OP-Twittern: Bockmist, Sorry, Exitus!

Dieses neue Medium Twitter ist schon eine famose Erfindung. Da kocht man Kaffee – und lässt seine selbst gewählten Verfolger daran teilhaben, wie man die Zuckerstückchen in die Tasse fallen lässt. Man muss nicht allein sein. Der konkrete Nutzen des 140-Zeichen-Nachrichtendienstes ist gleichwohl umstriten. Aber es sind ja auch noch nicht alle Potenziale ausgeschöpft.

Neues in diesem Sinne kommt aus dem Land der traditionell unbegrenzten Möglichkeiten, aus den USA. Mehrere Kliniken erproben das Angebot, Angehörige von Patienten via Twitter über den Fortgang von Operationen zu informieren. Den Anfang macht das St. Luke’s Hospital in Cedar Rapids im Staat  Iowa. Dort wurde über das Entfernen der  Gebärmutter an einer 70-jährigen Frau für die Verwandtschaft aber auch für die anderen Klinik-„Follower“ in 300 Kurzmitteilungen berichtet.

Klar, es ist eine blöde Situation, wenn man auf dem Gang eines Krankenhauses sitzt, während an Ehefrau, Mama, Papa oder Erbtante herumgeschnippelt wird. Aber will man das lesen (O-Ton US-Klinik)? „Lokale Betäubung an der Einstichstelle, jetzt wird der erste Stich angesetzt“. Oder:  „Jetzt wird das Peritoneum geöffnet“.

Vor allem, was ist, wenn es nicht so gut läuft? Wenn es sich so liest: „Bauchdecke geöffnet. Oh Mann, sieht das schlimm aus?“ „Ich hab schon viel gesehen, aber das hier…“ „Mein Gott, was hat der gestern gegessen?“ „Verdammt, abgerutscht. Kann mal einer die Blutung stillen?“ „Geht nicht?“  „Bockmist. Sorry, Exitus!“

Wollen wir das wirklich? Kaum. Zahnärzte, Urologen, Fußpfleger, Tierärzte und Fleischermeister sollten doch lieber die Finger vom Alltags-Twittern lassen. Eigentlich müssen wir doch nicht alles wissen…