Jahreshoroskop: Geh aus meiner Sonne, Uranus!

Auch das noch: Da ist die größte aller bisher bekannten Wirtschaftskrisen für 2009 allgemein beschlossene Sache. Und zugleich ist klar, dass ich ab Juni des neuen Jahres Spaß und Freude – wenn überhaupt – nur noch in der Arbeit haben werde. Denn wie mir mein T-Online-Jahreshoroskop mitteilt, steht die Sonne dann im Quadrat zu Uranus. Und das bedeutet, „dass Wolken den Liebeshimmel verdüstern.“  Mach Dich gefälligst rund, Du blöder Planet!

Uranus wird mich nicht hören. Blöde Sache. Schließlich besitzen wir die Fähigkeit, auf unserer ständigen Suche nach Glück unsere persönliche Bedürfnispyramide situativ downzusizen. Und wenn uns nun die Finanzkrise den, sagen wir, glorreichen Wechsel vom Mieter- zum Haus- und Grundeigentümerverein verwehrt oder aus Kostengründen zu Abstrichen beim Kunstgenuss führt, bliebe als Trost ein großartig ausgelebtes Grundbedürfnis wie Sex. Ich muss ab Juni 2009 also noch mehr arbeiten, weil ich mich ansonsten fast nur noch auf Essen, Trinken und geregelte Verdauung konzentrieren müsste.

Klar, wir alle könnten es uns leicht machen, und einfach keine Horoskope mehr lesen. Aber diese Vorhersagen haben ja – sofern sie nicht auf wege-zum-suizid.de veröffentlicht werden – immer auch etwas Trostreiches. T-Online prophezeit mir einen „fulminanten Start“ ins neue Jahr.  Dann allerdings drohen (im Beruf auch noch) „ein paar kleine Durchhänger“.  Wenig tröstlich der Ausblick in Sachen Partnerschaft: „Es liegt ganz an Ihnen, ob die Harmonie in der Partnerschaft erhalten bleibt.“ Ein bisschen viel Verantwortung, finde ich.

Schließlich soll ich noch „anstrengende Tätigkeiten“ möglichst bis Anfang Juli abschließen. Weil mich dann auch noch der Saturn ausbremst. Ab März steht „Geschäftsplanet Merkur in Opposition.“

Bevor sich jetzt auch noch Mond und Mars Fisimatenten ausdenken, schau ich mal zur Cosmopolitan. Dort erfahre ich dieses:  „Sie können sich für alles interessieren, bleiben aber nie lange bei einer Sache. In Ihrer Innenwelt arbeiten vielschichtige, heftige Emotionen. Sie haben Angst, aus dem Gleichgewicht zu geraten, wenn Sie sich zu lange dort aufhalten.“

Schluss jetzt, ich wechsel zu „Kostenlos-horoskop.de“. Und dort weiderum heißt es: „Der kalte Winter lässt Venus frösteln, und ihre schlechte Laune steckt auch den unter Strom stehenden Uranus an. Da kann es ganz schön scheppern! Versuchen Sie unbedingt, die Ruhe zu bewahren und brechen Sie jetzt nichts übers Knie.“  Sat1 schließlich rät: „Überhaupt sollten Sie 2009 Extrem-Sportarten meiden, und sich auch mal wieder beim Arzt zum Check anmelden. Saturn kann sonst aus einer kleinen Erkältung leicht eine chronische Bronchitis machen.“

Meine Frage zum Jahreswechsel lautet also: Muss 2009 unbedingt sein? Ich wünsche allen meinen Leserinnen und Lesern jedenfalls einen guten Rutsch und ein entschieden besseres Horoskop. Und wenn mich etwas tröstet, dann dieser Dialog, den eine Kollegin von einer vorübergehenden Beschäftigung bei der „Bunten“ mitgebracht: „Anne, kommst Du mit zur After-Work-Party?“ „Nein, tut mir leid. Ich muss noch Stier und Jungfrau schreiben.“