Jahreshoroskop: Geh aus meiner Sonne, Uranus!

Auch das noch: Da ist die größte aller bisher bekannten Wirtschaftskrisen für 2009 allgemein beschlossene Sache. Und zugleich ist klar, dass ich ab Juni des neuen Jahres Spaß und Freude – wenn überhaupt – nur noch in der Arbeit haben werde. Denn wie mir mein T-Online-Jahreshoroskop mitteilt, steht die Sonne dann im Quadrat zu Uranus. Und das bedeutet, “dass Wolken den Liebeshimmel verdüstern.”  Mach Dich gefälligst rund, Du blöder Planet!

Uranus wird mich nicht hören. Blöde Sache. Schließlich besitzen wir die Fähigkeit, auf unserer ständigen Suche nach Glück unsere persönliche Bedürfnispyramide situativ downzusizen. Und wenn uns nun die Finanzkrise den, sagen wir, glorreichen Wechsel vom Mieter- zum Haus- und Grundeigentümerverein verwehrt oder aus Kostengründen zu Abstrichen beim Kunstgenuss führt, bliebe als Trost ein großartig ausgelebtes Grundbedürfnis wie Sex. Ich muss ab Juni 2009 also noch mehr arbeiten, weil ich mich ansonsten fast nur noch auf Essen, Trinken und geregelte Verdauung konzentrieren müsste.

Klar, wir alle könnten es uns leicht machen, und einfach keine Horoskope mehr lesen. Aber diese Vorhersagen haben ja – sofern sie nicht auf wege-zum-suizid.de veröffentlicht werden – immer auch etwas Trostreiches. T-Online prophezeit mir einen “fulminanten Start” ins neue Jahr.  Dann allerdings drohen (im Beruf auch noch) “ein paar kleine Durchhänger”.  Wenig tröstlich der Ausblick in Sachen Partnerschaft: “Es liegt ganz an Ihnen, ob die Harmonie in der Partnerschaft erhalten bleibt.” Ein bisschen viel Verantwortung, finde ich.

Schließlich soll ich noch “anstrengende Tätigkeiten” möglichst bis Anfang Juli abschließen. Weil mich dann auch noch der Saturn ausbremst. Ab März steht “Geschäftsplanet Merkur in Opposition.”

Bevor sich jetzt auch noch Mond und Mars Fisimatenten ausdenken, schau ich mal zur Cosmopolitan. Dort erfahre ich dieses:  “Sie können sich für alles interessieren, bleiben aber nie lange bei einer Sache. In Ihrer Innenwelt arbeiten vielschichtige, heftige Emotionen. Sie haben Angst, aus dem Gleichgewicht zu geraten, wenn Sie sich zu lange dort aufhalten.”

Schluss jetzt, ich wechsel zu “Kostenlos-horoskop.de”. Und dort weiderum heißt es: “Der kalte Winter lässt Venus frösteln, und ihre schlechte Laune steckt auch den unter Strom stehenden Uranus an. Da kann es ganz schön scheppern! Versuchen Sie unbedingt, die Ruhe zu bewahren und brechen Sie jetzt nichts übers Knie.”  Sat1 schließlich rät: “Überhaupt sollten Sie 2009 Extrem-Sportarten meiden, und sich auch mal wieder beim Arzt zum Check anmelden. Saturn kann sonst aus einer kleinen Erkältung leicht eine chronische Bronchitis machen.”

Meine Frage zum Jahreswechsel lautet also: Muss 2009 unbedingt sein? Ich wünsche allen meinen Leserinnen und Lesern jedenfalls einen guten Rutsch und ein entschieden besseres Horoskop. Und wenn mich etwas tröstet, dann dieser Dialog, den eine Kollegin von einer vorübergehenden Beschäftigung bei der “Bunten” mitgebracht: “Anne, kommst Du mit zur After-Work-Party?” “Nein, tut mir leid. Ich muss noch Stier und Jungfrau schreiben.”

Leichenhandel lohnt sich nicht

Wolfgang spachmüller, fotografiert von Willi Bauer (NN).

Anwalt Wolfgang Spachmüller, fotografiert von Wilhelm Bauer (Nürnberger Nachrichten).

Es gibt verschiedene Wege, zum allgemein   anerkannten Unsympathen zu werden. Einer davon ist, Geschäfte mit Leichen zu machen. Man denke an  Gunther von Hagens. Man ließ den zweifelhaften Professor letztlich in Ruhe, da man wohliges Schaudern angesichts seiner plastinierten Leichen verspürte, konnte ihn aber nie wirklich ausstehen. Oder denken wir an die Zahngold-Mafia im Nürnberger Krematorium. Das waren Arbeiter, die sich für besonders schlau hielten. Sie wurden gefeuert.

Und nun gibt es wieder jemand, der es geschafft hat, sich mit der Kombination aus Tod und Gier für die Öffentlichkeit wahlweise zum Unmenschen oder zum Trottel zu machen: Rechtsanwalt Wolfgang Spachmüller.

Der Advokat, der gerne CSU-Bundestagskandidat geworden wäre, ist im Fall der in Klagenfurt gestohlenen Leiche des Milliardärs Friedrich Karl Flick auf unrühmliche Weise in Erscheinung getreten. Im Namen einer ungenannten Mandantin forderte er die von Flicks Familie als Belohnung ausgelobten 100.000 Euro Belohnung.  Zusätzlich forderte er ein Honorar in Höhe 11.900 Euro und verlangte, dass seine Mandantin straffrei da­vonkommen würde. Inzwischen sieht es so aus, als sei Spachmüller auf eine Wichtigtuerin hereingefallen. Sie hatte behauptet, Fähig­keiten zu haben, mit denen sie den Sarg Flicks aufspüren könne.

Die Trottel-Variante rückt also offenbar näher. Aber Spachmüller hat – wenngleich er inzwischen die Finger von der heiklen Sache lässt – noch mehr verbockt: Er hat Werte verraten, die er an anderer Stelle als Vorbild hochhält. Als “Vice Governor” und “Zonen-Beauftragter” ist er ein wichtiger “Amtsträger” des Lions-Clubs. Eine Führungsperson jener Vereinigung also, in der finanziell gut gepolsterte Persönlichkeiten einerseits heftig klüngeln, aber auch den wahren, schönen und guten Werten frönen, indem sie ärmeren Leuten etwas von ihrem Geld abgeben.

Noch in den “BNNews”, dem Mitteilungsblatte der Lions für Bayern-Nord, grinst Spachmüller als ein Teilnehmer einer Fortbildung für Zone-Beauftragte heraus. Ob er zugehört hat. Der Lions-Wahlspruch heißt “We serve“  oder „Wir dienen“. Damit verpflichtet sich jedes Lions-Mitglied, den Dienst am Nächsten über seinen persönlichen Profit zu stellen. Passt das zur Maklertätigkeit nach Leichen-Kidnapping? Wohl kaum.

Nun ist klar, dass selbst der sanftmütigste “Lion” manchmal doch vor allem den Profit braucht. Insofern ist der hehre Anspruch kaum besser einzuhalten als die zehn Gebote.

Andererseits: Angeblich ist Lions eine Abkürzung, die für „Liberty, Intelligence, Our Nation’s Safety“ steht. Was übersetzt „Freiheit, Intelligenz, Sicherheit unserer Nation“ bedeutet. “Intelligenz” und Anwalt Spachmüller? Was sein Auftreten in Sachen Flick-Leiche angeht, kann man beides beim besten Willen nicht mehr in Verbindung bekommen.

Man spürt es. Da kriegt einer noch jede Menge Schwierigkeiten. Es wäre nicht mal unverdient.

Prognose '09: Zum Club-Aufstieg tanzen die Kessler-Zwillinge

Der Jahreswechsel naht – und selbiger ist auch die Zeit der guten Vorsätze und der Prognosen. Und wie immer kurz vor Weihnachten zeigt sich die ganze Weisheit des Dichters George Bernhard Shaw:  “Prognosen sind schwierig, vor allem, wenn sie die Zukunft betreffen”, sagte er. Und dieser Satz ist wahr. Zu 100 Prozent.

Das zeigt die Jahrebilanz der Hellseher, die jetzt von den Presseagenturen gezogen worden ist. Wieder haben sich viele Prognosen als falsch erwiesen. So wurde kein Transvestit zur “Miss America” gewählt, Prinz Albert von Monaco hat noch immer nicht geheiratet, so unafhaltsam seine biologische Uhr auch tickt. Gefehlt hat auch der Astrologe Wolfgang Scheer, der zu hundert Prozent auf den EM-Sieg der deutschen Elf tippte. Diese wurde Zweite – knapp daneben ist auch vorbei. Nochmal gut gegangen ist es dagegen für die zahlreichen Wahrsager, die seit Jahren einen Anschlag auf den US-Präsidenten vorhersagen. Hat geklappt, es hat ja den Schuhwurf von Bagdad gegeben.

Daneben lag dagegen die langbeinige Elisabeth Tessier. Sie sagte die Trennung von Brad Pitt und Angelina Jolie voraus. Tatsächlich erwischte es Marc Terenzi und Sarah Connor. Die Sterne sind eben weit weg. Klare Signale aus dem Weltall gab es auch dafür, dass sich bei Pop-Schlampe Britney Spears etwas ändern würde. Der mexi­kanische Wahrsager Antonio Vaz­quez Alba tippte auf Selbstmord. Tatsächlich gab es ein tri­umphales Comeback.

Was lernen wir daraus? Hellsehen ist gar nicht so schwer. Die Kunst ist die richtige Formulierung. Während wir ganz sicher davon ausgehen können, dass Greuther Fürth das letzte Spiel verliert und nicht aufsteigt, müssen wir beim Club vorsichtiger sein. Die Prognose: Wenn die Kessler-Zwillinge am 24. Mai in der Meistersingerhalle aufgetreten sind, wissen wir, ob der Club aufgestiegen ist. Logisch, ist ja danach. Wir gehen davon aus, dass Ursula von der Leyen auch nach der Bundestagswahl 2009 dem Kabinett angehört (Rot-Grün oder Rot-Rot reicht nicht, Rot-Gelb geht nicht). Das Preise für Gas und Öl werden 2009 steigen (und vielleicht auch wieder sinken). Der Dax geht rauf (und wahrscheinlich irgendwann auch runter).

Weitere Prognosen gefällig? Gut: Auf den Nürnberger Volksfesten 2009 wird es eine Geisterbahn geben, OB Ulrich Maly tritt nicht zurück, Günther Beckstein erlebt kein Comeback als bayerischer Ministerpräsident.

Nehmen Sie mich ruhig beim Wort. Sie werden erkennen, dass hier ein Mega-Wahrsager schreibt. Fragen zu Ihrer Zukunft beantworte ich gerne.

Auf zum Datenwichteln, ihr Stollen-Esser!

Da haben wir es wieder: Es war Gier. Was sonst soll denn bitteschön das Vertrauen in unser Finanzsystem ins Wanken bringen? Gerade hatten wir den brisantesten aller Datenskandale, als am 10. Dezember ein Paket mit Kreditkartenabrechnungen der Landesbank Berlin in der Redaktion der “Frankfurter Rundschau” abgegeben wurde. Und jetzt wissen wir warum: Zwei Diebe hatten Hunger, klauten Weihnachtsstollen – und pappten, um die Sache zu vertuschen, den Adressaufkleber auf ein anderes Paket. Auf das mit den Daten von 130.000 Bankkunden.

Jetzt seien wir doch erst einmal erleichtert. Oder hatten wir nicht alle befürchtet, dass uns angesichts eines offenbar freien Daten-Welthandels russische, sizilianische, chinesische, turkmenische und sonstige Bösewichte nach und nach finanziell aussaugen würden? Nach der Mafiaart, immer nur so viel zu nehmen, dass das Opfer in der Lage ist, neuen Wohlstand zu erzeugen.  Wobei sich auch kleine Beträge lohnen, wenn man sie von vielen Menschen nimmt. Warum auch sollten Datendiebe nicht begreifen, nach welchem Prinzip Energieversorger seit langer Zeit erfolgreich arbeiten? In der Politik ist die Entsprechung die Abgabenerhöhung.

Andererseits zeigt der Vorfall, so lustig er ausgegangen ist, wie leicht unser Finanzsystem zu attackieren ist. Und es gibt ja noch Schlimmeres als das gelegentliche Abbuchen kleinerer Beträge.  Was ist, wenn das in den persönlichen Bereich geht? Wie schlimm muss der Schock sein, wenn kleine Kinder freudig dei vermeintliche Lebkuchensendung aus Nürnberg aufreißen, tatsächlich aber auf die für einen Terrarienfreund bestimmten gefriergetrockneten Hühnerküken stoßen? Welches Schicksal winkt dem braven Familienvater, der angeblich bei HSE 24 neue Socken und Wintermützen für die Kinder bestellt hat, dessen Frau beim Öffnen des Pakets aber zuerst einen oben liegenden Sexshop-Katalog sieht?

Als Folgerung aus dem Weihnachtsstollen-Skandal fordere ich zunächst: Es darf keine hungrigen Kurierfahrer mehr geben! Also Mindestlohn jetzt!

Ansonsten plädiere ich für Humor. Wichteln ist doch ein wunderbares Spiel. Leute bringen Geschenke, die dann nach dem Zufallsprinzip neu verteilt werden. Bestellen und immer wieder überrascht werden – das wäre doch spannend. Und wollten wir nicht schon immer wissen, wie viele Schulden unsere Nachbarn und welche heimlichenZulagen unsere Kollegen einsacken? Willkommen zum Datenwichteln! Wir sind dabei!

Obacht: Schuhschmeißer gibt es auch bei uns

Anständige Bürger dieser Weihnachtsstadt Nürnberg zählen in diesen Tagen die Stunden bis zur Bescherung.  Die Macher der politischen Parteien sind da natürlich anders gepolt. Ihr Countdown ist auf September 2009 gerichtet. Denn dann ist Bundestagswahl. Und die große Frage lautet: Wie können wir das Volk für uns begeistern? Seit Donnerstagabend steht fest: Nürnberg wird einen “Schuhschmeiß-Zirkus” erleben.

Beschlossen hat das der Landesvorstand von “Die Partei”. Die vom Satiremagazin “Titanic” einst zum Zwecke der Rückgängigmachung der deutschen Wiedervereinigung gegründete Organisation hat sich vom irakischen TV-Journalisten Muntadar al-Zaidi inspirieren lassen. Dieser hat bekanntlich US-Präsident George W. Bush während dessen Pressekonferenz in Bagdad mit seinen Tretern nur knapp verfehlt und wird seitdem in Teilen der arabischen Welt als Held verehrt.

In diesen Jubel stimmt “die Partei für Arbeit , Rechtsstaat, Tierschutz, Eliteförderung und basisdemokratische Initiative” (so Pressesprecher Arno Kral ) ein. Bürger sollten alte Schuhe für einen “Tag der politischen Demut” sammeln, an dem diese den Abgeordneten vor die Füße geknallt werden sollten. Und damit das alles gut aussehe, werde es zum Üben öffentliche Schuh-Ziel- und Weitwurf-Events geben. Zunächst, voraussichtlich im Januar, im Englischen Garten in München, später auch in Nürnberg. Bei diesem “Schuhschmeiß-Zirkus” würden Politiker(innen) als Pappkameraden die Zielscheiben sein.

Kral, der sein Geld als Journalist verdient, findet diese Idee richtig prima. Die Politik sei ja so schlecht, dass man ihr schmerzfrei nur noch mit satirischen Aktionen beikomme. Das Schußschmeißen sei gewissermaßen das Web 2.0 des Straßenwahlkampfs, einfach “User generated Content” (von Nutzern erzeugter Inhalt). Es werde auch keine Vorgaben hinsichtlich der Wurfgeschosse geben. Es gelte der Satz: “An Ihren Schuhen sollt Ihr sie erkennen.”

Klingt erstmal lustig, aber ist es durchdacht? Natürlich ist es noch obszöner, Bomben zu werfen (wie Bushs Intimfeind, der venezolanische Präsident Hugo Chavez zum Vorfall von Bagdad genüsslich angemerkt hat), aber mit einer Schuhsohle geschlagen zu werden, gilt zumindest Arabern als die größtmögliche Erniedrigung.

Und so schlimm sind unsere Politiker doch auch nicht. Also werden wir in der Stadt der Menschenrechte beim “Schuhschmeiß-Zirkus” so nicht mitmachen. Wir werfen allenfalls mit Socken. Mit frisch gewaschenen, versteht sich.

Grand Prix: Wir brauchen die Super-Jury

Was ist schlimm im Leben? Richtig: Wenn einem niemand zuhört. Da hatte ich im Mai mit Nachdruck auf die verheerende Pleite der “No Angels” beim Eurovision Song Contest reagiert. Ich hatte eine Vision für unsere Grand-Prix-Zukunft entwickelt, wegen der erdrückenden Übermacht der osteuropäischen Ländern die Suche nach einem “Superslawen” ausgerufen,  hatte gefordert, dass Ex-Kanzler Gerhard Schröder einen Gazprom-Magnaten überzeugen sollte, die Produktionskosten für unseren Supersong zu bezahlen und dass wenigstens ein allerhöchst erotische Sängerin mitmachen müsste. Ferner sollte überlegt werden, den deutschen Beitrag in finnischer Sprache singen zu lassen, um in Skandinavien und in den baltischen Staaten abzuräumen.

Wer meine Ideen nachlesen will, tut`s hier.

Aber was passiert jetzt? Die Grand-Prix-Macher wollen in Zukunft nur noch eine Fachjury über den deutschen Beitrag entscheiden lassen. Das spricht zwar für deren Ernsthaftigkeit, weil man ja auf die dicken Einnahmen durch die Telefongebühren verzichtet. Aber bringt es was? Rundfunkredakteure, die sich ihr Programm zwecks Quoten vom Computer machen lassen, sollen jetzt plötzlich den ultimativen Trend erkennen? Haben die wirklich so viel Humor, um etwas Durchgeknalltes wie “Lordi” oder die schwachsinnige Eiskunsteinlage beim Vorjahressieger möglich zu machen?

Nein, wir werden für den Contest etwas durchaus Gediegenes bekommen – und uns dann wieder über Platz 19 wundern.

Es sei denn, wir wagen die Superjury. Mit den besten Talentsuchern dieser Republik. Klar, Dieter Bohlen, Heidi Klum und Stefan Raab gehören rein. Auch Fußballfunktionäre – man beachte nur die TV-Einschaltquoten – sollten mitmachen. Dietmar Hoppf von Hoffenheim, weil er Erfolg und Geld hat und natürlich Franz Beckenbauer, weil er aber auch jeden Mist zu Gold macht. Und Joschka Fischer, weil er Zeit hat und das Ausland besonders gut versteht.

Fällt jemand noch eine(r) ein. Die Alternative ist eh klar. Wir sparen uns den ganzen Aufwand und schicken Schäfer Heinrich. Ich glaube: Wer so doof rüberkommt, gewinnt die Herzen der Welt. Ein passendes Outfit habe ich auch schon gefunden – siehe Bild oben.

Sexgott Heino? Er war mal wirklich ein Star.

Damit das jetzt mal klar ist: Boulevard-Journalisten sind hinterlistig und zynisch. Bewiesen wurde das gerade wieder durch die “Bild”-Geschichten rund um den 70. Geburtstag von Heino. Da behauptet der Sänger mit der schwarzen Brille, dass er ganz ohne Viagra drei Mal in der Woche Sex mit seiner (eigenen) Frau habe. Und was montiert “bild.de” unter den letzten Satz des Artikels? Diese Anzeige: “Die Ratgeber ,Schlechter Sex’ und ,Schlechter Sex 2′ gibt`s hier.”

Unsere Altstars haben aber auch jede Menge Überraschungen auf Lager: Da nennt erst Johannes Heesters Hitler einen “guten Kerl”. Und nun kommt Heino als Sexgott daher. Ausgerechnet Heino!  Andererseits, man hätte es sich denken können. Der Mann ist zum dritten Mal verheiratet, er hat 1967 eine uneheliche Tochter gezeugt. Ein Hinweis auf mentales Revoluzzertum ist, dass er als Sohn eines Zahnarztes nicht studiert, sondern Bäcker und Konditor gelernt hat.

Aber er war mal wirklich ein ganz großer Star. Ich erinnere mich an einen famosen Auftritt Ende September 1971 in Nürnberg. Heino hielt damals Hof im Quelle-Kaufhaus in der Fürther Straße. Er wurde mit dem Hubschrauber der Fernsehlotterie eingeflogen und landete inmitten einer begeisterten Menge auf dem Parkplatz. Da herrschte – ich habe es selbst erlebt - tatsächlich so etwas wie Hysterie. Und ich gestehe, dass ich versucht habe, die Töne seines  damaligen Hits “Mohikana Shalali” zu treffen. Ging nicht, war zu tief, obwohl es nach meinem Stimmbruch war.

Und dieser Held meiner späten Kindheit, der von der Goldenen Europa über den Bambi und die Goldene Stimmgabel bis hin zur Hermann-Löns-Medaille alle für volkstümliche Sänger denkbaren Preise gewonnen hat, fängt nun an, über erfolgreichen Alterssex zu reden. Was will er bloß damit? Angeben, Mut machen, Schlagzeilen für den nächsten Comeback-Versuch produzieren? Er selbst sagt in “Bild” zum Thema: „Mit Viagra oder anderen Potenzpillen kann ich nichts anfangen. Auch in dieser Hinsicht bin ich gewissermaßen eine deutsche Eiche, die nicht so schnell zu fällen ist.“

Na denn, Frau Hannelore. Komm in seinem Wigwam.

Weihnachten: Nur Liebe schenken hat Sinn

Wer kennt das nicht? Da liegt ein verlockendes Hochglanz-Päckchen unter dem Weihnachtsbaum. Du reißt es freudig-neugierig auf. Es ist von Oma – und drin liegen drei Feinripp-Unterhemden. Nicht schon wieder! Du wirfst es in die Ecke, meldest Dich wieder einmal für den “Markt der langen G`sichter” an. Und denkst nicht daran: Anderen könnte es mit Deinen Weihnachtsgeschenken ähnlich ergehen. Neuerdings ist nämlich wissenschaftlich erwiesen, dass Beschenkte die nett gemeinten Gaben gar nicht richtig zu schätzen wissen. Es sei denn, es handelt sich um einen nicht verwandten Studenten der Wirtschaftswissenschaften.

Aber der Reihe nach: Wie das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung in Essen bei einer Befragung von mehr als 500 Studenten diverser Fachrichtungen der Ruhr-Universität Bochum ermittelt hat, sind Weihnachtsgeschenke den meisten Empfängern weniger wert, als sie tatsächlich gekostet haben. Das kann man ja auch verstehen. Oma hat unsere Unterhemden, weil sie es ja gut meint, selbstverständlich bei Breuninger gekauft.  Wir hingegen kennen den Preis von Tchibo oder, noch schlimmer, von www.konkurs-verkauf.de. Und außerdem hat uns die Verwandtschaft selten wirklich wertvolle Sachen geschenkt.

Tatsächlich hängt, so das RWI, die subjektive Wertschätzung eines Geschenks vom Schenkenden ab. Der “Effizienzverlust” ist bei Weihnachtsgeschenken von Großeltern und anderen Verwandten am größten, ihre Geschenke werden deutlich niedriger als deren Marktpreis bewertet.

Es gibt aber auch einen anderen Effekt: Paradox, wie das menschliche Denken mitunter ist, fordern die Beschenkten überhöhte Preise, wenn ihnen jemand das Geschenk abkaufen möchte. Das nennt der Forscher  “Ausstattungs-Effekt”.

Zusammengefasst ist die Lage so: Der Preis, den die Studenten selbst für ein erhaltenes Weihnachtsgeschenk zu zahlen bereit wären, lag durchschnittlich elf Prozent unter dessen Marktpreis.  Würde man ihnen jedoch anbieten, ihnen das Geschenk wieder abzukaufen, dann würden Beschenkte einen Preis verlangen, der durchschnittlich 18 Prozent über dem Marktpreis liegt.

Lediglich Studenten der Wirtschaftswissenschaften konnten bei der Studie diesen Teufelskreis durchbrechen. Ihre Bewertungen lagen näher am Marktpreis des Geschenks. Aber das ist doch auch klar: Angehende Ökonomen denken strikt materialistisch – und haben ansonsten Eis in den Adern.

Unserem eigenen Seelenheil zuliebe sollten wir also keine allzu große Dankbarkeit für unsere Geschenke erwarten. Falls wir diese doch zu hundert Prozent angemessen wollen, überreichen wir langweilige Gutscheine.

Oder wir schenken Liebe. Die ist unbezahlbar – da erübrigt sich die Frage nach dem finanziellen Wert.

Die Angst des Schreibers vor dem Grundgesetz

Ich habe die letzten Tage Ruhe gegeben, weil mich diese Nachricht geschockt hat: Die CDU möchte die deutsche Sprache ins Grundgesetz schreiben lassen.

Gibt es jetzt das Nachrichten-Sommerloch zum Winter-Sale bei Kaufhof? Bisher hatte ich gedacht, eine Verfassung wäre dazu da, die wirklich großen Daseinsfragen und die zentralen, aber nicht allgemein als selbstverständlich anerkannten Bürgerrechte und -pflichten zu regeln. Grundsätze aufzustellen, unterhalb derer dann die einzelnen Gesetze verfeinerte Regeln formulieren. Aber die deutsche Sprache? Die gehört für mich ganz selbstverständlich zu Deutschland. Das muss man, finde ich, nicht extra in die Verfassung schreiben.

Als Journalist wil ich das auch gar nicht. Gehöre ich doch zu einer Berufsgruppe, die nach einer Verfassungsänderung ständig mit einem Bein im Gefängnis stünde. Unnötige Denglisch-Begriffe, schlechter Stil, falsche Satzstellung, Schreibfehler, Verstöße gegen die Kommaregeln. Wenn du pro Tag mindestens 1,5 Artikel schreibst, machst Du einfach immer wieder mal was verkehrt.

Was ist eigentlich, wenn pensionierte ehemalige Oberstudiendirektoren aus purer Langeweile und aus Zorn über den zehnten zurückgeschickten Leserbrief mit einigen meiner fehlerhaften Machwerke protestierend vor das Bundesverfassungsgericht ziehen? Was droht mir dann? Ein Berufsverbot? Oder doch nur ein öffentlicher Deutschtest?

Naja, vielleicht geht die Sache glimpflicher ab. Schließlich wird das mit den Grundrechten ja allgemein nicht so bierernst genommen. Nehmen ir Artikel 1, “Die Würde des Menschen ist unantastbar”. Wie kann es dann Ein-Euro-Jobs geben? Oder Artikel 3, “Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich”. Wer kann irklich sagen, dass er diese Vorgabe immer konsequent umsetzt?  Oder Artikel 10, “Das Briefgeheimnis sowie das Post- und Fernmeldegeheimnis sind unverletzlich” und Artikel 13, “Die wohnung ist unverletzlich”. Wie war das nochmal mit dem BKA-Gesetz?

Davon, dass “Eigentum verpflichtet”, will ich gar nicht mehr schreiben Auch beim Grundgesetz gilt also: Nichts wird so heiß gegessen, wie es gekocht wird.

Deshalb schreibe ich weiter, und fordere als fränkischer Patriot die Einführung von Artikel 20: “Jeder hat das Recht auf Rostbratwurst und dunkles Bier. Immer und überall.”