DSDS – diese Scheibe ist der Ursprung

Bei “Deutschland sucht den Superstar” geht es gerade darum, welchen der drei Kandidaten am schnellsten wieder in der Versenkung verschwindet.

Aber die Frage ist doch: Wo kommt es her, dieses Spiel mit den Karriereträumen der vom eigenen Talent manchmal völlig zu Unrecht überzeugten jungen Menschen? Ich habe den DSDS-Urknall gefunden, mit einem Video aus dem Jahr 1975:

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Sie glauben das nicht? Dann gucken sie hier (entlarvend ist vor allem die Choreographie in der Schlussphase):

Klinsmanns Passionsspiel ist am Ende

Endlich haben sie ihn vom Kreuz geholt: Jürgen Klinsmanns Passionszeit bei Bayern München hat ihren vorläufigen Höhepunkt erreicht. Nun ist er erst einmal hinabgestiegen zu den Toten.

Er war angetreten, um “ein Energiefeld aufzubauen, das den Spielern viel Spaß machen wird.” Das klang fast  nach Daniel Küblböck. Dann kam seine selbstmörderische Ankündigung, jeden Spieler jeden Tag besser zu machen. Wir erinnern uns an die Probleme, die Altkanzler Gerhard Schröder mit seinem anfänglichen Wunsch hatte, an der Entwicklung der Arbeitslosigkeit gemessen zu werden. So etwas geht schief.

Jetzt ist es rum – und nur ganz böse Zeitgenossen haben den Verdacht, das Trainerteam sei gefeuert worden, weil Klinsmann mexikanischer Co-Trainer Schweinegrippe einschleppen könnte. Mit Jupp Heynckes ist ein großer Coup gelungen. Seine letzten großen Erfolge liegen zwar schon sehr lange zurück. Aber auf jeden Fall ist in den letzten entscheidenden Partien die feuerrote Gesichtsfarbe von Trainer und Manager synchronisiert.

Jürgen Klinsmann hat nun viele Abfindungsmillionen in der Tasche. Ob er sportlich glorreich auferstehen wird, erscheint aber fraglich. Ein Kleinstadtverein auf Zypern, wo es ja schon andere Konzepttrainer wie Thomas von Heesen hingezogen hat, wird es wohl nicht sein. Ich rechne damit, dass er Trainer einer nicht so tollen Nationalelf wird. Vielleicht von Armenien oder von Usbekistan. Berti Vogts wird dann sein großer Rivale um einen der hinteren Qualifikations-Tabellenplätze.

Ach ja, Jürgen Klinsmann meinte nach seinem Rauswurf beim FC Bayern dieses: “Wir haben den Grundstein gelegt für die Zukunft.” Wenn das so stimmt, kann man als wahrer Club-Fan nur eines sagen: Danke, Klinsi! Gut gemacht!

P.S.: Klinsi war in seinen Interviews immer auch eines: erschreckend langweilig. Wie anders ist da doch unser große fränkischer Fußballgott Lother Matthäus…

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Schmidt zu Waldi Hartmann: "Du abgefuckte alte Sau!"

AP

Waldi und Harry bei Olympia 2008 in Peking. Foto: AP

Waldemar “Waldi” Hartmann gilt zurecht als notorisch gemütlicher Weißbier-Plauderer. Er wäre aber kein Nürnberger, wenn er nicht auch ein listiger Typ wäre. Sein WM- und Olympia-Club-Partner Harald Schmidt wusste das wohl schon seit langem. Er nannte Hartmann eine “abgefuckte alte Sau”.

Es war nicht böse gemeint. So wie im Nürnberger Dialekt das Wort “Orschluuch” (Arschloch) bei entsprechendem Tonfall eine Liebkosung sein kann, meinte Schmidt beim Vorgespräch zur Sendung “Waldi und Harry”, dass er für ein solches Projekt einen erfahrenen, lässigen Partner bräuchte – und keinen Schönling, der sich andauernd selbstverliebt durch die Haare fährt.

Waldemar Hartmann hat das bei einer Veranstaltung in seiner Heimatstadt offenbart. Interviewt wurde er dabei von CSU-Politiker Markus Söder. Dabei erzählte er vom vorzeitigen Abgang vom Gymnasium mit anschließenden Jobs als DJ. 1971 eröffnete er „Waldis Club“ in Augsburg. Die entscheidenden Kontakte für seine Karriere beim Bayerischen Rundfunk knüpfte er als Stammgast der Münchner Kneipe “Alter Simpl”.

Das Stammtisch-Palaver als journalistisches Stilmittel hat er sich bewahrt. Er duzt seine Gesprächspartner – und meinte, diesen damit zu helfen.  Junge Fußballer reagierten doch eingeschüchtert, wenn sie förmlich angesprochen würden. Bei manchen Sportlern sei es eh gut, die Antwort mit der Frage gleich mitzuliefern. Hartmann lästerte über die “verschiedenen Epochen” des Lothar Matthäus, spottete darüber, dass RTL nur noch aus Günther Jauch, Peter Klöppel und Dieter Bohlen bestehe. Und meinte, dass auch politische Journalisten auf Klatsch stünden. Das zeige ihm die Aufregung um Angela Merkels Dekolleté: “Wenn die mal einen Rock anzieht, ist doch die Hölle los.” Genussvoll schilderte er sein Interview mit dem zornigen Rudi Völler im September 2003. “Da habe ich sofort gespürt. Das ist Dein großer Tag!” Nicht nur wegen der existenzsichernden Weißbier-Werbeverträge.

Neuerdings konzentriert sich Hartmann auf sein eigenes Kabarett-Bühnenprogramm “Born to be Waldi”. Bei der BR-Sendung “Blickpunkt Sport” ist er abserviert worden. Ausdrücklich nicht im gegegenseitigen Einvernehmen, wie er selbst sagte. Markus Söder meinte dazu: “Ich war auch schon zwei Mal in der Aussegnungshalle.” Mentale Ähnlichkeiten beider Gesprächspartner waren unübersehbar. Mehr Witz hat Waldi.

Seehofer – ein super-wichtiger Gast

Und diese Autos sind längst nicht alle.

Landesvater besucht Zeitung: Diese Autos waren längst nicht alle.

Wir hatten ja fast vergessen, wie irrsinnig wichtig bayerische Ministerpräsidenten sein können.  Günther Beckstein trat in seiner kurzen Amtszeit stets ohne Pomp auf. Das entsprach natürlich nicht dem Vorbild des wichtigsten Landesvaters aller Zeiten,  Franz-Josef Strauß. Sozialministerin Haderthauer hat gerade erfahren, dass eine treffende kritische Anmerkung zu  dessen autokratischem, manchmal korrupten Regierungsstil, selbst heute noch beinahe den Job kosten kann.

Wie sehr der legendäre FJS das Idol von Horst Seehofer ist, hat gerade die Redaktion der Nürnberger Nachrichten erlebt. Der neue Ministerpräsident traf hier mit einem sehr beachtlichen Tross von Begleitern ein. Zehn Dienstfahrzeuge standen im Haltverbot neben dem Verlagsgebäude, zwei Polizeiautos hielten zusätzlich Wacht. Die wie immer auffällig unauffälligen Sicherheitsleute musterten jede(n) Mitarbeiter(in) ganz genau von oben nach unten, ein Sprengstoffhund schnüffelte vorbeugend an den Schreibtischen der Redakteure. Nur Scharfschützen auf den Dächern und ein über Nürnberg kreisender Polizeihubschrauber fehlten zur prachtvollen Inszenierung.

Man fragt sich doch: Wer in aller Welt sollte ein Attentat auf Horst Seehofer verüben wollen? Warum überhaupt? Könnte damit die Welt nachhaöltig geschockt werden?

Nein, das superwichtige Gehabe stammt noch aus einer Zeit, als die CSU noch wirklich wichtig war oder wenigstens zu sein schien. Damals, zu Zeiten von Franz-Josef Strauß. Zuzistimmen ist einem  Kollegen, der an eine Terminverwechlung gelaubte: “Seehofer wollte wohl zum Truppenbesuch nach Kabul.”

Wir sind Plapper-Junkies!

Hilfe, wir sind süchtig. Süchtig nach Nachrichten, sogar nach völlig sinnlosen. Das muss so sein, denn anders ist die Aufregung wegen einer Serverpanne bei T-Mobile in dieser Woche nicht zu verstehen.

Vier Stunden lang war das Systems lahmgelegt, keine SMS erreichte mehr die Empfänger. Und manche Menschen haben reagiert, als wäre justament die Welt untergegangen. Was nur zeigt, dass wir Kommunikations- beziehungsweise Plapper-Junkies sind.

Man hätte die Situation doch genießen können. Wenigstens ein paar Stündchen lang kein “Ti-Tit”, das uns auf eine dringende SMS hinweist. Kein Vibrationsalarm in der Jackentasche, sondern ein nostalgisches Kommunikationsfreiheits-Gefühl.

Es ist doch verrückt. Früher hat man Zeitung so gemacht, dass man die Briefpost auf den Tisch bekommen hat. Vier, fünf Menschen kamen noch persönlich vorbei. Und das war es dann. Um 11 Uhr hast du gewusst, was los war. Da hast du geplant. Und du konntest erwarten, dass tendenziell wichtige Sachen kamen. Schließlich musste der Absender die Fehler mit Tippex korrigieren, seinen Schrieb eintüten und auch noch frankieren.

Dann kam das erste Telefaxgerät, ein orangefarbener Kasten von den Ausmaßen einer Tiefkühltruhe. Eine Mega-Innovation, mit der es möglich war, innerhalb von nur drei Minuten ein Blatt Papier zu verschicken. Naja, alles weitere kennen wir.

Heute haben wir Stumpfsinn im Quadrat, jeden Tag im Postfach. Per Twitter teilen uns unsere Followers mit, dass sie gerade Kaffee getrunken und den Hund Gassi geführt haben. Und die Spam-Flut gibt`s obendrauf. Himmelarsch, ich kann mir doch nicht jeden Tag den Penis verlängern lassen.

Hiermit erkläre ich feierlich: Ich bin ein Mobilfunk-Server-Pannen-Junkie! Gebt mit mehr davon. Bitte!!!!

Vom Weltstadt-Warenhaus zur Resterampe

Na, sauber: Man kann also, das nötige Kleingeld vorausgesetzt, das Kaufhaus des Westens einsacken. Ein deutlicheres Signal dafür, dass unsere einstmals bewunderten und begehrten Konsumtempel nichts mehr zählen, könnte es doch gar nicht geben. Was ist da passiert?

Denken wir (soweit alterstechnisch möglich) mal 31 Jahre zurück. Damals hat Karstadt sein Kaufhaus in der Nürnberger Innenstadt eröffnet. In einer ziemlichen Durchschnitts-Architektur zwar – einige Umland-Sparkassen haben die gleiche Fassade – aber man nannte es “Weltstadt-Warenhaus”. Und das war damals Balsam für die von Selbstzweifeln zernagte Seele von uns Mittelfranken. Wenigstens beim Shopping schienen wir auch einmal mit  München auf Augenhöhe zu sein.

Bergab ging es vor zehn Jahren. Karstadt und Quelle fusionierten. Und man fragte sich, was kommen würde. Würde es künftig bei Quelle die kostspieligen Weltstadtwaren geben? Oder bei Karstadt den Wühltisch-Ramsch aus der Fürther Straße? Heute wissen wir: Karstadt ist schlechter geworden.

Und wir haben uns geändert. Hat es uns früher gefallen, im Überfluss zu schwlegen und entlang prall gefüllter Regale zu flanieren, waren wir früher glücklich, vor dem Mutertag aus 69 verschiedenen Bügeleisen auswählen zu können, so lieben wir heute Verknappung und klare Entscheidungen auf Verkäuferseite. Wie beim Discounter: Es gibt alles, was man unbedingt braucht. Und jede Woche kommen Super-Angebote, die wir dringendst nutzen müssen. Wenn Lidl in seinem Prospekt Pferde-Abschwitzdecken anpreist, wissen wir, dass wir diesen ersten Schritt zum eigenen Reitstall mitgehen werden.

Der weitere Weg scheint klar zu sein. “Arcandor” (was für ein bescheuerter Name, übrigens) verabschiedet sich vom Luxus. Das Oberpollinger wird verscherbelt (Ätsch, Ihr Münchner). Mit Blick auf unseren Karstadt gilt dagegen: Erst wenn das letzte Weltstadt-Warenhaus zur Resterampe geworden ist, werdet Ihr feststellen, dass man Pferde-Abschwitzdecken nicht essen kann.

Krisenfrage – die Auflösung

Katzen sind eben dramatisch...

Katzen sind eben dramatisch...

Wie schlimm die Wirtschaftskrise wirklich ist und noch wird, ist nach wie vor ungeklärt. Aktuell gibt es bei den Fachleuten zwei Verhaltensweisen: Man zeigt sich besonders pessimistisch, um hinterher bloß nicht als leichtfertig optimistisch zu gelten. Man gibt mit Blick zum Jahresende erste Hoffnungsprognosen aus. Um nicht als leichtfertig pessimistisch zu gelten.

Der nächste Ifo-Geschäftsklimaindex, der GfK-Konsumklimaindex und der in Vorbereitung befindliche Hirndübel-Kaffeesatzindex für den Frühsommer werden in Kürze Auskunft geben.

Ich hatte vor einiger Zeit hier im Blog gefragt, ob Angela Merkel die richtige Kanzlerin für die Krise ist. Gehe ich nach der zahlenmäßigen Resonanz, stelle ich fest, dass diese Frage zumindest meinen Lesern ziemlich wurscht ist. Inhaltlich sieht es so aus, dass Angela Merkels Selbsteinschätzung “Ich denke schon” von neun Prozent der Umfrageteilnehmer geteilt wird. Die Antwort “Sie war noch nie eine gute Kanzlerin” wählte allerdings nur ein Abstimmer.

35 Prozent meinten, dass sie es ist, weil sich die Krise bei ihr zu Tode langweilt.  30 Prozent fragten sich, ob sie überhaupt noch regiert. 22 Prozent lobten Merkel dafür, dass sie Roland Koch als Freund erträgt.

Ich möchte nicht versäumen, ein Bild zu bringen, dass mir in Sachen Wirtschaftskrise zugespielt wurde. Wem würden wir wohl unser Zehn-Cent-Stück zuwerfen?

Schweine-Patent: Wir sind Mosanto!

Bis gestern war ich mir sicher, dass das Gesundheitswesen unter allen lebensnahen Wirtschaftszweigen der Irrsinnigste wäre. Aber mir kommen Zweifel: Die Agrar-Industrie will sich  Schweine patentieren lassen. Geht`s eigentlich noch?

Reflexartig ist die Antwort schnell formuliert: Wenn hier Patente auf Lebewesen haben kann, dann doch der Herr im Himmel. Und sonst keiner. Die Agrarindustriellen sind demnach komplett verrückt oder wenigstens extrem größenwahnsinnig. So weit meine rechtschaffende moralische Entrüstung. Aber so einfach ist es halt nicht.

Denn es gibt ja auch uns, die Konsumenten. Wir fordern ein Schweineschnitzel, das in der Pfanne nicht auf die halbe Größe schrumpft, beim Braten nicht nach Fischmehl riecht, aber keinesfalls mehr kostet als die sechs Flaschen Billigbier, die wir uns als Sättigungsbeilage beim Discounter besorgen. Der Kunde ist König. Also führen unsere Vorgaben dazu, dass das Fleisch von Tieren kommt, die der Herr im Himmel so gar nicht vorgesehen hat. In unserem Ess-Schwein muss im Stall gewissermaßen ein Wachstums-Turbolader gezündet werden. Und mal ehrlich: Wenn man Schweine so verändern könnte, dass sie Schnitzel auf vier Beinen ohne sonstige sinnlose Körperteile wären – uns wär`s doch recht.

Schimpfen wir also nicht auf Mosanto & co. Sie tun es nur für uns und unsere Ernährung. Würde es Ihnen nämlich ausschließlich um den Gewinn gehen, hätten sie sich patentrechtlich längst eine andere Vermarktungsebene erschlossen. Nämlich die Fleischereifachverkäuferin.

Das übernehme ich dann also: Hiermit melde ich feierlich Patent-/Titelschutz auf die beiden Fragen “Moggsd a Gelbwurschd?”  und “Derfs a bisserla mehr sei?” an.

Und ich weiß: Meine Tantiemen werden sprudeln ohne Ende…

Darf man Klinsmann ans Kreuz nageln?

Was ist diese taz-Titelseite? Gotteslästerung, Klinsmannlästierung, FC-Bayern-Lästerung oder treffend?

Was ist diese taz-Titelseite? Gotteslästerung, Fußballgotteslästerung, FC-Bayern-Lästerung oder einfach nur treffend?

Spätestens seit den Mohammed-Karikaturen wissen wir, dass satirische Darstellungen immer dann den größten Aufruhr verursachen, wenn sie Glaubensfragem berühren. Der favorisierte Fußballverein ist im Leben jeden Mannes ein religiöses Ding.

Wohl deshalb ging Markus Hörwick angesichts der “taz”-Titelseite vom letzten Samstag derart an die Decke. Diese hatte den Trainer ans Kreuz genagelt – versehen mit dem Zitat aus Monty Pythons “Das Leben des Brian”: “Always look on the bright side of Life”

Hörwick also, der Pressesprecher, der offiziell “Mediendirektor” heißt, weil er ja beim großartigsten Verein Deutschlands arbeitet, sah darin die “vielleicht schlimmste Entgleisung, die es je in den deutschen Medien gegeben hat”. Selbstverständlich werde der FC Bayern gegen diese Darstellung vorgehen. Offenbar liest der Mann keine “Bild”-Zeitung. Sonst hätte er aus dem Stand eine Reihe schlimmerer Entgleisungen aufzählen können. Aber dass er als Rekordmeister-Verkäufer Ironie als Blasphemie empfindet, ist klar. Das entspricht dem Geist von Hoeneß und Rummenigge.

Klinsmann wollte erst keinen juristischen Zinnober veranstalten, will aber jetzt die Zeitung auf Schadenersatz und Unterlassung verklagen. Seine Anwaltskanzlei hat einen Streitwert von 100.000 Euro angesetzt und fordert bei Zuwiderhandlung eine Vertragsstrafe in Höhe von 50.000 Euro.

Die “taz” will nichts unterschreiben. Zurecht, denn ich finde die Darstellung treffend. An Klinsmann gab es viele Zweifel, spätestens seit den blamablen Pleiten in Wolfsburg und Barcelona gilt er als Trainer-Depp der Nation. Er wird tatsächlich regelrecht ans Kreuz genagelt, sei es von Beckenbauer, Netzer, dem weinenden Udo Lattek oder von den harten Bayern-Fans. Wobei er es ja auch verdient hat. Mit dem Anspruch, jeden Mitarbeiter jeden Tag besser zu machen, würde keine vernünftige Führungskraft in keiner Branche antreten. Und die Bayern in Europas Spitze reden zu wollen, ist doch auch daneben. In guten Jahren beherrschen sie die Bundesliga. Das war`s aber auch.

Also ist es geradezu nett von der “taz”, den vielfach Geschmähten an die schönen Seiten des Lebens zu erinnern. Die gibt es – geschätzte sieben Millionen Euro Abfindung wären doch schon mal ein Anfang. Und das Lied von Monty Pythons hat doch etwas Tröstliches…

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Ewiges Leben? Besser nicht.

Erstmal Glückwunsch, Jesus! Du hast es geschafft. Aufgefahren gen Himmel, beschenkt mit dem ewigen Leben. So toll ist das, dass unser Papst in 63 Sprachen spricht. Aber jetzt mal nachgedacht. Wollen wir sie überhaupt, die Unsterblichkeit?

Einerseits pflegen wir diese Perspektive. Andererseits stellen wir uns so ein körperloses Dasein langweilig vor. Wie wir zu wissen glauben, verbringt Jesus seine Ewigkeit sitzend zur Rechten Gottes. Sollte er da, weil ja als Mensch geboren, manchmal nicht anders können, als uns eine Finanzkrise zu schicken – wer wollte es ihm verdenken? Wer beim Casting von Petrus gut abschneidet, hat die Chance, zum Engel zu werden. Ewiges frohlocken kann aber, wie uns die Geschichte vom “Münchner im Himmel” lehrt, auch ziemlich nervtötend sein.

Die Masse der Deutschen hat das erkannt. Jedenfalls haben jüngst bei einer repräsentativen Umfrage nur zehn Prozent der Befragten erklärt, dass sie sich das ewige Leben wünschen. So alt wie Moses, nämlich 120 Jahren möchten knapp acht Prozent werden. 56 Prozent wären mit 90 Jahren Lebensdauer zufrieden, ein knappes Sechstel käme sogar mit nur 70 Jahren aus.

Wieder andere sitzen mit einer derartigen Ausdauer vor der Glotze, dass auch 40 Jahre reichen würden. Zugegeben hat das aber keiner. Je älter der Mensch wird, desto mehr sinkt der Wunsch auf eine Lebenszeit ohne Limit. Und das ist logisch. Denn wer will schon mit Rückenschmerzen, Gicht und Arthrose unaufhörlich existieren?

Es ist ja sowieso die große Frage, wie das gehen sollte mit dem ewigen Leben. Wie man das implementieren könnte. Da gäbe es Lösung A, das ewige Leben nach dem Gießkannenprinzip. Jeder Mensch weltweit würde in einem bestimmten Moment unsterblich. Unerträglich, und ungerecht wäre das. Denn dieses Verfahren könnte ohne flankierendes Alterungs- und Fortpflanzungsverbot nicht funktionieren. Johannes Heesters hätte es blöd erwischt. Er bliebe immer 104. Jedes Baby aber auch. Es müsste ewig in die Windeln kacken.

Also Lösung B, die allgemeine Total-Verlangsamung? Wir erlebten dann Elternproteste wegen des übertriebenen G 888, der 100-Meter-Weltrekord würde von einem gedopten Vielleicht-Sterblichen auf 2 Stunden und vier Sekunden verbessert, Ferraris würden in 50 Minuten von Null auf Hundert beschleunigen, die Pubertät würde (was angeblich bei manchen Männern schon heute sfunktioniert) 40 Jahre dauern undsoweiter. Altern würden wir trotzdem. Eine Schwangerschaft würde fünf Jahre dauern, die von Regierungs-Entscheidung zur Rente mit 155 ausgelöste Revolution würde dazu führen, dass die Masse der Unsterblichen häßliche Narben herumtragen würde.

So ist das auch nichts. Also die Unsterblichkeit auf freiwilliger Basis? Das Ewigkeits-Lotto für einige wenige? Nein, es ist zutiefst gerecht, dass wir alle sterben müssen. Auch wenn es viele Menschen zum völlig falschen Zeitpunkt trifft. Wie unser Schlagersternchen Vanessa Neigert, das bei DSDS jäh ausgeschieden ist. Immerhin, hier ist Trost, hier ist ein Leben nach dem Tod ganz sicher. Ansonsten stimmt wahrscheinlich dieses: Sterben ist immer schlimm, tot sein tut nicht weh.