Archiv für Januar, 2009
Verschnupft in Ägypten: Mach “Tempo”, Oskar!
Sicher ist im Leben doch nur dieses: Es kommt anders als geplant. Da fahre ich also nach Ägypten, lasse mir Nil-, Wüsten- und Tempelsonne bei 30 Grad auf die Haut brennen – und wache kurz vor der Rückreise mit einer deftigen Erkältung auf. Absurder geht es doch nicht. Hier frieren die Leute, ich kriege Schnupfen. Zum Glück gab`s Oskar Rosenfelder: Ich hatte Papiertaschentücher dabei.
Völlig zurecht wurde der jüdische Fabrikant aus Heroldsberg diese Woche groß gefeiert. Schließlich hat er vor 80 Jahren das Patent für ein Papiertaschentuch angemeldet. Er nannte es “Tempo” – und heute ruft es jeder so, selbst wenn ein anderer Name auf der Packung steht. Neben dem Hustenbonbon “Em-Eukal” und dem MP3-Player zählt dieses Produkt zu den erfolgreichsten Erfindungen aus Nürnberg und Umgebung des vergangenen Jahrhunderts.
“Tempo” ist schon deshalb ein Wunderwerk, weil es die Mehrweg-Ökowelle der 80er und frühen 90er Jahre unbeschadet überstanden hat. Die Rückkehr zur Stoffwindel wurde in dieser Zeit propagiert – vom Stofftaschentuch redete niemand. Dieses Produkt wird eigentlich nur noch von Snobs und alten Männern verwendet. Seine große Zeit endete mit dem Sterben der in der Vor-Tempo-Ära aufgewachsenen Großmütter. Diese hatten ihren Enkeln zu Weihnachten gerne feine Stofftücher ins Päckchen mit der Feinripp-Unterwäsche gelegt. Irgendwann jedoch waren diese Omas nicht mehr.
Für den modernen Menschen gibt es eben nur wenig Ekligeres als die Vorstellung, verrotzten Stoff in der Waschmaschine einweichen und reinigen zu lassen. Zwar hat ein in der Hosentasche vergessenes “Tempo” in der Waschmaschine erheblich üblere Folgen, wenn sich frisch geschleuderte Papierschnipsel wie Zecken in Kleidungsstücken festkrallen. Aber da hat eben Werbepropaganda grandios gewirkt. Nehmen wir nur diesen Original-Werbespruch: “Die Liebe kann in Schnupfenfällen, am feuchten Taschentuch zerschellen, er sollte drum zum Naseputzen, ein Tempo-Taschentuch benutzen.”
Klar doch, zerschellen sollen nur Bakterien und Viren. Und so denke ich beim Fieberschub in Luxor an die mir vorab vielfach prophezeite Krankheit und kämpfe mit absurden Gedanken wie jenem, was wohl gewesen wäre, wenn Oskar Rosenfelder ein Klopapier “Tempo” genannt hätte. Gäbe es dann immer Abführmittel zum Kaffee, um die Sache zu beschleunigen? Aber ich habe gar keinen Durchfall. Also schniepfe laut durch – und folge dem klugen Dichter Eugen Roth:
“So für den Alltag sei’s empfohlen –
Doch wenn wir uns den Schnupfen holen,
Wenn Aug’ und Nase sich bewässern,
Sind Tempo-Tücher wohl die bessern.
Man schnäuzt sich einmal, aber gründlich,
Und wirft samt allem, was entzündlich –
Statt Selbstansteckung, immer neuer –
Das Tuch ins Wasser oder Feuer.”
Der Slogan Zum Unwort: “Not für die Welt”
Gut hat sie gewählt, die Jury für das “Unwort des Jahres 2008″. Der Begriff “notleidende Banken” stellt das Verhältnis von Ursachen und Folgen der Weltwirtschaftskrise tatsächlich auf den Kopf.
Es ist ja nicht so, dass es in den Banken keine Not gäbe. Zahlreiche Anzug- und Kostümträger(innen) der Finanzhäuser werden krisenbedingt ihren Job verlieren. Da wird Not entstehen – auch bei solchen Leuten, die nicht mit Irrsinns-Papieren gehandelt haben. “Notleidende Banker” wäre also kein sprachlicher Fehltritt gewesen.
Aber die Banken zu Opfern zu erklären – das geht nicht. Zumal sie in Deutschland immer irgendwie gerettet werden. Also war mir schon am 3. Oktober 2008 klargeworden, dass das Wort “Bankraub” eine neue Bedeutung bekommen hat. Nämlich jene, dass es die Banken selber sind, die die Geldreserven von Volkswirtschaften und Steuerzahlern plündern. Weil sie ja, zumindest in Deutschland, irgendwie gerettet werden müssen.
Und somit gelten sie auch nicht mehr, die schönen Werbeslogans wie “Die Bank an Ihrer Seite” (Commerzbank), “Vertrauen ist der Anfang von allem” (Deutsche Bank), “Engagement auf das Sie zählen können” (West LB) oder “Wir machen den Weg frei” (Volks- und Raiffeisenbanken).
Als Werbespruch der Stunde gibt es für mich eigentlich nur “Not für die Welt”. Das beschreibt die Lage aufrichtig, klingt aber vertraut, und schafft somit Vertrauen. Mal sehen, wer ihn übernimmt.
Obama ist da: Wer vermisst Sprachkünstler Bush?
Barack Obama ist in Washington angekommen, an der Spitze der USA steht in Zukunft wieder ein Weltenretter. Fragt sich bloß: Wer vermisst eigentlich George W. Bush?
Bush war für das alte Europa doch immer die Inkarnation des dummen Amerikas. Also jener US-Bürger, die auf der Landkarte Frankreich nicht von Indien unterscheiden können, die Bücher beim Lesen verkehrtherum halten, sogar zu ihrer Mülltonne mit dem Auto fahren und zwischenmenschliche Probleme eher mit dem Gewehr als mit einem Gespräch lösen. Leider war genau Letzteres sein Regierungsstil.
Rhetorisch war er eben kein Gigant, eher schon ein Lothar Matthäus unter den Englisch-Muttersprachlern. So erläuterte er seine Energiepolitik mit dem Satz “I know the human being and fish can coexist peacefully”. Mensch und Fisch können also friedlich zusammenleben – die (unbewaffneten) Schnorchler am Roten Meer beweisen es tagtäglich. Wahrscheinlich der Pisa-Test kam dem Präsidenten in den Sinn, als er in einer Rede in South Carolina feststellte: “Rarely is the question asked, is our children learning?”. Das heißt: “Selten wird die Frage gestellt, ist unsere Kinder am Lernen?”. Toll gesagt, Loddar M. Bush.
Sogar die Neuschöpfung eines Verbs ist dem Präsidenten gelungen. Über die Terroristen vom 11. Spetember sagte er: “They missundeestimated the compassion of our couttry.” Heißt sich dies: “Sie missunterschätzen das Mitgefühl unseres Landes.”Und im Oktober 2001 meinte er zur weitereren Regierungsarbeit nach den Terroranschlägen dies: “There’s no doubt in my mind, that we will fail.” – “Es gibt in mir keinen Zweifel, dass wir scheitern werden.” Er hat es also gewusst und trotzdem weitergemacht.
Rebellen in Afghanistan tadelte er 2006 mit diesen Worten: “They have no disreagard for human life”. Sie hätten also “keine Geringschätzung für das menschliche Leben”. Und es war wohl ein plötzlicher Anflug von tieferer Erkenntnis, als er im September 2008 dies erklärte: “The people in Louisiana must know that all across our country there’Äs a lot of prayer – prayer for those whose lives have been turned upside down. And I’m one of them.” Was bedeutet: “Die Menschen in Lousiana müssen wissen, das es überall in unserem Land Gebete viele Gebete gibt. Gebete für diejenigen, deren Leben auf den Kopf gestellt worden ist. Und ich bin einer von Ihnen.”
Vielleicht wird es im Ruhestand ja wieder besser. Die Waffen- und Ölkonzerne, Irans Präsident und die Kabarettisten hätten George W. Bush bestimmt sehr gerne noch länger behalten. Die Erwartungen an den neuen Präsidenten indes hat mir gegenüber Soulsänger John Davis auf den Punkt gebracht: “Hoffentlich macht er keinen Mist.” Wer wollte dem widersprechen?
Knalltüte des Wahlabends: Ronald Pofalla
Nur ganz kurz zur Hessenwahl: Zu den Dingen, die uns an Politikern stören, gehört erstens
die Unart, Fragen nicht zu beantworten
und zweitens der Drang,
Niederlagen in Siege umzudeuten.
In diesem Sinne war CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla die Knalltüte des Hessen-Wahlabends. Brachte er es doch fertig, angesichts des miesen Abschneidens seiner Partei von einem “Abend der Freude” zu sprechen. Er meinte gar, die Hessenwahl habe dieses Ergebnis: „Der Wahlsieger heißt Roland Koch“.
Noch immer lästern CSU- oder CDU-Leute über Gerhard Schröders Krawallauftritt nach seiner Niederlage bei der Bundestagswahl. Aber auch bei Pofalla fragt man sich: Welche Drogen nimmt der Mann?
Endlich: Bratwurst für die Welt
Die Bratwurst ist wahrlich ein Produkt, das die Phantasie der Nürnberger beflügelt wie kaum ein anderes. Umso besser, wenn uns jemand dabei hilft, den Ruhm der Wurst zu mehren: center.tv ist zur Stelle.
Das Fernsehunternehmen, das von Düsseldorf aus Nordrhein-Westfallen mit Lokalfernsehen beglückt, bietet weitere phantastische Programme und Informationen. Wie eben bratwurst.tv.
Reinhold Zalbertus, Bruder des Firmenchefs André Zablertus, ist als kreativer Solist dabei , Launiges und Wissenswertes rund ums Thema „Bratwurst und Bratwurstkultur“ in sein Internet-TV zu bringen. Außerdem will er Deutschland mit einer “Bratwurststraße” beglücken. Das Video einer Autobahnfahrt von Ralf Schumachers Heimatstadt Kerpen auf der A4 nach Aachen ist wohl ein Anfang.
Es gibt aber auch ein Interview mit Nürnbergs Bratwurstpapst Hartmut Frommer sowie eine Auflistung sämtlicher Bratwurstarten. 38 hat Reinhold Zalbertus bislang gefunden. Auf Platz eins seiner Liste rangiert das „Nürnberger Rostbratwürstchen“. Geboten wird auch historisches Wissen. So erfährt man, dass seit 1363 in der Stadt „Wurstpolizei“ nachweisbar sei. Erinnert wird ferner an Hans Stromer, der von 1554 bis 1592 in Nürnberg fast 28.o00 Bratwürste gegessen haben soll.
Wie gesagt, es ist schön, dass mal einer was macht. Aber ich bin auch nicht vergesssen. Ich rufe auf zu einem Gestaltungswettbewerb, der letztlich in eine weltweit beachtete Webseite münden könnte, deren Namen ich noch nicht verrate.
Ich mache selbst den Anfang: Ich habe unsere Bratwurst und Volvic-Mineralwasser zusammengebracht. Also nenne ich mein Werk “Deutsch-Französische Freundschaft”.
Wer weitere Ideen/Fotos hat, schreibt entweder einen Kommentar oder (fals Bild vorhanden) an meine Mailadresse schrageklaus@email.de. Danke! Wir können es!
Gute Tat: Ein Job für D-Promis
Über die mäßige Promidichte in Nürnberg habe ich gerade gejammert.
Aber es gibt auch hier jene Anlässe, bei denen ein buntes Völkchen fröhlich gestimmt zusammenkommt. Beim Neujahrsempfang der Stadt, bei dem die Sparda-Bank Essen und Trinken bezahlen. wenn Wirtshäuser aufmachen, wenn Autohäuser ihr neuen Flaggschiffe vorstellen oder in der VIP-Lounge eines Box-Events. Kurzum, immer dort, wo man aus gutem Grund sein Freibier-Gesicht aufsetzen kann.
Wie diese beiden Herrschaften: Die Namen nenne ich erst nach der Auflösung. Man kann aber sagen, dass beide bei ihren wichtigsten Karrierestationen nicht viel geredet haben. Die blonde Dame war zunächst sogar ganz stumm. Der Herr ließ zwei andere Körperteile sprechen.
Aber wofür können wir sie gebrauchen? Die Frage lautet also:
Mit Trabis wär die Krise weg
Na denn, hoch die Tassen! Das Konjunkturprogramm der Bundesregierung ist schon ein Wahnsinns-Ding. 50 Milliarden Euro sollen die vom Wirtschafts-Rettungswahn besoffenen Politiker unter das Volk streuen. Diese Schnapszahl passt dazu: Wer selbst eine solche Aktion starten möchte, müsste den heutigen Lotto-Jackpot von 15 Millionen Euro genau 3333,333333….. mal knacken.
Es gibt noch weitere interessante Modellrechnungen: Jeder der rund 40 Millionen deutschen Haushalte könnte mit einer Waschmaschine, einem Kühlschrank und einer Spülmaschine im Wert von jeweils gut 400 Euro ausgestattet werden. Wer`s braucht, könnte sich 290 Jumbo-Jets kaufen und auf der Stelle die größte Fluglinie der Welt aufmachen. Und Jeder Einwohner von Nürnberg – vom Baby bis zum Greis – könnte sich einen 100.000 Euro teuren Luxswagen vor die Tür stellen.
Womit wir beim ärgerlichen Thema wären, der Abwrackprämie für Autos. Demnach kriegt also 2500 Euro, wer sein mindestens neun Jahre altes Auto stilllegt. Damit zeigen die Politiker, dass sie entweder – weil sie ja Dienstwagen gestellt bekommen – von realen Preisen keinerlei Ahnung haben. Oder sie haben die Bedingungen für ihr “Geschenk” ganz gezielt so formuliert, dass dieses Geld kaum jemand abrufen wird.
Mit Abwrackprämien wie “3000 Euro für Ihren Gebrauchten” werben die Autofirmen seit eh und je. Ein Großteil der neun Jahre Autos bringt mehr als die Prämie. Selbst ein 7-PS-Krankenfahrstuhl aus dem Jahr 2000 ist bei einem Internet-Anbieter aktuell mit 799 Euro gelistet. Und woher kommt die Zuversicht, dass sich all jene, die momentan mit alten Gurken unterwegs sind, sich ein nagelneues Fahrzeug leisten können?
Nein, da stimmt etwas nicht. Vielleicht hat Bundeskanzlerin Angela Merkel bei all dem Stress und Ärger, den sie hatm, an gute alte Zeiten gedacht. Ja, wäre der Trabi noch ein Volkswagen – die Krise hätte keine Chance. Es Ist aber nicht so…
Liebe per SMS – das geht doch auch
Bond und Siegel zeigen: Nürnberg ist Promiwüste
Man kann das drehen und wenden, wie man will. Für uns Nürnberger ist das RTL-Dschungelcamp einfach nur zum Wegschauen. Warum? Weil uns wieder einmal klar gemacht wird, dass diese Stadt wunderbare Dinge wie Bratwürste, Lebkuchen und ein Christkind vorzuweisen hat. Aber keine wirklich interessanten Prominenten. Denn Menschen, die bei uns als VIP`s gelten, sind anderswo gerade noch gut genug, um als von Millionen begaffte Fernseh-Affen im australischen Regenwald zu hocken.
Nehmen wir bloß Peter Bond. Der ehemalige Sat1-“Glücksrad”-Moderator wurde beim angeblich drittschönsten Opernball Europas im September 2008 als Top-Ehrengast geführt. Damals neben Karl Moik und Gotthilf Fischer. Er nutzte die Anwesenheit der fränkischen Reichen und Schönen, um von der Loge des Juweliers-Ehepaars Kuhnle aus Fürth seinen Dosen-Prosecco Marke “Diamond” zu bewerben. Ich habe hier darüber berichtet. Und nun spielt der Stolz des Opernballs mit Kakerlaken.
Auch Giulia Siegel wurde bei gelegentlichen Besuchen in unserer Stadt als wahrhaftige VIP begrüßt. Doch jetzt wird klar, dass es für ein ertragreiches Dasein letzten Endes doch zu wenig ist, die Tochter eines begnadeten Schlagerkomponisten zu sein.
Für Nürnberg hat es gereicht. Als Gesellschaftsreporter bleibt mir da nur zweierlei, ein tiefer Seufzer und die Frage: War Tatjana Gsell vielleicht doch nicht so schlecht?
Was weiß der Papst von Gott?
Sie sind schon erfreulich lässig, die Briten: Da machen sich Atheisten auf, dem großen Rest Menschheit die Freude am Lieben Gott zu verderben. Auf Nahverkehrsbusse haben sie den Spruch kleben lassen: “Wahrscheinlich gibt es keinen Gott. Höre auf, dir Sorgen zu machen und genieße dein Leben.” Und kaum jemand regt sich darüber auf. Es gibt vielmehr Unterstützung von vielen Seiten.
Die Werbeaktion für religionsfreies Glück ist eine flotte Erwiderung auf die Buswerbung durch evangelische Freikirchen. Diese hatten Nichtchristen in ”bewährter” Manier mit ewiger Verdammnis im Höllenfeuer gedroht. Nun ist durchaus etwas dran, dass fundamentalistische Protestanten erheblich humorloser und genussfeindlicher denken, als das Gros der Kathoiiken. Aber es gibt ja noch den Papst.
In seiner großen Neujahrsansprache forderte Bendikt XVI einerseits energische Reformen: Die Wirschaftskrise sollte als ernsthaftes Symptom angesehen werden, “das ein Eingreifen an der Wurzel erfordert.“ Es genüge nicht mehr, „neue Flicken auf ein altes Kleid zu nähen“. Anderseits sagte er über Homo- und Transsexuelle: “Aber auf diese Weise lebt er gegen die Wahrheit und den Geist des Herrn”. Und er fügte an: “Nicht der Mensch entscheidet, nur Gott entscheidet, wer Mann und wer Frau ist.”
Mit Verlaub, da sitzt ein erheblicher Reformstau im Hirn. Aber schlimmer noch. Man fragt sich sogar, ob das nicht eine Form von Blasphemie ist, wie der Papst da redet. Er ist ja nur Stellvertreter Christi auf Erden, und Jesus hat die Wahrheit des Herrn wenigstens in seiner Endphase auch nicht so recht verstanden. Hat Gott überhaupt einen Plan? So durchgeknallt, wie diese Welt manchmal ist?
Und wenn wir schon beim Gotteslästern sind. Was wäre, wenn Gott schwul wäre? Immerhin, sein Sohn wurde künstlich gezeugt. Und nach allem, was uns gelehrt wird, lebt er mit dem Heiligen Geist zusammen. Verdächtig, zumindest.
Gut, seitens der katholischen Kirche bleibt mir der Zugang ins Paradies jetzt wohl verwehrt. Aber weiß der Papst, wer reinkommt? Klar sollte doch sein: Wer andere Menschen dazu einlädt, an Unbewiesenes zu glauben, sollte nicht leugnen, dass es etwas geben darf, was es eben gibt.
“Loddar” bleibt einfach unbesiegbar
Es gehört zum Wesen von uns Franken, dass wir uns gelegentlich selber peinlich sind. Weil wir zum Beispiel beim Reden auf die harten Buchstaben “P” und “T” verzichten oder sie – falls doch – garantiert verkehrt einsetzen. Also gruselt es uns, wenn wir im Fernsehen Menschen sehen, die genauso reden wie wir. Was die Sache erschwert: Unserem Landstrich sind tatsächlich immer wieder wahrhaft peinliche Persönlichkeiten entwachsen. Dazu zählen Tatjana Gsell, Gabriele Pauli in ihrer Endphase als CSU-Landrätin, der 1. FC Nürnberg als solcher immer wieder mal – und eben Lothar “Loddar” Matthäus. Er hat zum vierten Mal geheiratet.
Dem Franken wohnt angeblich das Widersprüchliche inne. Beim Rekord-Nationalspieler ist das nicht anders. In einer düsteren Stunde meinte er einst: “Die biologische Uhr tickt und geht auch an mir nicht vorbei.” Jetzt aber scheint er dieser, seiner Erkenntnis zu folgen: “Ein Lothar Matthäus läßt sich nicht von seinem Körper besiegen, ein Lothar Matthäus entscheidet selbst über sein Schicksal.”
Jedenfalls gehört einiger Optimismus dazu, als 47-Jähriger eine 21-jährige zu heiraten. Klar, Geld ist da, aber ob Loddar die Gymnasiastin Liliana wirklich gut unterhalten kann, ist doch ungewiss. Zur erfolgreichen Nachhilfe in Atomphysik wird es bei ihm definitiv nicht reichen.
Die Frage ist halt, wann ein Mann bei der Wahl seiner Frau als Held oder als alter Depp dasteht. Lother Matthäus steht hart an der Schwelle zu Letzterem, wäre er erst 40 wären die 26 Jahre Altersunterschied garantiert rufschädigend, Andererseits regt sich keiner darüber auf, dass die Frau von Operetten-Ururopa Johannes Heesters noch lange keine 79 ist.
Der Mann braucht endlich einen passenden Job, ansonsten wird er immer wieder für peinliche Schlagzeilen sorgen. Für sein neue Ehe wünschen wir ihm aber alles Gute. Ganz in seinem Stil: “We hope, you’ll have a little bit lucky.”
“Ses bi xer be”: Erdogan hätte Beckstein retten können
Andere Länder, andere Probleme: Da rauscht es derzeit mächtig im türkisch-sprachigen Blätterwald. Denn Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan hat Ungeheuerliches getan: Er hat öffentlich einen Satz auf Kurdisch gesagt.
„TRT ses bi xer be“, sagte bei der Aufzeichnung eines Interviews mit dem neuen staatlichen Fernsehsender TRT 6, der in kurdischer Sprache sendet und der an Neujahr den Betrieb aufnahm. Das bedeutet nun keineswegs “Mit alles, und scharf”, sondern „Gutes Gelingen, TRT 6“. Erdogan fand die Aussage so gut, dass er sie vor Journalisten noch einmal demonstrativ auf Kurdisch wiederholte.
Der Mann ist im Wahlkampf – und so muss man sofort an Günther Beckstein denken. Wäre vielleicht alles anders gekommen, wenn dieser seinen Amtseid gejodelt hätte? Hätte er seine erste Regierungserklärung mit einem Satz auf Rosenheimerisch beginnen sollen oder hätte er sich komplett von Franz Beckenbauer synchronisieren lassen sollen? Wären die stolzen Oberbayern dann die Seinen gewesen? Und wie wäre es gewesen, wenn der seinerzeitige Parteichef Erwin Huber wenigstens gelegentlich so geredet hätte, dass jeder die jeweilige Landessprache auf Anhieb hätte erkennen können?
Die Antworten auf diese Fragen werden für immer im Dunkeln bleiben. Leider. Warum bloß hat der gewiefte Wahlkampf-Taktiker Erdogan seinem Kollegen, dem erklärten Türkei-Freund Beckstein, keinen Tipp gegeben? Jetzt hat er Seehofer an der Backe. Selber schuld.
Die Sache zeigt aber auch, dass die Türken manchmal ziemlich durchgeknallt sind, wenn es um nationale Symbole und Freundlichkeiten gegenüber Minderheiten geht. Sollten Sie in die EU kommen, bekämen wir also ein lustiges Volk dazu. Ich würde sie vom Schrulligkeits-Faktor her als Finnen des Südens oder als Schwarzmeer-Japaner bezeichnen. Die Finnen haben wir in der EU ja schon. Geschadet haben sie uns nicht.
Marcus Prinz von Anhalt und die führerlose U-Bahn
Frisch im neuen Jahr bin ich meinen Leserinnen und Lesern weine Aufklärung schuldig: Beim Weihnachtsrätsel hattee ich nach der Indentität eines aus Film, Funk und Fernsehen bekannten Prominenten gefragt, der im Dezember als Gast eine Boxveranstaltung in Nürnberg beehrt hat. Und, ich schreibe voller Respekt: 52 Prozent der Teilnehmer(innen) an meiner Umfrage haben richtig erkannt, dass es sich um einen Angehörigen des deutschen Hochadels handelte.
Aus dem Bild grinst Marcus Prinz von Anhalt. Es ist zwar nur Adoptiv-Prinz, aber immerhin. Eigentlich heißt er Marcus Eberhardt, hat viel Geld als Bordellbetreiber verdient und wurde vom “schillernden” Paar Frédéric von Anhalt und Zsa Zsa Gabor als deren Kind angenommen. Angeblich gegen eine “Mitgift” von drei Millionen Euro. 26 Prozent der Umfrageteilnehmer trauten ihm eine Karriere als Baumarktsänger zu, 13 Prozent sahen ihn als Außendienstmitarbeiter der Hamburg-Mannheimer, neun Prozent als Torjäger der SpVgg Ansbach. Erstaunlich aus meiner Sicht: Niemand wollte in ihm einen FDP-Politiker erkennen.
Da den wahren Namen niemand geschrieben hat, muss ich auch nichts verschenken. Die beiden bloggenden Kollegen, die mit irrwitzigem Scharfblick erkannt haben, dass neben unserem Prinzen Michael Jackson steht, kriegen halt Kommentare in ihre Blogs.
Endgültig verabschieden möchte ich mich vom alten Jahr mit einem hoffnungsvollen Zeichen der Versöhnung beziehungsweise des Umdenkens, das selbst auf lokaler Ebene keine ausreichende Beachtung gefunden hat: Die beiden Neonazis im Nürnberger Stadtrat haben 2008 der führerlosen U-Bahn zugestimmt. So darf es weitergehen.









Ein Jahr Hirndübel – heute gibt`s Hormönchen
Ich erlaube mir, nicht unstolz, den Hinweis, dass der Hirndübel am 29. Januar ein Jahr alt geworden ist. Ich war mir beim Start zwar im Klaren darüber, dass man ein solches Blog schlecht wieder los wird. Und dass man immer weiterschreiben muss, um wenigstens für großen Fleiß berühmt zu werden. Immerhin: Mein Statistiktool sagte mir, dass einer meiner Beiträge kürzlich auf einem PC in Windhoek gelesen wurde. Ich finde Namibia toll, also hat mich das gefreut. Dieser User kam aber nie wieder. Das gibt mir zu denken.
So ein Blog ist aber eine Lindenstraße des Internets. Will heißen, dass ein Ende nicht vorgesehen ist und dass man schon eine ganz besonders dramatische Begründung braucht, wenn man aufhören will. Den eigenen Tod zum Beispiel. Heute Abend werde ich eine solche haben, denn für mich besteht kein vernünftiger Grund zum Zweifel daran, dass ich den 35-Millionen-Euro-Jackpot gewinnen werde.
Sie meinen, ich spinne? Ja, ja, das würde auch Chantal Mörsen sagen. Die Frau mit dem unverkennbaren Ossi-Namen ist Diplom-Psychologin an der Berliner Universitätsklinik Charité. Sie wird von der dpa so zitiert: “Viele Menschen fallen einem Trugschluss zum Opfer, durch den sie ihre Chancen auf einen Gewinn höher einschätzen als er in Wirklichkeit ist.” Dieser Trugschluss basiere auf der Annahme, dass der Jackpot lange nicht geknackt worden sei – und die Wahrscheinlichkeit auf einen Gewinn nun höher sein müsse als bisher. Tatsächlich bleibe die Chance mit rund 1:140 Millionen weiterhin sehr gering.
Frau Mörsen führt weiter aus, dass alleine die Vorstellung von dem möglichen Millionengewinn Glücksgefühle auslöse. “Die Vorfreude auf die Ziehung der Lottozahlen kann durchaus zur Ausschüttung von Hormonen wie Dopamin und Adrenalin führen”, sagte die Leiterin der Arbeitsgruppe Spielsucht der Charité-Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie. Wer die Ziehung dann live verfolge, könne sich teilweise sogar regelrecht euphorisch fühlen. “Das liegt unter anderem an den Endorphinen.”
Ja, bitteschön, und was soll daran so schlecht sein? Andere rennen für ein paar Glückshormönchen 42 Kilometer durch die Gegend. Ich werde mir das heute jedenfalls gönnen.
Dass es viel zu viele Menschen gibt, die durch Lotto nur noch ärmer werden, als sie eh schon sind, stimmt natürlich auch. Aber darüber schreibe ich erst, wenn ich – wie immer – verloren habe.