäquat ist. Es braucht wohl schieres Erbarmen.

Und egal wer neuer SPD-Vorsitzender wird: Die Mitglieder und Freunde sollten beten. Dafür, dass es überhaupt eine Talsohle gibt und dass die Partei nicht ganz verschwindet. Es wäre nämlich, finde ich zumindest, sehr, sehr schade um sie.