Marathonläufe sind wider die menschliche Natur!

Diese Herren geben alles - beim Marathonlauf.

Diese Herren geben alles - beim Marathonlauf.

Manchmal muss man sich wundern, weil sich scheinbar keiner mehr über irgend etwas wundert. Nehmen wir die sich rasant ausbreitende Dauerlauf-Manie in diesem Land. 41.000 Teilnehmer(innen) hat es am Wochenende zuverlässigen Meldungen zufolge beim Berlin-Marathon gegeben. Und scheinbar findet das jeder normal.

Ich glaube, dieser Megatrend ist eine typisch männliche Form der Übertreibung. Auch wir haben unsere Wechseljahre, und dann geht es darum, wie wir im Angesicht des Verfalls doch noch ein toller Hecht sein können. Früher hat man sich zum Beispiel junge Freundinnen besorgt. Darauf setzt aber mit Nachdruck nur noch die Generation der 70-Jährigen Clowns. Also echte Kerle wie Silvio Berlusconi oder Roberto Blanco.

Wer Geld hat kauft sich vielleicht noch eine Harley Davidson. Und riskiert, wegen geschwundenen Sehvermögens und einem nachlassenden Gleichgewichtssinn sein Leben mit einer Organspende zu beenden.

Aber sonst geht`s auf die Asphaltpisten dieser Welt. Zuerst bescheiden mit einem Halbmarathon und schließlich richtig hart mit den berühmten 42,195 Kilometern. An den Füßen die allerneuesten High-Tech-Rennstiefelchen, um den Hals die Stoppuhr, am Handgelenk den Pulsmesser mit integrierten Schrittzähl- und Höhenprofilregistrierungs-Funktion.

Dabei muss endlich einmal gesagt werden: Marathonläufe sind unnatürlich. Oder wäre irgendein Neanderthaler auf die Idee gekommen, 42,195 Kilometer hinter einem Beutetier herzurennen? So lange, bis dieses tot umfällt?

Die mutmaßlich älteste Zivilisation haben die Aborigines in Australien. Rund um den Heiligen Berg Uluru geht die Jagd so: Der Mann setzt sich ans Wasserloch, wartet, bis das Beutetier kommt, schlägt zu – und hat seinen Braten.

Wir lernen also: Es ist ganz im Sinne der Evolution, wenn wir abends auf dem Sofa sitzen. Dass unsere Beute fast immer nur aus Chips und Salzstangen besteht, ist allerdings eine traurige Zeiterscheinung.