Seid nett: Rachsucht macht arbeitlos

„Ich forrrdärä Satisfaktion!“ Für Freiherr von Zitzewitz war es eine Selbstverständlichkeit, jenen Bettelstudenten zum Schusswechsel herauszufordern, der das ihm versprochene Frollein ungehörig am runden Gesäß getätschelt hatte. Mit einem Prachtschuss zwischen die Augen erlegte er den Nebenbuhler. Doch wurde er jemals glücklich? Nein, die Liebste wandte sich nach dem Tod des Unterlegenen ab, der Freiherr versumpfte in Eckkneipen und war schließlich völlig weg vom Fenster. Rachsucht schadet nur.

Dieses hat eine aktuelle Studie der Universitäten Bonn und Maastricht nachgewiesen. Wer Unfairness vorzugsweise mit gleicher Münze heimzahlt, ist demnach mit seinem Leben unzufriedener. Er hat weniger Freunde und ist sogar häufiger arbeitslos als andere Menschen.

Das geschieht den Rachsüchtigen recht, andererseits: Das Motto „Wie du mir, so ich dir“ ist ja nicht abwegig. Für die Einladung zum Abendessen revanchieren wir uns mit einer Gegeneinladung; dem Freund, der uns beim Umzug half, schleppen wir ein paar Monate später wir die Möbel. Die Kollegin, die uns einen kurzfristigen Urlaub ermöglicht hat, darf ihrerseits auf einen Last-Minute-Flug hoffen. Verhalten wir uns so, sind wir, wie das Wissenschaftler nennen, positiv-reziprok.

Die negative Lebensvariante gibt es auch, und zwar nicht nur strafbewehrt als Revanchefoul beim Fußball. Wir wären doch manchmal auch gerne fies. Wäre doch schön, sich an Herrn Zumwinkel zu rächen, dem Ex-Chef der Hypo Real Estate eins reinzuwürgen oder George W. Bush und Osama bin Laden gleichzeitig abzuwatschen. Aber da kommen wir nicht ran. Und so ein positiver negativ-reziproker Held wie Robin Hood werden wir nie sein. Weil wir keine Witwen und Waisen kennen, die sich von uns rächen lassen wollen.

Nein, unsere Rache geschieht in unserem Dunstkreis. Dann geht uns nach einem Ärger mit Kollegen oder dem Chef der Gaul durch, wir werden zum Saboteur – und fliegen am Ende.

Alsdenn:Die Devise „Auge um Auge, Zahn um Zahn“ mag zu Moses`Zeiten richtig gewesen sein. Wir hingegen sind schlau und folgen dem Sprichwort „Vergebung ist die süßeste Rache“. Denn nichts ärgert einen Fiesling  mehr, als wenn man ihn galant abtropfen lässt.