Günther Beckstein: Keine Angst vor großer (Fall-)Höhe?

gb.JPGManchmal staunt man über Menschen, die man irgendwie zu kennen glaubt. Günther Beckstein ist so einer. Der ehemalige Ministerpräsident hat am Rande eines CSU-Empfangs zu seinem 65. Geburtstag sein nächstes größeres Vorhaben offenbart: Er will in Tibet einen Sechstausender besteigen.

Ich hätte an so etwas nicht gedacht. Schließlich fragt man sich, wo ein Politiker die Kondition hernimmt. Er erledigt ja seinen Job hauptsächlich sitzenderweise in Parlament, Konferenzräumen und Limousine oder stehend am Rednerpult. Nun hat sich der Ex-Ministerpräsident für seine Tour einen leichteren Berg ausgesucht. Dieser hat „einen sehr komplizierten Namen“, beginnt aber erst im 4000 Metern Höhe, so dass die restliche Strecke überschaubar ist. Trotzdem: Wer wie ich im vierten Stock ohne Aufzug lebt und sieht, wie kaputt manche Leute dort eintreffen, bekommt da Respekt. Becksteins persönlicher Höhenrekord liegt bei 5600 Metern, erwandert in den peruanischen Anden.

„Ich hatte noch nie Probleme mit der Höhe“, hat mir Günther Beckstein gesagt. Mit großer Fallhöhe schon eher. Jedenfalls hatte er eigentlich keine Lust, sich zum Rentenalter-Geburtstag feiern zu lassen. Die Niederlage bei der Bayernwahl war ihm doch zu deftig ausgefallen. Aber selbst bei einem solchen privaten Ereignis zählt in einer Partei der freie Wille des Betroffenen wenig bis nichts. Und man muss zu allem Überfluss das verbale und reale Schulterklopfen von Menschen ertragen , bei denen die sprichwörtliche Steigerung „Feind, Todfeind, Parteifreund“ nicht so abwegig ist.

Schauen wir auf das Bild oben. Analysieren wir Körperhaltung und Gesichtsausdruck. Und fragen wir uns, ob da ausschließlich echte Freunde  stehen.

Der ältere Herr links ist Oscar Schneider (81). Er war früher Bauminister und darf als authentischer Beckstein-Freund gelten. Er hielt eine Laudatio in der Art, in der sie früher im Ostblock Regimekritik geäußert haben: Niemanden direkt ansprechen, aber doch gezielte Watschen verteilen.

sicherheit.jpg„Egoisten kön­nen vorübergehend große Erfolge haben, scheitern aber irgendwann.“, war so eine Aussage. Sie dürfte Edmund Stoiber gegolten haben. Aber auch Markus Söder? Jedenfalls lobte Schneider derart betont Becksteins christliches Wertefundament, dass man davon ausgehen kann, dass er ein solches bei dessen Nachfolger als CSU-Bezirkschef, Markus Söder eben, nicht so richtig sieht.

Ein Volltreffer war seine Anmerkung, dass es in der Politik nicht so sehr darauf ankomme, Großes geleistet zu haben,  „sondern das man sich Großes zuzuschreiben weiß.“ Erwin Huber beugte sich da auf seinem Stuhl mit einem gequälten Lachen nach vorn. Das  gab`s auch noch: „Auf dem Markt der Meinungen ist die fal­sche Münze genauso viel wert wie die echte.“ Und diese Erkenntnis: Wer aus der Politik die Lüge wegnehme, nehme die ganze Politik weg.

Ein zweites Bild gibt es auch noch, die Sitzordnung beim Geburtstagsempfang betreffend: Gleich neben dem Platz vom BR-Chefredakteur Sigmund Gottlieb hatten die Organisatoren die „Sicherheit“ platziert. War das ein Hinweis auf Zensur, ist der Mann so schützenswert? Gehen wir von Zufall aus. Dass er als einziger Journalist in der allerersten Reihe inmitten der CSU-Granden platziert wurde, sagt aber über seine Arbeit sicher etwas aus.