DSDS-Holger und die Sehnsucht nach der Monarchie

Holger Göpfert ist ein Star. Aber er hat den völlig falschen Namen.

Holger Göpfert ist ein Star. Aber er hat den völlig falschen Namen.

„Und in unsere Mottoshows kommen: Holger und Annemarie!“ Was ist eigentlich los bei „Deutschland sucht den Superstar“? Wie kann es sein, dass das Publikum Kandidaten hochjubelt, deren Vornamen klingen, als wären sie die Wirtsleute einer mittelständischen Pilsbar? Oder schreibe ich hier gerade über meine eigenen Vorurteile, schließe ich zu gerne vom Vornamen auf den dazugehörigen Menschen?

Gerade ist die Rangliste der beliebtesten Vornamen für Neugeborene veröffentlicht worden. Demnach sind Maximilian und Sophie im Jahr 2008 in Deutschland der Spitzenreiter gewesen. Ist da die Sehnsucht nach der Romantik der Monarchie spürbar? Vielleicht.

Immerhin ist es ja so, dass Sophie die Erzherzogin von Österreich war. Als solche war sie die Schwiegermuter der romantischten Kaiserin überhaupt, unser aller Sissi. Sophie hatte sie als ideale Gemahlin für ihren Franz Jospeh ausgesucht, der ja, wie wir alle wissen, heute Menschen in Äthiopien beim Aufbau einer ertragreichen Landwirtschaft unterstützt. Sissis Opa war Bayern-König Maximilian I.

Ihr Schwager hieß ebenfalls Maximilian I. Allerdings trug er diesen Titel als Kaiser von Mexiko. Er hat der Nachwelt das schneeweiße Schloss Miramare in Triest geschenkt, versagte aber aus Sicht der Monarchie insoweit, als er keinen Thronfolger zeugte. Von ihm sind eine Geschlechtskrankheit und ein uneheliches Kind überliefert. Niemand ist perfekt.

Trotzdem künden diese Namen von einer glorreichen Zeit, in der sich noch niemand mit Hedgefonds, Autos und Wälzlagern herumplagen musste. Ja, wir haben diesen Ärger satt, weshalb auch, anders als im letzten Jahr, nicht mehr (Seat) Leon die Rangliste der Jungennamen anführt. Auch der Mädchenname Marie  der ja in den Herkunftsorten der wichtigsten K.u.K-Fürsten ein Synonym für Geld und damit für die Banken ist  ist zurückgefallen.

Bei den Mädchen folgen nach Sophie nun Marie, Maria, Anna und Anne, Johanna, Leonie, Lena, Hanna oder Hannah, Mia und Charlotte. Bei männ­lichen Neugeborenen entscheiden sich Eltern nach Maximilian am liebsten für die Namen Alexander, Leon, Paul, Luca, Felix, Elias, Lukas oder Lucas, David und Tim. Immer häufiger vergebene Vorna­men, die aber die Spitzengruppe noch nicht erreicht haben, sind Lina, Lilly und Emilia sowie Anton, Ben, Luis/ Louis und Noah.

Warum sich die Vorlieben für Vornamen ändern, warum manche alte Namen nach drei Generationen wieder absolut in Mode sind, wissen übrigens selbst die klügsten Forscher nicht. Dass manche Eltern völlig durchgeknallt sind, wissen indes die Standesbeamten. In Erlangen wurden jüngst die übelsten Vornamen des vergangenen Jahres veröffentlicht. Da gab es „Babyface-Ralph“, „Jihad“, „Rolex“ und „Lola-Love“. Tja. Gerade in einer Universitätsstadt liegen Genie und Wahnsinn eng beieinander…

1 Kommentar in “DSDS-Holger und die Sehnsucht nach der Monarchie

  1. „Babyface-Ralph“?

    Und da macht man sich noch bei den eigenen Kindern große Gedanken darum ob die (Allerwelts-) Namen nicht irgendwann zu ihrem Nachteil sein werden…

    Einen Sohn mit namen „Jihad“ würde ich auf jeden Fall nicht in alle Teile der Welt mitnehmen wenn ich Strandurlaub plane.

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