Die Sekretärin fliegt, der Chef scheffelt

Im ersten Moment klingt diese Nachrich einfach nur logisch: „Der Chef ist Studien zufolge in Deutschland Kündigungsgrund Nummer eins.“ Diese Erkenntnis ist eines der ersten Ergebnisse einer Online-Umfrage des Projektteams Testentwicklung der Ruhr-Universität Bochum.

Wer denn auch sonst? Schließlich sind es die Chefs, die nach „Vertrauensbrüchen“ gnadenlos aufräumen. Ob nun eine Sekretärin illegal eine Frikadelle verschlungen hat oder zwei Pfandbons auf dubiose Weise verschwunden sind. Es heißt „Wehret den Anfängen“.  Selbst nach kleinen Sünden wird aus allen Rohren gefeuert.

Die Studie aus Bochum betrachtet die Sache  aber von einer anderen Seite. Unter http://testentwicklung können Beschäftigte ihre Vorgesetzten mit einem Fragebogen im Internet anonym und kostenfrei bewerten. Mehr als 3.500 Teilnehmer haben das Angebot bislang genutzt.

Und haben kräftig Dampf abgelassen. Über 56 Prozent von ihnen benoteten ihren Chef auf einer Skala von 0 bis 9 im unteren Drittel. Auf die Frage „Wie führt Ihr Chef?“ zeigten sich nur 20 Prozent der Befragten mit ihrem Vorgesetzten zufrieden. Dagegen gaben 23 Prozent ihren Chefs sogar die schlechteste mögliche Bewertung.

Es gibt in unseren Firmen und Behörden demnach so viele „leidende Angestellte“ wie SPD-Wähler. Der Unterschied ist allerdings: In Vorstandsbüros gibt es keine illegalen Frikadellen. Und ein Chef, der den von seiner Sekretärin gekochten Kaffee trinkt, wird niemals  ein Problem bekommen.

Ein berühmter Dreisatz unseres Wirtschaftssystems besteht somit unverändert fort:  „Der Student studiert, der Arbeiter arbeitet, der Chef scheffelt.“