Kein Bargeld mehr für Thilo Sarrazin

Bargeld weg: Bundesbanker Thilo Sarrazin ist teil-entmachtet.

Bargeld weg: Thilo Sarrazin ist teil-entmachtet.

So, jetzt hat er den Salat. Weil er immer gar so böse ist, wird das türkenfeindliche Großmaul Thilo Sarrazin bei der Bundesbank kaltgestellt. Er ist nicht mehr für den Bereich Bargeldumlauf zuständig.

Eine naheliegende Entscheidung. Schließlich sind von türkischen Inhabern geführte Obst- und Gemüseläden sowie Döner-Restaurants jene Bereiche von Handel und Gastronomie, in denen tendenziell besonders selten mit EC- oder Kreditkarte bezahlt wird. Andererseits ist die Entscheidung widersinnig. Einem wie Sarrazin, der andere wegen deren Faulheit anprangert, hätte man eine Strafarbeit aufbrummen sollen. Zum Beispiel diesen Auftrag der neuen Regierung: „Erstellen Sie einen tragfähigen Plan, wie 2010 die Steuern um 15 Milliarden Euro gesenkt werden können.“

Aber dann hätte er bald wieder irgendetwas von Lüge, weltfremden Politiker undsoweiter verlauten lassen. Ein verbaler Weichspüler ist Sarrazin ja nie gewesen. Er empfahl Harzt-IV-Empfängern, im Winter zuhause dicke Pullover zu tragen anstatt über zu geringe Heizkostenzuschüsse zu klagen, Von ihm stammt auch  Formel „Je niedriger die Schicht, umso höher die Geburtenrate.“. Untergewicht nannte er das geringste Problem von Sozialhilfeempfängern.

Und jetzt also die Ausfälle gegen die Produzenten „kleiner Kopftuchmädchen“. Diese sind, ganz klar, polemisch, beleidigend und gefallen Neonazis ganz bestimmt.

Trotzdem verdient Rüpel Sarrazin zumindest ein bisschen Sympathie. Er spricht aus, was viele Menschen denken. Und: Nach dem „Fernsehduell“ Merkel versus Steinmeier klagten alle über die Langeweile, taz und bild titelten unisono „Yes, we gähn“. Die Aufregung über Sarrazin zeigt aber doch bloß, dass die wählenden Massen eben genau solche Politiker(innen) wollen, die uns auch mal anöden, aber im Grunde genommen sagen, dass schon irgendwie alles gut wird.

Damit die öffentliche Diskussion lebendig wird, braucht es aber Leute, die gelegentlich ordentlich Zunder geben. Würde es Sarrazin schaffen, Probleme deutlich anzusprechen, ohne bestimmte Gruppen komplett zu diffamieren, könnten wir ihn gut gebrauchen. Vielleicht denkt er in Zukunft etwas mehr nach, bevor er redet. Mehr Zeit wird er ja haben…

1 Kommentar in “Kein Bargeld mehr für Thilo Sarrazin

  1. Pingback: Thilo Sarrazin: Sein Kampf mit der Intelligenz « Hirndübel

Kommentare geschlossen.