Ein Jahr Hirndübel – heute gibt`s Hormönchen

Ich erlaube mir, nicht unstolz, den Hinweis, dass der Hirndübel am 29. Januar ein Jahr alt geworden ist.  Ich war mir beim Start zwar im Klaren darüber, dass man ein solches Blog schlecht wieder los wird. Und dass man immer weiterschreiben muss, um wenigstens für großen Fleiß berühmt zu werden. Immerhin: Mein Statistiktool sagte mir, dass einer meiner Beiträge kürzlich auf einem PC in Windhoek  gelesen wurde. Ich finde Namibia toll, also hat mich das gefreut. Dieser User kam aber nie wieder. Das gibt mir zu denken.

So ein Blog ist aber eine Lindenstraße des Internets. Will heißen, dass ein Ende nicht vorgesehen ist und dass man schon eine ganz besonders dramatische Begründung braucht, wenn man aufhören will. Den eigenen Tod zum Beispiel. Heute Abend werde ich eine solche haben, denn für mich besteht kein vernünftiger Grund zum Zweifel daran, dass ich den 35-Millionen-Euro-Jackpot gewinnen werde.

Sie meinen, ich spinne? Ja, ja, das würde auch Chantal Mörsen sagen.  Die Frau mit dem unverkennbaren Ossi-Namen ist Diplom-Psychologin an der Berliner Universitätsklinik Charité. Sie wird von der dpa so zitiert: „Viele Menschen fallen einem Trugschluss zum Opfer, durch den sie ihre Chancen auf einen Gewinn höher einschätzen als er in Wirklichkeit ist.“ Dieser Trugschluss basiere auf der Annahme, dass der Jackpot lange nicht geknackt worden sei – und die Wahrscheinlichkeit auf einen Gewinn nun höher sein müsse als bisher. Tatsächlich bleibe die Chance mit rund 1:140 Millionen weiterhin sehr gering.

Frau Mörsen führt weiter aus, dass alleine die Vorstellung von dem möglichen Millionengewinn Glücksgefühle auslöse. „Die Vorfreude auf die Ziehung der Lottozahlen kann durchaus zur Ausschüttung von Hormonen wie Dopamin und Adrenalin führen“, sagte die Leiterin der Arbeitsgruppe Spielsucht der Charité-Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie. Wer die Ziehung dann live verfolge, könne sich teilweise sogar regelrecht euphorisch fühlen. „Das liegt unter anderem an den Endorphinen.“

Ja, bitteschön, und was soll daran so schlecht sein? Andere rennen für ein paar Glückshormönchen 42 Kilometer durch die Gegend. Ich werde mir das heute jedenfalls gönnen.

Dass es viel zu viele Menschen gibt, die durch Lotto nur noch ärmer werden, als sie eh schon sind, stimmt natürlich auch. Aber darüber schreibe ich erst, wenn ich – wie immer – verloren habe.